Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIII (1908)
- Issue
- Heft 35 (28.8.1908)
- Date
- 1908-08-28
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 35 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 345 Die Pflanzungsgesellschaft «■ ״Agudath Netaim“ Die Gesellschaft ״Agudalh-Nctaim", wurde vor noch nicht drei Jahren mit einem nomicllen Aktienkapital von einer Million Francs gegründet, von welcher Summe bereits über 300000 Francs gezeichnet sind, während ihr gleichzeitig für ungefähr den gleichen Betrag Pflanzungs-Aufträge erteilt wurden. Mit ,diesen Ziffern — aber auch mit ihrer bisherigen Tätigkeit — erweist sich ״Agudath-Netafm“ als die bedeutendste aller auf Privatinitiative beruhenden jüdischen Unternehniungen in Palästina, und da bisher sehr wenig über diese Gesellschaft in Westeuropa bekannt geworden ist, so geben wir im Nachstehenden das wesentlichste aus dem uns vorliegenden neuen Bericht der Gesellschaft wieder. Bericht über die Tätigkeit der Gesellschaft seit ihrer Begründung im Winter 1905/06. Der Zweck der Gesellschaft ist, die jüdische Besiedelung Palästinas zu fördern durch Vorbereitung von Pflanzungen für Nichtkolonisten (gleichviel, ob schon im lande ansässig oder nicht), um ihnen die spätere Niederlassung in Palästina auf landwirtschaftlicher Basis in einer gcscliäits* massigen Weise zu ermöglichen . Das Direktorium der Gesellschaft besteht zurzeit aus Ingenieur Wilbuschewitsch, Direktor der Gesellschaft ,.Athid“; Agronom Dr. J. Lcvy, Direktor der ,.Anglo-Palestine Company" in Jerusalem; A. Eisenberg, Geschäftsführer der Gesellschaft ״Mcnuchah Wenachlah" in Rechoboth. Sekretär: M. Michlin, Jerusalem. Die 100 Anteile der Gesellschaft betragen je 10 000 Francs, zahlbar in 10 Jahresraten ä 1000 Francs. Bis jetzt wurden 25 Anteile in Palästina und 5 Anteile im Auslände plaziert, und cs wurden auf diese 30 Anteile bisher 75000 Planes eingezaliit.*) Bis jetzt erwarb Jie Gesellschaft folgende Ländereien: bei Caesarea 1350 Dunani zu 26000 Francs in Chederah 350 7000 ״ ״ » Rechoboth 850 ״ 30000 ״ ״ Summa 2550 Dunam zu 63000 Francs. •) Inzwischen find noch einige neue Anteile hinzugekommen. Hiervon eignen sich für Orangen-Pflanzungen 1250 Dunam, der Rest von 1300 Dunam für verschiedene andere Pflanzungen (Oliven, Mandeln etc.). Weitere Landkäufc sind in Vorbereitung. Bisherige Pflanzungs-Tätigkeit. Bei Caesarea wurde 1905 und 1906 eine grosse Orangerie von ca. 135 Dunam gepflanzt, wovon 100 für die Gesellschaft und 35 für einen Privatmann. Ausserdem wurden Oliven- und Mandelgärten vorbereitet. In diesem Winter .wurden bei Caesarea und in Chederah SO Dunam Orangen und in Rechoboth 500 Dunam Mandeln und Oliven sowie SO Dunam Ricinus gepflanzt Ausserdem wurden im Aufträge von Privatleuten, auf deren Boden 150 Dunani Orangerie und 100 Dunam Mandeln und Oliven gepflanzt. Von den Kosten (100000 Francs) wurden 33% bereits eingezaliit. der Rest folgt nach Bedarf. — Die Gesatntzificr dieser Pflanzungs-Aufträge beläuft sieb bereits auf über 1000 Dunam — die Kosten auf ca. 300000 Francs. Kosten der Pflanzung und Erträge. Ein Dunam O r a n g c u - P f 1 a 11 z un g kostet bis zum Ei trage (im 5. bis 6. Jahre 1, je nach Lage und Wasscr-Verhiltnissen etwa zwischen 6t 0׳ und 1000 Francs. 