Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIII (1908)
- Issue
- Heft 34 (21.8.1908)
- Date
- 1908-08-21
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 334 JÜDISCHE RUNDSCHAU No. 34 wortet. Auch sonst sind in Galizien die organisatorischen Verhütnissc nicht erfreulich. Das södgalizisclic Distriktskomitee z. B. hat sich ohne weiteres über den Kongressbcschluss der den Schekel auf Kr. 1.20 fcstsetztc. hinweggesetzt und ihn auf der ursprünglichen Höhe von Kr. 1.— belassen. Die Tat- Sache kann nicht bestritten werden, dass für die eigentlichen Zwecke der Organisation in Oesterreich und Galizien ausser* ordentlich wenig geleistet wird. Auch in England ist die Arbeit nicht auf der Höhe. Auf unsere Anfrage hat man den Mangel an Schekclcingang mit der Sammlung für den Partei* fonds erklärt. Aber auch dafür ist nur ein geringer Betrag in England cingegangen. Ich hoffe indessen zuversichtlich, dass auch in diesen beiden Ländern nunmehr bessere Verhältnisse ciutretcn werden. Ansätze hierzu sind erfreulicherweise schon wahrzunehmen. Dr. Hantke: Die Ursache, warum die grossen Organisationen nicht ganz befriedigend arbeiten, liegt vielleicht darin begründet, dass sie zu grosse Bezirke umfassen. Vielleicht W’äre eine Teilung zweckdienlich. Hier wird die Beratung dieses Punktes unterbrochen und über die in der Vormittagssitzung vorgcschlagcnc Resolution des E. A.-K. abgestimmt. die lautet: Die in Köln versammelte Jalircskonfercnz begriisst freudig die von Seiner Majestät dein Sultan gewährte Neuordnung der Verhältnisse im türkischen Reiche, in dem sie der Hoffnung und dem Wunsche Ausdruck gibt, dass diese zur Festi* giiiig des Reiches beitragen und das Wohl aller seiner Völker fördern wird. (Bereits in voriger Nummer mitgeteilt.) Die Resolution wird mit Beifall angenommen. Daraufhin wird die Debatte in der früher vorgczcichnetcn Richtung fortgesetzt. Herr B c!11 w i c h und Herr M o s e r geben Aulklärung über die Lage in England. Die Arbeit sei dort in vollem Gange, leider aber noch unter der Nachwirkung der früheren ungünstigen Verhältnisse. Es sei nicht daran zu zweiielti, dass in kurzer Frist aus England ansehnliche Beträge für Schekel und Parteifonds eingchen würden. Dr. ßraude: Die von Dr. Hantke befürwortete Teilung der grossen Landcsoiganisationen ist in Oesterreich bereits durcligcführt. Es ist wahr, dass für den Partciionds in Galizien wenig erzielt worden ist. Das liegt aber daran, dass die Massen die Idee diesös Fonds nicht recht begreifen. Für an* dere zionistische Zwecke, für den Nationalfond und für das Palästinaressort sind auch in Galizien sehr ansehnliche Be* träge gesammelt worden. Auch die Schekelcingänge dieses Jahres werden nicht wesentlich hinter denen des Vorjahres Zurückbleiben. Was den Parteifonds anbetrifit. so habe der Präsident auf dem Kongresse selbst erklärt, dass man auf die armen Länder nicht rechnen könne. Präsident: Allerdings habe ich diese Bemerkung gemacht, das sollte aber doch nicht heissen, dass die ärmeren Länder gar nichts leisten sollen. In Österreich und Galizien hätte bei geeigneter Agitation gewiss bedeutend mehr für den Parteifonds erzielt werden können, was geschehen ist. Dr. F r i c d c m a n n bittet die englischen I>elcgicrten, dafür cintreien zu wollen, dass endlich die persönlichen Difierenzen beseitigt werden, die die Arbeit Englands erschweren. Moser führt aus, dass der Stand der Bewegung in Eng-!und zur Zeit durchaus befriedigend sei und in einigen Monaten noch besser sein werde. Die Arbeit leide aber darunter, dass die ,Leitung' der englischen Federation gegenüber keinen freundlichen Standpunkt einnehme. Präsident Wolffsohn weist diese Behauptung zurück. Ucbcr schlechte Behandlung unserseits klagen nur die Engländer, mit deren Erfolgen wir unzufrieden sein müssen. Jeder hier anwesende Vertreter einer Landsmannschaft wird bcstätigen können, dass wir durchaus darauf achten, einen freundsciiaftlichcn Verkehr mit den Landsmannschaften zu pflegen. Schein gibt einen Bericht über die Arbeit der rumünisehen Föderation. Sc he in kin gibt interessante Daten über die zionistische Arbeit in Palästina. ..Ich will über die zionistische Arbeit in Palästina sprechen, da wir ja auch gewissermasscti eine Landsmannschaft darstellen. So haben auch die Kolonisten fiir die Bank grosses Interesse und daselbst Einlagen