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Jüdische Rundschau · 1908-08-21 · Heft 34 (21.8.1908) · page 10

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIII (1908)
Issue
Heft 34 (21.8.1908)
Date
1908-08-21
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 336 JÜDISCHE RUNDSCHAU No. 34 such für eine Reorganisation. Dagegen gibt es'kcine Bedenken. Diese 10 Prozent stellen nichts anderes dar, als etwas, was bei allen Bankinstitutionen in der ganzen Welt Sitte ist. Ich möchte Sie bitten, den Antrag anzunehmen, da vorläufig der dringenden Not abgeholfen werden muss. Wir verlangen vom A.-K. grosse Dinge, geben ihm aber kein Qeld. Wir besitzen noch zwei bedeutende Quelien, die nicht in Anspruch genommen werden. Erstens die Ortsgruppen, die alljährlich Unsummen verpulvern; zweitens muss es möglich sein, in einer solchen Situation, wie die Jetzige ist. dass die Wohlhabenden unter uns sich verpflichten, grössere Beträge für die Organisation bei• zusteuern, wie es überall Sitte Ist. Alles Misstrauen müssen Sic zurückstcllcn, wo es sich darum handelt, unsere Pflicht und Schuldigkeit zu tun. Fischer ist der Ansicht, dass man die Institutionen schädige, wenn der Antrag des E. A.-K. angenommen wird, insbesondere den Nationalrond. Bei dem gegenwärtigen giin• stigen Moment müsse die öffentliche Meinung angcrufen werden, dann werde man die Mittel bekommen. Es heisst jetzt alle Kräfte cinsetzen und die Kritik einschränken. Redner wendet sich in scharfen Worten gegen die Ausführungen des Herrn Trictsch. Er beantragt, dass 10 Prozent aller Einnahmen der Föderationen an das A.-K. abgeführt werden, ebenso der Schekel ohne jeden Abzug. Feiwcl: Wenn ich gegen die Resolution gesprochen habe, geschah das nicht nur aus Bedenken finanzieller Natur, sondern deshalb hauptsächlich, weil ich befürchte, dass eine solche Resolution alle Arbeit lahmlcgen würde. Hegen die Bewilligung von Heldern für das E. A.-K. wäre ich nicht, wenn uns gleichzeitig ein neuer, gross angelegter Agitatiousplan vorgelegt worden wäre. Ich modifiziere meinen Antrag dahin, dass die vom E. A.-K. geforderten 10 Prozent von Bank und Fond bewiligt werden, aber nur in Form eines Darlchns. Ferner stelle ich den Antrag, es solle der Versuch gemacht werden, aus unseren Reihen noch einen besonderen Fond durch Ueberwcisung besonderer Spenden zu bilden. Dr. Lew in wendet sich dagegen, dass Herr Dr. Hantke vom politisch unreifen Menschen sprach. Die politisch U11reifen haben bisher in der Bewegung alle Mittel aufgebracht und alle Institutionen geschaffen. Man muss bei dem Anträge des E. A.-K. die Psychologie der Masse berücksichtigen. Es gibt eine momentane Not. weil unsere Kasse leer ist. und es gibt eine chronische Krankheit, weil die Schekelzahicr zurückgehen. Ich glaube, es liegt dies auch daran, dass in unseren Reihen das Verständnis für den Heist des Zionismus zurückgegangen ist Wir müssten für eine Vertiefung der Anschauungen unserer Zionisten sorgen, dann würde sich daraus von selbst eine Agitation ergeben, die genügen würde, die nötigen Mittel aufzubringeu. Moser: Ich glaube, dass wir uns in unserer Bewegung zuviel gegenseitig bekämpfen. Nur wenn wir einig sind, werden wir imstande sein, einen Fond aufzubringen. Ich unterstütze den Antrag des Herrn Feiwel, die 10 Prozent leihweise zu nehmen. Ausserdem aber soll man eine Finanzkommiision wählen, die etwa aus 12 Personen bestehen könnte und dem A.-K• als finanzieller Berater zur Seite steilen müsste. Ide 1 solln: Ich bin gegen die Auferlegung neuer Steuern, die Zionisten sind schon genügend besteuert. Ich bin aber für die von dem A.-K. vorgcschiagenc Resolution, weil ich kein anderes Mittel sehe, dem A.-K• die erforderliche materielle Unterstützung zu gehen. Mit dem Antrag Moser auf Einsetzung einer Finanzkommission bin ich sehr einverstanden. Diese Kommission sollte aber auch einem Krebsschaden zu Leibe gehen, an dem unsere Organisation krankt, und der sehr viel dazu beiträgt, die Einnahme der Organisation zu schmälern. Das ist die Planlosigkeit, mit der alle Augenblicke neue Sammlungen unternommen werden. Zu gleicher Zeit werden Dutzende von Sammlungen cingeleitct, und eine schädigt die andere. Die Kommission sollte das Recht haben, neue Sammlungen zu verbieten oder zu beschränken und die bestehenden in harmonischer Weise so emzurichten, dass sic sich nicht gegenseitig beeinträchtigen. B. Gold bergt Man soll der Organisation die Dividenden der Bank überweisen, die 5 Jahre nach der Ausschüttung noch nicht behoben wurden. Auf diesen zu erwartenden Fond könne man schon fetzt einen Vorschuss bei der Bank nehmen. Ausserdem sollten die Schckclsammlungcn für das Ende des Kongrcssfahres bis zu den Hcrbstfeicrtagcn fortgesetzt werden, des weitern könne mau an die Einrichtung von Lotterien usw. denken. Pod Iisc he wsk y ist unbedingt für den Antrag des E. /&-K• Die Zentrale habe die einzelnen Institutionen geschaffen, fetzt müssten die Institutionen auch die Zentrale unterstützen. Er gehe noch weiter: Dem E. A.