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Jüdische Rundschau · 1908-08-28 · Heft 35 (28.8.1908) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIII (1908)
Issue
Heft 35 (28.8.1908)
Date
1908-08-28
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 346 JÜDISCHE RUNDSCHAU X No. 35 Geldsendungen sind zu richten an die Anglo-Palestinc Company, Limited, Ja!fa, und Anfragen an Aron Eisenberg, Rechoboth bei Jaffa oder an Dt. J. Levy, Direktor der Anglo-Palestine Company, Jerusalem. * * * Neben dieser Gesellschaft auf Acticn wird jetzt, nachdem die zahlreichen Pflanzungs-Aufträge das Bedürfnis danach dargetan haben, eine spezielle Abteilung für Olivcn-Pflanzungcn errichtet, die cs auch weniger Bemittelten ermöglicht, durch zehnjährige Ratenzahlungen zu einem ertragbriugenden landwirtschaftlichen Besitztum zu gelangen. Die kleinste Pflanzung dieser neuen Abteilung ״Hachusah“ beträgt ca. 25 Dunam und kostet im ersten Jahre 51*0 Kranes und in den folgenden 9 Jahren je 250 Kranes. — Plantagen von ca. 50 und von ca. 100 Dunam kosten das Doppelte resp. das Vierfache. Hs ist anzuuclimtn. dass zahlreiche Juden, die au eine spätere Übersiedelung nach Palästina denken, von dieser Möglichkeit Gebrauch machen werden, durch Anschluss an eine bewährte Gesellschaft, Ihr Ziel ohne grosse finanzielle Inanspruchnahme zu erreichen. Näheres filier diese neue Ahteihiug ist ebenfalls von den oben 'genannten Stellen zuerfahren. Wie sehr übrigens alle Landeskundigen darin iibereiustimmen. Oliven- und ähnliche Pflanzungen für die beste landwirtschaftliche Kapitalanlage in Palastina zu halten, geht auch daraus hervor, dass der Pensums- Kcnds, den die Anglu-Puleslinc Company eben jetzt für ihre Angestellten einrichtet, ebenfalls mit einer Anlage der Gelder in solchen Pflanzungen rechnet Damit wird einerseits den Mitgliedern der Kasse ein wesentlich höheres Einkommen gesichert als es bei verzinslicher Anlage der Gelder auch nur entfernt möglich wäre, und zweitens werden die Interessen der Bankbeamten hierdurch in zweckmässigster Weise mit dem Kolonisationswerke in Palästina verknüpft. v Die antisemitischen Gebrüder Herrnfeld Unter dieser Spitzmarke lesen wir In einer Berliner Wochenschrift DIE STANDARTE folgende Betrachtungen von ,.Flaneur“, die gegenwärtig besonders aktuell sind: Es gibt in Berlin einen Verein zur Abwehr des Antiscmitismus, der gewiss schon manches Heilsame und Friedfertige gewirkt hat. Wenigstens merkt man, dass cs auf diesem Gebiete einigermassen still geworden ist. Es gehört schon lange nicht niehr zum guten Ton. Antisemit zu sein, im Gegenteil Toleranz ist einmal wieder sehr in Mode, und seihst die fenüalstcn Arier kokettieren mit ihren guten Beziehungen zu reichen, aber östlichen Mitbürgern. Um st) erstaunlicher ist. dass sich gerade hier in Berlin ein höchst übler und unerfreulicher Rest des alten Ra da u a n t i sc m i t is tu n s hält und nicht schwillden will. Wir meinen das Theater der Gebrüder Herrnfchl. das seit Jahren bestrebt ist, jüdisches Wesen und jüdischen Charakter in der gröbsten Weise zu beschimpfen und alle deutschen Juden durchweg als Trottel oder verlumpte Kerle darznstelUn. Bekanntlich sind :(.’ehe antisemitischen Tendenzstücke die ausschliessliche Spezialität dieses Theaters. Und ebenso bekannt dürfte es sein, dass das Publikum der