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Jüdische Rundschau · 1908-07-31 · Heft 31 (31.7.1908) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIII (1908)
Issue
Heft 31 (31.7.1908)
Date
1908-07-31
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 28<ו JÜDISCHE RUNDSCHAU. No. 31 Unterredung zu gewähren. — Er äusscrte sich mit besonderer Zufriedenheit und Genugtuung über seinen Empfang bei den beiden Ministern. ״Stolypin hat auf mich einen ״vorzüglichen Eindruck" gemacht. In meiner Unterredung mit dem Premierminister, ebenso wie mit Isxvolski. habe ich hauptsächlich den allgemeinen Zionismus als solchen berührt. Debei zeigte sich, dass Stolypin der allgemeinen Idee des Zionismus sich sehr sympathisch gegenüber verhält. Pie Regierung hat keineswegs die Absicht, die russischen Zionisten in ihrer Arbeit zu stören. Insofern sic die Verwirklichung des Baseler Programms, zur Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina ansireben. Hindernisse in dieser Hinsicht sollen ihnen nicht in den Weg gelegt werden." ״Ich habe ferner" — erklärte Wolffsohn — ״aus der Unterredung mit dem Premier den Eindruck gewonnen, dass man in der .fudenfrage in Russfand nicht pessimistisch denken derf. Unbedingt werden mit der Zeit, wenn vollkommene Ruhe im Lande cingetretcn ist, auch Erleichterungen und Reformen für die Juden cintreten. — Mir Zionisten sind aber der Ansicht, dass eine gründliche Lösung der Judenfrage nur in Palästina slattfmdcn kann. Eines der Hauptziele meiner Reise war. die zionistische Propaganda, die von der russischen Regierung infolge der allgemeinen Upruhe erschwerte wurde, zu erleichtern. Ich muss gestehen. Stolypin ist mir in dieser Hinsicht in weitem Masse entgegengekommen." Pic Redaktion der MARTIJNOSCHEN 7.EITUNO bemerkt dazu: Was wir von Versmechuiigen russischer Minister halten, wissen unsere Leser. Pie Juden, die mit Plchwc sprachen, rühmten seine Liebenswürdigkeit und Vorurteilslosigkeit, und ausländische Journalisten Priesen die guten Absichten Plchwcs. was diesen ׳nicht hinderte, in Wahrheit ein blutiger Tyrann zu sein. Stolvpin ist kultivierter als Plclnve. aber die Taten seines Regimes sind barbarisch. Und schliesslich: nicht Stolvpin regiert, sondern die ״schwarze Hundertschaft", und er bleib♦ nur am Ruder, weil er es verstellt, den Wünschen der Schwärzcn. auch wenn er sie verurteilt, im geeigneten Moment nachzugeben. Selbst chrenwörtÜche Versicherungen russischer Staatsmänner sind wertlos. Ich glaube, man kann diese Ausführungen der HARTUNG- SCHFN ZEITUNG nur In vollem Masse beipflichten. Es ist ja keine Frage, dass die Beschränkungen und Hindernisse, die .die russische Regierung dem Zionismus in Russland in den letzten Jahren bereitet hat. das zionistische Leben und die zionistische Propaganda in Russland fast zur Unmöglichkeit g'cmacht und so. Infolge der Beschränkung, den die russischen Zionisten im Gesamtzionismus haben, dem Zionismus selbst sehr geschädigt haben. Es ist ferner keine Lüge, dass die Schritte, die Wolffsohn aus diesem Grunde unternommen hat. um durch persönliche Vorstellungen bei der russischen Regferung die Hindernisse 711 beseitigen, notwendig waren, und dass s׳e wohl auch wenigstens für die nächste Zeit von Erfolg sein werden Pas Ist sicher schon von Wert Aber weitergehende