Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIII (1908)
- Issue
- Heft 34 (21.8.1908)
- Date
- 1908-08-21
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 34 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 329 I!)leiben, glaubte der Kongress noch bcscliliessen zu sollen, dass 25 % aller Einnahmen des A.-K., sofern sie nicht für andere Zwecke bestimmt sind, sofort nach Eingang dem Palästina• ressort beim Jewish Colonial Trust zur Verfügung gestellt werden. , Man durfte demnach wohl erwarten, dass die Palästinaarbeit letzt einen Aufschwung nehmen würde. Es zeigte sich aber bald, dass infolge des geringen Schekeleinganges einerseits, und andrerseits, weil die Kosten des neugeschaffenen Palästinaamtes dem Palästinaressort belastet wurden, die letzterem tatsächlich zur Verfügung gestellten Summen geradezu minimal waren; die im Laufe des Jahres von der Zentrale dem Palästinarcssort überwiesenen 2000 Mk. konnten natürlich bei weitem nicht genügen, um die Wünsche des Kongresses ausführen zu können. 'Als erschwerender Umstand kam noch hinzu, dass als indirekte Folge der Kongrcssbeschlösse die privaten Hilfsquellen des Palästinaressorts allmählich versiegten, weil die Föderationen sich dem Glauben hingaben, dass Ressort verfüge über genug Mittel; somit hörte denn der an sich schon spärlich« Eingang des Palastinascliekcls und der Palästinaspenden mit der Zeit so gut wie ganz auf. Aus diesen Gründen sah sich das Ressort gezwungen, seine Tätigkeit zu beschränken, sowohl was die Agitation und Belehrung betrifft, als auch bezüglich der Subventionierung der palästinischen Unternehmungen. Zu unserm grossen Bedauern mussten wir vor allem auf die Weiterführung unserer •tschrift PALÄSTINA verzichten, da sic uns ein jährliches Defizit von ca. 2000 Mark gebracht halte; um so dankbarer müssen wir Herrn Theilhaber ln München sein, der seit Aufhören unserer Zeitschrift eine Monatsschrift gleichen Namens, wenn auch von geringem Umfang, aus eigener Initiative herausgibt. Mag fcuch die Kritik einiges an dem Blatt auszusetzen haben, so sollte man doch bedenken, dass Nicderieissen leicht, Aufbauen dagegen j sehr schwer ist, und dass wirklich aussergewöhnlicher Mut I dazu gehört, bei unserm Publikum, das an niedrige Preise und unpünktliche Zahlung gewöhnt ist, ohne Subvention ein derartiges Blatt herauszugeben. Wir glauben, dass das Blatt allscitige Unterstützung verdient Aus dem gleichen Grunde konnte das Ressort dem hebräischen Gymnasium und dem B e z a 1 e I die in Aussicht gestellte Subvention leider nicht überweisen, was um so schmerzlicher gewesen ist, als cs sich bewusst war, dass an grössere Sammlungen unter den Zionisten für diese Institutionen nicht zu denken ist, solange die Förderationen angeblich mit dem Sammeln des Parteifonds beschäftigt sind. So bestand denn die Haupttätigkeit des Ressorts darin, den Verkehr mit Palästina und den sich dafür interessierenden Organisationen und Privatpersonen aufrecht zu erhalten, was in der letzten Zeit infolge der Einrichtung des Palästinaamtes bedeutend erleichtert wurde, da wir jetzt unbedingt zuverlässige Auskünfte zu erlangen und zu erteilen vermögen. Wir haben Gründe anzunehmen, dass schon in der nächsten Zeit hierdurch kapitalkräftige Personen veranlasst werden, sich in Palästina niederzulassen. So denken einige Leute aus Russland und Deutschland sich als Landwirte in Palästina anzukaufen; ein Herr aus Südafrika gedenkt dort eine grosse Straussenfarm zu errichten, und die meisten wohlhabenden ־/ionistischen Besucher des Landes haben sich an der einen oder andern der dortigen Unternehmungen beteiligt. Es könnte dies zwar