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Jüdische Rundschau · 1908-08-28 · Heft 35 (28.8.1908) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIII (1908)
Issue
Heft 35 (28.8.1908)
Date
1908-08-28
Page
– (sequence 7)
Language
German
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No. 35 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 349 welche die Idee einer allgemeinen jüdischen Versicherungsgiselischaft studiert. Dr. Kohan-Bernstein: Ich möchte an Herrn Professor Warburg eine Frage steilen. Ir! Palästina machen die Versuche mit Baumwolle durch Herrn Beermann viel von sich reden. Es wird gesagt, das er sich drei Jahre damit bcschfiftigt hat, ohne dass dabei etwas herauskam. während die gewöhnlichen Kolonisten Baumwolle guter Qualität produziert haben. Warburg: Was die Baumwoll-Versuche betrifft» so ist die Baumwolle leider durch ein Insekt zugrunde gerichtet worden, welches auch in Aegypten grossen Schaden anriclitote. Es ist dies ein blauer Schmetterling, der in Aegypten von den Fachleuten vernichtet wird. Das wusste man aber damals nicht, und darum ist vieles zugrunde gegangen. Es wurde ja auch versucht, die Baumwolle bei Kolonisten anzubringen. Die meisten haben aber entweder gar nicht gepflanzt, oder die Stauden wieder herausgerissen. Ich bin Fachmann auf diesem Gebiete und bin der Ansicht, dass Ycrsuche in der bisherigen Weise wenig ergeben werden. Die einheimische Baumwolle ist sa schlecht, dass ihre Kultivierung sich nicht lehnen würde. Die Russen haben die amerikanische Baumwolle eingefiihri, eben so die I.cvantinische Gesellschaft, an der unsere Bank beteiligt war, lind arbeiten mit grossem Erfolg. Aber letztere Gesellschaft gewährt Vorschüsse und verfügt über riesige Kredite. Ich bin der Ansicht, dass wir wohl in der Lehriarm kleine Versuche anstelle!!, uns aber• nachher au! die deutsche Gesellschaft in Ciliden stützen sollen. Ich habe darum Verhandlungen mit dieser Gesellschaft, deren Aufsiclitsrat ich bin, angeknüpit, und sic werden uns gern iht Material zur Veriiigung stellen, wenn wir uns verpflichten, die Baumwolle ihnen abzulicicrn. Es bedarf aber noch weiterer Verhandlungen, um zu sehen, ob die Versuche etwas erreichen werden. Von einem Versuch der Kolonisten halte ich nur dann etwas, wenn viel Grundwasscr zur Verfügung steht. Darum bin ich für den Versuch in der Gegend des Tibcrias- Sees. Tr letsch: Bei Begründung der Palcstine Land Development Company hat Herr Professor Warburg eine Rente von 5 Prozent in Aussicht gestellt. Anderseits wird uns erklärt, dass mit Oclbatintpflanzungen *10 bis 50 Prozent erzielt werden können. Warum hat man sich bei den Prospekten der P. L. D. C. mit dem Versprechen eines so geringen Nutzens begnügt, während wir wissen, dass Oclbaumpflanzungen das Zehnfache bringen? Man könnte mir cntgegcnlialtcn: Die Ziffern stimmen nicht. Nun, ich habe seit Jahren das gesamte einschlägige Material studiert, und ich kann Ihnen versichern, die Zahlen werden von der Wirklichkeit noch übertrofien. Wenn in den ersten Jahren die Oclbaumpflanzungen in den Kolonien nicht so hervorragend günstige Ergebnisse hatten, so lag das daran, dass die Kolonisten die Sache noch nicht kannten und insbesondere noch nicht wussten, dass es spezielle Sorten gibt, die ganz ausserordentlich ertragreich sind. Jetzt, wo sie ihre Erfahrungen verwerten, bringen die Pflanjungen in manchen Kolonien, z. B. in Rechoboth, einen mehr als 40 prozeutigen Ertrag. Das ist doch eine geradezu kolossaie Chance, und wenn sie nicht ansgenützt wird, so ist ein ernster Tadel am Platze. Als seiner Zeit der Plan der Oelbaumsammlung auftauchtc. dachte man an ein grosszügiges Unternehmen. Man lioiite, auf diese Weise kolossale Werte zu schaffen und dadurch das jüdische Palästina von der JCA und den anderen Organisationen unabhängig zu machen. Das hätte aueh״ erreicht werden können, wenn man das internationale KapitalistcnpubUkum in richtiger Form auf diese grossartigen ücwimiaussickten aufmerksam gemacht ,hätte. Statt dessen kam man und verlangte (י Mark! Warum machen das andere Gesellschaften anders? Icii habe den Prospekt einer KautscliukgcscHschaft gelesen, der von Herrn Professor Warburg mit unterzeichnet ist und worin bis zu 22 Proz׳*;t Dividende in Aussicht gestellt wird. Da hat man nicht 6 Mk. verlangt, der Prospekt lautete auf 2 Millionen (Professor Warburg: die sind aber auch in 14 Tagen zusammengekommen!). Wir hätten es genau so machen müssen, und wir können es heute noch so machen, wenn wir uns dazu aufraffen wollen, eine systematische Palästinaarbcit zu betreiben. Ich beklage sehr, das man die Zeitschrift ALTNEULAND aiifgcgebeu l at. Wenn die Spesen zu gross waren, hätten sic dadurch verringert werden können, dass man die Redaktion nach Palästina verlegt hätte. Die Vorschläge des Herrn Goldberg bezüglich der Versicherungsgescllscliait verdienen vollste