Hoffnungen daran zu knüpfen auf dies entgegenkom- Tuende Verhalten eines Stolvpin hin und den vorzüglichen Eindruck und die Versprechungen die russische Minister machen, halte ich für falsch. Freundlichkeit und schöne Versprechungen sind billig wie Brombeeren, sie sind n״cb in de׳’ K’nlfurstaotcn. bei Rccierungs- und Hoflcntcn die alltäglichen Fälle, mit denen man Petenten abspeist und beschwichtigt geschweige denn in dem Barbnrenstaate Russland, wo die Lüge, die Heuchelei und die Brutalität regiert unä. wie die HARTUNOSCHE ZFJ- TUNG ganz, *־ichtie saut. «■«Ihst (be ebrenwörtlichrn Versieherungen der Minister kein Vertrauen verdienen und Jedes Wertes bar sind. Ob Wolffsohn bezüglich der Judenfrage in Russland nach der Unterredung mit Stolvnin wirklich so optimistisch denkt, wie er es dem Interviewer ansgedrückt hat. erscheint mir fraglich. Wenn aber die russischen Minister in der Tat verstanden haben sollten, in unserm Präsidenten die Meinung 7.11 erwecken, dass die russische Regierung wesentliche Er- Icichterungcn und Reformen für die Juden nlnnc. so haben Ihre Vorgänger ähnliche Anschauungen auch!?ei Rothschild und Mendelsohn u. A. bervorzurufen verstanden, um sie für eine Anleihe willfährig zu machen, ohne dass auch nur etwas von den Versprechungen realisiert wurde. Und so ist cs gar nicht unwahrscheinlich, dass die russische Regierung eine neue Anleihe ln Frankreich und England machen will, und dabei wesentlich ווה{ die Hilf*’ indischer f.ovnlit;׳t oneewäesen ist. die Gelegenheit benutzen wilk um durch den Zionsffihrcr eine günstigere Stimmung bei den Juden für Russland und der Anleihe 711 machen. Pass die?ctzige russische Reeierun״ in Wirklichkeit gar nicht daran denkt, die Lage der Juden zu erleichtern. 7ei״e doch zur Genüge die zunehmenden ßesebränklingen und Bedrückungen der Juden, die alltäglich n!1s Russ-!and gemeldet werden. So lange fn Russland die Reaktionären, die schwarzen Hundertschaften herrschen, und das alte Regime am Ruder ist. darf man russischen Ministern nicht ein Wort glauben und ihnen nicht über den Weg trauen. Das fiat die traurige Erfahrung, besonders des letzten Jahrzehnts, aufs reichhaltigste gelehrt. Und deshalb, wenn die neue Anleihe kommt, wird die Parole, die alle guten Juden auszugeben haben, sein müssen: Der russischen Regierung auch nicht einen roten Heller! Gedanken zum Thema ״Wir und die andern“ 1. (Allgemeines.) Per Versuch, in der Frage Unserer Stellung zu den andern Jüdischen Organisationen zu einer prinzipiellen Festlegung zu gelangen, scheint mir ein vergeblicher zu sein. Das war doch von jeher unsere Art. den Organisationen beizutreten und die in ihrer Arbeit zu unterstützen. die irgendwie in unserm Sinne wirkten. Den Zionismus utnmodclu, um Jenen besser zu gefallen, das will doch niemand, wenn auch einer mal so missverstanden wird. Darüber sind wir doch nach den Erfahntiigcn. die uiedergelcgt sind in den ..Briefen zur ostafrlkonischen Angelegenheit‘*, hinaus. Es kann sich nur darum handeln, die eine oder andere Seite des Zionismus iri Zukunft mehr als bisher zu betonen, vielleicht auch ctw׳as mehr in der Sprache rief Leute zu reden, an die wir hcranwollcn. Beeinflussen können wir die einzelnen Organisationen doch immer nur. wenn wir in ihnen sind. Und wir können ihnen beitreten, so lange