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Jüdische Rundschau · 1908-08-14 · Heft 33 (14.8.1908) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIII (1908)
Issue
Heft 33 (14.8.1908)
Date
1908-08-14
Page
– (sequence 5)
Language
German
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JÖ öiscHfe :fc U N DS C H A Ü Seite 321 No. 33 Programmes ües politischen Zionismus liegt. Müssen wir | Ja immer unser Augenmerk darauf lenken, die politisch-interrationalen Beziehungen, die von einer nicht zu unterschätzenden Bedeutung für die Chancen und Möglichkeiten unseres Endzieles sind, zu suchen und zu unterhalten. Infolge längerer Unterhandlungen erging an den Prüsidenteri des A.*K. vor zwei Monaten vom russischen Premierminister eine Einladung, nach Petersburg zu kommen. Der Präsident des A.-K. begab sich infolgedessen in Begleitung des Generalsekretärs nach Petersburg, wurde dort in würdiger Weise als Leiter der zionistischen Organisation empfangen und hatte eine Reihe von Konferenzen mit den hervorragendsten Vertretern der russischen Zcntralregicrung über die Zwecke und Aufgaben des Zionismus im allgemeinen wie auch über die Möglichkeit zionistischer Arbeit in Russland itn besonderen. Zur selben Zeit sind auch die meisten A.-K.-Mitgüeder Russlands nach Petersburg hcrbeigceilt, uni im vollen Bewusstsein ihrer Verantwortung und der Wichtigkeit dieser Bemühungen gemeinsam mit dem Präsidenten über deren Einzelheiten zu beraten und zu bestimmen. Die Reise hat im Prinzip und fiir die allgemeine Stirnmung schon Jetzt ein günstiges Resultat ergeben. Die Konferenzen haben die berufensten Vertreter der russischen Regicrung zu sympathischen Erklärungen über den Zionismus und manches störende grundsätzliche Missverständnis zerstreut. Um aber die vorgesteckte Auigabc auch praktisch zu erreichen, war es notwendig, Im Einklänge mit den gepflogeucrt Unterhandlungen mit der Regelung der Angelegenheit In lokal-administrativer Hinsicht einige von uns zu diesem Zwecke gewählte Vertrauensmänner ln Russland zu betrauen. Unsere Vertrauensmänner werden sich angelegen sein lassen, mit den massgebenden Faktoren, bei denen sie unsererseits eitig'eführt worden sind, über die Modalitäten zu verhandeln, die die zionistische Arbeit im Rahmen unseres Prograinnies in Russland ermöglichen und den bisherigen Konflikten Einhalt gebieten können. Auch hat die Annäherung an die Vertreter der auswärtigen Politik Russlands einen sympathischen Zusammenhang geschaffen, der für die Zukunft von Nutzen sein kann. Alerdings muss man von diesem Umschwünge erwarten, dass er nur den Beginn dessen darstellt, was man Im Sinne einer genügenden Entwicklung von ihm erhoffen muss. Jedenfalls dürfen wir die sichere Hoffnung hegen, dass sich die Leistungsfähigkeit und das Selbstvertrauen unserer Gesinnungsgenossen in Russland infolge unserer letzten Bemiihungen bedeutend steigern werden. Günstige Anzeichen eines neuen Erwachens zionistischen Geistes in Russland zeigten sich schon während der Reise des Präsidenten und lassen sich Jetzt überall dort andauernd wahrnehmen. IV. Neue Institutionen Das Hauptmerkmal unserer Arbeit innerhalb der Organisation bildete die Einrichtung mehrerer neuer Partciinstitu-!innen, die die Arbeitsmöglichkeiten und Erfolgaussichten der Bewegung beträchtlich vermehren. Palästlnaressort-Palästlnaamt An Stelle der vormaligen Palästinakommission trat das Palästinaressort, *über dessen Arbeit ihnen ein besonderes Referat vorliegt. Als eine der wichtigsten vom ׳Palästinaressort vorgonommenen Arbeiten und zugleich als eine der bedeutsamsten der von uns geschaffenen neuen Institutionen dürfte das P a l & s t i n a a m t zu betrachten sein, das gemäss dem Kongressbcschluss in Palästina eingerichtet wurde. Nachdem Herr Dr, Ruppin bereits vor dem Kongresse in unserem Aufträge nach Palästina gegangen war und dort in