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Jüdische Rundschau · 1908-07-31 · Heft 31 (31.7.1908) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIII (1908)
Issue
Heft 31 (31.7.1908)
Date
1908-07-31
Page
– (sequence 3)
Language
German
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No. 31 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 295 das nationale Bewusstsein In den Juden zu erwecken, da es niemals verloren gegangen ist. Unsere Bewegung begegnet daher fast in allen Volksschichten der stärksten Sympathie. Leider ist uns die technische Möglichkeit einer eifrigen Arbeit genommen worden. Wir waren bisher nicht in der Lage, die zionistischen Elemente in Russland zu vereinigen und zu einem entsprechenden Machtfaktor zu gestalten. Herr ü o 1 d b e r g erinnert an die Rückkehr des Dr. Herzt aus Petersburg (bei Erwähnung dieses Namens erheben sich alle Anwesenden von ihren Sitzen). Das war vor fünf Jahren, nach dem Kischincwer Blutbad. Eine tiefe moralische Depression bemächtigte sich der russischen Judenhcit. Das Erscheinen des zionistischen Führers in Russland wurde daher damals wie ein wohltuendes Ereignis empfunden, das neues Leben in unsere Bewegung brachte. Achnlich ist der geistige Aufschwung der russischen Juden in unseren Tagen. Nach den blutigen Rcvolntionskänipfen scheint nun die Ordnung hergcstcllt zu sein, aber die soziale Apathie und starre Gleichgiltigkeit, gegen jede ideale Bewegung hat grosse Dirnensionen angenommen. Unter solchen Umstanden war das Vcrbot der Versammlungen und Agitationen ein schwerer Schlag für linse 1e zionistische Arbeit. Wenn man dies erwägt, wird man die Bedeutung der Reise unseres Präsidenten nicht unterschätzen. ״Ein Gefesselter kann sich nicht selbst seiner Fesseln entledigen.״ Wir sind daher unserem Präsidenten herzlich dankbar, dass er uns Hilfe zur rechten Zeit brachte. In Dr. Hcrzl haben wir den grossen Europäer verehrt, der zu uns zurückgekehrt ist. In Herrn Woliisohn dürfen wir einen der Unsrigcn erblicken: in unserer Mitte lebte er und wird hoffentlich tut Geiste stets in unserer Mitte bleiben- Herr Dr. Bych owsky begrüsstc den Präsidenten im Namen der Zionisten Polens und der Warschauer Gesinnungsgenossen insbesondere. Im Namen der Zionisten von Grodno spricht Herr S t r a d. im Namen der Zionisten in S m a r g o n Herr O c 11 i mschilcnitz, im Namen der Dwinsker Gcsinmmgsgc■ nossen Herr Kolmen soll 11 (hebräisch): Herr Kahn übermittelte die Wünsche der zionistischen Gruppe in Li da: einer der Gaste begrüsstc den Präsidenten im Namen der Zionisten in Sraargon. Herr Dr. Warschawsky überbraclite die Wünsche der Wilnaer Zionisten. Zwei Schülerinnen der Schule ״Je h u d i j a h“ überneichten dem Präsidenten ein prachtvolles Blumenbukett. Eines von diesen Mädchen richtete folgende hebräische Aussprache an Herrn Woliisohn: ״Im Name:! aller Kolleginnen, aller Schülerinnen der ״Jehudija“ möchte ich unserer Freude darüber Ausdruck geben, dass wir das Vergnügen hatten, den lieben Präsidenten in unserer Stadt zu empfangen. Zum Andenken überreichen wir Ihnen dieses Blumenbukett und wünschen Ihnen, .dass es Ihnen vergönnt sei, von uns in Palästina empfangen zu werden, wo wir Ihnen einen Kranz lebendiger Blumen aus unseren Feldern, einen Siegeskranz darbieten werden. Dort, hoffen w ir, wird unsere Sprache, ir, der wir Sic begriissen. auflebcn und blühen, wie diese lebendigen Blumen.