Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIII (1908)
- Issue
- Heft 34 (21.8.1908)
- Date
- 1908-08-21
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 332 ׳JÜDISCHE RÜHDSCHÄÜ No. 34 Bodengesetzgebung In die Hand nehmen wird. Da die Poale Zion an dieser Frage besonders interessiert sind, haben wir versucht, sie zu veranlassen, die Sammlung' eines Fonds hierfür In die Wege zu leiten; Jedoch ist uns von einem Erfolg bisher nichts bekannt geworden. Wir kommen schliesslich zu den Kulturaufgaben in Palästina, deren energische Inangriffnahme ja von der grossen Majorität des vorigen Kongresses auch dringend gefordert wurden, auf, welche Weise die hierfür ja vor allem nötigen Mittel beschafft werden sollten. Wollen wir Zionisten Einfluss auf kulturelle Einrichtungen in Palästina erlangen resp. solche gründen, so bedarf es eines grossen Fonds, eines Palästinaknlturfoiids oder Palästinafonds. Alis der Erfahrung heraus, dass nur ein grösserer Fonds imstande ist, neue Geldmittel anzuzicheh, möchten wir den Vorschlag machen, dass der Fonds, — abgesehen von den für dieses Jahr zu bcschliessendcn Unterstützungen — unberührt bleibt, bis er 100 000 Fres. ct reicht hat, und dass dann alljöhrlieh mindestens die Hälfte seiner Eingänge dem Kapital ziigcschlagen werden muss. Nur auf diese Weise werden wir mit den Jahren dazu gelangen, anstatt der moralischen Unter- Stützung, von der weder Schulen und Bibliotheken existieren noch Kranke leben können auch materielle Subventionen nicht nur zu beschlossen, sondern auch gewähren zu können. Wir sind davon überzeugt, dass dieser Palästinafonds der zionistischen Bewegung bald mehr Sympathie erwerben wird, als alle bisherigen Institutionen zusammen, da hierdurch Greifbares geleistet und Sichtbares geschahen wird. Selbst in dem unseres Erachtens unwahrscheinlichen Falle, dass die Sammlungen für den Nationalfonds dadurch, in den ersten Jahren, etwa beeinträchtigt werden würden, so würde der Nutzen der Gründung dieses Fonds für unsere Bewegung ein so überwiegender sein, dass man sich hierdurch nicht abschrecken lassen durfte. Was die einzelnen Unternehmungen kultureller Art betrifft, für welche sich unsere Bewegung speziell interessiert, oder die unter der moralischen Beihilfe der Zionisten gegründet sind, so ist vor allem die Kunstgewerbeschule Bezalel In Jerusalem zu erwähnen. Bekanntlich hat der Bezalel im Frühjahr das dem Nationalfends gehörende schöne Haus in Jerusalem bezogen und hat seine Probejahre so gut wie bestanden, so dass ihm jetzt eine neue, mehr geschäftliche Basis gegeben werden soll. Trotzdem wird es noch Jahre dauern, bis der Verein auf eigenen Füssen stehen kann, und es ist nur recht und billig, wenn unsere Organisation, ihm hierbei behilflich ist. Der Kfriath Sefer hat jetzt in seinem Hause auf Beth Arif bei Lydda von neuem Zöglinge aufgenommen, 28 Knaben, wie Herr Beikind, der Leiter der Anstalt, in seinem letzten Briefe schreibt, die von einem tüchtigen, jungen, in Königsberg diplomierten Agronomen Wilkansky gleichzeitig auch in die (Landwirtschaft eingeführt werden.,׳ Da viele der Knaben mittellos sind, und bisher nur wenige Unter- Stützungen eingegangen sind, so wurde aucli die zionistische Organisation um Beihilfe angegangen. Wir meinen, dass, wenn das Palästinaamt berichtet, dass die Schule jetzt ihre Zwecke ght erfüllt, die uns Zionisten so sympathische Idee der Erziehung der Knaben zu ländlichen Arbeitern einer materiellen Unterstützung wohl wert ist. Das Jaffaer hebräische Gymnasium bcanspruclit natürlich mit der weitergehenden Entwicklung auch zunehmende Unterstützungen. Wie schon bemerkt, konnte das Palästinaresscrt aus Mangel an Mitteln das für dieses Jahr eingegangene Versprechen nur zum kleinern Teile einlösen. Unser