Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1908-08-28 · Heft 35 (28.8.1908) · page 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIII (1908)
Issue
Heft 35 (28.8.1908)
Date
1908-08-28
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2651273-2651552-2651587--05868-2662918
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 350 JÜDISCHE RUNDSCHAU . No. 35 vollständig im Unklaren. Die Einen sind dafür, die Versammlung Oberhaupt nicht zu besuchen. Die Andern raten, dass wir als Private, nicht als Vertreter des Zionismus hingchen sollen. Demgegenüber muss ich erklären: Wir aile. die wir Ungeladen worden sind, sind doch nur eingcladen worden, weil wir eine Stellung in der zionistischen Organisation einnehmen. Auch die andern Herren, die dort hinkommen, kom* men nicht als Private, sondern weil sie innerhalb Rcwisser Organisationen, oder innerhalb des Judentums etwas bedeuten. Ich kann daher an dieser Versammlung auch nur dann teil* nehmen, wenn ich als Zionist dort auftreten kann. Hantke: Wir müssen doch auf unsere Würde halten. Die JCA hat erklärt, dass sie nicht mit den Zionisten zu* sammen arbeiten wolle, das ist doch eine offizielle Erklärung, darum sollten wir nicht zu der Versammlung Rehen. An der Ranzen Sache haben u׳ir Rar kein Interesse. Ich möchte, dass das A.-K. sich schlüssig wird, ob wir uns an der Sache beteiligen sollen oder nicht, eine Direktive hierfür ist not* wendig. Dr. Br au de: Wir Ralizischcn Zionisten, die wir ein* Reladen worden sind, haben ein sehr starkes Interesse daran, bei der VcrsammluiiR auch zu erscheinen. Im andern Falle werden nämlich unsere OcRiicr dort als Vertreter des Ralizlscheu Judentums auftreten, und das müssen wir nach Mür* lichkcit verhandern. Sollte indessen liier beschlossen werden, nicht iiinzuRchcn, so werden wir uns selbstverständlich diesem Beschlüsse fiiRen. So ko low: Wir Zionisten müssen die F'rage nicht im besondern. sondern prinzipiell stellen. Und da glaube ich. dass wir überall mitgclicn sollen, wo wir Gelegenheit haben, als Gleiche unter Gleichen dabei zu sein. Wo immer im Juden* tum sieh etwas rcRt. wo eine jüdische Organisation ein Lebens- 7cicF.cn von sieh gibt* müssen die Zionisten zugegen sein, aber — und das möchte ich nachdrücklich unterstreichen, als Y.W• nisten. Sic soilen bei solchen Verhandlungen als Zionisten Stellung nehmen. Sic sollen nicht provokatorisch auftreten, sic dürfen aber unter keinen Umständen Verwässcrungspolltlk• treiben. Das ist aber in der letzten Zeit viel zu viel gcschcF.en. Eiinncrn Sic sich, wie streng wir früher ein Zu* sarnmcngelien mit Nichtzionisten ablchnten, nicht einmal ein Waisenhaus wollten wir mit den Andern bauen. Das war ein Extrem, aber jetzt sind wir in das entgegengesetzte Extrem verfallen. Wir müssen uns immer bewusst sein, dass wir ein ganz bestimmtes ProgrammP haben, dass wir eine ganz bcstimmte Partei sind. Mit diesem Bewusstsein ollen wir überall hingchen und diccn Standpunkt überall vertreten. Grone mann: Mir scheint cs handelt sich um eine Sache persönlicher Würde. Ich bin nicht dafür, ein Verbot der Teilnahme an der Versammlung zu erlassen. Jedenfalls ist es gut dass die Sache