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Jüdische Rundschau · 1908-08-07 · Heft 32 (7.8.1908) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIII (1908)
Issue
Heft 32 (7.8.1908)
Date
1908-08-07
Page
– (sequence 5)
Language
German
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- mm**« No. 32_JÜDISCHE RUNDSCHAU _Seile 309 Dieser Verband soll eine permanente Institution sein, die ihr Wirkungsterrain nach Möglichkeit und Notwendigktfit zu erweitern hat Ihr Oesichtspunkt ist mithin; Das Maximum einer erreichbaren Verständigung unter den indischen Organisationen auf all den Gebieten, wo eine gemeinsame Arbeit der verschiedenen Körperschaften möglich und zweckmüsste ist 4. Die gefährdeten Interessen der Judcnhcit, die materiellen und moralischen, machen eine Vertretung der Juden nach, aussen hin erforderlich. Es ist dies, auch ein moralisches Postulat, welches dem Bedürfnisse entspricht, das Ansehen der Jüdischen Gesamtheit würdig zu wahren. (In vielen Kreisen begegnet man der Ansicht, die ״Alliance Isradlitc Universelle“ hatte, indem sic als eine Repräsentanz der Judenheit auftrat und den Glauben an einen jüdischen Universalbund erweckte, dem Antisemitismus Nahrung zugeführt und somit schädlich gewirkt. Diese Ansicht kann nur auf mangelhaftem Sinn fiir Volks würde und irriger Auffassung der jüdischen Volksintcrcsscn beruhen. Es gehört vielmehr zu den grossen Verdiensten der Alliance, das Ansehen der Gesamtjudcnhcit in den Augen der Völker und Mächte durch ihren stolz klingenden Namen erhöht zu haben; die wiederholten erbitterten Ausfälle des Antisemitismus gegen die Alliance legen geradc,cin beredtes Zeugnis davon ab. Leider aber fehlt diesem herrlichen Namen der entsprechende Inhalt. Die Alliance hat daher den Nachteil einer fingierten Repräsentanz der Juden, wenn sie auch sogar als Fiktion einen nicht zu unterschätzenden moralischen Wert hat.) 5. Als Repräsentanz der Juden nach aussen hin muss der Verband bestrebt sein, sich das Vertrauen des Volkes zu sichern. Es soll daher dem Gesichtspunkte der Popularität Rechnt!ng getragen werden. 6. Religiöse und kulturelle Fragen sind ihrem Charakter nach nicht geeignet, eine gemeinsame Plattform für alle Organisationen zu bilden; sie sind daher aus dem Programm des Verbandes ausgeschlossen. 7. Die Kompetenz des Verbandes darf nicht die Kompetenz der Einzelorganisationen tinschränkcn. Jede Einzelorganisation bleibt in ihrer lokalen Autonomie unversehrt. Berlin, Ende Ju!e 1908. Dr. Jacob Klatzkin. Zu dem gleichen Thema erhält die NEUE JÜDISCHE KOR- RESPONDENZ von offenbar gut Informierter Seite eine Zu- Schrift, die wir im Folgenden wiedergeben, und die den gleichen Standpunkt wie der vorstehende Artikel, noch etwas schärfer pointiert, zum Ausdruck bringt: Eine Komödie, die aber eine ernste Beachtung verdient, wurde in der letzten Sitzung der ״Anglo-Jewish Association" aufgeführt. Bekanntlich bestreben sich die tüchtigsten unter den jüdischen Politikern der Gegenwart seit langem energisch um die Gründung eines Internationalen jüdischen Komitees, das dauernd alle allgemeinen jüdischen Angelegenheiten beobachten und besonders in den Fragen der Aus- Wanderung und der Kolonisation unter Umständen nötige Aktionen vorbereiten und einlciten sollte. Gemäss einem Vorschläge des .,Hilfsvereins der Deutschen Juden“ sollte ein ständiger Ausschuss von Vertretern der leitenden jüdischen Organisationen Europas und Amerikas dieses Komitee bilden. Das ging aber gewissen Leuten sehr gegen den Strich, und so beschloss man denn unter schroffer Ablehnung