Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIII (1908)
- Issue
- Heft 34 (21.8.1908)
- Date
- 1908-08-21
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 34 'JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 333 ' Die Zionistische Jahreskonferenz ' . (Ausführlicher Bericht.) Dienstag, den II. August VormRtagssltzung Zur Jahreskonferenz sind folgende Mitglieder erschienen: Präsident Wclffsohn. J. H. Kann. Prof. Dr. Warburg. Herbert Bcntwich. Dr. Franzie-Bercnstein. Dr. Bernstein- Kohan. Dr. M. Bodenheinier. Dr. Braude. Josef Cowen. Berthold Fciwel. Jean Fischer. Dr. Friedemann. Dr. 1. Fried- Kinder. Dr. Heinr. Gabel. B. Goldberg. J. L. Goldberg. Rechtsanwalt Gronemann. Dr. Hantkc. Bezalcl Jafic. A. Idclsolm. L. Kessler. Schniarjahu Lewin. Dr. Camille Ldvy. Dr. Mahler. Dr. Moscowitz. I. Moser. A. Nossig. A. Podlischewsky. M. H. Schein. M. Schcinkin. S. Seeligmann N. Sokolow. A. Stand. Davis Trictsch. E. W. Tschlenow. J. E. Wcissenberg. Sekretär Berger als Protokollführer. Präsident Wolffsohn eröfinct um 10Vi Uhr die Sitzung mit einer kurzen hebräischen Ansprache. Deutsch fortfahrend, erinnert er an den Beschluss des letzten Kongresses, wonach die hebräische Sprache als offizielle Sprache der Bewegung mit der Zeit, soweit möglich, eingefiihrt werden soll. Deingemäss habe er sich verpflichtet gefühlt, auch die Jahreskonferenz in hebräischer Sprache zu eröffnen. Sodann begriisste er die Anwesenden und teilte mit. dass ein gedruckter Bericht über die Tätigkeit des Engeren Aktions-Komitees vorliegt. Ehe zur Verlesung des Berichtes geschritten werden könne, müsse die Frage der Zulassung von Gästen besprochen werden. Herr Prof. Fricdländer weilt liier als Stellvertreter des Präsidenten der amerikanischen Federation. Ausserdem sind noch hier: Herr Dr. Mettmann aus Palästina und Herr Kapiaii-Kaplunsky. dieser als Vertreter der .,Poale-Zion•‘. Die Poale-Zion haben uns erst gestern initgcteilt. dass sie bisher 1500 Schekel einkassiert und den entsprechenden Betrag nach Abzug von 40 Prozent an die Jüdische Kolonial-Bank abegführt hätten. Die restlichen 1500 Schekel stellen sie uns bestimmt in Aussicht. Nach dein Wortlaut des Organisations- Statuts kann indessen eine Federation, die nicht im Laufe eines Jahres 3000 Schekel aufgebracht hat, als Federation nicht anerkannt werden, und hat demgemäss auch kein Recht, einen Delegierten zur Jahreskonferenz zu entsenden. Aus diesem Grunde möge Herr Kaplansky, wenn die Jahreskonierenz überhaupt Gäste zulassen wollte, als Gast hierbleiben. Herr Kaplan-Kaplansky svendet siel! gegen diese Atisführungen: die Jahreskonferenz habe rieht das Recht, Ihn von ihren Sit jungen auszuschliessen. Präsident Wolffsohn vet weist demgegenüber nochmals auf das Orgat isationsstatut und lässt auf Wunsch des Herrn Kaplansky den von ihm erwähnten Brief des Poale-Zionverbandes wörtlich verlesen. Er wiederholt seine Erklärung wonach der in diesem Briefe gestellte Antrag, einen Vertreter der Poale-Zion als Mitglied der Jahres-Konferenz zuzulassen unzu lässig sei und daher auch nicht zur Abstimmung gelangen |önnc. Es eatsplnnt sich eine Geschäftsordnungsdebatte über diesen Punkt. Die Herren Fciwel und Idelsohn unterstützen den Antrag auf Zulassung des Herrn Kaplansky. während die Herren Dr. Bodenheinier. Dr. Hantkc und Dr. Franzie-Berenstein die Zulässigkeit eines solchen Antrages bestreiten. Der & 25 des Organisationsstatuts laute: .,Zur Gründung einer neuen Federation ist es notwendig, dass sich mindestens 3000 Sehekel7al!Ier Zusammenschlüssen. Sic kann sich nur mit Genehmigung des Engeren A.-K. bilden.“ Diese Genehmigung sei aber in diesem Falle weder cingehoit nocli erfolgt. 1 Darauf wird der Antrag angenommen, die Herren Mettmann und Kaplansky als Gäste mit beratender Stimme zuzulassen. Im Anschluss daran stellt Herr Prof. Fricdländer fest, dass er ausdrücklich als Vertreter des Präsidenten der amerikanisehen Federation erschienen sei und demgemäss alle Rechte eines Mitgliedes der Jahreskonferenz habe. Präsident Wolffsohn stimmt dieser Konstatierung zu. Hieran! verliest der Generalsekretär N. Sokolow den von 1ms bereits in voriger Nummer in extenso veröffentlichten Bericht des Engeren Aktions-Komitees. Präsident Wolffsohn verliest sodann einen Protest des Herrn Kaplansky, worin er ausdrückt, dass er gegen den Be- Schluss der Jahreskonferenz, ihn nur als Gast zuzulassen, Verwahrung einlcge und unter diesen Umständen die Konferenz verlasse. Vor Eintritt in die General-Debatte über den Bericht