Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIII (1908)
- Issue
- Heft 34 (21.8.1908)
- Date
- 1908-08-21
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 34 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 337 Hierzu verliest der Präsident eine Eingabe des Herrn Oskar Marmorek, der sich über das Inncrösterrclchlsche DistriktskomUce wegen einer in seiner Eigenschaft als Zionist seitens dieser Körperschaft zugefügten schweren Ehrenbe- Icldlgung beschwert und die Einsetzung eines Schiedsgerichts verlangt. Nach langer Debatte wurde beschlossen, ein Schicdsg'erieht für. diesen Fall einzusetzen. In das Schiedsgericht wurden die Herren Prof. W a r b 11 r g. F e i w c I und Gronemann gewählt. Das Schiedsgericht soll die Angelegenheit prüfen und darüber entscheiden. Für den Fall, dass eine der Parteien nicht vor dem Gerichte erscheinen sollte, soll das Schiedsgericht im Abwesenheitsverfahren urteilen. Hierauf wird der Antrag VI des E. A.-K. angenommen und zur Ausarbeitung der erforderlichen Vorschriften eine Konimission. bestehend ׳aus *den Herren Dr. F r i e d c in a n!1, Qroncmami und H a n t k c . gewfthlt. Auf Antrag Dr. BoUenhcimcr wird diese Kommission ausserdem beauftragt, das ganze Organisationsstatut einer Durchsicht zu unterziehen, um dem Aktionskomitee eventuell Vorschläge riir eine Änderung des Organlsatlonsstatuts zu unterbreiten. Herr Dr. Boden hei nie r wird' beauftragt, seinerseits .entsprechende Vorschläge uuszuarbeiten und. sie der Kommission zu übergeben. Herr Dr. Friede mann verliest eine Eingabe des Misrachl, der sich darüber beschwert, dass in verschiedenen!.ändern, iubesondere in Galizien. Schwierigkeiten bei der Ausstellung von Scheklblocks gemacht worden. Die Debatte über diese Eingabe wird auf später vertagt. Hierauf berichtet Dr. li ey mann namens des Finanzansschusses. Er konstatiert mit Befriedigung, dass der Finanzaussekuss zu einer Einigung gelangt und in der Lage sei. Be- Schlüsse Voranschlägen, von denen er hoiie. dass sie allseitigen Beifall fänden, und die zugleich geeignet seien, die materielle Lage des E. A.-K. befriedigend zu verbessern. Der Finanzausschuss schlägt vor: 1. Eine permanente Flnauzkomniission aus folgenden Mitgliedern: Dr. Ado!« Friede mann, Boris Goldberg, Dr. Arthur II a n t k e, Dr. Hans Gideon H e y m a n n, Prof. Dr. Arthur Mahler uud Friedensrichter Jakob Moser mit dem Recht der Kooptation eiuzusetzen, die der nächsten A.-K.- Sitzung einen Plan zur Ausgestaltung der zionistischen Finanzen zu unterbreiten hat 2. Die Jahreskonferenz beauftragt den Aufsichtsrat und das Direktorium des J. C.T. dem Engeren Aktions-Komitee einen Betrag von 2000 £ aus dem Reservefonds II des J. C, T. für Inhaber von vcriallen erklärten Aktien zur Verfügung zu stellen. 3. Die Jahreskonferenz verlängert das 11. Kongress- Schekeljahr bis zum 1. Oktober 19QS und fordert die LandstnannschaUcn auf, die Schekelsammlung für dieses II. Jahr bis zu diesem Termine energisch fort/usetzen und deren Ertrag dem Engeren Aktions-Komitee abzuführeu. 4. Der permanenten Kommission zur Erwägung überwiesen: Die Jahreskonferenz ersucht das Direktorium des J.C.T. die Statuten derart zu modifizieren, dass die drei Jahre nach Dividendenerklärung nicht abgehobenen Dividenden für verfallen erklärt werden und zur Verfiigtirig des Aufsichtsrates stehen sollen. Sämtliche Anträge werden angenommen, die Sitzung wird um 8 Uhr abends geschlossen. * * # Donnerstag fand eine Sitzung des Direktoriums des Jüdischen Nationalfonds, sowie die Generalversammlung' des .?üdisclien Nationalfonds statt. Letztere dauerte bis abends 7 Uhr. r Um 8J/i Uhr wurde die Tagung der Jahreskonferenz mit dein Punkte ..Palästinaressorts“ wieder aufgeuonmten. Hierzu lag ein eingehender Bericht des Pakistiuarcssorts vor. Folgeitder Antrag wurde angenommen: Die Jahreskonferenz beschliesst, einen Palästina- Kulturfonds zu begründen. Derselbe soll 1. aus einem eisernen Fonds bestehen, weicher erst dann in die Erscheinung zu treten hat, wenn 100 000 Mark beisammen sind. Die einzelnen Beiträge zu diesem Fonds müssen sich au! mindestens 100 Mark belaufen, und es dürfen nur seine Zinsen aufgebraucht werden; 2. aus einem andere□ Fonds, der die kleineren Beiträge umfasst, von welchen nur 50% der ]ährliehen Eingäge eventuell verbraucht werden dürfen. Nach Schluss der Debatte über das Pakistinarcssort gelangte noch eine Reihe anderer wichtiger Punkte (Presse, Verhältnis zur geplanten alljüdischcn Kolonisationsorganisatidn, Bildung neuer Federationcn usw.) zur Beratung. Um 2ג/י Uhr schloss die Jahreskonferenz mit einer Dankeskundgebung für den Präsidenten des E. A.