Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIII (1908)
- Issue
- Heft 33 (14.8.1908)
- Date
- 1908-08-14
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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ז » 1 I f * * * 4 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 323 No. 32 » geboten erscheinen lässt, in unserer Nationalsprache ein Zentralorgan zu besitzen, und das propagandistische Moment, das uns die Wahrscheinlichkeit nahelegte, vermittelst •eines hebräischen Organs unsere Anregungen und Mitteilungen in all Jene Kreise dringen zu lassen, in denen die nationale Sprache verstanden wird. Diese Motive waren und sind noch jetzt für uns massgebend. Wir mussten uns jedoch aus Rücksicht auf die schwierige Finanzlage sagen, dass wir wohl für den Anfang eine gewisse Subvention bewilligen wollen, dass wir aber für die Dauer nicht imstande sein werden, grössere Geldopfer für diesen Zweck herzugeben. Wir rechneten darauf, dass das neue Blatt keine oder nur eine ganz kleine Subvention benötigen wird. Unser Kalkül war richtig, nur haben äussere von uns unabhängige Umstände einen Strich durch diese Rechnung gemacht. Das Blatt hat in den entfernten Ländern einen bedeutenden Leserkreis errungen, aber eins fehlt ihm: die Möglichkcit einer sicheren und regelmässigen Verbreitung in Russland. Als das Blatt begründet wurde, konnte man auf Zensurfreiheit in Russland rechnen; die Dinge haben sich jedoch dort ganz anders gestaltet. Russland ist erfahrungsgeniilss die Hauptbasis für jedes hebräische Blatt. Und trotz aller Bemühungen ist es uns nicht gelungen, eine rcgeltnüssige Lieierung des Blattes nach Russland zu sichern. Dieser Ausfall hat eine Subvention in einer unerwarteten Grosse erheischt. Es ist noch dabei zu berücksichtigen, dass der Preis des Biattes ein sehr niedriger sein muss. Wenn wir noch lunzufügeu, dass infolge des Mangels einer hebräischen Druckerei in Köln das Blatt in Berlin gedruckt werden musste, woraus sich Mehrkosten, ein komplizierterer Redaktionsapparat und andere Schwierigkeiten entwickelt haben, so wird man begreifen, weshalb das Blatt es nicht vermocht hat, sich aus einem bedeutenden Defizit herauszuarbeiten. In Erwägung der hoch bedeutenden Wichtigkeit eines Organs in unserer Nationalspräche und bestrebt, das Blatt und seinen Leserkreis zu erhalten, werden wir einen Modus erwägen, in welcher Weise das Blatt in einer billigeren und praktischeren Einrichtung vermittelst der Zentrale in Wilna sein Erscheinen sichern und mit Erfolg fortsetzen kann. XII. Jüdischer Verlag Der Jüdische Verlag, dessen Arbeiten in dem weitaus grössten Teile des Jahres ebenfalls von den Kräften des Zcntralbureaus ausgefülirt wurden, zeigte leider nach wie vor eine nicht befriedigende Entwick- 1 u n g. Aus diesem Grunde sind wir an eine umfassende Reorganisation des Unternehmens geschritten, die wir mit Hilfe einer neu angestelitcn, budihändicrisch geschulten Kraft zu einem guten Resultat zu führen hoffen. Im Laufe des Jahres haben wir einige Werke neu aufgelegt und demgemäss die im Verlag investierten Mittel erhöht. XIII. Finanzielle Lage Die finanzielle Lage des Aktionskomitees ist nicht günstig. Infolge der verschiedenen Neueinrichtungen haben sich die Ausgaben wesentlich erhöht. Die in unserer Bilanz ausgcwiesenen Einnahmen aus Schekelgcldern sind nicht unwesentlieh geringer als die des Vorjahres, eine Erscheinung, die in erster Linie auf das verspätete Einsetzen der Schckclsammlung, das in diesem Jahre besonders stark beobachtet werden konnte, zuriickzufülircn ist. Tatsächlich sind noch Schekelgelder aus verschiedenen Ländern zu erwarten, die bisher ihre diesjährigen Schekeleiniiahrnen Überhaupt noch nicht an uns abgeführt haben; anderseits konnten Infolge Schlusses des