des E.A.K״ beantragt Dr. Bodenheimer mit Rücksicht darauf, dass die Debatte voraussichtlich sich hauptsächlich um die Fragen der äusseren Politik drehen werde, die Sitzung zu einer vertraulichen zu erklären und ausschliesslich die Mitglieder der Jahreskonferenz an ihr teilnehmcn zu lassen. Der Antrag wird angenommen. Präsident Wolffsohn: Bevor wir in die geheime Sitzung cintreten, möchte ich den Anwesenden, noch mittcilen. dass das Engere Aktions-Komitee in Ausführung eines Be- Schlusses des letzten Kongresses ein Hcrzt-Bild malen liess, das von nun an auf unsern Kongressen ausgestellt werden soll. Mit der Ausführung haben wir Herrn P i 1 i c h o w s k y beauftragt. Das Bild ist vor kurzem vollendet und gestern von dem Engeren Aktions-Komitee übernommen worden. Indem ich cs letzt enthüllen lasse, gebe ich meiner Freude Ausdruck, dass wir nunmehr in den Besitz eines so vorzüglichen Bildes unseres unvergesslichen Führers gelangt sind. Vertraulich© Sitzung Aus Rücksicht auf den konfidcntieHcn Charakter der geheimen Sitzung können wir hier nur ganz allgemein die langen und höchst anregenden Debatten, die die Vormittags- und die Nachmittagssitzung ausfiillteii. skizzieren. Die jetzige politische Situation in der Türkei Im Verhältnis zum Zionismus wurde nach allen Richtungen eingehend besprochen. Die Vertreter verschiedener Parteischattierungen unter uns gaben ihren Anschauungen beredten Ausdruck, wobei der Meinungsaustausch, der manche mehr taktische als prinzinieilc Gegensätze zum Ausdruck brachte, nicht einer gewissen polemischen Verve entbehrte• Die Gestaltung der neuen Verhältnisse in der Türkei bezüglich der dort lebenden Juden überhaupt wurde in den Kreis der Erörterungen ge- >:ogcn. In richtiger Würdigung des hochbedeutenden Moments, den jetzt das türkische Reich und die dort lebenden Juden im jetzigen Amangsstudium einer neuen Entwicklung durchleben, wurden Verschiedene Anregungen und Vermutungen über die wahischeinlichcn Vorteile der neuen Aera ausführlich diskutiert. Im Vordergründe der Debatte stand die Frage der Methoden des politischen Zionismus und der Kolonisationsmöglichkcitcn in Palästina. Ausser diesen Fragen boten auch die Bemühungen In Russland ergiebigen Stoff für eine längere Debatte, bei der mehrere Mitteilungen gemacht worden sind, die den diesbeziigliehen Passus des Berichtes in mancher Beziehung ergänzen. Im allgemeinen zeichnete sich die* Diskussion dadurch aus, dass der Kritik der freieste Spielraum gewährt worden ist, dass sie sich voll und ganz aussprechen konnte, wobei es sich trotz aller Meinungsverschiedenheiten herausgcstellt hat, dass in Bezug auf Ziele und Zwecke die vollste Harmonie herrscht. Abendsitzung Präsident Wolifsohn eröffnet die Sitzung um VcloUhr abends und verliest eine Reihe von Begrüssungen und Entschuldigungsschreiben verhinderter Mitglieder. Es haben ihre Abwesenheit entschuldigt und die Versammlung zugleich aufs herzlichste begrüsst die Herren: A. Böhm, Ehrenpreis, M. Feldstein. Dr. Harry Friedenwald. Dr. M. Gaster. L. J. Greenberg. Dr. L. Herz, M. Hj־- man, Dr. Jacubsohn-Slonim, Dr. N. Katzcnelsolin, Kremenctzky, D. Levontin. E. W. LewintEpstein. Dr. J. L. Magnes, Dr. A. Marmorck. Dr. A. Nordau. Fclice Ravenna. S. J. Rosenbaum, Rcsoff. Dr. A. Ruppin, Clarence de Sola. M. Ussischkin, A. Vecht, Dr. Weizmann, Dr. Wolf. Orüsse sandten: Südafrikanische Federation, Zionistenkomitce Warschau. Es folgen Berichte der einzelnen Landsmannschaften: Herr Kessler bringt einzelne Wünsche der südafrikanisehen Federation vor, die unter anderem wünscht, dass ihr gestattet werde, von allen Sammlungen einen kleineren Prozentsatz zurückzubehalten. Diesen Betrag habe sic zur Fortführung ihrer Geschälte unbedingt notwendig. Präsident Wolffsohn erklärt, dass das E. A.-K. diese Wünsche zur Kenntnis nehme. Herr Kessler möge entsprechende Anträge bei dem Direktorium des National-Fonds und der Bank wie auch bei der Verwaltung der Oelbaumspende Vorbringen. Dr. Braude verweist darauf, dass in Oesterreich und Galizien die Schckelsammlung noch nicht zum Abschluss gelangt sei. Daher erkläre sich die niedrige Ziffer in der Schekeltabeile. Die Sammlung des Parteifonds sei in Galizien sehr schwierig, die Zionisten ständen der Idee eines Parteifonds nicht sympathisch gegenüber. Präsident Wolffsohn: Wir bedauern lebhaft, dass es uns nicht gelingt, mit den Landeskoniitces in Oesterreicii und Galizien in engeren Kontakt zu kommen. Das Zentralkomitee in Lemberg liat sechs Monate lang unsere Briefe nicht beant-