“ Im Namen der ״Chowewc Sfass Ewer“ spricht (hebräisch) Herr Natik. Er begriisste den bedeutenden Schriftsteller Herrn Sokolow, der seine ganzen Talente dem jüdischen Volke widmet. Herr R o s e n b I a 11 aus Kiew begriisst im Namen der ״Vereinigung jüdischer Lehrer in Russland;‘ den Herrn Präsidental und den Initiator des Beschlusses, dass als offizielle Kongresssprache hebräisch cingefülirt werden soll — Herrn S ok o I w — (die Anw esenden bereiten Herrn Sokolow׳ eine begeisterte Ovation. Die T a l m 11 d j ii n g e r der J e s c h i w a h zu LI da w׳aren durch Herrn Lcwin vertreten, der den Präsidenten und Herrn Sokolow begrüsstc. Herr Sokolow habe viel zur Ent- Wicklung des literarischen Geschmacks und Hebung des nationalen Selbstbewusstseins unter den Talniudjüngcrn beigetrageu. Die Talnuidjüngcr befinden sich auch in einem Gärungsstadium und bilden einen grossen Teil der begeisterten Jugend, die au der Renaissance unseres Volkes mitarbeitet. Herr D r u j a 11 o w sprach im Namen der ״C howewe Zion“. F.s gibt, führte Redner aus. zwei Arten von Arbeiten, die bei einem Bau geleistet werden müssen: die wesentliche und nebensächliche Arbeit. Die letztere ist freilich ebenfalls wichtig und unvermeidlich, lässt icdoch hei manchen ein unbdriegcu'ies Gctiihl zurück. Was unser Präsident jetzt in Russland geleistet hat, ist von grosser Tragw׳eite. gehört aber doch zum Kreise der notwendigen nebensächlichen Arbeiten, die nur als Mittel ihren Zweck haben. Ich hatte auch Gelegenheit, unseren Präsidenten in Palästina zu sehen, wo er mit der wesentlichen Arbeit, mit dem Zweck der Arbeit beschäftigt war. Ich erinnere mich noch lebhaft der erhabenen Gefühle und der arbeitsfreudigen Begeisterung, die in uns Herr Wolffsohn. der Präsident, erweckte. Ich wünsche ihm im Namen der ״C h 0 w c w e Z i 0 n“, dass es gelingen möge, seine Kraft der uns noch bevorstehenden w e - s e n 11 i c h e n Arbeit — der Wiederaufstehung unseres Heiniatlandes — widmen zu können. Rede des Herrn Wolffsohn: Liebe Brüder und Schwestern! ich danke Ihnen allen, insbesondere dai Mitgliedern des Zentralkomitees, die mir es möglich machten, heute in Ihrer Mitte zu weilen. Ich danke den Gästen, die von nah und fern kamen, um mit uns gemeinsam die Zeit zu verbringen. Dank sage ich auch den Jungen Damen, die mir Blumen überreichten. Nur wenn die Frauen hebräisch sprechen werden, wird das Hebräische unsere Muttersprache sein. Daher ist es für mich eine besondere Freude, •zu schon, dass die Frauen unsere heilige Sprache lernen und sprechen. Ich danke allen, die zu dieser Feier gekommen sind, wenngleich wir noch keinen Grund zu einer Siegesfeier haben. Wir dürfen nicht den Wert unserer Arbeit 11r.tcrscl;׳;t/e11, noch weniger dürfen wir ihn überschätzen. Man soll meiner Reise in Russland nicht mehr Bedeutung beimessen, als ihr zukommt. Ich möchte Sic an ein Beispiel aus unserer Geschichte erinnern, an die Zeit, da wir noch in der ägyptischen Knechtschaft litten. Damals versagte man unseren Vorvätern Jas Stroh, das sie i!ir die Ziegel brauchten, die zu brennen sie gezwungen waren. Uebcrsclu'itzen Sie die Erfolge der jüngsten Tage nicht. Ich habe nur erreicht, dass man uns das Stroh w!der gibt, das man uns bisher verweigerte. Aber cs ist eiiiUnterschicd /wischen damals und heute. Damals brannten wir Ziegel für die Fremden, für die Zwingbürgen Pitb.om und Ratnses. Wir aber schalten iür unsere Stadt, für Zion. Wenn bisher ei.1 Jude aus dem Auslande nach Russland kam, tun etwas für seine Brüder zu tun. so waren die russisehen Juden immer üic Beschenkten, die Almosenempfänger, der ausländische jude der Almosengeber, der Gönner. Anders ist es nun bei uns Zionisten. Ich bin nicht hicrltergekommcn. um Almosen zu geben oder Wohltaten auszuüben, sondern ihnen die Arbeit zu erleichtern: ich bin kein Wohltäter, sondern der von Ihnen Bevollmächtigte und erfülle nur ihren Willen. Im Zionismus kennen wir den Bcgriti ..Wohltäter“ nicht. Wir arbeiten einer für alle, indem wir für unser Volk arbeiten, jeder arbeitet nach seinen Kräiten. um eine gesicherte Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina zu erreichen, in dem Lande, worauf sich unsere Arbeit konzentrieren muss.. Darum dürfen wir unsere Kräfte nicht zersplittern, nachdem wir dieses grosse Werk begonnen haben, wir dürfen nicht heute hier und morgen dort arbeiten, wir müssen unsern Willen auf die Verwirklichung unseres einzigen Ideals richten. -יי•;! Es ist merkwürdig, dass wir noch immer betonen müssen, der Zionismus ist iür Zirm geschaffen. Wir wissen alle,•0־<ץי• Zion liegt, und im Baseler Programm heisst es ausdrücklich' ..Palästina“. Wer keine Geduld hat. wer nicht warten kann und mag, soll andere Wege gehen, und wir werden wahrlich froh sein, wenn diese ctw׳as erzielen werden. Aber, meine Herren, das kann an unserm Programm nichts ändern.1׳ Wir haben das Programm geschahen und werden weder nach rechts» noch nach links abw eichen. Wenn wir auch nur einen Stein aus dem Programm entfernen, so droht das ganze Gebäude» einzustürzen. Aber im Talmud heisst cs auch: Kol hamosslr gorca. Auch wenn wir etwas hinzufügen. leidet die Sicher-' heit des Baues. Wir dürfen daher weder etwas hinzufügen,ז noch etwas davon wegnehmen. Aus diesem Grunde bin ich gegen diejenigen, die fremde Tendenzen in unsere Bewegung hineinbringen wollten. Nur aus Palästina kann unsere Er-• lösung kommen! (Lebhafter Beifall.) Wir sind weder ausschliesslich praktische, doclr^a'tfsschliesslich politische Zionisten. Nein, wir sind praktische ,und ' politische Zionisten zugleich. Chibath Zion und politischer, Zionismus unterscheiden sich nicht wie etwas Wesentliches, von etwas Nebensächlichem, sic gehören zusammen, vHe. Seele.' zu Körper . Es kann das eine nicht olmc das ändert existieren.' Die politische Arbeit können Sie überall sehen. Auch' meine. Reise nach Russland hat einen politischen Zweck. v Ich bin zu;’ den russischen Regierungsbehörden gekommen.' Yrm $10' zii bitten, unsere Arbeit Ihr die Lösung der Judenfraee in Zukunft־ In Russland nicht zu hindern. Ich gab den Herrdn, die ,au . der Spitze der Regierung stehen. Auskünfte und Erklärungen ' über unsere Zwecke, ich erzählte ihnen, was der Zionismus, sei, was wir erholten, was wir zu tun gedenken. Meine Worte, fanden Anklang. Von allen Seiten habe ich die Zusicherung cr-־ halten, dass alle Sympathien auf unserer Seite sein werden nichts gegen uns geschehen wird. .! . Nun komme ich zu der Frage, die in der Luft liegt, einer.; Frage, die bereits in der Presse geüussert wurde: Mi soniclio? 1׳

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