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Jüdische Rundschau · 1908-08-28 · Heft 35 (28.8.1908) · page 9

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIII (1908)
Issue
Heft 35 (28.8.1908)
Date
1908-08-28
Page
– (sequence 9)
Language
German
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No. 35 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 351 glaubt. Aber nachdem Sic die Frage abgeschnitten haben, gestatten Sie mir, ein ehrliches Mahnwort an Sie zu richten. Vielleicht wird dieses Mahnwort zur allgemeinen Orientierung beitragen. Ich möchte die geäusserten Ansichten aphoristisch in einem Satz zusammenfassen: Alles, was jetzt ist, ist schlecht; gut ist nur was war. oder was sein wird. Man schwelgt jetzt in Begeisterung über die WELT, wie sie war und wie sic als bleiche Traumgestalt der Erinnerung einem vorschwebt,!st cs schon lange her? Wie doch die Zeit vergeht! Vor 4. 5, 6 Jahren, also in der jetzt als ein goldenes Zeitalter bezcichreten Epoche ,hat man genau so räsoniert, wie über die jetzige WELT. Wir treiben immer Vcrgangcnhcitskultus, oder wir verfallen in eine ungeheure Vertrauensseligkeit über die Zukunftsperspektiven jedes neuen Planes. In feierlichen Orakelsprachen klingt es jetzt so grandios: Die WELT wird gut sein, wenn sie zwei wöchentlich, mit langen, akademischen Aui- Sätzen, oder mit der RUNDSCHAU verschmolzen wird. Man labt sich schon an dem Vorgeschmäcke des Hochgenusses nach dieser Metamorphose, deren die Menschheit harrt. AU das, meine Herren, kommt daher, dass man nicht das richtige Mass der Dinge kennt. Bald überschätzt man das eigene Können, bald will man viel und erlahmt schnell. Jedes Projekt wird mit Hedadruien begriisst, und an allem, was besteht, wird gcmäkelt. Was kann denn eigentlich auf publizistiscliem Gebiete unserseits geleistet werden. Als Journalist muss ich sagen: gross und wirklich auf die Dauer lutercssant kann nur ein allgemeines Blatt gemacht werden; es hiauclit nicht um Stofi verlegen zu sein, das vielseitige, wogende, rege Leben führt ihn in überreichlicher ־Quantität zu. Eine spezielle Art bilden die jüdischen Zeitschriften in ver- M'liicdcncn europäischen Sprachen. In dem beschränkten, testen Frograuimkrels, der sie bannt, können sie nur eine bestimmte Sphäre von Gedanken uiij Interessen einer speziehen Gruppe von Lesern behandeln. Die tüchtigsten Talente müssen sich in dieser schweren Arbeit aufreiben: die meisten Blätter entgehen dem Verhängnis nicht, langweilig zu werden. Man muss sieh mit Ergebenheit in das Unvermeidliche fügen: cs sind eben Spezialbiätter, von denen die meisten Heine Leserkreise haben und auf einem ziemlich wackeligen materiellen Postament steiicn. Nun haben wir Zioiiisteiiblätter. Bei aller Macht und Erischc unserer Idee als solche, wäre cs doch eine drollige Grosssprcchcrci zu behaupten, cs sei möglieh durch ein Spezialorgan, das dieser Idee gewidmet ist, grosse journalistische Siege zu feiern. Der miilisalbcladcne journalistisch-zionistische ״Rabbi-Zfldok“ muss an seiner ״beige** nagen und nagen; die vielverarbeiteten Vexierfragen müssen wiederholt, neue Formeln hcrausgcqiictscht werden, — auch auf die Gefahr hin ,dass cs dem einen, oder dem anderen langweilig wird! Unsere Reden, meine Herren, sind auch manchmal langweilig, — und das ist doch der