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Jüdische Rundschau · 1908-08-14 · Heft 33 (14.8.1908) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIII (1908)
Issue
Heft 33 (14.8.1908)
Date
1908-08-14
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 320 JÜDISCHE HUNDSCHAU No. 33 in traulichem Bund unter dem Schutz seiner ruhmreichen Tu- Senden uns von ringsumher wütenden Verfolgungen geborgen fühlten, webt neue Fäden, die uns mit den» ottomanischen Rechtsstaat verbinden werden, in dem siel: die Völker nebeneinander unter dem Scepter eines gerechten Herrschers, der den Pulsschlag der Zeit begriffen, in Friede und Eintracht ihren höchsten historischen Kulturabgaben widmen werden. Natürlich macht jede neue Gestaltung der Dinge in der Regel manche alte Beziehung wertlos und manche herkömmliche Methode abänderungsbedürftig. Die Machtverhfiltnisse der massgebenden Faktoren verschieben sich, neue Gesichtspunkte tun sich auf, Personen und Einrichtungen lösen sich ab, und was gestern noch Giltigkeit hatte, wird heute ausser Kurs gesetzt, um vielleicht morgen wieder in einer andern Form zur Geltung zu kommen. Bei politischer Arbeit muss man immer fmit der Vergänglichkeit menschlicher Einrichtungen und Verhältnisse rechnen. Aber Was wir vertreten, ist das unwandelbare Ideal unseres Volkes. Die wirklichen Grundlagen unserer Politik liegen in der sittlichen Kraft und in der logischen Notwendigkeit der Lösung unseres Problems. Die Taktik ist ein nebensächliches Moment und muss sich selbstverständlich je nach den Verhältnissen richten. Wir werden zu Jeder Zeit in richtiger Würdigung der Sachlage die notwendigen Mittel und Wege finden, und cs wäre verfrüht, von vornherein in dieser Beziehung schon jetzt Horoskope zu stellen. Aber eins können wir schon jetzt fcststcllcn: Alles, was im türkischen Reiche kulturgcsialtcnd sern wird, muss unserer Sache zugute kommen. Die wirtschaftlichen Vorteile, die wir bieten, die Schafiuug neuer Erwerbsquellen, die modernc Entwickelung’, die wir in Palästina vertreten, gewinnen ein um so grösseres Gewicht, als das ottomanischc Gesamtreich einen neuen Aufschwung nach dieser Richtung zu nehmen bestrebt ist. Unsere praktischen Unternehmungen, unsere realen Arbeiten und Anlagen werden sich gedeihlicher entfalten können. In die verhüllte Zukunft der inneren Gestaltung des türkischen Reiches fällt ein Strahl von Licht: unsere friedliche, kulturelle, historische Aufgabe im Lande unserer Väter. Es Ist für uns ein aufrichtendes Bewusstsein, dass unser Orient zu neuem Leben erwacht. Unsere Gegner wurden nicht müde, uns den Vorwurf zu machen, dass wir unsere Blicke dorthin richten, wo rückständige und rückblickende Verhältnisse liir alle Ewigkeit, wie sie wähnten, herrschen müssen. Nun zeigt der neue Geschichtsgang, dass unseren Gegnern nicht nur die historische Treue und Anhang- und ich erfuhr, dass er mich, die bewusstlos auf der Strasse gelegen, aufheben, und in sein Haus hatte tragen lassen. Meine verletzte Stirn war verbunden worden, und da der Abend mittlerweile hereingebrochen war, geleitete er mich selbst bis an die Türe meiner Base. Seit jenem Tage sah ich den Ritter oft, er harrte meiner auf Jedem meiner Wege, und — ihre Stimme war durch die Scham des Geständnisses und das überwallende Gefühl fast erstickt — er gestand mir seine Liebe. Seid mir ein milder Ricbter, hoher Herr, ich habe die Wahrheit gesprochen." Der Rabbi hatte sie ernst und schweigend angchört, und sprach noch immer gütig und mild: ״Und du Hebst ihn auch? und hast es deinem Vater verschwiegen?" ״Wüsste er’s, so würde er mir fluche״ in seinem Zorn," antwortete erschreckt das Mädchen. ״Ich habe seit jenem Abend keine ruhige Stunde gehabt, und mein