Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIII (1908)
- Issue
- Heft 30 (24.7.1908)
- Date
- 1908-07-24
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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JÜDISCHE RUNDSCHAU -- - ---- *■ .- ■-- No. 30 Seite 200 Sympathie zuwendet, von der Ausschliesslichkeit dieser Be- Strebungen der zionistischen Organisation zu überzeugen, und es besteht, wie ich mitzuteilen in der Lage. bin. begründete Aussicht, dass ein Weg gefunden werden wird, um die ׳zktnistische Arbeit in Russland wieder möglich zu machen. tiei־r - Wolffsohn gab in seiner Unterredung mit Stolypin ein so vollständiges und aufrichtiges Bild der zionistischen Bewegung und ihrer Ziele, dass die Regierung im Prinzip nichts *mehr gegen den Zionismus einzuwenden hat. Es wird nun Suche der zionistischen Vertrauensmänner in Russland sein, im eWzelnen auszubaucn, was durch Herrn Wolffsohn prinzipiell 1erreicht wurde. Natürlich bleibt auch Herr Wolffsohn in Vcr- ׳bindung' mit den hiesigen massgebenden Kreisen. Folgen der Unterredung Wolffsolms mit Stolypin. 1/1!feskann nicht ausblcibcn, dass die Rückwirkung dies.erUnterrcdung auf die Lage der Juden in Russland überhaupt eine sehr günstige sein wird. Das ist auch die Ansicht, der russischen Presse und der russischen Juden selbst. WentV diese auch an mancherlei Enttäuschungen gewöhnt sind, so hoffen sie doch, dass durch die Schaffung einer objektiven Information der Regierung über die Lage und die Bestrebungen der Juden die leitenden Kreise zu Ijcsserer Erkenntnis kommen ,werden, und dass dies unbedingt zur Besserung der Lage der Juden führen wird. Weitere Konferenzen. Während seines Aufenthaltes in Petersburg hatte Herr Wolffsohn auch mehrfache Unterredungen mit dem Gehilfen des Ministers des Innern. M a k y r o w. der die rechte Hand Stolypins ist und den! die gesamte Polizeiverwaltung untersteht. Eine andcrthalbsiündige Unterredung hatte Herr Wolffsohn mit dem Minister der Auswärtigen Angelegenheiten, I s w o 1 s k y» die sich wesentlich um Fragen der aus w ä r t i g c n Politik drehte, und deren Inhalt sich natürlich der Publikation' entzieht. Denselben Gegenstand behandelte auch eine Konicrciiz des Herrn Wolffsohn mit dem gerade in Petersburg weilenden gegenwärtigen russischen Botschafter in Konstantinopcl, .Sinowjew. Viel bemerkt wurde, dass der Minister des Auswärtigen Iswolskv den Besuch Wolt'f- Sohns in dessen Hotel am folgenden läge erwiderte. Kunascnau HllfsvereirTder Deutschen Juden Der Vertreter des Hilfsvercins der Deutschen Juden und Leiter des Zentralbureaus für Jüdische Auswanderungsangelegenheiten. Herr Paul Laskar. Hamburg, ist vor kurzem von einer mehrwöchigen Studienreise, die er im Interesse der jüdischen Emigranten nach den Vereinigten Staaten unternommen hat. zurückgekehrt. Herr Laskar wunde von den dem Hilfsverein befreundeten Organisationen, namentlich von den Bne Britk-Logcn in Amerika auf das Freundlichste empfangen. Die Reise führte ihn^, zuerst nach New York, wo er sowohl auf der Einwande^rstation Ellis-Island wie bei den verschiedenen jüdischen Organisationen eingehende Studien über alle Verhältnisse der jüdischen Immigration zu machen in der Lage war. , In einer längerer Konferenz mit der Einwandcrungskommission Watchhorn wurden die Wünsche und die Bedürfnisse efer jüdischen Immigration besprochen . Von New York begab sich Herr l-askar nach einer Reihe anderer Einwanderungszentren, so 11. a. nach Philadelphia, Chicagö, ,Minneapolis und Duluth. . , In Washington hatte Herr Laskar auch eine Audienz hei dem Handelsminister Oskar Strauss. und konnte dem obersten Chef des Einwanderungswesens Zwecke und Ziele der Arbeiten des Hilfsvereins auf dem Gebiete der Auswanderung, die dem Handelsminister nicht iremd waren, näher darlcgen. .