eigentliche Stoff! Es bedürfte• ganz besonderer Reizmittel, um solche Organe burschikos-sensationell zu machen, aber erstens würde das nicht so ganz zu dem Ernst der Idee passen, und zweitens würden diese Mittel kaum und nur momentan helfen. Bei aller schuldigen Achtung vor der Kritik, kann ich nicht finden, dass die vorgeschlagenen Experimente etwas Gutes bieten. Es ist ein alter Hader aus lauter Liebe — zwischen der WELT in all ihren verschiedenen Formen und unter all ihren Redaktionen, und der Partei. — der zur Regel gewordene Hader zwischen jeder Partei und jedem Parteiblatt. Wie bei einem alten Ehepaar, das manchmal gegeneinander giollt und schmollt, trotzdem sich doch nie scheiden lassen wird. Ich glaube auch, dass die WELT das zentrale Partei- «»rgan bleiben wird. Es wird erspriesslicher sein, wenn Sie Ihr fürsorgliches Auge mehr auf das Erhalten des schon Oeieliafienen. als auf das Experimentieren richten werden. Und noch eins• Einige unserer Freunde leisteten sich hier Orakelspräche wie z. B.: Die WELT ist schlecht, die WELT ist überflüssig. Nun könnte ich ebensowenig beweisen, die W ELT sei gut. wie Sic *--■ dass die WELT schlecht sei. Ich will es auch gar nicht beweisen. IWaii pflegte mir immer zu sagen: das sind Redensarten; die nüchterne, kaufmännische Kalkulation beweist: grosses Defizit — schlecht, kleines — gut. Nun hatte das Bilanz-Geschick für die Schlcelitsagcr diesmal ganz unberechenbare '1 iiekvii. Sie haben soeben gehört, dass das Defizit bedeutend zuriiekgegangen ist. Nun. wenn Sie sich auch damit noch nicht zufrieden geben, dann — pereat nitindus! Dr. H a n t k c zieht seiner! Antrag zurück. Trictseh. Die Abteilung ״Palästina*' müsste in der WELT eine grössere Ausgestaltung erfahren. Die humorvolle Erwiderung des Herrn Sokc.low Ist nicht bciriedlgend. Ich stelle den Antrag: Die Jahrcskonfcrenz möge beschlicsscn. die WBLT mit der JÜDISCHEN RUNDSCHAU in geeigneter Form zu vereinigen. Sollte dieser Antrag abgclclmt werden. so beantrage Ich: Die WELT in ein Monatsjoumal umzuwandein, dem in geeigneten Fällen Beiblätter den Charakter der Aktualität verleihen können. Beide Anträge werden abgclehut. Bildung der Föderationen. Wolflsohn: Wenn eine Partei eine Föderation bilden will, so ist es am besten, nicht erst die Sammlung von Unterschriften von ihr zu verlangen, sondern ihr gleich Schekclblocks 7u übcrIassen. Bringt sic dann die erfarderliehe Anzahl Schekel nicht zusammen, so fällt ja damit auch der Versuch der Bildung einer neuen Föderation. Anderseits ist allerdings kein Grund vorhanden, zu verlangen, dass denjenigen. die eine neue Föderation bilden wollen, die Schekel von der Landeszentrale ausgelüindigf werden. Es genügt vollständig, wenn sic die erforderlichen Schekel von den zuständigen Distriktskomitecs resp. Ortsgruppen erhalten. 1111 Anschluss an das vorhin Gesagte möchte ich noch meiner Meinung Ausdruck geben, dass die Herren, die die unschöne Agitation wegen der Sabbatangelegenhcit gegen uns betrieben haben, insbesondere Herrn Sokoiow, den anzugreifen man gar nicht müde w erden konnte, Unrecht zugefügt haben. Gerade Herr Sokoiow ist derjenige, der immer am strengsten auf Einhaltung der Sabbatruhe bestanden hat. Gold borg: Die Angelegenheit wegen Verteilung von Sehckelblocks an die Misrachisten wurde bereits in der Ji iuiarsitzung vom A.