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Jüdische Rundschau · 1908-07-24 · Heft 30 (24.7.1908) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIII (1908)
Issue
Heft 30 (24.7.1908)
Date
1908-07-24
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 288 JÜDISCHE RUNDSCHAU No. 30 am Nachahmung. Als wir unsere Bitte ganz unbeachtet sahen, wandten wir uns an eine Anzahl von Ortsgruppen und wiederholten in direkten Aufforderungen unser!! Hinweis auf dieses gute Propagandamittel. Nur die oberschlesiscluen Gruppen nahmen es auf und erzielten einen recht hübschen Erfolg. (Die Sammlung im Anschluss daran ist nur noch nicht ganz abgeschlossen. Ein spezieller Bericht darüber wird noch erstattet werden.) Wir machten darauf den Versuch, diesen Aufruf von Breslau aus nach einige!! Orten zu senden, aus denen wir einen ablehnenden Bescheid erhalten hatten. Der Versuch erwies die Ergiebigkeit dieser Propaganda an den betreffenden Orten. Vergebens aber baden wir nochmals unter Hinweis daraui um Inangriffnahme dieser kleinen Arbeit. Die Hinweise auf die an vielen Orten schon durch Ablösung der Neujahrswünsche erzielten Erfolge verhallen noch vielfach unerhört. Die Wiederholt angebotenen 2 Flugblätter, die in der Berichtszcit erschienen sind, sind nur von sehr wenigen Ortsgruppen bezogen worden. Auch die direkte Aufforderung durch das Berliner Zentralburcau half nach dieser Richtung wenig. Sammelbüchsen sind an vielen Orten trotz der sonst überall damit erzielten guten Erfolge ganz unbekannt. Die Distriktsieitungen der deutschen zionistischen Organisation haben für ihren Vertrieb noch recht wenig getan. Es scheint auch so, als hätten die Distriktsleitungen noch immer versäumt, den ihnen unterstellten kleinen Gruppen imd Vertrauensmännern die für unsere Sammlungen unbedingt eriorderlichen Anweisungen zu geben. Hoffen wir. dass das Versäumte bald nachgeholt wird, vielleicht mit Benutzung der vorn Kölner Hauptbureau angekündigten ״Instruktionen“. Zur Systematik unserer Propaganda gehört cs allerdings auch, dass man nicht versucht, von ausgesprochenen Antizionisten Spenden für unsere ausgesprochen nationalen Institution zu erlangen, für den *Nationalfond“. Dieselben Leute werden aber meist für die ״Ölbaumspende“ und unsere anderen Palästina-Institutionen zu haben sein, wenn man sie ihnen richtig darstcllt. Ein nationaler Chauvinismus ist bei der Propaganda für unsere finanziellen Institutionen nicht am Platze und durch nichts sachlich begründet Wir halten es für durchaus nicht unwichtig, dass allerorten besondere Propaganda-Kommissionen gebildet werden, die möglichst nicht identisch sind mit den Leitungen der zionistischen Ortsgruppen. Wir bitten, diese unsere schon oft ausgesprochene Bitte endlich im Interesse unserer finanziellen Institutionen zu eriTillcn. Die Leiter der Ortsgruppen werden dadurch auch mehr Zeit für andere Arbeiten gewinnen. Wir versuchten auch die Nationalfond-Propaganda in andern Ländern zu beeinflussen, durch mündliche Aussprache gelegentlich des Haager Kongresses und durch Versendung aller von uns ausgegangenen Zirkulare und Anregungen auch an die ausländischen N.F.-Zcntralen. Wir glauben, zu der Intensiveren Arbeit für den ״Hcrzlwald“, die im letzten Jahre in den anderen Ländern cinsctzte, ein gut Teil Anregung gegeben zu haben. Dass cs in manchen Ländern nur an dem Mangel an System und Organisation liegt, w׳enn Verhältnismässig wenig für unsere finanziellen Institutionen aufgebracht wird, bewies 1ms das Beispiel einer kleinen russischen Stadt, wohin wir infolge persönlicher Beziehungen manche Anregung gelangen Hessen. Diese und ein guter Organisator am Orte selbst Hessen dag Städtchen — es ist Myszkow, nahe bei Kattowitz — sich sehr vor andern grossen russischen Gruppen auszeichnen. Selbstbesteuerung für den