Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIII (1908)
- Issue
- Heft 34 (21.8.1908)
- Date
- 1908-08-21
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2651273-2651552-2651586--05843-2662892- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 330 No. 34 JÜDISCHE RUNDSCHAU der palästinischen Landwirtschaft die Grundfrage unserer ganzen Palästinatätigkcit sein!miss, und dass, wenn wir nicht verstehen werden, unser Volk In weit grösserem Masse, wie es bisher der Fall war, der palästinischen Agrikultur zuzuführen, das Resultat unserer Bemühungen doch nur sein wird, zu den bisherigen Ghettozentren ein neues entwickelt zu haben. Der Weg mag schwierig sein, die Arbeit eine lange und zeitraubende, und das Unternehmen vor allen! grosse Mittel erfordern, es hilft nichts, wir müssen uns noch mehr anstrengen als bisher, wir müssen selbst noch tiefer in unsere Taschen greifen und noch eifriger die andern Volksgenossen anspornen, wenigstens einen Teil ihres Kapitals in palästinischen liindliehen Unternehmungen an/.ulcgcn. Das wichtigste Ereignis in dieser Beziehung ist die Errichtung der P a I e s t i n e Land Development Com• pan y, eine: englischen Aktiengesellschaft, welche die Kolonisation dos Landes auf gescliiiitsmässigcm Wege entwickeln will, indem sie die Methoden de. bisherigen Landansiedhmgsr.nd Parzellii-rungsbanken den palästinischen Bedingungen anzupasse!» versucht. Obgleich die P.L.D.C. noch nicht formell in England eingetragen worden ist. da die gezeichneten Beträge erst jetzt cingezogen werden, so hat die Gesellschaft doch schon ihre Tätigkeit in Palästina nufgeiiominen. indem sic einen beträchtlichen Teil des Natioiinliondsgutes Kineret!! als provisorische Leliriarm gepachtet hat, um sieh die als Pächter oder Reiitcngiitshcsit/cr in Betracht kommenden Leute wenigstens teilweise selbst heranzubiljen oder doch ihre Zuvcrlässigkeit zu erproben. Schon ist das Land dort vorgepflügt, und die dort beschäftigten jüdischen \Arbeiter sind froben Mutes. Auel! eine Herzlfeier wurde auf dem Nationalfondsgiit abgehaltcit, an der sieb die umwohnenden Kolonien rege beteiligten. Bisher sind etwa 4000 Aktien ä 1 £, aber nur wenige Grunderaktien ä 50 £ gezeichnet. Charakteristisch ist vor allem die grosse Zahl der Aktionäre; an den Zcichnungen sind die verschiedenen Länder aber in sehr verschicdeneni Verhältnis betci'igt Anstatt der gezeichneten 4000 Aktien müssen aber wenigstens 25000 Aktien, also die Hälfte des nominellen Kapitals der Gesellschaft, unterbracht sein, wenn die kolonisatorische Arbeit wirklich allen sichtbar in Erscheinung treten soll. Wir haben ausführbare Projekte grossen Stils, an die wir aber leider aus Mangel an Mitteln vorläufig nicht ernstlich heranzutreten wagen. Wir hoffen jedoch und erwarten cs sogar bestimmt, dass jeder Palästinafrcimcl, der es ernst mit der wirtschaftlichen Hebung unseres schönen Landes meint, dies auch durch weitere Übernahme und Verbreitung der Aktien der P.L.D.C.* beweist. Wir rechnen hierbei nicht auf die Wohlhabenden, sondern ebenso auf die wenig Bemittelten, denn die P.L.D.C. ist die einzige Organisation, bei der man auch kleine Mittel zur Hebsing der jüdischen landwirtschaftlichen Kolonisation auf geschäftlicher Basis anlcgen kann. Der Paiestine Land Development Company ist aus diesem Grunde eine grosse Zukunft zu prognostizieren, wobei cs nebensächlich ist, ob das Lelirgut an siel! eine Dividende abwirft oder jährlich kleine Zubusseii beansprucht. Ebenso wie die ״Paiestine Land Development Co.