Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1908-08-28 · Heft 35 (28.8.1908) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIII (1908)
Issue
Heft 35 (28.8.1908)
Date
1908-08-28
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2651273-2651552-2651587--05865-2662915
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

No. 35 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 347 4111(1 all das wird dann als Jüdisches Milieu geschildert. Und wer sich über die Tendenz der Sache noch nicht ganz im Kernen ist, den harnt ein Detail aufklären: die einzige anständige Person des Stückes ist ein Christ, ein feudaler Ostclbier, der im zweiten Akt dem jüdischen Haupthclden Ohrfeigen anbictct. Nun meint der freundliche Leser vielleicht, der Sinn dieser ganzen Epistel sei ironisch gemeint; denn die Gebrüder Herrnfeld seien doch Juden, und denen sei nichts Antisemitisches zuzutraucn. Diese Einwendung ist in der Pracmissc fehlerhaft. Die Gebrüder Hcrrnfeld sind Christen; sie sind getaufte Juden, und es ist nur allzu bckannt, dass zuweilen die Renegaten die eifrigsten Gegner ihres alten väterlichen Glaubens zu sein pflegen. Sicher wäre Kein Jude, der auch nur einen Funken Herz und Erinnerung für seinen Glauben hat, fähig, die eigene Sache so in den Schmutz und in das Lächerliche zu ziehen. Nur wer ganz ausserhalb aber Gemeinschaft steht, konnte auf den Gedanken kommen, aus der Verhunzung einer Religion und Rasse ein glänzendes Geschäft zu machen. Und wie gesagt: cs bleibt wunderbar, dass die jüdischen Mitbürger sich eine Verhöhnung ihrer eigenen Sache durch Andersgläubige so lange gefallen Hessen. Wobei eingeschaltet sein mag. dass eine szenische Vorführung jüdischen Lebens und Wesens an sich noch lange keine Kränkung zu sein braucht. Auch eine Verulkung des Judentums kann immer noch harntlos sein; steckt doch die Sclbstironie und Selbst Persiflage tief im jüdischen Charakter, um! sind doch all diese köstlichen Kalauer (die jetzt der treffliche Marmel Schnitzer in zwei prächtigen Bänden gesammelt hat) in ihrer Mehrzahl eine harmlose Verspottung der eigenen Art und des eigenen Fehlers. Was da in der Konimandantenstrasse so unerfreulich ist, das ist die gehässige Einseitigkeit. mit der alle Juden als Wichte « der Crctins dargcstcllt werden. Der Vorstand der jüdischen Gemeinde sollte sich den Sabbath einmal recht aufmerksam auschcn. Und sollte versichert sein, dass kein Radauantisemitist 1ms jemals der jüdischen Sache so viel geschadet hat, wie die Herren Anton und Donat Herrnfeld in ihrem duftenden Muscntcnipcl. * Der Herr ״Flaneur“ hat gewiss nur zu Recht, aber das Schlimmste erwähnt er nicht einmal: dass nämlich auch zahleignet? Aber Chinin hat in heute nicht den Dienst in unserem Vorgemach, sondern unser getreue Oraf Slawata. Seht doch zu. was cs ist.“ Der Astronom ging hinaus, und sah den Ritter wie im Zustande des Wahnsinns in einen Stuhl gesunken, u־׳d den Rabbi, der aufs Höchste erstaunt und betroffen schien, mit seltsamen Worten bestürmend. ,.Verzeiht, mein Herr.“ sagte er. ״ich weiss nicht, was ihr zu so uugewölmPelier Stunde hegeirrt.“ ..Weiser Rabbi.“ sprach der Ritter hastig, ״wie die Meinung aller Menschen spricht, seid ihr ein Vater der Bedrängten, helft auch mir, der nirgends Rettung sicht, als bei euch in seiner verzweifelten Not.“ ״Wie kann ich euch!reifen?“ ״F.rrcr Rat. euer Ansehen.“ ״Ihr scheint, euerem Wesen und dem goldenen Schlicke nach, der auf eurer Brust schimmert, ein edler Herr zu sein. Was kann euch der arme qude nützen, der noch nicht c;uma1 gefasst hat, was ihr begehrt.“ ״Sic ist vielleicht misshandelt von ihrem Vater, und ringt im Schmerz die Hände. O Rachel, Rachel!