Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIII (1908)
- Issue
- Heft 31 (31.7.1908)
- Date
- 1908-07-31
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 31 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 297 ' Nach Schluss der .,Rednerliste“ wurden viele Zionsliedcr vergetragen und gemeinsam gesungen. Erst um drei Uhr nj o r k e n s fand die erhebende Feier ihren Abschluss. * * * Kowno. Auf der Rückreise des Präsidenten Wolffsohn von Petersburg wurde er liier von einer Deputation der hiesigen Zionisten auf dem Bahnhöfe begrübt. In verschiedenen Ansprachen wurde besonders licrvorgehobcu. dass dank den cifrigen Bemühungen des Präsidenten Wolffsohn die praktische Ar*"‘‘ in Palästina cingcleitet wurde. Von Nicht Zionisten sprach der durch seine Wohltätigkeit bekannte Herr 0. Wolf und begrüsste Herrn Wolffsoliu als einen unermüdlichen tatkräftigen Arbeiter für das jüdische Volk, der des Vertrauens auch der Nichtzionisten w iirdig ist. Die Zionisten in K o w 11 o haben beschlossen, die denkwürdige Reise des Präsidenten ins Goldene Buch eintragen zu lassen. Auf der Weiterreise waren an allen Stationen, wo der Zug Aufenthalt hatte. Zionisten zur Begriissutig des Präsidenten erschienen. In W i r b a 11 c n und besonders in E y d t k u h n e n gestaltete sich die Bcgriissu1,g besonders eindrucksvoll. In Evdtkulmeu waren mehrere hundert Zionisten am Baimlof. die teilweise aus weiter Ferne lierbcigeeilt waren. Es wurden mehrere Ansprachen gehaben. junge Mädchen überreichten dem Präsidenten herrliche Blumengebinde. Die Reise des Präsidenten und die russische Presse: Die russische Reise des Präsidenten der zionistischen Organisathm steht im Vordergründe des öffentlichen Interesses und wurde vor allem in der allgemeinen und jüdischen Presse Russlands eingehend und ausführlich besprochen. Samt- I i c 11 e Zeitungen der russischen Residenz brachten Mitteilungen über den Aufenthalt des Herrn Woliisohn und wetteiferten in der Veröffentlichung verschiedener Nachrichten über die Konferenzen, die den Zweck dieses Aufvuthaltes bildeten. Kaum wurden die ersten Nachrichten bekanut. als sofort eine in solchen Fällen unvermeidliche Interview-Canspagnc begann. Wegen Zeitmangels und weil man unserseits überhaupt bemüht war, jede Sensation zu vermeiden, wurden nur den allerwenigsten Journalisten Interviews gewährt. Ausser den Vertretern russischer Blätter zagten auch die ausländischen Korrespondenten ein ausserordei tiieh lebhaftes Interesse für die Mission des Präsideuten, und wie gewöhnlich waren es die Agenten der englisehen Telcgraplienagcntur und der englischen Presse, die es sich nicht nehmen licssen. den anderen in der Raschheit der ־ Inicrmation zuvorzukommen. Ueber die Konferenzen mit dem Premierminister und mit dem Minister der auswärtigen Angelegenheiten schickten die englischcn Korrespondenten Nachrichten in die Welt hinaus, die gleichzeitig mit den Nachrichten der russischen Presse veröffcntlicht worden sind. Längere Interviews, die ausnahmsweise den berufensten Vertretern der englischen und amerikanisclicn Journalistik gewährt worden sind, galten nicht nur der Reise des Präsidenten, sondern dem Zionismus überhaupt. Die russische Presse, ohne Unterschied der Partei, widmete dom Aufenthalte des Präsidenten in Petersburg ihre volle Aufmerksamkeit. Ucbcr die Empfänge bei Herrn v. Stolypin und hei Herrn v. Iswolski verbreitete die russ i s c 11 c Telegraphenagentur kurze telegraphische Berichte. Das viclgclcscuc Moskauer Blatt RUSS KO JE SLOW 0 durckte ein Interview, das in gedrängter Kürze die Bedeutung und den Zweck der Reise ohne jede Ucbertrcihung und ohne polemische Randglossen wiedergibt. Freiere Versiouett brachten das Petersburger Sl.OWO, die ST. PETERSB. WJEDOMOSTI. die WJETSCHERNIJA IZWJESTIJA. die PETERSBURGER ZEITUNG 11. v. a. Das verbreitete Blatt BIRSCHEWIJA WJEDOMOSTI brachte mehrere Mitteilungen und Interviews. Die offizielle Version über die Empfänge wurde in sämtlichen Zeitungen gebracht, und auch die NOVVOJE WREMJA konnte nicht umhin, diese Version ohne Zutaten zu veröffentlichen. Trotzdem wir vom kleinlichen Bestreben, politische Arbeiten an die grosse Glocke zu hängen, weit entfernt sind, und trotzdem wir alles aufgeboten haben, um iede Sensation zu vermeiden, können wir es aber nicht \erkennen, dass das Bekanntwerden der günstigeren Phase, in die das Verhältnis der Regierungsspitzen in Russland zum Zionismus getreten ist. eine praktische Bedeutung für die Ermöglichung der Arbeit im russischen Reiche hat. Die Arbeit der Ortsgruppen geriet m zu arge Konflikte