N.F., ölbaumspenden, Pflanzungsverein, Parteifond, FLDC. Bezalel, Palästina- Ressort, alles wurde von dieser kleinen Gruppe bedacht, nicht nur ein Mal. sondern fortlaufend. Es bedarf also nur der Anregung und des guten Willens, und unsere Institutionen werden ganz andere Resultate aufweisen, in Deutschland und in allen anderen Ländern. Die Ergebnisse der Materialicnsammlungen sind in unserer Aufstellung nicht mitberücksichtigt, da sie nicht nach Herkunftsorten ausgewiesen werden. Wir versandten Briefe, Postkarten und Drucksachen insgesamt 730 Stück. Die Spesen des Bureaus betrugen 38,90 Mark. Davon wurden uns zurückvergütet 21,40 Mk.; für von uns versandte Flugblätter erhielten wir 6,85 Mk., zusammen 28 25 Mark. Restliche 10,65 Mk. wurden, wie auch die Spesen der ersten Berichtsperiode, durch einen Anonymus gedeckt. Breslau, den 10. Mai 1908. Deutsches Bureau des Jüdischen National-Fonds (Propaganda - Abteilung.) Hugo Schachtel. Wehrt Euch! (Zum Kapitel ״Zionisti-ti tmd Antizionisten“). ״So dich jemand aui die linke Backe schlägt, halte ihm die rechte auch hin.“ Diesen Grundsatz der Über-Sanitmut scheinen sich gewisse Gesinnungsgenossen zu eigen gemacht zu haben. Anders ist es wohl kaum zu verstehen, wenn die Betreffenden für ein Zusammengehen mit antizionistischeil Korporationen eintreten. Ich meine den ״Zentralvercin“ und die ״Logen“. Eigentlich sind beide Vereinigungen nicht anti* zionistisch. Auch das Nationaldeulschtum des Zcntralvereins widerspricht meines Erachtens kaum dem Naiionaljudentum, da das Wort ״Nation“ beim Zentralverein im staatsrechtlichen Sinne gemeint ist. ln diesem Sinne kann und muss natürlich der deutsche Zionist ein guter Deutscher sein, wie etwa der österreichische ein guter Österreicher. Wenn trotzdem in der letzten Zeit sich viele Stimmen gegen den Eintritt in den Zentralerem und die Logen erheben, so ist die Ursache hiervon das geradezu unerhörte Vorgehen der beiden Korporationen gegen den Zionismus. Bekanntlich ist der Zentralvcrein dazu gegründet worden, um als politischer Verein die Interessen der deutschen Juden ohne Unterschied der Partei Stellung zu vertreten. In Wirklichkeit begnügt er sich mit der Unterstützung der freisinnigen oder nationalliberalen Partei und bekämpft bei jeder passenden oder unpassenden Gelegenheit die deutsehen Zionisten.; Zuletzt geschah dies anlässlich des Falles Dr. Emil Cohn. Die in weitesten Kreisen der Berliner jüdischen Gemeinde Empörung hervorrufende Handlungsweise des Berliner Gemeinde- Vorstandes wurde anlässlich einer — natürlich unter Aus- Schluss der Öffentlichkeit stattgehabten Versammlung des ״Wahlvereins der Liberalen" von Herrn Geh. Justizrat Oscar Cassel beschönigt. Echt freisinnig, was? Doch es kommt noch besser. Der Zentralvcrein, den die Sache doch gar nichts anging, nahm offiziell in seiner Monat<schriit IM DEUTSCHEN REICH . Steilung, natürlich gegen Herrn Dr. Cohn. Alle in der Sache gehaltenen Schmähreden aui den Zionismus wurden in dem Blatte abgedruckt, u. a. die famose Rede des freisinnigen Justizrats, die darin gipfelte: Es ist eine Afterweisheit zu sagen, ״man gehöre dem Jüdischen Volke an" und dergleichen mehr. Mas taten mm die zionistischen Zentralvercinsmitglicdcr. Nun, eben das, was sic in ähnlichen Fällen immer getan hatten. Sic schwiegen. Nach dem Satze: ״Wer schweigt, stimmt zu“, glaubt mm der Zentralvcrein auch in Zukunft die Gelder der Zionisten zu antizionistischer Propaganda verwenden zu können. Wie steht es nun mit den Logen? Für demokratisch empfindende Zionisten kommen die Logen natürlich nicht in Frage. Aber schliesslich ist nicht jeder Zionist Demokrat. Tatsache ist Jedenfalls, dass eine nicht geringe Anzahl von Zionisten in den diversen Logen sitzen und mitarbeiten. Man ד

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