aller anderen Anträge ein ״Internationales Jüdisches Comttö“ zu bilden, das In Fällen ausscrgcwöhnlichcr Not 0) und besonderer Katastrophen (!!) zusanmicntrcten solle, um über — Hilfsaktionen zu beraten. Ausserdem soll in diesem Comitö die Alliance zwar doppelt, andere grössere Organisationen dafür aber gar nicht vertreten sein! Und das nennt man ״Internationales Jüdisches Comitö". in dem die grössten jüdischen Organisationen, hinter denen die Masse der Juden steht, überhaupt nicht vertreten sind. Die gesamte jüdische Oeffcntlichkeit muss energisch gegen eine solche Farce protestieren, die eine einfache Verfälschung des ursprünglichen Proj e k t e s darstellt. Mr. Claude Monteflore und seine Freunde haben nichts gelernt und alles vergessen, dessen sich zu erinnern sic doch verpflichtet wären, wenn sie es ernst meinen mit der Hilfe, die sic den Juden bringen wollen. Müssen denn erst immer Pogroms und Judcnaustretibungen stSattfin den, bis die ..Grossen in Israel“ es für nötig halten, zasammen zu treten? Sehen diese Herren denn nicht die dauernde Judennot, die einer per• manenten Katastrophe gleichkommt? Es muss ein einmütiger Protest der gesamten jüdischen Presse ohne Unterschied der Richtung den Londoner und Pariser ״Warum verhüllt Ihr dann Euere Forschungen in ein so undurchdringliches Dunkel?“ ״Auch Ihr, edler Herr,“ wandte bescheiden der Rabbi ein, ״verhüllt sorgsam dem gemeinen Auge, was Euch der Gott der Weisheit in stillen Stunden vertraut. Um wie viel besorglichcr müssen wir zu Werke gehen, die vom Volke verflucht sind, und über deren Haupte das Schwert des Zornes hängt. Von Kerker, Schmach und Feuertod bedroht, müssen wir uns wohl hüten, selbst mit wohltätiger Kunst hervorzutreten, in welcher der Abcrgfaube und der angestammte Hass unserer Feinde nur Werke des Teufels und der Zauberei erblicken würde.“ ״Es ist wahr, man erzählt sich seltsame Geschieltteil, insbesondere von Euch, sogar der Kaiser weiss davon. Wir sprachen neulich mit einem Herrn, der steif und fest behauptete. Ihr hättet einen Teufel in Euerem Sold, den Ihr durch einen Zauberspruch so zu bannen wüsstet, dass er alle Euere Hausgescliäftc wie ein ordentlicher Dienstbote verrichtete. Wenn etwas an der Sache ist. so wäre ich recht neugierig , den sinnreichen Automaten zu sehen!“ ״Das könnt Ihr sogleich,“ der Rabbi öffnete einen Kasten, in welchem eine menschliche Figur, mit anatomischer Genauigkeit aus Holz geschnitzt, lehnte. Der Rabbi nahm den Kopf auseinander, und zog ein künstliches Uhrwerk auf. Der Golem zuckte, reckte sich, und ging in der Stube, wiewohl etwas steif, aber mit ziemlicher Hastigkeit umher. Freilich musste ihn der Rabbi mit einem Stahe gängeln, damit er nicht geradezu auf die Gläser los ging, oder den Tisch mit der Studierlampe umwarf. Tycho de Brahe lachte aus vollem Halse über den possierlichen Anblick, und dfer Rabbi stimmte ein. ״Das ist also Euer spiritus familiaris? fürwahr, wenn Ihr solche Kunststücke macht, so dürft Ihr Euch gar nicht wundern, wenn Euch die Leute als einen intimen Freund d*es Teufels betrachten. Sagt mir jetzt, wie bringt Ihr den Burschen wieder zum Stehen, bevor sein Uhrwerk ganz abgelaufcn ist?“ Der Rabbi zeigte auf eine Feder, welche er berührte, worauf der Golem, der noch vor einer Sekunde lustig mit Armen und Beinen gewackelt hatte, steif und starr umficl. Der Rabbi schob ihn wieder in seinen Kasten, und verschloss diesen mit einem, wie es schien, nagelneuen Schlosse. (Fortsetzung folgt.) ׳irr״??"^•ייי״וי?•ייי״י

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