‘,Überall hat Her Laskar feststellcn können, dass die Tätigkeit des Hilfsvercins zu gunsten der Emigranten von unseren amerikanischen Stammesgenossen und auch von den amerikanischen Einwanderungsbehörden dankbar anerkannt und als ein grosser Segen fiir die gesamte jüdische Auswanderung empfunden wird. Die reichen! Erfahrungen, die Herr l.askar durch seine Studien an Ort! und Stelle und durch seine Besprechungen mit den massgebenden Jüdischen Kreisen und den zuständigen Behürden gesammelt hat. werden ohne Zweifel für die jüdische Emigration gute Früchte tragen. Cohn Die edle DEUTSCHE TAGESZEITUNG in Berlin berichtigt am 18. Juli 1008: ״Cohn. Unter dieser Spitzmarke hatten wir kürzlich die Nachricht gebracht, dass der Präsident Cohn vom luxemburglsehen Statistischen Amt. weil er sich wiederholt an Benmtinncii seines Bureaus vergangen habe, zu einem Jahre Gc* fängnis verurteilt worden sei. Den Zcntral-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens teilt uns nun mit. dass er er sofort Erkundigungen in Luxemburg eingezogen und die Auskunft erhalten habe, dass der Verurteilte weder Jude noch getaufter Jude sei. Wir nehmen davon gern Notiz. Nock besser hätte aber der .,Zentral-Verein“ seine Aut- Kiärungsarbeit erfüllt, wenn er die Güte gehabt hätte, der Öffentlichkeit auch zugleich mitzuteilen. welche Schicht der A 11 n c n des Verurteilten zuerst die Taute empfing." Diese Art der Berichtigung ist recht bezeichnend für das Blatt mit den grössten Kartoffeln. Es will angeblich das Christentum vertreten, aber seine christlichen Glaubensgennssen. die sich ewas zu Schulden kommen lassen, möchte es an uns ahgeben. Wir bedanken uns griindlichst dafür. Wir haben keine Verwendung iiir unbrauchbare Mitglieder der aiischen Edelrasse, auch wenn sie zufällig wie die slavischgermanischen Einwohner eines ganzen pommersclicn Dories ..Cohn" heissen. Wenn jeder Colin Jude oder jüdischer Abstammmtg sein müsste, so könnten wir vielleicht auch jenen k'r-f 1׳ der Ilias annelimcn. Offiziere Die TÄGLICHE RUNDSCHAU in Berlin, das Blatt, das nur parteilos in Antisemitismus macht, schreibt am 18. Juli: ״Die Juden als Reserveoffiziere. Die ir.teressieite Presse verbreitete kürzlich die Mehlung, es sei eine kaiserliche Order ergangen, wonach bei der Wahl zum Reserveoffizier auf die Konfession keine Rücksicht genommen werde*!! solle. Nunmehr stellt sich heraus, dass die Meldung unzutreffend ist. Es ist lediglich Mitte Juni eine Verfügung des Kriegsministeriums ergangen, die ältere bereits bekannte Bestimmungen über diese Angelegenheit von neuem ins Gedächtnis zurückruft. In der Order wird darauf aufmerksam gemacht, dass sowohl bei der Zulassung der Einjährig-Freiwilligen zur Vorbercitung zur Rcscrvcoiiizicraspirantcn-Ausbüdung als auch bei der darauffolgenden Prüfung vor Beendigung der einjährigen Dienstzeit, bei den dann abzuleistenden Übungen A und B mit Prüfungen sowie bei der Wahl zum Reserveoffizier weder der Stand des Vaters noch etwa die Zugehörigkeit zu einer Religionsgenieinsclwft von Einfluss sein sollen. Es soll vielmehr allein die moralische und dienstliche Führung für die Zulassung zu der erwähnten Ausbildung und für die Wahl zun! Reserveoffizier massgebend sein. Da nun trotzdem Juden fast nie den Grad von Reserveoffizieren erreichten, so lässt das eben aut ihre moralische und dienstliche Führung entsprechende Schlüsse zu. Und so wird es wohl auch in Zukunit t leiben." Die jüdische Volksmasse ist nicht wie einige ihrer reichen Stammesgenossen an der Frage jüdischer Reserveoffiziere beteiligt. Dass ungetaufte Juden nicht zu Offizieren gewählt werden, ist ihnen nur eine Ungerechtigkeit mehr, und auf eine kommt es uns gegenüber doch wirklich nicht an. Aber was uns wunderlich anmutet, ist. dass der Eintritt in den Offizierstand, der doch angeblich eine ganz besondere Ehre haben soll, solchen Juden durchaus möglich ist. die ohne von der Wahrheit des Christentums überzeugt zu sein, aus der Kasse austreten, wegen deren sie abgelehnt werden würden, und in feierlichem Moment und unter Anrufung Gottes ein Bekenntnis beschwuren, von dem ihr Herz nichts weiss. die also zum mindeste n sich eines fahrlässigen Eides, wenn auch keineswegs vor Gericht, schuldig macken. Getaufte Juden erreichen eben durch die Taufe entsprechende Schlüsse aui ihre moralische und dienstliche Führung, im Sinne der TÄGLICHEN RUNDSCHAU . Aus Palästina Jerusalem. Einer bügischeji Gesellschaft ist die Kotfc- Zession zum Bau einer Eisenbahn von Beirut nacli Haifa über Saida (Sidoti) und Akka erteilt worden. Mit dem Ban der selben soll sofort begonnen werden. Wie verlautet, ist derselben Gesellschaft auch die Konzessionierung der Bahn Haifa- Jaffa in Aussicht gestellt worden. Einige hiesige Kaufleute, die Herren Nissim Eliaschar, M. Kantorowitz und Rabbiner Leib Dayan, haben auf ihrem vor etwa l'/v» Jahren gekauften Terrain von 6U0 <KX) U-Ellen. Häuser zu bauen begonnen, und cs entwickelt sich daselbst eine neue jüdische Niederlassung, die ״Giw'ath-Schaul" genannt wird. Gemeinsam mit den Herren Antcbi (Direktor der hiesig;•!!