fünfmonatlichem Aufenthalte die einschlägigen Verhältnisse studiert hatte, übertrugen wir ihm die Leitung des Palästinaamtes, in dessen Arbeiten er siel: gemeinsam mit dem Sekretär Herrn Dr. Thon teilt. Seit Juni befindet Sich das Amt in voller Tätigkeit, ein gesonderter Bericht über seine Arbeiten liegt Ihnen vor. Zionistisches Zentralburcau, Abteilung Berlin Vielfach ausgesprochenen Wünschen entsprechend haben wir in Berlin zunächst versuchsweise eine besondere Abteiiung des Zionistischen Zentralburcaus eingerichtet, die bcstimmt sein sollte, die agitatorische und propagandistische Arbeit in der ganzen Welt zu zentralisieren und zu beleben und auf die technische Ausgestaltung der Organisation mit Rat und Tat einzuwirken. Ausserdem sollte die Abteilung als Bureau des Palästinaressorts tungieren, das demgemäss auch ein Viertel zu seinen Kosten, die auf 8000 Mark Jährlich festgesetzt sind, beitrügt. Das Bureau, dessen Mitglieder fast ausschliesslich im Ehrenamte arbeiten, hat Dank der grossen Mühe und Arbeitsfreudigkeit, mit. der sich diese ihrer Aufgabe unterzogen, nennenswerte Ansätze bezüglich der Verbesserung und der Erweiterung der Agitation in Wort und Schrift wie auch der Sammlung von Material für eine Vereinheitlichung der Organisationsformen geschaffen. Wir können uns der Erwägung nicht verschlicssen, dass hei dem gegenwärtigen finanziellen Stande unserer Organisation die vollständige Aufrcchtcrbaltung des Berliner Bureaus nicht die mitzbringendc Wirkung haben kann, die eine so schwere Belastung unseres Etats rechtfertigen könnte. Das E. A.-Kwird daher in Erwägungen darüber cintreten, wie das Bureau dergestalt reduziert werden kann, dass es möglich ist. die von dem Bureau bereits geleistete Arbeit nutzbringend zu verwerten und ohne grosse Kosten diejenigen Einrichtungen des Berliner Bureaus zu erhalten, deren Bestehen sich als besonders wertvoll erwiesen hat. V. Abänderung des Bankmemorandums Der Kongress hatte beschlossen, die Erledigung der Abünderung des Bankmemorandums dem E. A.-K. und einer vom Kongresse gewählten Kommission von drei Juristen zu überlassen. Die Gutachten der Juristen lagen uns erst nach der Sitzung des Grossen Aktionskomitees im Januar vor. Sie waren nicht übereinstimmend, Herr Rechtsanwalt Biclkowski sprach sich für die Fortsetzung des Prozesses, Herr Dr. Friedemann dagegen aus, während Herr Dr. Bodenheimer seine Entscheidung von einer vorherigen nochmaligen Beratung־ mit englischen Juristen abhängig machte. Inzwischen ging das Prozessverfahren seinen Gang. Die vom englischen Richter angeordnete Abstimmung der Aktionäre hatte das Ergebnis, dass sich eine grosse Mehrheit für die Abänderung aussprach. F ii r die Abündcrung stimmten: 16 006 Aktionäre mit 50 117 Aktien, dagegen nur 2487 Aktionäre mit 9426 Aktien. Das Gericht kam indessen zu einem ablehnenden Bescheide, es wies die Statutenänderung ab und legte der Bank sämtliche Kosten auf. Wir haben von Anfang an keinen Zweifel darüber gelassen, dass wir die Durchführung der Abänderung nicht ihr notwendig halten. Der Begriff des Zionismus ist so klar, der Wille der überwiegenden Mehrheit der Zionisten ist so eindeutig auf Palästina gerichtet, ur. d die Organisation unserer ׳ Bank ist derart,' dass niemals gegen den Willen der Mehrheit der Zionisten eingreifende Änderungen in den Prinzipien ihrer Geschäftsführung durchgcfiihrt werden können, so dass es unseres Erachtens keiner Änderung der Statuten bedürfte. Sclbstverstündlich abci fügten wir uns dem ausgesprochenen Willen des Kongresses. Nachdem die juristischen Gutachter zu einer einheitlichen Meinung nicht gelangt waren, hielten wir uns für verpflichtet, den Prozess bis zur endgültigen Entscheidung weitergehen zu lassen. Auch haben wir alles getan, was im Interesse der Durchführung des Prozesses dienlich erschien.

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