1 Dunam Mandeln (Ertrag in 67—־ Jahren) kostet ca. 100 Frcs. 1 ״ Oiiven ״ 120 ״ ״ ״ 9—8 ״ ״ Die Erträge stellen sich per Jahr und Dunam im Durchschnitt wie folgt: Per Dunam Bäume Ertrag Marktpreis Reinertrag Mandeln . . . 50 45 kg ä 0,80 Frcs. 12—15 Frcs. Oliven . . 10 ״ 200 ä 0,15 ״ ״ 15-20 Orangen . 50-75 100 Kisten ä 3—4 ,. ״ 200 Sons tige Bedingungen. Die Gesellschaft übernimmt gratis die Aufsicht über private Pflanzungen ihrer Mitglieder (bei Nicht-Mitgliedern gegen 5־-IO% des Ertrages, je nach Lage etc.). Sie beschafft auch ihren Mitgliedern nötigenfalls Darlehen zur Verbesserung ihrer Pflanzungen. Landkäufe werden auf den Namen eines Mitgliedes der Gesellschaft durchgeführt. Privatleute können jederzeit einen privaten Kaufbrief erhalten, bis sic in der Lage sind, ein Regierungs-Dokument auf ihren eigenen Namen zu bekommen. angetrunken, und in Folge dessen allerhand allotria in unserer Gegenwart discouriert hat.“ Rabbi Löw hatte, während der Kaiser mit vieler Behaglichkeit, wie es schien, von dem Trünke nippte, von einem Kasten, der am Fenster stand, den Schleier abgezogen, und bat den Kaiser, durch ein rundes Glas zu blicken, das in demselben sichtbar wurde. Der Kaiser sah hinein, und alsbald glänzte ein zufriedenes Lächcün auf seinem Gesichte. ״Das ist ja unser Schloss auf dem Hradschin *;n voller Mondbcleuchtung so treu, dass auch nicht ein Zug vergessen oder falsch ist. Ihr seid also auch ein Maler, und nach diesem Probestücke zu urteilen, ein ganz ausgezeichnete r.“ Nachdem der Kaiser seiner Schaulust Genüge getan, und den Platz vor dem Glase dem Astronomen ־eingeräumt hatte, wandte sich der Rabbi mit der bescheidcnen Erklärung zu ihm, dass dies kein Gemälde sei, son.- dem, dass sich jede Gegend, nach der das Glas gerschtet würde, bei gehörigem Lichte treulich abspiegele. Der Kaiser war über diese schone Erfindung sehr erfreut, und fragte, wie sie der Rabbi 1»2nne. ״Camera obscura.“ ״So, ähr müsst mir auch eine machen." Auf die Versicherung des Rabbi, dass seine Kunst wie sein Leben dem Weisesten aller Fürsten gehöre, und dass er die Maschine sdbst zu Herrn Tyclio de Brahe schaiien wolle, hob sie der Kaiser behutsam auf, und da er s!e sehr leicht!and, äusserte er sogleich: Sie ist nicht schwer, wir wollen sie gleich mitnehmen, ich und amicus Tycho werden sie schon allein in unser Boot tragen. Der Kaiser setzte sich nun an den Lehnstuhl des Rabbi, und nachdenkend das Haupt hin und her wiegend, sprach.er über die vielen Erfindungen, welche der menschliche Geist bereits gemacht, und welch’ ein grosser Abstand zwischen jetzt und den Zeiten sei, wo die Menselten nur des Lebens äusserste Notdurft erjagt, und so wird es fortgehen. Auch auf unsere Zeit wird mitleidsvoll das Auge der Enkel blicken. ״Es ist leicht für den Enkel das ernten," sagte Tycho, ״was sein Alm mit Mühe gesäet und gepflanzet hat.“ ״Wer weiss, ob unsere Enke/1 gemessen werden,“ sprach, wie von• trüber Ahnung überweht, der Rabbi, ״was wir für sie gepflanzt und aufgebauet haben. Unsere Wünsche verwesen init uns, der neue Geist erzeugt auch ein neues Wollen. Nicht alles, was wir für gut