Gcsinungsgenosse Moser hat ja in so hochherziger Weise für den Baufonds des Gymnasiums gesorgt; da ist cs denn auch die Ehrenpflicht unerer* Organisation, bei der Auffcringung der Mittel für den Bestand desselben behilflich Die Zentralbibliothek in Jerusalem, die wir Zionisten gerne in eine Nationalblbliothek in unserem Sinne umwandeln möchten, hat bisher gleichfalls von uns nur geringe Unterstützung erhalten und fristet ihr Dasein nur kümmerlich weiter. Man bemüht sich Jetzt, ihr eine gesicherte Existenz zu geben, sowie vor allem den projektierten Bau. bestehend aus einem Mittelteil, an den sich die Lesehalle hinten anschliesst, und aus zwei Seitenflügeln, zustande zu bringen, wahrend bis jetzt ja nur zwei Geschosse des einen Flügels vorhanden sind. Zur Sammlung des ca. 60 000 Frcs. betragenden Baufonds sowie des auf mindestens 20 000 Frcs. xcranschlagtcn Betriebsfonds soll sich demnächst ein Komitee angesehener Privatleute und Korporationen bilden, und es ist wünschenswert, dass das Palästinarcssort hierbei auch vortreten sein wird, was natürlich nur dann möglich ist, wenn der Bibliothek eine Jahrcssubvention gewährt wird. Audi das Muse um, dessen Grundlage vom Bezalel gelegt ist, verdient weitern Aushau. Das zweite, dem Nationalionds gehörende Haus, ist wie geschaffen dazu, und es kann kaum einem Zweitel unterliegen, dass cs einem rührigen Komitee gelingen würde, in Kürze wertvolle Sammlungen liierfür zu erwerben. Das Haupterfordernis ist also Schaffung eines Palästinafonds. Ebenso wichtig wie dieses ist aber auch die andauernde Wachhaltung des Interesses für diese Angelegenheiten, und das können nur Vereine oder andere Korporationen leisten, hierfür ist das Palästinaressort ebensownig die geeignete Instanz wie die Föderationen. Es ist nur erfreulich, dass überall Bestrebungen im Gange sind, diese Grundlagen in den verschiedenen Ländern zu se!1aiien. In Deutschland seht man in zionistischen Kreisen mit dem Plane um, einen Paiastinaverein zu schaffen, der sich sogar das Zier steckt, auch Ausgrabungen zu veranstalten. In Österreich wünscht man einen Palüstina-Schulverein zu begründen, in Amerika hat sich eine Art Orden unter dem Namen Bnei-Zion gebildet, und es wird erwogen, ob sich eine derartige Institution auch aui dem Kontinent empfiehlt. Was auch das Resultat aller dieser Bestrebungen sein mag, sic zu unterstützen und zu fördern, ist unsere Pflicht, denn Kulturaufgaben in Palästina können in zielbewusster Weise nur in Angriff genommen werden, wenn sie in machtvollen Institutionen oder grossen Fonds ihren Stützpunkt finden. Dies zu erreichen, muss unser ernstestes Ziel und Bestreben sein, und wir zweifeln nicht einen Augenblick, dass wir das auch unschwer erreichen können, wenn wir nur wirklich wollen und nicht zaghaft an die dazu nötigen Sammlungen herangehen. Und ebenso sicher ist es, dass es keine bessere Agitation für den Zionismus gibt, als einen ständig zunchnienden Palästinafonds. Der Purteifouds ist den Niclitziouistcn unsympathisch, dem Nationalfonds stehen sie als Nicht* nationalisten fremd und kalt gegenüber, einem Palästinafoiu’ für Schul- und Kulturzweckc werden sic aber gerne beisteuern, denn wo sind jüdische Herzen, die nicht bereit sind, sich für kulturelle und gemeinnützige Zwecke zu erwärmen und Opfer zu bringen! Und gerade letzt ist die richtige Zeit, diese Arbeiten In den Vordergtund zu rücken. Die Türkei ist ln einer gexvaltigen Umwandlung begriffen. Der Weg zum Fortschritt und zur Erlangung einer höheren Kulturstufe ist frei und wird schon binnen kurzem an allen Orten dieses grossen Reiches Neu• bildungen hervorrufen. Da ist cs denn nur selbstverständlich von uns, dass wir die uns obliegenden Kulturarbeiten in Palästina mit, der grösstmöglichen Energie in Angriff nehmen.