-K. und dem Vorsitzenden des Palästinaressorts. Während der Jahreskonferenz fanden auch Boardsitzungen des Jcwish Colonial Trust, der Anglo Palestine Company, der Anglo Levantinc Banking Company und dos Jüdischen Nationalfonds. Limited, statt. Ausserdem hielt der Jcwish Colonial Trust eine ordentliche uud eine ausserordentliche Generalver- Sammlung ab. Berichte hierüber folgen. * * if. Der Schluss des Berichtes über die Verhandlungen der Jahreskoiücrcnz und die Berichte über die sonstigen Tagungen erscheinen in der nächsten No. der JÜDISCHEN RUNDSCHAU. Der Jüdische Nationalfonds Bericht des Hauptbureaus des Jüdischen Natlonalionds über seine Tätigkeit in der Zeit vom Mai 1907 bis August 190S. (Auszug.)״) A. Einrichtung des Bureaus. Die Uebernahme des Bureaus aus Wien und die Einrichtung desselben in Köln war mit mancherlei Schwierigkeiten verbunden. Zunächst musste das Propaganda- und Sammelmaterial, in ־ dessen vollen Besitz wir erst einige Monate nach der Veriegung der Zentrale gelangt sind, gesichtet, geordnet und ergünzt werden. Die notwendigen Auskünfte mussten wir nach und nach aui dem Wege der Korrespondenz einholcn, so dass wir erst nach einiger Zeit in die Lage kamen, an die endgültige Einrichtung des Bureaus zu schreiten. Neue Störungen erwuchsen uns, als das frühere Wiener Zentralbureau, das nach Konstituierung unseres Bureaus weiterhin als Sammelstelle für Oesterreich bestehen blieb, im August v. J. seine Tätigkeit einstellte, ohne dass zuvor eine neue Sammelstcllc für Oesterreich gebildet worden wäre. Infolgedessen wurden sämtliche iür die österreichische Sammelstcllc bestimmten Postsendungen nach Köln an die Adresse unseres Bureaus dirigiert. Wir mussten dieselben von hier aus erledigen und haben so längere Zeit auch die Agenden der Sammelstcllc für Oesterreich versehen. Dies ergab aber umsomehr Schwierigkeiten, als die Bücher und Belege, die uns über manche der Anfragen und Reklamationen hätten orientieren können, erst später in unseren Besitz kamen und ferner die Wert-, Einschreibe- und Geld- Sendungen, die unter der Adresse ״Jüdischer Nationaüonds Wien bezw. Cöln“ cinlicten. uns seitens der hiesigen Post nicht ausgeliändigt wurden, da diese die eingcreichten Vollmachten nicht anerkannte, weil der Jüdische Nationalfonds keine Zweigniederlassung in Deutschland besitze und auch nicht als Verein hier eingetragen sei. Den hierdurch entstandenen Hindernissen suchten wir dadurch aus dem Wege zu gehen, dass wir die Gestnnungsgenossen durch Veröffentlichungen in den Zeitungen baten, die für uns bestimmten Briefe bis auf weiteres zu Händen des Herrn Rechtsanwalt Dr. Bodenhcimer zu adressieren. Nichtsdestoweniger gingen sehr viele Spenden enthaltende Briefe auf dem Wege über Köln an ihre Absender zurück, und es entstanden dadurch zahlreiche Reklamationen. Erst nach dem Haager Kongress wurde seitens der östcrrcichischcn Landcsorganisatiou eine Nationalfoudskommission gebildet und eine österreichische Landcssammclstclle mit dem Sitze in Wien ins Leben gerufen, welche seitdem eine rege Tätigkeit entfaltet. Den Ausweis der NationaKondsspenden ln der WELT haben wir systematischer und übersichtlicher gestaltet, indem wir die Spendeneingänge nach Ländern rubrizierten und die einzelnen Santmelmittcl und Spendenarten streng auseinanderhielten. Ferner haben wir uns entschlossen, die Spendeneingänge aus *) Wir können aus der 20 Oktavseiten umfassenden, anschaulich geschriebenen Broschüre aus raumtechnischer» Gründen nur diesen auf etwa die Hälfte verkürzten Auszug wiedergeben. Red. d. J. R.