Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIII (1908)
- Issue
- Heft 34 (21.8.1908)
- Date
- 1908-08-21
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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Seite 342!JÜDISCHE RUNDSCHAU, Nr. 34 lässt sich bei dem Ankauf von Privat*AutofuI1r\verken nur mit den reichen Türken und Arabern rechnen. Hier kommt aber der gänzliche Mangel an Chauffeuren und eine gewisse ängstliche Altzopferei der Türken in Betracht, die sich vor «so etwas“ scheuen, wie es ein Töff-Töff ist. in keinem Palle rechne man mit den vielen Deutschen in Palästina! Diese württembcrgischcn Bauern sind so schwäbisch und so bäuerisch geblieben, dass sie im Auto wahrscheinlich noch heute den leibhaftigen Gottseibeiuns erkennen. Das ganze Anfangsgcschüft also beruht auf Auto-Gcsamtfuhrwerkcn und auf Motorrädern. Für ersterc müsste sich eine staatlich konzessionierte Gesellschaft errichten, für letztere lediglich der Geldbeutel des Publikums auftun. Motorräder wären ein Ideal-Fuhrwerk für Palästina, doch hindert die dösige, altmodische dortige europäische Frauenwelt durch ihren Mangel an Begeisterung für etwas Neues jede solche moderne Einführung." Abgesehen von der etwas drastischen Ausdrucksweise des Autors dieser Zeilen geht jedenfalls daraus hervor, welches Verdienst um die gesamte Entwicklung des heiligen Landes sich jüdische Kapitalisten hier erwerben konnten. Und auch der eigene Verdienst würde sicher nicht ausbleiben. Verbot der jüdischen Theater Aus Petersburg wird der ״NJX“ von ihrem dortigen Korrespondenten unter dem R August berichtet: ' Der Ausweisung der jüdischen Künstler aus Petersburg, wie überhaupt aus allen Orten ausserhalb des Ansiedlungsrayons ist nun eine weit radikalere .Massrcgcl gefolgt. Wie soeben bekannt wird, beabsichtigt man im Ministerium die Theatera'.jfführungen im Jargon (jüdisch-deutscher Mundart) ganz zu verbieten. Es sollen bereits Anweisungen an die Gouverneure ergangen sein. — Man braucht die Jargontheater nicht für einen Kulturfaktor zu halten und muss doch dieses Verbot sehr bedauern, denn es macht eine grosse Zahl von Schauspielern brotlos und beraubt die ohnehin gedrückte jüdische Bevölkerung ihrer fast einzigen Zerstreuung und Erholung. Stolypin und Stead Über ein neues Interview des letzt so vielfach Interr-Hliertcn russischen Premiers berichtet man der NEUEN JÜDISCHEN KORRESPOFNDFZ aus Petersburg- In einer Unterredung mit dem bekannten englischen Journalisten St e ad hat der Premierminister St01 v ס in auf die Frage Stcads. was die Regierung zur Verbesserung der Lage der Juden zu tun gedenke, geantwortet, die Haunt- Schwierigkeit der Durchführung irgend welcher Reformen hesiche In der Gefahr der Heraufbeschwörung von Feindselig- Keitcn der den Juden abgeneigten Elemente. Der nationale und religiöse Hass gegen d׳e Juden sei noch mehr verstärkt worden infolge der ökonomischen Konkurrenz und mache die Durchführung von Reformen zu cunstcn der Juden vollends unmöglich. Als Stead fragte, wie sich Stolvnin zu den .echtrussischen *Leuten.“ dem ״Schwarzen Hundert" stelle, die ift England als Urheber der Pogroms betrachtet werden, antwortete der Minister, dass er diesen als ihr grösster Feind gelte und fortwährend in ihren Zeitungen beschimpft werde. — Damit hat Stolvnin aber eigentlich nur gesagt wie die Vcr- Ländler zu ihm stehen, aber nicht, wie er zu ihnen steht! Ausländer Heize Eine kleine Ausländcr-Hctzc versucht der fromme REICHSBOTE wieder einmal zu inszenieren. Er teilt mit. dass im fahre 1907 •169 Ausländer nach Vcrbiissuue von Strafen wegen gewerbsmässigen Cdncksspicls oder wegen Kuppelei etc. (gegen 599 im Jahre 1906) ausgewiesen worden seien, und fügt hinzu: ,.Mit Rücksicht auf die starke Zuwanderung Zweifelhafter Elemente aus dem Auslände emnneblt es sich, hei der Reform des Strafgesetzbuches Wie Möglichkeit zu schaffen, dass Ausländern gegenüber häufiger als bisher nach Abbüssung der Strafen die Massrcrcl der Ausweisung ergriffen werden kann. — An das Geschrei gewisser linker Komonoliten und Frciziigigkeitsfanatiker kann man sich bei ,diesem praktischen Staatsbediirfnis nicht kehren." Das fromme Blatt, das sich gern als LiehVmgshlatt der deutschen Kaiserin rühmen lässt, verfolgt mit dieser von keinerlei Sachkenntnis beeinflussten Notiz natürlich nur den Zweck, wieder