Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIII (1908)
- Issue
- Heft 32 (7.8.1908)
- Date
- 1908-08-07
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 310 JÜDISCHE RUNDSCHAU No. 32 Herren zum B e w u s s t e i n bringen, dass ihr sogenanntes ״internationales jüdisches Comite** die׳ Anerkennung der jüdischen 0 e f - fentlichkeit jedenfalls nicht finden wird! — * Es hicssc, diesen geharnischten Protest utn seine Wirkung uringen. wenn wir ihm etwas anderes hinzufügen wollten als die Erklärung unseres völligen Einverständnisses. Übrigens kommen bereits von allen Seiten Proteste, und dabei ist das von den Londoner Herren beliebte Vorgehen noch kaum bckanüt geworden. Die ziouisttische Organisation sollte zu diesem unerhörten Affront baldigst Stellung nehmen. Vielleicht beschäftigt sich bereits die in nächster Woche in Köln tagende ״Jahreskonferenz“ mit dieser neuesten jüdischen Politik. Unsere Nationalsprache In Nummer 21 der JÜDISCHEN RUNDSCHAU vom 22. Mai I9DS erkundigt sich Herr B. (jninliut nach einem geeigneten Lehrbuch tiir den Selbstunterricht in der hebräische!. Sprache. Ein Lehrbuch in dem Sinne, wie cs Herr Griinhut meint, bestimmt, dem Schüler den selbständigen schriftlichen und mündlichen Gebrauch der Sprache zu ermöglichen, existiert nach der OIlcndcrf-Mctliode. ich besitze dieses Lehrbuch und habe selbst früher versucht, danach zu lernen, muss aber sagen, dass die sonst so vorzügliche Ollendorii-Mcthodc für die 11 eb ra is eh c Sprache vollkommen zu versagen scheint. Statt sieh au das gewöhnliche Leben anlehncndc Gesprächübtmgcn zu bringen, lehnt sich das Lehrbuch in seinen Gesprächfibungcn. die eigentlich gar keine sind, an biblische Texte au. Besser ist schon das Buch von T a w j e w, aber auch dieses Lehrbuch setzt gründliches häusliches Studium voraus. Wer dazu nicht Zeit hat oder zu viel Ablenkung hat, um fleissig Grammatik und Vokabeln zu studieren, kann auch iiicrnacli nicht lernen, und das ist sicher der Grund des Miss■ crfolgcs der sämtlichen Systeme, die dauernden häuslichen Heiss voraussetzen. Wer sich ganz dem Studium der Sprache widmen kann, der lernt nach jeder Grammatik, wenn er Lust und Liebe dazu hat. Liebe zum Studium der hebräischen Sprache bei Erwachsenen zu erwecken, sind aber die angeführten, wie überhaupt alle Lehrbücher auch wenig geeignet, wenn man durch anderweitige Beschäftigung hiervon abgelenkt wird. Da kann nur allein der mündliche Verkehr zwischen Schüler und Lehrer aushelfen, der noch den Vorteil besitzt, dass der Schüler genötigt ist, sich an den Klang der Sprache zu gewöhnen und in der Lehrstunde selbst zu memorieren. Daher wird iiir Erwachsene, und insbesondere für alle Personen, welche durch nianigfachc andere geistige Abclenkung sich dem Studium einer Grammatik nicht widmen können, diejenige Methode des Unterrichts die beste und zweckmassigste sein, welche möglichst wenig zum häuslichen Studium Zuflucht nimmt und möglichst ausschliesslich aui dem lebendigen Verkehr zwischen Schüler und Lehrer beruht. Eine solche Methode ist aber die von Herrn Griinhut verworfene Methode Pinski. Ich habe selbst alle anderen, in dem ATtikel erwähnten Methoden keimen gelernt und muss sagen, dass ich, mit Bezug auf die Methode Pinski Herrn .Griinhuts Meinung für völlig unbegründet erachten muss. Herrn Pinskis Lehrmethode lehrt den Schüler von Anfang an in der Sprache za denken, und sich auszudrücken. Sie vermeidet alle, so sehr ermüdenden, in der Übertragung banal wirkenden Anlehnutigen an biblische Stellen; Herr Pinski lehrt in der hebräischen Sprache dasselbe auszudriieken, wie in irgend einer modernen Sprache. Dadurch, dass bei dieser Methode das hebräische Studium möglichst ausgeschaltet w ird, das Au - notieren von Vokabeln und Sätzen, das sonst wohl jede andere •Methode als wesentlich erachtet, geradezu verboten ist. ist der Schüler genötigt, schon während des Unterrichts, angcstrengt, den! Vorträge des Lehrers, bozw. der Konscrvation zu folgen und sich schon während des Unterrichts möglichst viel Vokabeln und Ausdrücke ciuzuprägen. Bei allen Methoden jedoch, wo das Durchgenommene notiert wird, um dann zu Hause auswendig gelernt zu werden, ist der Schüler gar zu sehr geneigt, sich auf seine Notizen, die er ja schwarz auf weiss getrost nach Hause tragen kann, zu verlassen. Beim Memorieren merkt man dann, dass man den Zusammenhang vergessen und den Sinn der Worte missverstanden hat; und Wie oft kommt jemand, der andere seine ganze Zeit in Anspruch nehmende Beschäftigung hat, überhaupt dazu, häuslich zu memorieren. Dazu kommt noch der Übelstand, dass bei solchen Methoden keine Rücksicht auf die Individualität des einzelnen Schülers genommen werden kann. In