Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIII (1908)
- Issue
- Heft 34 (21.8.1908)
- Date
- 1908-08-21
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 34 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 335 licurcs Arbeitsfeld in der Diaspora und iin Orient, und Redner fürchte(, dass ein Beschluss, aus unseren Fonds sich Mittel zu holen, ohne einen grossen Arbeitsplan, unsere Energie in einer nicht wiedergutzumachenden Weise gerade in diesem Augenblick lahmlegcn würde. Es sei ein bei uns eingebürgerter Irrtum, dass wir bereits die Grenze des In finanzieller Hinsiebt Erzielbaren erreicht hätten. Redner verweist auf Beispiele, dass mau bei wirklich systematischer Aktion die über die übliche Schablone hinausgeht, beträchtliche Erfolge erzielen könnte. Dr. Bodenhel nt er: Ich stimme mit Herrn Feiwcl voll und ganz überein, speziell was den Nationalfond anbetrifft. Ich muss mich dagegen mit Händen und Füssen sträuben, dass von» Nationalfond für die Organisation irgendwelche Mittel in Anspruch genommen, werden. Die Spenden des Nationalfonds dürfen ausschliesslich nur für die statutarisch festgclcgten Zwecke verwendet werden. Sie würden dem Nationaliond die ganze Popularität nehmen, wenn Sie eine derartige Bestimmung treffen würden. Sie würden sich schaden und den Nationaliond unmöglich machen. Achnlich verhält es sich auch mit der Bank. Es hat viele Anstrengungen gekostet, um die Idee des Parteifonds verständlich zu machen. Wenn wir auch keine grosse Summe erlangt haben, so wissen wir noch nicht, ob von den 70 000 Mk., die cingekonmien sind, nicht die Hälfte fiir den Schekel gesammelt worden wäre. Die Führung muss sich dessen bewusst sein, dass sic nur auf dem Wege der energischen Eintreibung des Schekels sich eine regelmässige Einnahme .verschaffen kann. Ich bin der Meinung, dass unsere Organisation eine unzureichende Ist. Aber nicht allein die Organisation ist mangelhaft, wir haben auch keine Propaganda mehr. Es ichlcn die berufenen Vertreter zu der Idee, die die Masse begeistern sollen. Wir besitzen jetzt gerade eine gute Gelegenheit, werbend unter die Masse zu treten, da die Verhältnisse sich geändert haben. Wir haben Aussicht, in Palästina festeren Fuss zu fassen und können mit dieser Idee die Propaganda in alle Länder tragen. Ich möchte daher nochmals warnen, den vorgeschlagencn Weg zu betreten, und das kleine Stück, das wir ganz besitzen, nicht zu zerschneiden. T riet sch: Es ist davon die Rede, dass das A.-K. von den zionistischen Institutionen einen Anteil aus ihren Lieberschössen für Parteizwecke erhält. Bei der Bank kann ich das noch verstehen, im Sinne der bisherigen Berichte. Es kommt wirklich nicht darauf an, ob die Aktionäre um einige Pfennige weniger gekommen dadurch, dass 10 Prozent, abgezogen werden. Doch würde es mir lieber sein, wenn man die Dividendc voll abführt, damit der Bank der geschäftliche Charakter nicht genommen wird. Ich 1>in aber dafür, dass die nicht behobenen Dividenden, von denen viele dem Nationaliond zugeführt werden, nunmehr der Parteiorganisation gegeben werden. Ich bin dagegen, dass der Nationalfond angetastet wird, nicht so sehr deshalb, weil er für heilig erklärt wurde, wenn für wichtige Aktionen Geld notwendig war, ich bin nur gegen die Inkonsequenz In dieser Frage. Wir müssen mit der Propaganda von vorne anfangen. Beschränken Sie sich nicht auf den bisherigen Kreis der Mitarbeiter. Wir haben geflissentlich Kräfte ahgestossen und ferngehalten, das ist der Krebsschaden bis jetzt. Ich will nun einige Anregungen geben, durch die Geld herein zu bekommen ist. Der Parteifonds war von vornherein zum Misslingen verurteilt. Denn niemand hat gesehen, wozu und für welche Zwecke er benötigt w׳ird. Es wäre viel mehr Geld hereingekommen, wenn man einen Teil des Hoci druckes für die Schekelsammlung, statt fiir den Parteifond aufgewendet hätte. Zur Zeit des diplomatischen Zionismus, wo man den Leuten nicht niit/.uteilen hatte, wurde beschlossen, den Kongress alle zwei Jahre abzuhalten: jetzt, wo starke Strömung für Palästinaarheit herrscht, müsste der Kongress alljährlich stattündei». Dies würde auch grössere Schekeleingängc bringen, denn wir wissen, dass in den Kongressjahren die Schckcleinnahmeu bedeutend grösser sind. Nun zur Frage der Propaganda. Herr Frof. Warburg meinte, dass die Propaganda viele Auslagen macht, die wir nicht haben. Es gibt aber eine Propaganda, die Geld einbrlngt. Ich hin. betone ich nochmals, für die Unterstützung des E. A.-K. aus den Geldern der Bank und des NatUmalhmds; nur bin ich gegen die Inkonsequenz in dieser Sache. Dr. Hantke: Gerade weil ich all’ das unterschreibe, w׳as die Herren Vorredner ausgeführt haben, bin ich für den Antrag. Ich bitte, zu bedenken, wie unsere Bank arbeitet und wie unser Nationalfond arbeitet, weil beide Institutionen mit gesicherten Einnahmen zu rechnen haben. Das A.