Aufmerksamkeit. Ausgearbeitete Projekte und wertvolles Material liegen unserer Bank schon vor. Man hat cs nur bisher abgelchnt, sielt damit zu beschäftigen. Sodann habe ich noch folgenden Antrag zu stellen: Die Jahreskonferenz möge beschlossen, dass die Bcrichte der EI-Ar!sch-Expedition und alle sonstigen hierauf bezüglichen Schriftstücke den daran interessierten Mitgliedern des Grossen Aktionskomitees zugänglich gemacht werden. Es geht nicht an, einerseits zu erklären, El-Arisch sei ein wertloses Land, und cs dann andererseits offiziell in den Begriff der Nachbarländer einzuschliessen. Ich habe mich mit einigen Freunden persönlich der Mühe unterzogen, das Land z!1 studieren. Ich glaube, es ist nicht zu viel verlangt, wenn man denjenigen, die sich dafür interessieren, die Möglichkeit gibt, die Ergebnisse ihrer eigenen Forschungen mit denen der seinerzeit ausgesandten Expedition zu vergleichen. Dr .Gabel: Ich kann cs nur dankbar begriissen, dass das informationswesen über Palästina in letzter Zeit fortgeschritten ist. Darum sollte man sich hüten, die wichtigsten Quellen versiegen zu lassen. Die Zeitschrift PALÄSTINA durfte nicht eingehen, und das Informationsbureau in Jafia muss unter allen Umständen erhalten bleiben. Die Allgemeine Jüdische Organisation. Dr. Hantkc: Es dürfte Ihnen bekannt sein, dass für den 20. September eine Versammlung nacli Berlin einberufen ist. die sich mit der Schaffung einer Allgemeinen Jüdischen Kolonisationsorganisation beschäftigen soll. Ursprünglich bcstand der Plan, einen Zusammenschluss aller Jüdischen grossen Organisation herbeizuftiiiren. Dieser Plan Ist, wie Sic wissen, zerstört worden. Man hat sich auf die Karrikatur einer solchen Organisation geeinigt, die die Zionisten und überhaupt den grossem Teil der Juden ausschlicsst. Wie es sich mit dem neuen Plane verhält, ist nicht ganz klar. Jedenfalls hat man sich gehütet, die eigentlichen oifiziclleti Vertretcr des Zionismus zu der Gründungsversammlung einztiladen, während man anderseits unter der Masse der Personen, die eingeladen worden sind, auch einige Zionisten mit einer Einladung bedacht hat Ich bitte nun das Palästinaamt um Auskunft, wie wir uns nach seiner Ansicht zu dieser Sache stellen sollen. Wolifsohn: Ich möchte zunächst auf die Aeusserungen des Herrn Goldberg zurückkommen, der verlangte, dass unsere Agitationsarbeit im Orient und insbesondere in de!׳ Tiirkeit von Grund auf geändert werden müsse. Herr Goldberg war am Dienstag noch nicht hier, sonst würde er wissen, dass diese Frage in der geheimen Sitzung am Dienstag auf das Eingellendste besprochen worden ist. und dass sich daher eine nochmalige Besprechung an dieser Stelle erübrigt Was die Frage der Stellungnahme zu den anderen Organisationen und insbesondere zu der geplanten Neuorganisation betrifft, so sollten wir uns bemühen, nach Möglichkeit Dliierenzen zu vermeiden. Wir müssen immer noch die Hofinung hegen, dass die andern Organisationen doch noch einmal mit, uns zusammen gehen werden. Selbstverständlich werden Unstimmigkeiten nie ganz zu vet meiden sein, weil wir natürlich von unserm speziellen Standpunkt unter keinen Umständen abgehen dürfen- Ich würde cs für verfehlt halten, heute einen Beschluss über unsere Stellungnahme zu der zukünftigen Organisation zu fasesn. Nacli allem, was wir da.von wissen, und was vorgegangen ist, sollten wir zunächst abwarten, wie sich diese Angelegenheit entwickelt. F e i w c I teilt mit, dass die Sammlung für den Palästinakulturfonds 0650 Mark ergeben habe. Was die Ausführungen des Herrn Dr. Hantkc anbelangt, so ist darüber ofienbar nicht das Palästinaressort, sondern uns E. A.-K. zuständig. Im übrigen bin ich in dieser Hinsicht durchaus der Meinung des Präsidenten. Mose 1: Ich bitte um Aufklärung, wie wir uns als Rcpräseiitativzionisten auf der in Berlin am 20. September d. Js. tagenden Versammlung verhalten sollen. Sollen wir die Sache gänzlich ignorieren oder unser Verhalten nacli einem bestimmten Gesichtspunkte einrichtcn? Ich bitte um eine Direktive. Feiwcl: Das Unternehmen ist ein Experiment, dessen Aussichten ich persönlich sehr pessimistisch beurteile. Ich glaube nicht, dass jetzt schon ausserhalb Palästinas ein Zusammetigehen mit andern möglich ist. die Zeit ist offenbar dafür noch nicht reif. Auf der Versammlung, die vor einigen Monaten wegen der Gründung einer allgemeinen Organisation in Berlin stattfand, hat sieh gezeigt, wie sehr wir doch von den Andern gehasst werden, und dass uns auch die Alliance nichts weniger als fieundlich gegenübersteht. Dessen ungeachtet bin ich doch dafür, dass die cingeladeneu Zionisten inoffiziell an 1 der Versammlung teilnelimeu. Es handelt sich um ein Exportment, dessen Ausgang uns vielleicht endgültig darüber aufklärt, ob und inwieweit ein Zusammengehen möglich ist. Dr. Mahle r: Wir befinden uns in dieser Angelegenheit

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