in ihrem Statut nichts steht, w’as uns zuwider ist. Die Verlautbarung eines Flugblatts, einer lokalen Vorstandsehaft gehen uns letztlich nichts an. Wir sollten sogar den lokalen Gruppen beitreten, um in ihnen dafür zu sorgen, dass solche uns entgegengesetzte Verlautbarungen in Zukunft nicht erfolgen. Wir werden in den Organisationen verhindern müssen, dass etwa ihre Grundgesetze in 1ms utigünstigem Sinne gewandelt werden, was natürlich viel eher geschehen wird, wenn wir prinzipiell dratisscn bleiben. Es ist nicht möglich, in dieser Frage zu prinzipiellen Bc* Schlüssen zu kommen, die für alle Orte gleich Geltung haben könnten, schon weil leder letzten Endes doch nur aus der ..ITmifmgerbrclie seiner Erfahrung‘‘ heraus dazu Stellung nimmt. Ein Beispiel? Die Stellungnahme zum Zentralvercin d. St i. Gl. Sic ist allerorten durch lokale und persönliche Verhältnisse bedingt. Es wird da immer wieder auf Posen hingewiesen. Was wir sachlich zu hören bekommen, ist aber immer nur eine einseitige Darstellung■. Von der andern Seite wird cs anders dargestellt, lind cs gibt in Posen Zionisten.' die diese Schilderung für die richtigere halten. Da wird behauptet. — relato refe׳ ans eigener Anschauung kenne ich die Dinge nur zum Teil. — dass schon längst ein friedlicheres Verhältnis zwischen 7ionistcn und Zentralvercinlern Platz gegriffen hätte. w׳enn nicht immer wieder so (hier folgt ein Beiwort je nach Tcmoeramcnt des Erzählenden) . . . Artikel im Moses’schen GENERALANZEIGER gestanden hätten, die eine Zusammenarbeit absolut unmöglich machten. Artikel, fn denen Leute •n hässhcher Weise angegriffen werden. die infolge ihrer Erziehung, ihrer ganzen ,Entwicklung sich 7111n Gedanken des Zionismus nicht haben diircliarbeitcn können, die aber dennoch sehr achtbare Menschen und gute Juden sind. Pic Artikel sollen, wie allgemein angenommen wird. (Gegenbeweis ist nicht erbracht, müsste aber im Interesse der Fache geliefert werden.) von einem Manne herrühren, der zwar in der Hauptsache Territorialist ist (was zwar eiecntb'ch eme Geneigtheit zu Entgegenkommen verrät), aber doch als offizieller Vertreter des Zionismus gilt. Kann man cs dann den Zentrnlvcrcinlern übel nehmen, wenn sie mit Zionisten nicht zusammen arbeiten "•ollen, die ihrer Leute ncrsönlichete Angelegenheiten, so 7. B. ihr körnerliches Aussehen i״ unschöne?• Weise in Jenem Blatte bcsnöHeln und bekritteln? Oder wenn schliesslich zionNtischcrseits für ein lokales Vorstnndsamt im Z-V. inst ein Mann orientiert wird, der icnen persönlich besonders unsvmnathicb ist. mag dies noch so unhcrccbtie* .«,ln? Allerdings soll <!,׳!<; der einzige Zionist im Poscncr 7.-V. gewesen sein, allerdings auch ein eben erst 7,11 uns Gekommener? Fo gebt das natürlich nicht. So kann man natürlich nie zu einer Verständigung kommen. Selbst wenn der Z.-V. der erste Sündigende war. Es gibt andererseits Orte, wo die Zionisten trotz Ihrer Opposition bei den verschiedensten Gelegenheiten und Einzelfragen in die Vorstände der verschiedensten Organisationen hincingcwahlt wurden, und von da aus natürlich nicht die andern zu Zionisten gemacht haben, wohl aber sie für zioj ntstlsche Institutionen interessiert und sie so immerhin auch * der zionistischen Idee näher gebracht haben.

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