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Jüdische Rundschau · 1908-07-17 · Heft 29 (17.7.1908) · page 10

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIII (1908)
Issue
Heft 29 (17.7.1908)
Date
1908-07-17
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite282 ־ ,JÜDISCHE RUNDSCHAU Ho. 20 03T UND WEST, die laut ihrem Titelblatt das offizielle Organ der Deutschen Konferenz ge meinschaft der Alliance IsradUte Universelle ist. In einem Artikel ״Die Juden in Oesterreich“ übcrbictet sic bei weitem die daneben jetzt harmlos erscheinende Absage, die der Vorsitzende des Zentralvereins möglichst unpassend bei der Eröffnung der jüdischen Kunstausstellung, um die er sich übrigens wahrhaft verdient gemacht hat, zum Aerger des fast ausschliesslich zionistischen Publikums an die jüdische »Nationalität" machte, aber auch den dummdreisten Artikel, den das Hamburger Israelitische Famiiicnsuppcnhlatt kürzlich über eine sehr vernünftige Resolution der Hamburger Ortsgruppe brachte. Aber das Hamburger Blatt ist mit seinen» deutschen Nationalismus nur seinem nicbtdcutschcn Besitzer verantwortlieh und wird nur von diesem ernst genommen. Anders ist' es mit OST UND WEST, seitdem auf seiner Stirnseite mit grossen Buchstaben die Aufschrift prangt, die für den Inhalt die deutsche Konferenzgemeinschaft der Alliance Israelite Universelle verantwortlich macht, also die deutsche Vertretung derjenigen Organisation, die zwar in ihrer Ausführung vielfach recht schlecht arbeitet, aber allein grundsätzlich ausser der zionistisehen jüdischnational ist. Der Leitartikel dieses Blattes, das schon so oft auf faulen Wegen betroffen worden ist, will die Behauptung aufstellen, dass seit Herzls Auftreten und weil seit demselben, also wegen dieses Auftretens, die Judentaufen in Wien so arg überhand genommen haben, wie das selbst in Wien nie der Fall gewesen ist. in einer Weise, die au den Schandartikel ״Juden von gestern“ nicht blos erinnert, sondern »Im weit hinter sich hisst, wird hier die Zunahme de;־ 'raufen dem Zionismus atigefälsciit. so dass »nun siel; nur wuuder!» muss, wie die Alliance Israelite und ihr unverantwortlicher verantwortlicher Geschäftsführer die Verantwortung hierfür übernehmen wollen. Der Name B. Samuel, von dem de Artikel angeblich hcrriilirt. besagt nur, dass der mutige Autor, dessen Stil an die ״Juden von gestern“ me! ,;würdig erinnert, mit breugeblälitem Segel gegen den Zionismus losfährt, ohne erkannt sein zu wollen. Er freut sich, dass er ישב בסתר ובצל aus Sicherem Hinterhalt vergiftete Pfeile abdrückt, e r Ist unverantwortlich. Aber nicht minder unverantwörtlich Ist es. dass die Alliance Israelite Universelle cs duldet, dass dieser schmachvolle Angriff auf ihre Kosten gedruckt und an ihre Mitglieder ais ihre Meinungsäusserung versandt wird. Jedenfalls ist dieser Angriff des Blattes, dem die ״Juden von gestern“ weder vergehen noch vergessen sind, ein wichtiger Beitrag zu der von den Zionisten Deutschlands diskutierten Frage, ob und wie sie mit den andern grossen Organisationen der Judenheit Zusammenarbeiten können. Die deutsche Konferenzgemeinschaft der Alliance möge aber deutlich erklären, wie sie zu diesem Leitartikel in ihrem offiziellen Publikationsorgan stellt, in dem kein Leitartikcl erscheinen kann, ohne die Billigung ihres deutschen Bureaus erfahren zu haben. Der badische Oberrat und die Ausländerfrage in der Synode Wie zuverlässig verlautet, hat sieh der Oberrat dahin schlüssig gemacht, die von der Synode beschlossene neue Henicindeverordmmg, in der den rcichsauslündiselien Gemeinde-! mitglicdcrn in Baden das Wahlrecht genommen wurde, nicht auszulüliren. Der Oberrat soll diese Massnahme, deren Berechtigung * er wohl aus § 24 der Synodal-Ordnung herleitet, nach seiner eigenen Erklärung deshalb getroffen haben, weil ihm. äugesidits der Erregung der Zionisten über die Wahlentrechtung der Rcichsauslünder. die zuerst in der Tagung der badischen Zionisten i>1 Baden-Baden, dann mit imponierender Stärke auf dem deutschen Dclegiertentag in Breslau zu»»» Ausdruck kam. selbst gewichtige Bedenken kamen. Es wäre zu wünschen, dass der Oberrat bald offiziell von seinem Beschluss Kenntnis gibt: vielleicht ist aus seiner Begründung zu ersehen, ob lediglieh die Erkenntnis, welch’ gefährliche Nebenwirkungen dieses Gesetz hätte zeitigen können, für ihn ausschlaggebend war, oder aber, dass jene Bestimmung gegen die elementarsten Forderungen jüdischen Zusammengehörigkeitsgefühls verstösst. Den Mitgliedern der Synode selbst wird freilich das hittere Gefühl bleiben müssen, dass sie erst gezwungen wurde, unter dies kaudinisclic Joch zu kriechen, ehe der Oberrat einlenkte. Eine