-K. müssten sämtliche Mittel zur Verfügung gestellt werden, die es verlange. Wenn die geforderten 10 Prozent nicht ausreichen, müsste der Betrag erhöht werden. Er ist auch für die Anregungen des Herrn Ooldbcrg. Dr. Tschlenow ist aus prinzipiellen und praktischen Gründen gegen die Resolution des E. A.-K. Man solle auf die verfallenen Aktien und die nicht abgehobenen Dividenden bei der Bank einen Vorschuss nehmen. Er stellt den Antrag, den Resenvetond II des Jewisli Colonial Trust (für Inhaber von verfallen erklärten Aktien) dem A.-K. zur Verfügung zu stellen. Präsident Wolffsohn: Herr Dr. Kolian-Berstein hat gesagt, dass Hcrzl solche Schwierigkeiten ohne Mühe überwunden habe. Allerdings, aber Herzl hat sich auch für die Bewegung zugrunde gerichtet und damit unserer Sache den aliersclilechtcsten Dienst erwiesen. Das geht nicht an, dass einer oder einige alles das aufbrhigen sollen, was Hunderttausend in kleinen Beiträgen mH leichter Mühe beschaffen können. Herr Dr. Tschlenow meint, mit den 10 Prozcut sei uns auch nicht geholfen. Wenn wir aber diese 10 Prozent in den letzten drei Jahren gehabt hätten, ständen wir heute rächt materiell so schlecht, wie es jetzt der Fall ist. Jede Regiciung muss ihre Steuern regelmässig erhalten, sonst kann sic nicht bestehen. Oewiss werden die 10 Prozent nicht ausreienen, alle unsere Bedürfnisse damit zu decken: aber sic sollen uns auch lediglich eine regelmässige Grundlage geben, mit der wir unter allen Umständen rechnen können. Und dann muss ich Ihnen noch eines sagen, meine Herren. Hier wird immer so gesprochen, als ob alles, was zu machen ist, vom E. A.-K. geleistet werden muss. Die Sache verhält sich aber ganz anders. Wir sind ja bloss die ausiiihicndc Behörde des Grossen Aktionskomitees, wir tun ja nur das. wozu Sie uns den Auitra*־׳ geben. Alles, was Sic gegen uns sagen, sagen Sie gegen sich selbst, meine Herren! Sic machen uns Vorwürfe, dass wir nicht genug getan haben, Sie verlangen, dass wir eine grosse Agitation entfalten — geben Sie uns doch die Mitte! dazu. Nach allem, was ich liier gehört habe, nach der ganzen Stimmung, die hier herrscht, muss ich Ihnen ei klären: Ich werde mit meinen Kollegen vom E. A.-K. darüber beraten, ob wir nicht unter diesen Umständen den Antrag vollständig zurückziehen oder ihn nur aufrecht erhalten sollen, wenn er mit grosser Mehrheit angenommen wird. Wenn er mit einer Majorität von einigen wenigen Stimmen angenommen werden sollte, muss ich fürchten, dass man von liier Weggehen und draussen diesen Antrag und seine Durchführung gegen uns agitatoriscii verwerten wird. Wenn Sic unseren Antrag nicht einstimmig oder wenigstens mit grosser Mehrheit annchnicn werden, dann bleibt nichts anderes übrig. aJs eine Finanzkommission zu schallen, wie Herr Moser sie vorgeschlagen hat. Diese möge dann zuschcn, ob und wie sic uns materielle Hilfsquellen erschlossen kann. Ich unterbreche fetzt die Sitzung und werde Ihnen heute nachmittag weitere Mitteilung über diese Sache machen. Nachmittagssltzung Die Sitzung wird um 3% Uhr eröffnet. Präsident Wolffsohn: Ich habe mich mit meinen Kollegen im E. A.-K. über die Situation beraten. Die Herren s!11d mit mir der Meinung, dass, wenn die Jahreskönfcrenz den Antrag des E. A.-K. auf Besteuerung der Institutionen mit 10 Prozent ihrer Reinertrages nicht mit grosser Majorität an- 1;immt. wir unseren Antrag zurückzichcn. Dr. Hantke schlägt \or, sämtliche vorliegenden Anträge einer Kommission zu übergeben, die versuchen soll, eine Einigung zu erzielen und des Jalireskont'ercnz möglichst bald Bericht zu erstatten. Nach einer längeren Gcschäftsordnungsdebattc wird der Antrag angenommen. In die Komission werden die Herren B. G 0 I d b c r g-. Fischer. Moser. P 0 d 1 i s c 11 e w s k y und Dr. H c y m a n n gewählt. Zur Beratung gelangt \ntrag V des E. A.-K. betr. Schaffung einer neuen GesclväUsoulmmg. Es entspinnt sich eine Debatte darüber, ob es zulässig sei. dass die Jahreskönfcrenz diese Frage, deren Erledigung ihr vorn Kongresse aufgetragen worden ist. von sich abwälze. Schliesslich werden die Herren Dr. Hantke. Dr. Q r 0 n c 111 a n 11 und Dr. B e r e 11 s t c i 11 damit beauftragt, die vorliegenden Entwürfe durchzuarbeiten und der Jahreskönfcrenz endgültige Vorschläge zu unterbreiten. Nächster Punkt der Tagesordnung ist Antrag VI des E. A.-K.. der verlangt, dass Vorkehrungen getroffen werden, damit das Kongressgericht auch als Ehrengericht fungieren kann.

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