gemacht. Zwar wurden heuer weniger Schekel als im Vorjahre verkauft, das bilde aber keinen Massstab für die zionistische Tätigkeit in Palästina. Ebenso dürfen die Sammlungen für den Nationalfottd und Parteistcucr nicht in Anrechnung gebracht werden. Die kulturellen Leistungen sind bedeutend. Es erscheint ein von Arbeitern hcratisgcgcbcnes Blatt. Ferner eine Jahres* Schrift HAOMER, von der in Palästina .100 Exemplare verkauft worden sind. In agitatorischer Beziehung verweise ich auf das ״Bet-Am“ in Jerusalem, woselbst in kultureller und agitatorischer Hinsicht viel geleistet wird, ln Beirut w ird eine sehr eifrige Agitation von den Vereinen ״Achwah“ und ״Kaditnah“, denen vornehmlich junge Leute angeboren, entfaltet, die insbesondere unter den spauiolischcn Juden grosse Wir* klingen erzielt. In Jaffa muss der• Paliistiuarat hervorgehoben werden und insbesondere seine Arbeit zur Organisation der palästinischen Juden erwähnt werden. Der Gedanke der ״Histadruth“ macht immer grössere Fortschritte. Auch eine schöne Bibliothek ist in Jaffa im Aufblühen begriffen. Scbliess* lieh sei auch auf eine der gewichtigsten Arbeiten, die Grün* düng des hebräischen Gymnasiums, hingewiesen. G o I d b c r g gibt einen Auszug aus russischen Berich,teil. Sodann gebt man zur Beratung über Resolution II des E. A.-K. über, Es sprechen dazu Dr. Tschlenow. Dr. Franzie-Bcretistcin. Trietsch, Groncmanu. Wcisscnberg. B. Goldberg und Fciwel. Letzterer stellt den Antrag, die Resolution in folgender Fassung anzunchmcn: ״Die Scliekcisaiimiluiig hat überall sofort mit dem Beginn des neuen Schckcllahres ciuziisetzen und spätestens bis zum I. Mai beendet zu sein.“ PrösiJent Wollt so 1111 erklärt sieb mit dieser Fassung einverstanden. Der Antrag wird angenommen. Es folgt die Abstimmung!:her Resolution III. die gleichfalls, und zwar einstimmig, in iolgendcr Fassung angenommen wird: ״Sämtliche Landesorganisationen und Föderationen sind verpflichtet, ohne die andere zionistische Arbeit eitizuschränken, die Sammlungen fiir den Partciionds in ihrem Bezirke in kürzester Frist aui die Höhe zu bringen, die der Zahl ihrer Schekelzahler entspricht.“ Dr. Hermann gibt hierzu noch die Anregung, es möge in allen Landsmannsvciiaften für die Sammlung des Parteifonds in der Weise gearbeitet werden wie in Deutschland. Hier habe man sich nicht darauf beschränkt. Zirkulare und Flugblätter an die Vereine zu senden, sondern jeder einzelne habe in seinem Bekanntenkreise persönlich dafür agitiert, dass insbesondere höhere Beiträge geleistet würden. Einzelne Gesinnungsgci'osscn hätten über 100 Brieie in dieser Angelegenheit versandt. Schluss der Sitzung 12’i Uhr nachts. 1 Mittwoch, den 12. August Vormittagssltzung Der Präsident eröffnet die Sitzung um lO'.e Uhr.? Zur Beiatung steht Resolution IV des Engeren *Aktions- Komitees, die lautet: ״Die Jahreskonicrenz besclilicsst. die Aufsiclitsrätc der zionistischen Institutionen auizufordern, sich dafür ciiizu• setzen, dass diese Institutionen alljährlich einen Beitrag, der ungefähr 10 Prozent ihres Reingewinnes oder Einkommens entspricht, au die zionistische Organisation abfi'tlircn." Präsident W <> I i i s o h ti begründet kurz diesen Antrag. Fs sei dem Engeren Aktions-Komitee unmöglich, w eiter zu arbeiten, wenn man ihm keine genügende materielle Grundlage gewähre, im übrigen verweise er auf die Ausführung im Berichte des!:. A.-K. und die Zahlen in den verschiedenen Tabellen, die eine deutliche Sprache reden. Fciwel: Die vom E. A.-K. vorgcschlagenen Resolutionen könnten einen wirklich pessimistisch stimmen. Nun wolle mau sich die Mittel schon aus den aufgcsammelteii Fonds holen. Das sei ein verhängnisvolles Präjudiz, und cs würde die Energie der Organisation lähmen. Redner ist durchaus dafür, dass dem Aktionskomitee Mittel zur Verfügung gestellt werden, aber nicht aui diesem Wege. Was aber das wichtigste sei, man müsse die vorhandenen Mittel zu einer wirklich grossaugclegten Agitation sowohl für weitere Geldbeschaffung als insbesondere zionistische Propaganda verwenden. Der gegenwärtige Augenblick sei hochbcdcutsam und wie geschaffen fiir eine neue, vielfach grössere Agitation, als wir sie bisher hatte. Es wäre ein Zeichen von Altersmiidigkeit, wenn diese Konferenz sich nicht zu einer dem Moment entsprechenden grossen Aktion'aufraffen könnte. Wir haben jetzt ein unge-