denjenigen Sprachkursen. w0׳ der Unterricht an der Hand von Lektüre J erteilt wird, wird, wie Ich ,aus eigener Erfahrung w eiss, schnell 1 über jedes einzelne Wort hinweggegaugen; cs wird idem Schüler gar keine Zeit gelassen, die einzelnen Worte und Ausdrücke sich einzuprägen; er soll sic sich ja nur aufschreiben können. Das sind meiner Ansicht nach die Gründe, dass alle anderen angeführten Methoden, mit Ausnahme derjenigen des Herrn Pinski gar keinen Erfolg erzielen können. Wenn auch sicher hier die individuelle sprachliche Begabung des Schülers ebenso wie bei anderen Methoden eine Rolle spielt, so kann ich mir d xli nicht denken, dass es überhaupt Leute gibt, die nach dieser Methode nicht bessere Fortschritte machen können, w ie nach jeder anderen. Die Methode des Herrn Pinski ist derart, dass an seinem Kursus eine Gesellschaft von Leuten teilnclimen kann, die ganz verschiedene Sprachen sprechen und sich sonst gar nicht unter einander verständigen können, denn die deutsche oder eine andere Sprache scheidet bei diesen! Unterricht ganz aus. Es wäre daher dies die ideale Methode, um in vielsprachigen Ländern die hebräische Sprache zu lehren. Ich zweifle nicht daran, dass cs hei der Methode des Herrn Pinski möglich ist, bei etwa zwei Stunden wöchentlieh, in etwa einem halben Jahre den vollkommenen märullieben und schriftlichen Gebrauch der hebräischen Sprache zu erlangen und in derselben sieh so fliessend auszudriieken. wie in jeder modernen Sprache. Dr. Adolph Zimmcrinann. Die Falascha-Expedition*) Von Herrn Nahutn ist über den Empfang und die weitere Tätigkeit der Expedition nachstehender Bericht cingegangcn: Addis-Abeba. 12. März 190S. Ich bestätige ergebenst meinen Brief von! 6. d. M.. Iri dem ich Ihnen in der Eile den wohlwollenden Empfang gemeldet habe, den S. M. M c n c I i k der Mission der Alliance an diesem Tage gewährt bat. (Dieser Bericht ist nicht an seine Adresse gelangt, somit wahrscheinlich verloren gegangen.) Anderen Tags, am Sonnabend, kam de; Zcrcinonienmeistcr und erste Hofdolmetsch Ato Haile Mariam zu uns ins Hotel. ״Ich komme“, sagte er. ״im Aufträge Ihrer Majestät der Kaiserin, deren kaiserliche Grüsse zu überbringen. Ihnen für das schöne Geschenk zu danken, das Sic Ihrer Majestät gebracht haben, und Sie herzlich zu Ihrer gcstiigen Rede vor dem Kaiser zu beglückwmischen. Ihre Mai. die Kaiserin würde sich freuen, wollten Sie ihr eine genaue Niederschrift schicken. Zugleich fiberbringe ich Ihnen die Einladung zur Teilnahme an dem kaiserlichen Frühstück am Sonntag.‘ Am Montag. 9. März, erkundigte sich der Zeremonienmeister im Aufträge des Kaisers nach unserem Befinden. Ich behielt ihn zu Tisch. Er wiederholte, dass Se. Majestät viel von meiner Rede spricht, von der ich hier einen kurzen Auszug gebe: Von einem orthodoxen Kaiser sprechend, der ein glühender Verehrer der Bibel und namentlich der Psalmen ist. ging ich von dein Bibelspruch (1. Mos. 12. 3) aus; ״Durch dich werden alle Völker der Erde gesegnet werden.“ Ich zeigte einerseits die moralische Grösse der Mission Israels, andererseits die hohe Macht des alten Aethiopicn; wie Jenes durch Jahrhunderte der Unwissenheit und durch die Verfolgungen des Mittelalters hindurch seine Glaubenseinheit bewahren, wie dieses trotz zahlreicher Ueberiälle seine Unabhängigkeit ungeteilt erhalten konnte; kam dann auf die Renaissance Israels und auf die neue Blute Acthiopiens. Die Israeliten und die jüdische Wissenschaft schreiten immer weiter voran, dank ihrer lebendigen Organisation in der Alliance Israölite Universelle, die für die ganze Menschheit arbeitet, indem sie fiir die Israeliten sich einsetzt. Actliiopicn wiederum bat den Weg zur Zivilisation beschritten, dank der hohen Einsicht, der Duldsamkeit, der Güte Ihrer Majestäten, die Gerechtigkeit. Eintracht. Frieden zur Herrschaft bringen wollen, nach dem Wort des Psalmistcn: ״Güte und Wahrheit begegnen sich, Gerechtigkeit und Friede umarmen sich" (Ps. 85. il). Der ausgezeichnete französische Bevollmächtigte Brice. von dem uns bereiteten Empfang durch unseren Begleiter, den französischen Konsul Roux, und vom Palais aus benachrichtige beglückwünschte uns zu den Sympathiekundgebungen, mit denen die Kaiserin uns beehrt batte. Die Kaiserin verlässt nur sehr seiten und immer nur veischieiert den Harem. Fast nie sieht sic Fremde. Die zu unseren Gunsten gemachte Ausnahme war fiir uns von •) Infolge andauernden Raummangels olicb dieser interessante Bericht bis jetzt zurück. Obwohl er den aktuellen Wert bereits eingebüsst hat, kommt ihm doch zweifellos eine gewisse kulturhistorische Bedeutung zu. die den verspäteten Abdruck in der JÜDISCHEN RUNDSCHAU genügend rechtfertimm dürfte. — Die Redaktion.