Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIII (1908)
- Issue
- Heft 35 (28.8.1908)
- Date
- 1908-08-28
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2651273-2651552-2651587--05866-2662916- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 348 JÜDISCHE RUNDSCHAU No. 55 begegnen wird, als unsere anderen zionistischen Dinge, und darum wird bei diesem Palästinakulturfonds nicht der Grund gelegt zu einem Versuch, der in ein Nichts verlaufen wird, sondern ich bin überzeugt, dass die Summe wirklich hereingebracht werden wird. Ich glaube auch, dass sich für die Agitation geeignete Leute finden werden. Ich möchte Sic bitten, diesen Saal nicht zu verlassen, ehe Sie nicht, jeder nach seinen Kräften für diesen Palästinakulturfonds beigetragen haben. Scheinkin: Nach dem Referat des Herrn Prof. Warbürg über den Kulturfonds bleibt nichts anderes übrig als zu unterschreiben. Ich wünschte, wir hätten viele Warburgs mit immer neuen fruchtbaren Ideen. Wenn ich auch nicht selbst geben kann, so verspreche ich doch, soviel als möglich zu sammeln. Dr. Le win: In Palästina werden die Kulturarbeiten auch eine grosse politische Bedeutung haben. Ls ist wahr, dass wir auf jedem Gebiete mehr arbeiten als alle andern; auf kulturellem Gebiete werden wir jedoch als eine Organisation zweiten Ranges betrachtet. Durch die Kulturarbeit werden wir auch Beziehungen zu andern Organisationen anknüpfen können. Moser: Ich bedauere, dass ich. obgleich ich mit dem Gedanken sympathisiere, mit der überstürzten Schaffung eines neuen Fonds mich, nicht einverstanden erklären kann. Ich wundere mich, dass Dr. Lewin die Behauptung aufstelit, die Zionisten hätten kein Ansehen wegen ihrer mangelhaften Tätigkeit auf kulturellem Gebiete. Ich glaube, dass wir zunächst doch den Bezaiel zu sichern haben, che wir an andere kulturelle Aufgaben herantreten. Wenn ich die vielen Vorschläge des Palästinaressorts sehe, so zähle ich H Sammelzwcckc, H Gründungen, die alle noch nicht vollendet sind. Da muss ich doch sagen, cs wird zuviel gesammelt. Wie lange sammlcn wir z. B. für den Herzlwald! Ich möchte Ihnen empfehlen, anstatt für den ״Kulturfonds“ zu sammeln, den Bezaiel und das Hebräische Gymnasium zu sichern. Ich fürchte, es werden viele Jahre vergehen, bevor wir für den neuen Fonds etwas zusammenbringen. Dr. Bodenheime r: Ich glaube, der Name ״Kulturfonds*‘ ist nicht passend gewählt. Das M ort Kultur wird ln gewissen Kreisen ein Gruseln Hervorrufen. Ich fürchte, dass speziell in England hierdurch die Agitation erschwert werden wird. Ich schlage daher vor, dass der Fonds Schulfonds heissen möge. Dr. Mahler: Ich glaube gleich Herrn Moser, dass wir .vor allem die alten Institutionen sichern sollen, und dann noch eins: Wir Zionisten stellen uns in kultureller Hinsicht auf einen viel zu exponierten Standpunkt. Es ist ja nicht nötig, dass wir selbst grosse kulturelle Beiträge aufbringen, wir können in dieser Hinsicht mit den andern Organisationen Zusammengehen, sie unterstützen und in unserem Sinne zu beelnflussen suchen und so unsere eigenen Mittel für unsere speziellen Zwecke reservieren. B. Goldberg: Als ich auf der Reise nach hier war, dachte ich daran, eine Konzentration der Sammlungen vorzuschlagen. Wenn wir aber statt dessen jetzt einen neuen Fonds schaffen, so bin ich nur unter der Bedingung dafür, dass wir in den nächsten 3 Jahren keinen andern Fonds, ausser dem Palästinakulturionds. ins Leben rufen. Wolffsöhn: Wir haben hier verschiedene Meinungen gehört und ich stehe eigentlich auch auf Seite der Herren Moser und Mahler, dass es tatsächlich für uns geradezu gefährlich wird, dass wir tausend Sachen anfangen und keine zu Ende führen. Wir haben den Bezaiel gegründet und er ist nicht gesichert, desgleichen das Hebräische Gymnasium, das ja auch nicht sicher ist. Aber, meine Herren, ich wüsste nicht, wo ich den Mut hernehmen soll, dagegen zu stimmen, wenn hier eine Liste vorliegt, worauf schon 3000 Mark gezeichnet sind. Im übrigen bin ich daiür, dass wir in irgendeiner Form erklären, bis aut* weiteres keinen Fonds mehr zu schaffen. Ich bitte die Herren, es so zu machen wie ich, dagegen zu sein und dafür zu zeichnen. Sic haben recht, wenn Sie sagen ,dass weite Kreise heraugezogen werden müssen, ein Fehler ist nur dabei: wenn wir es den andern überlassen sollen, einen solchen Fonds zu begründen, dann würde nichts dabei herauskommen. Wir müssen selbst etwas tun innerhalb des Rahmens, in dem wir arbeiten können. Nun haben wir dem Hebräischen Gymnasium eine Subvention zugesagt, wir laben eine Bibliothek und sind nicht in der Lage, sie zu unterstützen ,und gerade deswegen brauchen wir einen Kulturfonds, und darum bitte ich Sie. meine Herren, es so zu machen wie ich, im Prinzip dagegen zu sein und :000 Mark zu zeichnen. Dr. Hantke bittet nur, festzustcllcn, dass wir die nähere Ausführung dem E. A.