Rechnungsjahres verschiedene nachträglich cingclaufcne Beiträge in die Bilanz nicht mehr mit aufgenommen werden. Immerhin ist ein solches Hinausschieben der Schckclsammlung auf die Dauer unzulässig und muss die regelmässige Geschäftsführung durchaus bc* hindern. Wir werden Ihnen daher Vorschläge machen, die darauf ausgehen, ein früheres Einsetzen der Schekelsammlung überall zu gewährleisten. Parteifonds Aus der Erwägung heraus, dass es ein dringendes Bedürinis der zionistischen Organisation sei, ihr eine Richer finanzielle Grundlage zu schaffen, .hatte der Kongress die BildungeinesParteifonds beschlossen, zu dem jeder Zionist eine einmalige Steuer von mindestens 5 Francs entrichten sollte. Gleich nach dem Kongresse sind wir daher in eine ausgedehnte Agitation für den Parteifonds eingetreten.!Das Zionistische Zentralburcau hat mehrere tausend Briefe, Zirkuiarc, Flugblätter usw. an sämtliche Föderationen und eine grosse Anzahl Gesinnungsgenossen verschickt; wir haben des weitern die Föderationen und LandmannschafCtn unaufhörlich auf die hohe und überaus wichtige Bedeutung des Parteifonds aufmerksam gemacht und durch die Presse eine lebhafte Agitation cingclcitet. Wenn nun der Erfolg sehr weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben ist, so ist dies in erster Linie dem Umstande zuzuschreiben, dass d i e grosse M e׳ h r z a h 1 der Landsmannschaften b is h c r die Agitation für den Parteifonds nur lässig oder verspätet betrieben oder über- Haupt gar nicht eingelcitet hat. Wir müssen dies auf das lebhafteste beklagen. Die grosse Masse der Zionisten hat sich der Idee des Parteifonds durchaus nicht abgeneigt gezeigt. Überall dort, wo die lokalen Leitungen sich dafür einsetzen, sind gute Ergebnisse erzielt worden, ln Österreich z. B. erbrachte Böhmen, wo man energisch für den Parteifonds tätig war, inehr als das ganze übrige österreich, Galizien und die Bukowina zusammengenommen. Ahnliehe Beispiele fanden wir in Amerika und Russland. Unter diesen Umständen können wir nur mit Nachdruck die Forderung aufstellcn, dass diejenigen Landesorganisationen, die den Betrag, den sie gemäss der Anzahl ihrer Schekelzahler zu erbringen hatten, bisher nicht abgeliefert haben, nunmehr das Versäumnis gut machen und mit Eifer und Ausdauer dafür eintreten, dass dieser Betrag jetzt noch erreicht werde. Aus den beigefügten Tabellen ist sowohl die absolute Höhe des von jedem Lande abgeführten Betrages für den Parteifonds zu ersehen, als auch In Prozenten ausgedrückt das Mass, zu dem die einzelnen Länder ihrer Verpflichtung zur Zahlung des Parteifonds nachgekommen sind. Materielle BcHiiillc der Institutionen Aus dem oben Gesagten ergibt sich, dass der bisherige Weg nicht genügt, um die Summen, die zur ordnungsmässigen Führung der Geschäfte erforderlich;sind, regelmässig und pünktlich aufzubringen. Wir müssen daher ernstlich an Mittel und Wege denken, um ein für allemal eine geordnete Finanz- Wirtschaft unserer Organisation herbeizuführen. Der Parteifonds, der ja ausdrücklich ein Fonds für ganz spezielle Erfordernisse sein soll, kommt hierfür nicht in Betracht. Nach eingehenden Erwägungen ist daher (das E. A.-K. zu dem Schlüsse gelangt, Ihnen vorzuschlagen, dass die Institutionen der zionistischen Bewegung alljährlich zur Deckung dec Kosten der zionistischen Organisation mit einer Beisteuer in einem gewissen Prozentsatz ihres Reingewinns herangezogen werden sollen. Wenn man bedenkt, dass diese Institutionen iiirc Entstehung und ihr Bestehen der zionistischen Organisation verdanken und alle ihre Vorteile und Einrichtmigcn in reichstem Masse geniessen und in Anspruch nehmen, ohne dass sic sich bisher an den Kosten dieser Organisation, die iiir sie arbeitet, Bfty j»r ־»i”f f■ 5׳׳ i c i _ 1 r 1 I I 1! t i i. i