“ Dein Rabbi stieg hei diesem Namen ein Gedanke auf; ״meint ihr Rachel, die Tochter des Löh?“ ״Weil anders, als sie.“ . reiche Juden diesen — Muscntempel bcsu:hcn und sich ״gottvoll amüsieren“, und dass die ״judolibcralc“ Presse die eifrigste Fördrerin dieser .antisemitisch verschönten ״Schweinerei“ — nach Herrn Flaneur — ist! Und das ist der Skandal an dieser Sache! Die Zionistische Jahreskonferenz (Schluss-Bericht). Donnerstag, 13. August (Nachtsitzung) Präsident Wolffsohn eröffnet die Sitzung um 9!£ Uhr abends und verliest ein Schreiben des Herrn Krcmcnetzky. worin dieser sein Bedauern ausdriiekt, verhindert zu sein, der Jabrcskonicrenz bcizuwolurcn und dem Partcifomls eine Spende von 500 Kronen überweist. Hierauf erhält Professor Warburg das zu dem von uns bereits in voriger Nummer veröffentlichten Bericht des P a 1 ä s t i 11 a r c s s o r t s. # Professor W a r b 11 r g: Sic scheu, meine Herren, die Aufgaben, die wir uns gestellt haben, die Forderungen, die der Erfüllung harren, sind gross. So gross, dass wir sic nur dann ausfiihren können, wenn wir einen Extrafonds für Kulturarbeiten in Palästina schaffen. Dieser P a I ä s t i 11 a i o 11 d s muss ganz besonders eingerichtet werden. Alle Bureaukosten, die bei unseren Arbeiten entstehen, müssen vom Schekel und anderen Institutionen getragen werden, und die Eingänge fiir den Palästinakulturfonds sollen nur fiir Kulturarbeiten verwendet werden. Wir schlagen vor. dass der F«»nJs erst dann angegriffen werden darf, wenn er eine bcstimmte Höhe hat. und zwar denken wir. an 1001W» Mk. Herr Dr. Lcwi!1 hat die ersten 500 Mk. gezeichnet, als zweiter habe ich mich mit 2000 Mk. angcschJossen, dann Herr Dr. Hey mann mit 500 Mk. Es ist unsere Pflicht z. B. dem Gymnasium in Jaffa jährlieh einen Beitrag zu spenden, ebenso der Bibliothek. Wenn wir sehen, was der Hilfs verein mit einer Summe, die schliesslich gar nicht so gross ist. geleistet hat. so glaube ich. das könnten wir auch alles erlangen. Man wird sagen, dass der Nationalfonds unter der Sammlung für den Kulturfonds leiden könnte. Für den Kulturfonds gibt es aber ganz andere Zuflüsse als fiir den Nationalfonds. Der Antrag. . den wir stellen, ist, dass vir heute offiziell einen Palästina- Kulturfonds bilden. Feiwel* Ich werde mich beschränken und nur bei einem Punkte verweilen, fch freue mich ausserordentlich über die Anregung von Prof. Warburg. Herr Prof. Warburg־ bat mit Recht bemerkt, dass ein Palästinakulturfonds auch in den Kreisen der Niclitzionistcn jedenfalls einem höheren Interesse * Der Kaiser war nun auch he rem getreten, und fragte den Astronomen, was dem Grafen fehle? Achsclzuckcnd erwiderte ihm Tyclto, dass er selbst noch kein Wort begriffen habe; der Graf scheine im Dilirium zu sein, denn er rede allerhand Unfinn. Der Ka ser schlug seine Verkappung zurück, und sprach: ״Was wollt ihr liier, Graf Chlttm?“ Der Graf fuhr beim Klange der Stimme empor, starrte den Kaiser mit einem langen Blicke an, und stürzte dann zu dessen Füssen, die huldreich dargebotene Hand mit Küssen bedeckend. Der scharfsinnige Rabbi, wdlch’cr der Erzählung Racliel's eingedenk nach den zerrissenen Acusserungen des Ritters den Hergang der Sache erkannte, brachte zuerst mit Hilfe des A/tronomen den Ritter in einen Lehnstuhl, und teilte dem Kaiser seine Mutmassungen mit. ״Schickt um den Mann und seine Tochter,“ sagte der Kaiser, bei dem das Mitleid sogleich die Oberhand über den Unwillen gewann; und während der Astronom sich mit dem Grafen beschäftigte, ging der Rabbi hinaus. seinen Diener zu Lftb Ben Isaak zu senden. (Fortsetzung folgt.) ד f״״

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.