-K. überlassen und dass event. der Nan& geändert werden kann. Prof. Warburg: Herr Goldberg’ hat recht, wenn en verlangt, dass dies der letzte Fonds sein soll. Ich möchte aber darauf aufmerksam machen, dass der Zionismus bis jetzt nur Landfonds hatte. Was die andern Vereine betrifft, so kann ich Ihnen als Vorstandsmitglied des Hilfsvcrcins versichern, dass er cs mit grosser Freude aufnehmen wird, dass wjr in. kultureller Hinsicht etwas unternehmen. Ich stelle also folgenden Antrag: Die Jahreskonferenz beschliesst, einen Palästlnakulturfonds zu begründen. Derselbe soll 1. aus einem eisernen Fonds bestehen, welcher erst dann in die Erscheinung zu treten hat, wenn 100 000 Mark beisammen sind. Die einzelnen Beiträge zu diesem Fonds müssen sich auf mindestens 100 Mark bclattien, und es'dürfen nur seine Zinsen aufgebraucht werden; 2. aus einem anderen Fonds, der die kleineren Beiträge umfasst, von welchen nur 50 pCt. der jährlichen Eingänge verbraucht werden dürfen. Antrag 1 wird mit allen gegen 3 Stimmen angenommen. Antrag 2 wird mit 13 gegen 10 Stimmen angenommen. Palästina-Debatte. Scheinkin: Herr Prof. Warburg möge cs mir nicht verübeln, er hebt in seinem Bericht zu sehr den Gegensatz zwischen Palästinarat und dem Palästinaamt hervor. Der Palästinarat ist bereit, in Frieden mit ihm zusammen zu arbeiten und in Palästina beginnt man schon mit dem Palästina rat zu rechnen. Es ist auch kein Grund vorhanden, den Paliistinarat als Feind der P. L. D. C. zu betrachten. Wir haben vieles kritisiert, es wurde manchen: Rechnung getragen, und ich hoffe daher, dass alles in Zukunft anders wird. Ich muss bedauern, dass die Zeitschrift PALÄSTINA eingegangen ist. Ich schlage vor, mit der Monatsschrift PALÄSTINA in München eine Vereinbarung zu treffen und sic in Palästina selbst herauszugeben. Wenn schon Dr. Ruppin und Dr. Thon in Palästina wohnen, dann soll auch Dr. Thon die Zeitung PALÄSTINA machen. Was das Gymnasium betrifft, muss ich bemerken, dass dieses Institut im nächsten Jahre ein Budget von 31 000 Frcs. hat. Da wäre es doch nicht schön, wenn dieses, nach dem Bezaiel das hervorragendste zionistische Institut, nicht mit mindestens 5000 Frcs. von A.-K. subventioniert würde. Das Odcssacr Komitee garantiert für die 31000 Frcs. nur dann, wenn das A.-K. Anteil nimmt. Ich bitte also diese Subvention dem Gymnasium sofort zu gewähren und nicht erst auf den Kulturfonds zu warten, denn die Lehrer müssen sofort bezahlt werden. Ich bin auch der Leiter des Informationsbureaus. Die Auigaben des Ir.formationsbureaus sind ungeheuer wichtige und cs ist daher die Pflicht des Aktionskomitees, auch das Budget des Informationsbureaus zu unterstützen. Schliesslich komme ich zur Lage in der Türkei. Es ist die Aufgabe des Aktions־ Komitees, kapitalkräftige Kauflcutc heranzuziehen. die in Palästina ihre Gelder investieren, dann werden auch andere Vertrauen gewinnen. B. G o I d b e r g: Mir scheint, dass eine Aenderung in unsercr bisherigen Orient-Politik stattfinden müsse. Wenn wir kleinere Arbeiten unternehmen, heisst man das Chowcwc- Zionismus. Wollen wir hingegen grössere Sachen machen, so haben wir hierzu nicht die Mittel. Wir haben ein Industrie- Syndikat mit kaum 100 000 Mark geschaffen. Jeder weiss alicr, dass eine ernstzunehmende Fabrik eine halbe Million nötig hat. Es muss daher nach einem Plane getucht werden, nach dem wir grössere Kapitalien bekommen. Wir müssen eine Kraftanstrengung machen, ähnlich der, durch welche die Bank zustande gebracht wurde. Es gehört dazu nur etwas mehr Mut. Mir schwebt ein solcher Plan mit der Gründung einer grossen jüdischen Versicherungsgesellschaft vor. Wir wissen, wie klein z. B. die ״Viktoria“ angefangen hat und welch grossen Einfluss sic jetzt durch ihre Kapitalien hat, die sie zum grossen Teil ihr hypothekarische Darlehen verwendet. Es soll ein Ausschuss von Fachleuten zum Zwecke der Schaffung einer allgemeinen jüdischen Versicherungsgesellschaft eingesetzt werden. Wenn wir bedenken, dass selbst in so armen Ländern. Honen den Versicherungsgesellschaften zuführen, dann muss es gelingen, auch eine Jüdische Versicherungsgesellschaft zustände zu bringen, deren Kapitalien für wirtschaftliche grosszügige Zwecke in Palästina verwendet werden. Wir sprechen von einem Agrarkredit und gewähren im ganzen 200 000 Frcs. Auf solche Weise können ui•• nur ganz kleine Dinge schaffen. Ich beantrage: die Jalneskonfcrenz beauftragt den Aufsichtsrat der Bank, eine Kommission von Fachleuten einzusetzen,