Bi1lme in der Konmumdaiiteustrasse sich fast nur aus Christen reinsteil Wasseis ziisammcnsrtzt, vermutlich eben zum grössten 'I eile aus Antisemiten, denen diese Verhunzung des Judentums ein gefundenes Kressen ist. Namentlich jetzt, da Berlin voll ist von uckcimärkischen und hintcrpommcrschen Sommer- Kästen, macht sich das alles recht feierlich. Allabendlich ist das Herrnfeld-Theater voll von diesen blonden Reckengestalten, die sich das Kauderwelsch und das geistlose Gezappel da auf t:tr Bi1h:1c erstaunt mischen und mm zu Hause erzählen w erden, d a s B c rl i n e r J 11 d e n t u m sei a b e r ,a u c 11 w i r k I i c 11 keinen S c!1 ti s s Pulver wer t. Als besonders unangenehmer Einschlag kommt dahinzu das, was siel: eben nicht anders als mit dem schönen Worte ״Schweinerei“ abtun lässt. Das jüngste Stück der Hcrrnfeld- Biilme ״Das kommt davon“ leistet auf diesem Gebiete das denkbar Höchste und bricht alle Rekorde der Herren Lautenborg und Alexander.־ Jeder, der auftritt, ist ein Lump und Schürzenjäger, alle Ehen gehen über Kreuz durcheinander. angesehen, wird in der Zukunft Pläne und Gedanken passen.“ ״Qtiod non, dann wäre es ja unnütz, für die Zukunft zu pflanzen.“ ״Für uns nicht, erhabener Kaiser,“ fiel der Rabbi lebhaft ein: ״denn wir gehen, weil wir das Ende des Werkes nicht erleben, m׳t frommer Scgensliotintmg aus der Welt, und selten im Geiste die Enkel sich au Frucht und Schatten unserer Pflanzung freuen. Aber weite dem Garten, dessen Pfleger stirbt. Ein Reislein, das er mühsam herangezogen, bricht ein Knabe ritt Uebcrumte des Spieles ab, der schlanken Rute willen, und selbst wenn das Reis zum schattigen Baume gediehen wäre, denkt der Wanderer, der unter ihm ruht, dessen nicht, dem er diese Wohltat schuldig st. Die Nachwelt ist undankbar, und stolz darauf, das Vorhandene verbessert zu haben, denkt s'e d«.r Mühe des ersten Erfinders nicht.“ Der Astronom war indes an’s Fcutser getretim, und sprach: ״Der Syrius glänzt und die Plejaden.“ D.r Kaiser und der Rabbi traten zu ihm ,und letzterer mit dem Finger 411 die Nacht deutend, wies auf den lupitcr und den aufgehenden Mars. ״Was bedeutet wohl diese Constellation?“ fragte der Kaiser nachdenklicher. Der Rabbi sprach mit weichen feierlichen ׳Ionen, als ob eine Prophezeilnmg von seinen Lippen strömte: ״Feindlich stellt auf dem Felde des Himmels der blutige Gott dem Stern des Segens entgegen; aber trostreich glänzt das heilige Siebengestirn, des irrenden Schiffers Wahrzeichen auf hoher Sec.“ ״Ein blutiger Krieg steht uns bevor,“ sagte ebenfalls mit tiefem Ernste der Astronom. Indem wurde heftig an die Haustiire gepocht, alle horchten auf. und der Rabbi mit tiefer Verneigung, erbat sich vom Ka:scr die Erlaubnis, nach der Ursache solcher Störung zu sehen. Kaum hatte er jedoch die äusserste : Türe geöffnet, als er bereits Aaron's scheltende Stimme I vernahm, und fiher die Treppe polternd ein Mann vor I ihm erschien, der hastig nach dem Rabbi fragte, j Der Kaiser, der die Kapuze seines Mantels über I das Gesicht gezogen, horchte mit Tycho an der Türe, sie vernahmen heftige Worte, und der Kaiser fragte halblaut: ״Ist das nicht die Stimme unseres Kämmerers Clilum. des Graten von No\vidwror?“ ״Mir scheint es auch so —“ ״\Wc kommt der her? Hat sich zuhause etwas er-

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