-K. kann kaum arbeiten, weil es immer vor leeren Kassen steht und daher auch nicht den Mut hat, die Agitation so zu betreihen,! wie es sollte. Wir hätten einen Parteifond schaffen sollen, 1 aber die Sache Ist nicht gelungen, weil wir nur den vierten Teil dessen zustande gebracht haben, was w׳ir zustande bringen sollten. Sie sagen, unsere Institutionen werden darunter leiden, wenn wir den Antrag annchmcn. Das wäre aber sehr traurig. Die Sache liegt ganz anders. Sic werden finden, dass jede Organisation zuerst sammelt für ihre eigenen Zwecke, um sich zu erhalten. Denken Sic nur an die grossen Organisationen in Deutschland. Zuerst muss die Organisation an» Leben erhalten werden. Wir haben eine Partei, die jährlich 60 000 Mk. braucht, die wir nur sehr schwer aufbringen können. Dagegen haben wir eine Kolonialbank, die jährlich 150 000 Mk. Dividenden zuriicklegt, und einen Nationalfond, der nach Abzug seiner Spesen 2*10 000 Mk. jährliche Einnahmen besitzt, ln der letzten Zeit haben wir verschiedene palästinische Institutionen geschaffen. Wir sind also nicht so schlimm daran, wir bringen Hiindcrttausendc von Mark aul, aber von diesen kommt nichts an die Organisation. Ich habe auf de»n letzten Parteitag fcstgestcllt, dass in Deutschland ln den letzten zwei Jahren 120 000 Mk. gesammelt w urden, davon II 000 Mk. Schekel und 60011 Mk. Landesbeiträge, alles übrige fiir andere Zwecke, d. h. das A.-K. hat von dem ganzen Betrage etwa 10 Prozent bekommen. Man sagt, wir sollen die Schekel vermehren, es hat sich aber gezeigt, dass dies sehr schwer ist, weil wir die Mittel für sehr notwendige Arbeiten in der allernächsten Zeit schon brauchen. Man muss bedenken, dass unsere Leute in der Bewegung zumeist politisch ungebildet sind und es sehr schwierig ist. von solchen zu fordern, die Mittel für die Organisation zu beschaffen. Mit der Annahme der Anträge des E. A.-K. ist jedoch die Beschaffung neuer Geldmittel nicht erledigt. Ich sehe in diesem Anträge nur einen kleinen Teil der Vorschläge, die das E. A.-K. uns machen w ird. Ich bin selbstverständlich daiiir, dass wir auch nach der anderen Seite unsere Finanzen regeln und die Ausgaben einschränken. Aber wir dürfen dieses Mittel nicht von der Hand weisen, weil wir es gegenwärtig nicht entbehren können. •Wolffsohn verweist darauf, dass der Resolution im Berichte des E. A.-K. eine nähere Begründung gegeben ist. Man darf nicht vergessen, wofür die grossen Ausgaben dieses Jahres gemacht worden sind. Wir haben ein Palästinaamt eingerichtet, das uns gegenwärtig 25 000 Frcs. jährlich kostet und wahrscheinlich noch grössere Mittel erfordern wird. Vergessen Sie nicht, dass diese Erfordernisse im voraus gedeckt sein müssen. Auf das Drängen von verschiedenen Seiten haben wir in Berlin ein Bureau eingerichtet, das uns 8000 Mk. gekostet hat. Von der Notwendigkeit, wenigstens einen Redner auf die Reise zu schicken, werden Sie mit mir überzeugt sein; aber es war uns nicht möglich, weil die Mittel nicht vorhanden waren. Wir müssen eine Grundlage schaffen, um die Institutionen zu erhalten. Es wird Immer so dargcstellt, 21s wenn der Nationaliond eine Bewegung für sich und nicht ein Innerhalb der zionistischen Bewegung Bestehendes wäre. Der Nationalfond ist »»׳einer Ansicht nach nur ein Teil der zionistischen Bewegung. Ebenso verhält es sich mit der Jüdischen Kolonialbank, und es ist daher nur gerechtfertigt, dass diese lnstitutionen, die von uns geschaffen und durch unsere Arbeit bestehen, auch eine Steuer zur Erhaltung der Bewegung beitragen. Dr. Grone mann: Es müsse zu einer Reorganisation der Finanzverhältnisse geschritten werden, das E. A.-K. sei zu beauftragen, einen Fiiianz-Reforinentwurf vorzulcgen. Alle Gcldeingängc seien insgesamt dem Nationalfond zuzuweiseu, der dann seinerseits alle Ausgaben zu decken habe. Dr. Kohan-Bcr 11 stein schliesst sich den Ausfiihrungen Feiwels an. vor allem müsse eine Erweiterung der Agitation Platz greifen. Kessler erkennt an, dass das E.A.-K.. um arbeiten zu können, sich im Besitze von pekuniären Mitteln befinden müsse. Im übrigen stimme er Trietsch bei, dass mit grösster Intoleranz vorgegangen werde und dass infolge allzugrosser Zersplitterung der Kräfte die Arbeit nicht gedeihe. Er beantragt in der Resolution des E.A.-K. die Streichung des Wortes ״alljährlich“. Scheinkin führt aus. dass das System für Entsendung von Sammlern in die verschiedenen Länder sich überall gut bewährt habe. Die verschiedenen Landesorganisationen müssten verpflichtet werden, nicli nur bestimmte Geldbeträge aufzubriiigct». sondern auch eine gewisse Anzahl von Mensehen, die der Partei zur Verfügung stehen müssen. Dr. Hey mann: Wir leiden an unserer veralteten Finanzpolitik, indem man für jedes besondere Bedürfnis ein besonderes Ressort geschaffen hat. Dr. Gronemami und ich haben einen Antra״ angebracht, dass das A.-K. uns einen Vorschlag unterbreiten Soll, nach weichem alle Fonds zusammengelegt w erden sollen. Der heutige Vorschlag ist nur ein Ver-