“ hat auch der' ״P! I a n z 1111 g s v e r e i n P a 1 ä s t i!1 a“, der Ja gleichfalls aus der Initiative des Palästinarcssorts resp. seines Vorgängers, der Palästinakommission, hervorgegangen ist, seine praktische Tätigkeit in Palästina schon eingeleitet, indem er in diesen! Winter mit Hilfe ■von Kolonisten in Reclioboth seine erste Pflanzung von 15!) Danam begonnen hat; die Mandel- 1!!:d Olivenbäume sind ausgezeichnet aufgekommen und berichtigen zu den besten Hoffnungen; auch werden die Mitgiieder des Vereins schon in diesem Herbst infolge spezieller Abmachung mit den Kolonisten ihre erste Palästiuagaoc erhalten. Die 0 11• a 11 m spende hat in dem Berichtsjahr eine besondere Verwaltung bekommen, indem sieb hierfür ein cingetragener Verein mit dem Sitz, in Berlin gebildet hat, dessen Mitglieder den Gegenwert von 2 Ölbäumen, also 12 Mark, als Jahresbeitrag zu zahlen haben. Aus technischen Gründen wird dieser Verein erst vom Oktober an sein eigenes Bureau erhalten, und erst dann kann eine wirkliche Propaganda daiiir gemacht w erden. Bisher wurde die Leitung des Vereins vom Pulästiiinressort nebenher besorgt, und bei der Inanspruchnähme des Ressorts, dem Fehlen jeglicher Hilfskraft und der nötigen Räumlichkeiten ist es kein Wunder, wenn ab und zu Klagen über die schleppende Geschäftsordnung cinliefcn; das wird aber vom Oktober an alles anders werden. Die Haupttätigkeit des Ressort bezüglich der Ölbaumspende erstreckte sich natürlich aui die Agitation für den l.lerzlwald, und wenn auch ein regulärer Abschluss gemäss den Vereinsstatuten erst Ende Dezember gemacht werden w ird, so kann doch fcstgcstellt werden, dass für den Hcrzlwald Ende Juni dieses Jahres schon ca. 2200 £ bereit lagen, während die Eingänge des Juli ״Der Glaube? Entweihe diieses heilige Wort nicht dadurch, dass du es zuin Vorwände der Trennung nimmst. Glaube und Liehe s!ind unzertrennlich; der Glaube, der Liebe in Hass verwandelt, ist missdeutet vom blinden Wahn, und diesem will ich meine Liebe nicht zum Opfer bringen. Dein Rabbi spricht, wie er muss, ich aber spreche, wie ich fühle. Wäre dein Herz wirklich durch die Worte zur steinernen GcsetztafcF geworden, das gestern noch ein fruchtbarer Rosengarten der Lube war?“ Rachel weinte bittere Tränen, und ein krampfhafter Druck ihrer Hand zeugte von dem Kampfe ifirer Seele. ״Lass uns der Welt ein Beispiel geben, Rachel,“ fnhr immer heftiger werdend der Ritter fort. ״Lass unsere Herzen wie zwei Feuersäulen hoch zusammenschlagen, dass alle die Schiffer, die vom Zweifel getrieben, unstet auf dem Meere des Lebens umher irren, den \Veg zum Haien erkennen. Du kannst ein Rettungsenge! sein, Rachel! Ein spätes Geschlecht wird unsere Liebe mit tausend Dankestränen segnen, darum zögere nicht, und flieh in meinen Arm, der dich umfangen und beschützen wird. An meinem Herzen kannst du dem Geschick Trotz bieten, und im Schatten meines Wappen- Schildes sicher ruhen.“ Er breitete d׳e Arme aus, Rachel stürzte, alle ihre Vorsätze vergessend, an seine Brust, als sic von einer knochigen Hand berührt wurde, und eine heisere Stimme fragte; ״ln wessen Armen liegt mein ei!1z:g Kind?“ Rachel fuhr entsetzt zusammen und schrie: ״Mein Vater!“ Es war I.öb Ben Isaak, der beunruhigt über das lange Ausbleiben seiner Tochter vor die Haustüre getreten w ar, und die heftigen Worte des Ritters, w em! auch nicht ver. standen, doch vernommen hatte. Er war näher getreten und hatte seine Tochter in seihen! Aiigenbl'cke erkannt, als er sie an den Busen eines fremden!Mannes sinken sah. ״Gib Antwort, wer ist der Mann,“ herrschte er seiner Tochter zu. Der Ritter, anfangs betroffen, hatte sieh schnell gefasst, und gebot dem Juden mit gebietender Stimme, sich zu entfernen. Lob Ben Isaak hatte kaum au der Sprache einen ChEstcn erkannt, als er grimmig mit der einen Hand in seinen grauen Bart fuhr, und mit der andern den weissen Arm seiner Tochter fasste. Seine Augen funkelteil durch die Nacht. w׳ic die eines Raubtieres, dem man sein Junges entreissen will, und m’t heiserer, zorn-