letzter Trost ist die Strafe, die Ihr, hoher Meister, über mich verhängen werdet." ״Wenn du bereust, und deiner Liebe entsagst, werde ich dich nicht strafen, aber ich fürchte, dass deine Kraft geringer als dein Wille ist, und dass du von deiner sündhaften und törichten Liebe noch nicht geheilt bist. Sei standhaft, Mädchen, den kurzen Augenblick des lichkclt an das Land der Väter, sondern auch der weitausschauende Blick für die allgemeine politische Entwickelung fehlte. Wir werden mit dem vorwärtsstrebenden ottornanischeu Volke einen ebenso innigen Kontakt suchen wie mit den von ihm anerkannten Autoritäten. Unser loyales und kulturelles Werk kann dadurch nur gefordert werden, wenn der öffentlichen Meinung eine Einflussnahme auf die Regierungsgeschäftc eingeräumt wird. Denn was wir anstreben, ist nicht für dieses oder jenes Regime, für diese oder jene Partei, sondern für deren Gesamtheit crspriessllch und gedcihlich. Darin liegt die Garantie unseres Erfolges. III. Die Bemühungen in Russland SeiL dem Anfänge der zionistischen Bewegung stand unsere Paitcigcnosscnscbaft in Russland im Vordergrund uttserer Organisation. Leider haben aber die Ereignisse der letzten Jahre diesen beträchtlichen Teil unserer Partei ausser- ״ יdeutlich geschwächt. Die schicksalsschwere Zeit des lieberga. gsstadlums und der Erschütterungen batte tiefe Spuren in unseren Reihen in Russland!unterlassen. Zersplittert und zerfahren, zerklüftet und unsicher, jedoch im Geiste unbeugsam und gcsirinimgstiiclitig. versuchten unsere dortigen Brüder in der letzten Zeit, ihre Organisation wieder amzubaitcn; aber sie vermochten sich nicht gegen die Missgriiic lokaler bureaul.ratischer Willkür zu schützen. Die Krise verschärfte sich immer mehr: die elementarste Betätigung der Parteiarbeit war lahnigelegt, die Gefahr vollständiger Verkümmerung drohte. Diese Erwägung wie auch manche diesbezügliche Anregmig unserer russischen Gesinnungsgenossen waren für uns entscheidend, als wir uns bereits vor mehr als einem Jahre entschlossen haben, einen Versuch zu machen, unserseits dazu beizutragen, die Wirrnisse In Russland zu klären und die Hindernisse der dortigen Organisation aus dem Wege zu räumen. Während des letzten Kongresses im Haag war unsere Arbeit schon im vollen Gange, als wir die Gelegenheit wahrgenommen haben, mit hohen Vertretern der russisehen Regierung einen bereits früher begonnenen Meinungsaustausch zu diesem Zwecke mit aller Energie weiterzuführen. Mitbestimmend wirkte auch die Auffassung, dass die Fühlungnahme mit der russischen Regierung wie mit allen andern Grossmächten überhaupt in der Konsequenz unseres Kampfes wiegt deiner Zukunft Glück und Ruhe auf. Wenn dich der Glanz des Gedankens verblendet, dass ein Ritter um deine Liebe wirbt, so bedenke, welch’ eine Kluft euch beide scheidet, und, dass, wenn du auch das Ziel deiner Wünsche erreichen könntest, dies nur durch den schnöden Abfall vom Glauben deiner Väter möglich ist. Wenn dir dein Vater fluchte, würde die Gcrechtigkeit des Himmels ein flammendes Schwert seinem Zorne leihen. Du würdest mit Recht verachtet werden von den Dcinigcn. weil du um zeitlicher Ehre willen, undankbar und unkindlich an deinem Vater gehandelt, und dich in die Gemeinschaft der Feitide unseres Volkes begeben hättest. Du würdest aber auch verachtet werden von deinen neuen Genossen, und in ihrer Meinung die Jüdin bleiben, die durch Zauberkünste einen edlen Herrn betört und verblendet hat: kurze Zeit blüht die Rose der Leidenschaft, aber auf Dorrten müsstest du gehen bis zu deinem Grabe. Willst du entsagen?" Rachel sank zu des Rabbi Füssen nieder, und staut- Hielte: ״Ich will.“ (Fortsetzung folgt.)

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