einmal ein bischen gegen die ״Ausländer" zu hetzen. Wollte das Blättchen auch nur den Versuch einer objektiven Berichterstattung machen, so hätte es den angeführten Ziffern diejenigen der wegen der zleichen Vergehen und Verbrechen verurteilten deutschen Reichsanvekörieen gegenüber stellen müssen. Aber wir wollen natürlich nicht im entferntesten ausländischen Glticksspielcrn oder Kupplern das Wort reden, ebenso wenig wie den inländischen. Nur scheint man in der Redaktion des REICHSBOTEN nicht zu wissen, (dass es durchaus keiner Reform des Strafgesetz- Luches bedarf, um die Ausweisung' von Ausländern zu erleichtern. Bekanntlich kann in Prcusscn und auch in fast allen übrigen Bundesstaaten die Polizei jeden Ausländer ohne irgend weiche Begründung als ״lästig" atisweisen. Dazu bedarf cs wdJer eines gerichtlichen Urteils noch der geringsten Schuld des betreffenden Ausländers. Die Massenausweisungen russischer Juden sind ja noch in alter Erinnerung׳. Wenn hier eine Reform vonnöten ist — was wir unbedingt bejahen müssen — so wird sic sich in der Richtung zu bewegen haben, dass Id e r Polizei ihre diskretionäre Befugnis angenommen wird, ifnd dass die Ausweisung eines Ausländers nur auf Grund eines gerichtlichen Urteils erfolgen kann. So erfordern cs die ersten Grundsätze eines Rechtsstaates. Und bei dieser unbedingt notwendigen Reform wird man sich allerdings ״an das Geschrei gewisser rechter Reaktionäre und Antisemiten nicht kehren“ dürfen. Jüdische ״Feigheit“ Bei dem furchtbaren Brande der Petrolcumqucllcn in Boryslaw taten sich besonders die jüdischen Arbeiter in den L ösc h arbeiten hervor. Der vom Ministerium entstandtc Hofrat Hohmann verbot indessen den Juden das Wcitcrlöschcn, angeblich weil er befürchtete, sie möchten zu Schaden kommen. Da indessen das Militär, das nun die Löscharbeiten übernahm, nichts ausrichten konnte, wurde der Befehl zurückgezogen. Die Zeitungen berichten übereinstimmend von dem Opfermut, mit dem sich die jüdischen Löschmannschaften dem Rettungswerk unterzogen. Sie waren die einzigen, die weiter als fünf Meter an die Flammen herangingen. Einige wagten sich unter dem Schutze beständig entsandter Wasserstrahlen gar bis zu zwei Meter an die furchtbaren Flammen heran, wo cs indessen keiner länger als zwei Minuten ausiialten konnte. Viele der Jüdischen Löschmannschaften haben schwere Brandwunden davongetragen. Ein Wiener, Herr Hugo Scheuer, der zur Zeit des Brandes am Orte weilte, schrieb in einem Briefe an die ÖSTERREICHISCHE WOCHENSCHRIFT: ..Ich hatte gestern Gelegenheit, den Schachtbrand in Tustanowicc bei Boryslaw zu sehen und muss meine Verwunderung aussprechen, mit welcher Energie unsere Glaubensbrüdcr dort arbeiten. Die Leute bekommen bloss einen Taglohn von 5 bis 6 Kronen, haben aber bei einer enormen Hitze die Arbeiten zu verrichten: trorzdem ich einige hundert Schritte von dem Brandherde entfernt war. konnte ich cs vor Hitze nicht aushalten. Unsere Wiener Antisemiten, die den Juden Feigheit und Trägheit vorwerfen, würden anderer Meinung werden, wenn sie sehen würden, wie die Leute mit Pcies, Zidakl utul Kaftan bei der grössten Hitze um einen Schundlolm arbeiten; ich war als Jude ganz, begeistert, wie ich aus dem Munde des Werkiiilircrs. eines Juden, erfuhr, mit welcher Energie seine Leute, ohne auf sich zu achten, heldenmütig gegen das Feuer vorgehen. er meinte, cs ist leicht möglich, dass morgen (Samstag) der Brand sich ausbreitet, weil die Bauern feig und faul sind! Tatsache ist. dass 80 Perzent Juden bei Ein- Schränkung des Feuers beschäftigt sind.“ Den Optimismus des Wiener Herren, als ob die berufsmassigen Antisemiten irgend einer Belehrung zugänglich seien, können wir nicht teilen. Persönliches Am Dienstag, dem 18. d. Mts., fand die Hochzeit unseres Gesinnungsgenossen, des 2. Vorsitzenden der 'Ortsgruppe Lcma.nn Zion Emden Herrn Edmund van Cieef mit Frl. Eise Lob, Tochter des Herrn Unürahhiner Dr. Löh, in Emden statt. [\J*‘ כשר G. m. b. H. m. Reitaurant I. Rang«! untor Aufatcht das Rabblnat* der Israel, Synaeczan-Gamelnd« Ada«! Jlaroet. Berlin W., Jägerstr. 13 a. d. Frledrichstr. Feingeführtes Restaurant unter eigener fach« mfinnischer Leitung. Uebernahme v. Hochzeiten u. Festlichkeiten jed. Art. Elegantester Ausführung. Zimmer in allen ✓-*^Preislagen. Emil Adler. I. leutniao. J T^iPfSPS-'1!1׳ זר״?׳ %