zur Sprache gekommen ist. Jetzt werden wohl auch die Zionisten cinschen. wie eigentlich die andern sich zu uns stellen. Im ’übrigen liegt die Sache jaj s״, dass die Herren ohne uns fast nichts machen können. Mir scheint cs ist notwendig, dass die geladenen Zionisten in der Versammlung gcschtosesn auftreten. Trietsch: Die Zionisten sollen als Fachleute hingchen. Wenn unsere Eehlentc dort arbeiten werden, wird man ein besseres Verständnis fiir den Zionismus gewinnen. Dieser Versuch, Organisationen verschiedener Richtungen zur Arbeit in Palästina hcranzuziclicn. hätte von uns ausgehen sollen. Nur hätte dies nicht unter unserer Flagge geschehen sollen. Wenn wir stärker wären, würde auch die JCA in Palästina mit uns Zusammenarbeiten. WoHfsohn: Ich kann wohl die Beratungen über diesen Punkt dahin zusanmieniassen. dass die Mehrheit der hier Anwesenden sieh meiner Meinung anschliesst. Wir haben keinen Grund, die Versammlung zu boykottieren. Die Finge* hdeneu sollen dorthin gehen, und sollen uns daun berichten, was dort geschehen ist. Sehen wir, dass etwas Gutes dabei Feraiiskommt. werden wir gewiss nicht fehlen, wie wir über* all mitarhciteii, wo etwas zum Besten des jüdischen Volkes geschieht. Jetzt, wo noch gar nicht feststciit, wie sich diese Sache entwickeln wird, sollen wir jedenfalls 111*11 keinen Bc* Schluss darüber fassen. Es folgt die Abstimmung über die Anträge. Zunächst liegen mehrere Anträge des Herrn Sehcinkiit vor: 1. Die Zeitung PALÄSTINA soll durch das Palästinaamt in Palästina hcrausgcgcbcn werden, wenn die Mittel dazu da sind,. 2. Die Einazkomrnissioü möge versuchen die Mittel zu schaffen, um dem Hebräischen Gymnasium eine Subvention von 5000 Pres, gew ähren zu können. .. Diese Anträge werden augeuonuueu. 3. Die zionistische Organisation möge das Informationsburcau in Jaffa in diesem Jahre mit 2500 Frcs. subventionicren. Der Antrag wird dem E. A.-K. zur Erwägung übergeben. Antrag G o I d b c g: Die Jahreskonferenz beschosst, den Aufsichtsrat zu ersuchen, einen Ausschuss von Fachleuten zum Studium der F'rage der Errichtung einer Allgemeinen jüdischen Versieherungsgcsellschaft einzusetzen. Der Antrag wird angenommen. Anstatt des zurückgezogenen Antrags Gabel bringt Trietsch folgenden Antrag ein: Das i’aiästina-Rcssort wird beauftragt, durch das Pa* lästinaaiut — gemeinsam mit dem Informationsbureau — fest* stellen zu lassen, inwieweit unter den jetzigen Verhältnissen an die Frimitigung einer Einwanderung von Juden in Palästina zum Zwecke der Kolonisation gedacht werden kann. Der Antrag wird angenommen. Der Antrag Trietsch, die Akten der El-Arisch-Expcdition den daran interessierten Mitgliedern des Grossen A.׳-K. zugänglich zu machen, wird abgeleimt. Präsident Wolftsolin gibt hierzu die Erklärung ab. dass diese Angelegenheit im F. A.K. beraten, und dass das Material, wenn möglich, später den Mitgliedern des Grossen A.-K. zur Vcriiigimg gestellt werden soll. Antrag Co wen: Die Jahreskonferenz empfiehlt dem Direktorium des J.N.E. die gesamten Zinsen seines Vermögens, sowohl aus Fiiektcnbe* sitz als auch aus dem Barguthaben beim J. C. T. und A. I*. C. alljährlich dem F. A.