noch fn einem ganz andern Massstabe geschehen als bisher, aber man erkennt doch, dass das Misstrauen gegen die wirtschaftliche Entwicklung Palästinas allmählich aufhört. Freilich sind die Möglichkeiten für Beteiligungen ausländischer Kapitalien an palästinischen Erwerbsgcsellschaftcn vorläufig noch keine sehr ausgedehnten, aber immerhin he• sitzen wir an der Bank AngloPalcstinc Co., in der Olive 11 press gesellsc 11 aft Athid, in der Mas c 11 i n e n f a b r i k L. Stein & Co. Ltd., die im Berichtsjalir in eine englische Gesellschaft umgewandelt wurde, drei Unternehmungen, die nicht nur Unterstützung durch Beteiligung verdienen, sondern die auch recht aussichtsreich sind und die ihnen anverirauten Gelder gut zu verzinsen versprechen. Schliesslich macht auch der Pflanzungsverein Agudath Nctaim sichtliche Fortschritte und gewinnt Immer mehr Boden und Sympathien, sowohl in Palästina als in der Diaspora. Audi das durch die Initiative der Zionisten im vorigen Jahre begründete, auf durchaus geschäftlicher Basis beruhende Palüstina-Industrie-Syndikat bat sich bemüht, für den Beginn seiner Tätigkeit dankbare Arbeiten in Palästina zu finden und hofft, demnächst wirklich mit einer grösseren Arbeit sich im heiligen Lande betätigen zu können. Weit wichtiger sind aber die Institutionen, welche der palästinischen Landwirtschaft zu dienen bestrebt sind. Wir stehen nach wie vor auf dem Standpunkt, dass die Hebung besorgt umher zu blicken. Als sic das Haustor öffnen 1 wollte, fühlte sie sich hastig am Arme gefasst, und rasch von der Türe weg, ins Dunkel gezogen. Ehe sie es hindern konnte, war ihr Schleier zurückgeschlagen, und ein paar heisse Lippen brannten auf den ihrigen. ״Rachel, wo bleibst du so lange?“ Rachefl seufzte und erzählte mit tränenkrstickteT Stimme, dass sic beim Rabbi gewesen sei, und ihm das Geheimnis ihrer Liebe geoffenbart habe. Der Ritter schrak sichtlich zusammen, als er diese Kunde vernahm, und liess mit schmerzlicher Bewegung die Arme sinken. ״Ich soll euch und meiner Liebe entsagen, so lautet das unwiderrufliche Gebot, wir sehen uns heute zum letztenmalc.“ Der Ritter ergriff die Hand der Jüdin: ״So hast du selbst den Schddcbrid geschrieben, der uns auf ewig trennt? Bedenke es wohl, Mädchen, was du tust. Du mähst nicht allein in meiner Brust die jungen grünen Halme ab, auch in der deinigen werden sie nicht mehr Blüte und Frucht treiben, und dein Herz wird verdorren, wie das mehlige. Sei standhaft und gib die schöne Hoffnung nicht auf.“ ״Sei standhaft, und töte diese Hoffnung, sprach der Rabbi zu mir, entgegnen Rachel. Wem von euch beiden soll ich glauben?“ ״Mir, mir,“ fiel ihr hastig der Ritter ins Wort. Wirf einen Blick in jene heitere Zukunft, die ich dir so oft vorgemalt, und halte sie gegen das kärgliche Los, das deiner im väterlichen Hause harrt.“ Der Ritter hielt sic zurück, ״du gehst, Rachei, was bleibt mir von deinem Glück?" ״Die Erinnerung daran, und mir euer Bild im Herzen.“ ״Erinnerung!“ rief der Ritter, wessen soll ich mich erinnern? Deiner, die verloren ist, seliger Zeit, die nicht wiederkehrt, und schöner Hofinungen, die das Glück nie erfüllen wird? Solche Erinnerungen würden statt den Frieden des Himmels, die Unruhe und den Schmerz der Hölle in mein Herz bringen.“ ״Auch meine Kraft,“ flüsterte Rachel, ״verblutet in dem, Kampf.“ ״Was trieb dich aber,“ fragte der Ritter, ״dies selige Geheimnis zu entschleiern, die stumme Nacht war die Pflegerin unserer Liebe, und nährte sie mit ihrem Tau. Wir hätten so glücklich sein können, wenn du nicht selbst ein ganzes Leben zu wenig Monden verkürzt hättest. Warum hast du das getan?“ ״Der Glaube scheidet uns.“