Erklärung Dr. Nathans Der Hilfsverelu der Deutschen Juden teilt uns folgendes mit: Berlin, den 13. Juli 1908• 'י' Hochgeehrte Redaktion! Den falschen Ausstreuungen gegenüber, die seit längerer Zelt im ln- und AusIancJc über die Tätigkeit des Hilfsvereins der Deutschen Juden und neuerdings besonders geflissentlich verbreitet werden, sehe ich mich veranlasst, das Nachstehende in Bezug auf unsere Hilfsaktion für die Auswanderer vor der Oeffcntlichkcit klarzustellen. Auf Veranlassung des Hilfsvereins der Deutschen Joden fand, wie bekannt, eine Konferenz am 4. und 5. Dezember 1904 in Frankfurt a. M. sta*t. Auf dieser Konferenz wurde beschlossen: ״dass die einzelnen Länder Vorsorge treffen, damit die osteuropäische Auswanderung von ׳Land zu Land überwacht werde;“ ״dass ein ״internationales Zentralbureau für die jüdischen Auswanderer aus dem östlichen Europa“ gebildet werde." Der Hilfsvcreln der Deutschen Juden hat darauf gemeinschaftlieh mit der Grosslogc für Deutschland in Gcmässhcit der Frankfurter Beschlüsse, die Arbeit in Deutschland weiter ausgedehnt, der er sich auch bereits vor der Konferenz mit grossen Opfern und Geldmitteln unterzogen .hatte. Es war eine zwiefache Aufgabe zu erfüllen: als Landesorganisation für Deutschland hatte:» wir zu fungieren, und cs musste von uns zugleich ein internationales Zentralbureau für die jüdischen Aus'.vandernngsangelegcjthciten in Berlin, angeglicdert an den Hüfsvcrein. ins Leben geruien werden. Das war in» Jahre 1904/05. Im Jahre 1906 schlossen sich darauf die I.C.A. und die Alliance in Paris den Arbeiten unseres Zentralbureaus für jüdische AusvvanUcrungsangcIcgenheiten in dankenswerter Weise an ur:d gewährten »ins für einen bestimmten Teil der Auswanderung ihre Beihilfe und zwar die I.C.A. mit 75 Prozent und die Alliance mit 10 Prozent• Es muss hervorgehobeu werden, dass diese Subventionen für die \»,n uns ins Leben gerufene Organisation als solche nicht verwendet werden durften und nicht verwendet wurden, dass alle Lasten für unsere Komitees an der Grenze, in den Hntrtncf »• »Itmi Im ImtArn 11011 te 10!ווו׳1ו1י ti»r #!!!* t*nn »m«2 m»״ gründeten Herbergen. Vcrpflcgungsstationcn und Krankenanstaiten, sowie auch die Ausgaben für einen beträchtlichen näher abgegrenzten Teil der Auswanderung selbst nach wie vor vom Hilisverein getragen worden sind. Um ein Bild zu geben von den Summen, die trotz der dankbar anzuerkennetuien Subventionen der Hilisverein aus eigener Kraft für die Auswajiderang aufgebracht hat und noch aufbringen muss, sei au! die nachstehenden Zahlen verwiesen, die übrigens auch in unseren Jahresberichten klar und deutlich angegeben sind. Für die Auswanderung verausgabte das Zentralbureau f. j. Ausdavon wanderunsjsangclegenlnitcn Hilfsverein *'׳׳' im Jahre 1004/5 rund 3I0C00 Mk. 310000 Mk. kein Zuschuss 45325 ״ 1906 ״ ״S . 253 402 2«3 176 ״ Mk. - . 157119 ״ 1932*2 . 430000 . 7©9י ״ ״ ״ lOoSbisher.UOO 0 833 ״S6 . 14 2*8 ״ Alliance ״ kein Zuschuss 23512 Mk. 20949 . 8326 . Seit Ende 1904. also seitdem die grosse Auswanderungsbevvegung einsetzte, bis heute, sind durch uns für die Aus- Wanderung 1213 256 Mark ausgegeben worden. ׳ - Davon entfielen: auf die I.C.A. 347 749 Mk. auf die Alliance. 46 787 Mk. auf den Hilfsverein .... 868 720 Mk. Laut Schreiben der Deutschen Konfcrcnzgcscllschaft von! 25. Juni 1908 erreichte alsdann die Milarbeit der Alliance an diesen Aufgaben am 1. April dieses Jahres überhaupt ihre Endschalt. Die Zahlen werden genügen, um die Oefientlichkeit über unsere Tätigkeit auf dem Gebiete des Auswanderungswesens zu »Herrichten und sie in den Stand zu setzen, alle falschen Ausstreuungen auf diesen» Gebiete wie auch auf anderen Gebieten als das zu nehmen, was sie sind. Ich bedauere, die Oefientlichkeit mit diesen Darlegungen befassen zu müssen: aber sic sind eine Notwendigkeit, nachdem von den verschiedensten Seiten Anfragen wegen Klarstellung an mich gelangt sind. In grösster Hochachtung Dr. N a t h a n. Geschäftsführer des Hilisvereins der Deutschen Juden Nationalliberale und Antisemiten Die nationalliberale Partei Ist mindestens in manchen Gegenden antisemitischen Einflüssen nicht unzugänglich. Das trifft besonders für die Gegenden zu. wo die Nationalliberale» sich allzusehr mit dem extremen Agrarlertutn eingelassen haben. Was aus einem solchen Freundschaftsverhältnis mit den ßiindlern politisch für die Nationalliheralen herausschaut, das hat in diesen Tagen erst der frühere Abgeordnete Dr. Böttger in einer Artikelserie In der NATIONALZEITUNG an der politischen Entwickelung Hannovers gezeigt, wo die Nationaliiberaicn trotz oder vielleicht gerade wegen ihrer

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