-K. zu»־ Verfügung zu stellen. Der Antrag wird abgelehnt. Dr. Hantke: Mir kommen zu einem sehr wichtigen Punkte, zur Presse. Die Frage der Existenz der WELT ist entschieden günstiger geworden, da das Defizit mir mehr 5• mh'. Mark beträgt. Ganz anders ist es mit dem H.VGLaM. I 'as A.-K. ist flicht in der Lage, den HA'OLAM in der jetzigen Form zu erhalten. Ich möchte mir. dass die Absicht des Zen* tialburcaus bzgi. des HA OLA.M ansgdiihrt wird. W ir wolltvn. dass die WELT mit der RUNDSCHAU vereinigt und nach Berlin veriegt wurde. Dieser Antrag wurde abgclehnt, da das A.-K. erklärte, die Zeitung könne nur in Köln vom A.-K. genügend koiuiolliert werden. Ich schlage nun gemäss dem vorliegenden Memorandum des Zcntralluireaus, Abteilung Borlin. einen andern Plan vor: Die WELT zu einem Htägigcn Organ auszügcstaltcn, etwa wie die SOZIALISTISCHEN MONATSHEFTE. Heute kann natürlich kein Beschluss gefasst werden. Das A.-K. sol jedenfalls diese F'rage prinzipiell entscheiden. Die Tatsache, dass zwei Organe in Deutschland erscheinen, hat zur Folge, dass beide Organe Regeneinander arbeiten, ohne cs zu wollen. Es wird jedenfalls viel Arbeit und Geld nutzlos vergeudet. Ich stelle den Antrag: Die Jahreskonferenz ersticht das E. A.-K., die Frage der Umwandlung der WELT in eine Revue genau zu prüfen, und diese, sofern keine finanziellen Bedenken dem entgegenstehen, vorzunchmen.“ \V o I f i s o h n: Ich bitte den Antrag abzulelmen. Eine Organisation, wie die zionistisehc. darf nicht darauf äugewiesen sein. Blätter zu bitten, dass sie Verlautbarungen von :ms autucl.fucu. Gerade der HA’OLAM zeigt mir, wie von Berlin aus ein Blatt sich naturgenüiss unserer Kontrolle entzitlien muss. Ausserdem steift die Sache so. dass die WELT im letzten Halbjahr nur ein Defizit von 511110 Mark aufweist. Wir!:offen, die WELT duhiu/uhriitgcn. dass das Defizit ganz verschwindet. Wenn schon ein Organ in Deutschland verschwinden soll, kann man doch nicht verlangen, dass das offizielle Zeutrilorgan dem Landesorgan hlnlaiigesetzt werde. F'eiwel: Ich halte die Anregung des Herrn Dr. Hantke, die WELT in eine llulhmo11ut>schriit iim/.itwaitdeln, für berücksiclitlgeusv.ert. Die WELT wird also zu einer Revue unigcstaltet, die Korrespondenzen sollen daun von der JÜDISCHEN RUNDSCHAU gebracht werden. Ich empfehle der Jahreskoii* ferenz. dem E. A.-K. zu empfehlen, diesen Antrag zu prüfen und in Erwägung zu ziehen. Trietsch: Ich bin daiiir, die beiden Blätter zu vereilügen. Sollte das nicht möglich sein, so wüte ich dafür, aus der WELT eine Vicrteljahrsschriit zu machen. Auch eine solche Revue kann die Korrespondenzen enthalten, fiir eilige Nach־ richten könnte nun den Abonnenten Extrablätter iiiieriiiitteln. Es ist ein grosser Schaden ihr das Blatt, dass cs nicht in Bor- Hn erscheint, and; fiir den .Jüdischen Verlag wäre es besser, xvenn er in Berlin wäre uuj mit der WELT und der JLD1- SCHEN RUNDSCHAU vereinigt würde. So ko Io xv: Ich bedaurc lebhaft, dass man in so vorgeriickter Stunde an das schwierige Problem der WELT-Uni- Wandlung, oder gar des W'ELT-Uutergaiiges Iierautritt, und dass man so leichttüssig darüber hiuwcgtanzen zu können

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.