und Verlegenheiten den lokalen Behörden gegenüber, als dass man es nicht für einen realen Wert betiachtn müsste, dass cs durch die massgebende Presse kund- 1 gegebai werde, dass mau auf dem besten Wege ist. die Miss- I Verständnisse zu zerstreuen lind die Arbeit auf normale!! Bahnen zu erneuern. Die Provinzialpressc hat. sofern unsere Nachrichten reichen, über die russische Reise des Präsidenten genügende Informationen gebracht. Natürlicherweise hat die jüdische Presse Russlands nicht nur über die Reise, sondern auch über all die Begleitcrschcinungcn dieses Ereignisses, über die Empfänge, die Reden, die Versammlungen u. dcrgl. telegraphische Nachlichten und Korrespondenzen in grosser Ausführlichkeit veröffcntlicht. Bemerkenswert ist ein langes Interview, das d'r emsige Petersburger Korrespondent das Wilnaer HEED HAZ- MAN gebracht bat. Verschiedene Mitteilungen und Fragmente von Interviews brachten auch der Petersburger FRAIND und die jüdische T a g c s p r c s s c Warschaus. Dass manche Blätter, die dem Zionismus überhaupt etwas am Zeuge flicken wollen, sich die Genugtuung nicht versagen konnten, gegen manche missverstandene, aus dem Zusammenhange licrausgerissenc Sätze der Interviews zu polemesicren. muss als etwas ganz Natürliches mit in den Kauf genommen werden. Manche Publizisten stecken zu tief in ihrem russischen Partcikatcchismus. um etwas Rciuzionistischcs und Jüdisches mit der notwendigen Unbefangenheit beurteilen zu können. Es wäre müssig. darüber zu viele Worte zu verlieren. Die Polemiker ix tout prix bilden nur wenige Ausnahmen: die öffentliche Meinung im grossen und ganzen hat es begrificu, dass der Zionismus im Rahmen seines Programms handelt, wenn er bemüht ist. die Beziehungen zu den massgebenden Faktoren zu erhalten lind zu pilcgen. und wenn er darum besorgt ist. die Hindernisse auf seinem Arbeitsgebiet im russisehen Reiche in würdiger, mannliaiter und ehrliche! Weise aus dem Wege zu räumen. — ..Tatsächlich•‘. - bemerkt der Interviewer der obenerwähnten MORNtNG POST. — ״bemühen sich alle Parteien in Russland um die Legalisation: die Kadetten wie die Polen (für die ״Macicrz Szkolna**). —־ auch die S. D., die sich doch an den Arbeiten einer konservativen Duma, wie cs die dritte Duma ist, beteiligen. Das. was sic selbst tun. tadeln sie nur bei den andern.“ Im Grunde braucht man auch nicht einmal dieses logische Argument geltend zu machen. Ob und wie eine zionistische Vcrcinstätigkeit im russischen Reiche formell legalisiert werden kann. — das wird Sache der lokalen Zionisten Spin. und es wäre verfrüht, dieser Entscheidung vorzugreifen. Vor allen! handelte es sich um die Beseitigung der störenden Miss- Verständnisse und um die Klärung der Situation. Um das Gesamtbild der Steilung der russischen Presse zur Reise des Herrn Wolffsohn zu vervollständigen, müssen wir noch das Hetzblatt RUSSKOJE ZNAMJA erwähnen, das diese Reise eines Angriffes auf ... . Herrn v. Stolypin würdigte, der ..Zeit genug fand, um sich mit dem Sendboten deutscher Juden (!?) zu unterhalten, während er manchen cchtrussischcn Polizeimeister, der mit heiler Haut einem Bombenanschlag entronnen ist. zu empfangen keine Zeit hat.“ Ucbcr diese Ungerechtigkeit ist Herr Bulatzel sehr aufgeregt. WELT Die russische Regierung, der Zionismus und die Judenfrage in Russland Von Dr. H. Hoppe. Durch die Mitteilungen des Aktionskomitees sind die Zionisten davon benachrichtigt, dass David Wolnsohn als Präsident der Zionistischen Organisation in Angelegenheit der russisehen Zionisten von den russischen Ministern Stolypin und Iswolsky offiziell empfangen worden ist. und mit günstigem Erfolge mit ihnen verhandelt hat. Wolffsohn hat sich hinterher auch von Vertretern der Presse interviewen lassen. Ein solc::es Interview von ihrem Korrespondenten in Petersburg veröffentlicht auch die KÖNIGSBERGER HARTUNGSCHE ZEITUNG (No. 522) vom 15. d. Mts. Es lautet wie folgt: Stolypin und der Zionismus. Petersburg, den 12. Juli 1908. Die Petersburger Abendzeitungen bringen den offiziellen Bericht über den Empiang von David Wolffsohn. dem Präsideuten der zionistischen Weltorganisation, bei Stolypin und Iswolski. Wolffsohn. der jetzige Führer der Zionisten, ist der Nachfolger Herzls. Sein Name ist auch in russischen Kreisen wohlbekannt. Angesichts der Wichtigkeit, die man in Petersbürg diesen! offiziellen Empfange des Vertreters der Zionisten bei den höchsten russischen Würdenträgern zusclircibt. begab ich mich zu Herrn Wolffsohn. der die Liebenswürdigkeit hatte, mir speziell für die HARTUNGSCHE ZEITUNO eine kleine יייוי״יי - j«׳ f