-K beschlossen und ich begreife nicht, warum die Fiage jetzt wieder auflebt. Der Modus ist bei uns so: sie erhalten die Schekel von der Lundcszeiitralc, aber mit dem Stempel der Misrachi.! Wolifsohn: Der Orden Kuights of Zion in Chicago hat «ms initgctcilt. dass er sich als Föderation konstituieren will. Die erforderlichen Joeo Sehekel hat uns der Orden rechtzeitig liiigcsandt. Inzwischen wurde mir von massgebender Stelle der amerikanischen Föderation erklärt, dass kein Bedenken bestelle, die neue Föderation anzuerkennen. Bei der grosse!! Entfernung׳ zwischen Ncw-Vork und Chicago sei an/.unehmen^ dass es der neuen Föderation gelingen werde, im Bezirk Chicago und im mittleren Westen Amerikas die zionistische Agitation viel lebhafter zu betreiben und viel grossere Erfolge fiir den Zionismus zu erzielen, als dies der I üderation in New־-York heim besten Willen möglich sei. Unter diesen Umständen haben wir. vorausgesetzt, dass Sie nicht widersprechen, den Orden als Föderation anerkannt. Ich sehe, es ist kein Widerspruch vorhanden. Somit ist die Konstituicrung der neuen Föderation erfolgt und ich hoffe und wünsche zuversichtlich, dass cs diesem neuen Gliede unserer Oignnisatioa gelingen mege, in harmonischer Zusammenarbeit mit der amerikanischen Föderation den Zionismus in Amerika zu vertiefen und ihm neue Gebiete zu erschlossen. Aui Vorschlag des Präsidenten bespricht man nunmehr die Frage des Ortes des nächsten Kongresses. Ausser den bisherigen Kongressplätzen werden vorgeschlagen: Berlin, Paris, und von verschiedenen Seiten auch Hamburg. Sehr warm w ird auch Budapest empfohlen. Die Bestimmung des Ortes wird der nächsten Sitzung des Grossen A.-K. überlassen. Mit Rücksicht auf die vorgerückte Zeit wird beschlossen, die zur Aenderung der Geschäftsordnung eingesetzte Konimission möge ihren Entwurf dem E. A.-K. übergehen, das ihn wenigstens vier Wochen vor der nächsten Sitzung den Mitgliedern des grossen A.-K bekannt geben soll. Die Angelegenheit selbst soll dann auf dieser Sitzung erledigt werden. Auf Vorschlag des Präsidenten wird beschlossen, die nächste Sitzung des Grossen A.-K. noch im Laufe dieses Jahres, spätestens in Dezember, ahzuhalten. Nach herzlichen Dankcsw׳orten des Herrn Dr. B r a u d c an den Präsidenten und Dr. T s c 11 i e n o w au Herru I rotessor W a r h u r g . seiiliesst Präsident W o I f i s o h 11 mit einer kurzen Ansprache, in der er den Teilnehmern der Konlerenz fiir die bewiesene Arbeitsfreude dankt und der Hoffinnig Ausdruck gibt, dass die diesjährige Tagung, die sicli uiirch die vielen Sitzungen und ausführlichen Debatten so anlegend gestaltete, auch, nach praktischer Richtung sich für di״ \ erwirkliclmng unserer Ziele als truclUbrütgeud erweisen möge, die diesjährige Jahrcskonfcrenz am Freitag, dem M. August morgens 2M• Uhr. Banksltzungen. Während der Jahrcskonfcrenz fanden auch Boardsitziingen des Jewish Colonial Trust, vier Anglo Palestinc Company, der Angl« Lcvantiue Banking Company und des Jüdischen Nationalfonds. Limited, und Generalversammlungen des Jewish Colonial Trust und des Jüdischen Nationalfonds, Limited, statt. in der Direktoicnsitz.uiig des Jewish Colonial Trust wurden ausser der Angelegenheit bezüglich der Geschäftsordnung der

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