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Jüdische Rundschau · 1908-07-17 · Heft 29 (17.7.1908) · page 9

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIII (1908)
Issue
Heft 29 (17.7.1908)
Date
1908-07-17
Page
– (sequence 9)
Language
German
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29 .סא JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 28! um ein Tausend. Man wird daher nicht ent. wie Dr. Elias Auerbach in No. 26 das Verhältnis der Zionisten zu den Losen und umgekehrt in einen! Satze abtun können. Vielmehr scheint uns eine recht ausführliche Besprechung gerade dieses Themas recht am Platze. Man kann: als moderner Mensch über das Logenwesen an sich recht verschiedener Meinung sein — als etwa Logenbrüder. Man kann als Demokrat diese sich wie eine Auslese ganz besonderer Art geberdende und angeblich ethisch so hochstehende (sagen wir) Vereinsmeierei verurteilen, kann als moderner Mensch diesen in die Neuzeit herciuragcudcu Zopf mit seinen geheimen Zeichen und Floskeln, die unwillkürlich an Detektivromane erinnern, belächeln, eins wird man bei obiektiver Prüfung zugeben müssen: Dass nämlich das Logenleben, abgesehen von unsrer grossen nationaljiidischen Idee und Bewegung, das stärkste Hemmnis wider das Ueberhandnehmen von Judentaufeu geworden ist. dass cs tatsächlich ohne Zweifel viele materiell wie geistig wertvolle Zweige, die vor Berührung mit dem jüdischen Logengedanket! abzufallen drohten, am alten Stamme Judas fcstzuhalten verstanden hat. Aus zwei Gründen. Einmal, weil cs als vielleicht durchaus notwendige gesellschaftliche Organisation eine grosse Familie von Brüdern geschahen hat. die zuerst sicherlich die Loge nur als geeigneten Tanzboden fim ihre Tochter geschätzt haben mögen, später aber doch die alte Wahrheit erkannt haben, dass Juden im Verkehr mit anderen Juden am glückliebsten sind. Dann auch, weil zweifellos die Loge!! gar viele dem Judentum gänzlich entfremdete oder Indifferente dem Judentume und dem Studium der Judentrage näher gebracht haben. In Amerika ursprünglich als Sterbekasse gegründet, haben sieb die in Deutschland gebildetctcn Logen das Ideal gesteckt, ihre Mitglieder ethisch zu heben. Dass sich aber (natürlich auch unter Druck des Antisemitismus) überhaupt in Deutschland rein jüdische Logen gebildet haben, ist ein starker Beweis für das Zusammengehörigkeitsgefühl, für den unbewussten Nationalismus, der noch immer in den deutschen Juden schlummert. Dort aber, wo keine Bnc Brith-Loge existiert, wie z. B. in Inowratzlaw (Pardon: Hohcnsalza). sind die Mitglieder der dort existierenden paritätischen Odd-Fellow-Logc natürlich grosscnteils Juden, die so als typische Assintilantcn die Karrikatur einer Judcnlege repräsentieren und als charaktcristisches Spiegelbild ihrer wertlosen Existenz den traurigen Ruhm des absoluten Mangels jeglichen zionistischen Lehens in ihrer Stadt besitzen. Womit beschäftigen sich aber die jüdischen Logen? Vornchmlich mit zweierlei. Einerseits mit der Pilcge der Brüder- Iichkcit. die aber wohl innerhalb der Log'enräume grösser sein iftuss. als draussen im Leben. Denn uns scheint, dass die Idee der rein zufälligen Brüderschaft an Kraft und Macht mit der nationaljüdischen Idee sich nicht entfernt messen kann, dass vielmehr der grosse Zionsgedanke, der Wille zum Judentum, ein viel intensiveres Band von brüderlicher Freundschaft darstell(. Seien wir ehrlich. Wie freuen wir uns. wenn wir irgendwo einen Gesinnungsfreund, einen Zionist«*!! treffen! Bald ist er unserem Herzen nahe und ein Freund. Mögen mm auch die Logenbrüder, die diese Zeilen lesen, sich ehrlich iragen. ob's ihnen beim Zusammentreffen mit anderen Logenbrüdern in! Leben auch so geht???- Andererseits beschäftigen sich die Bnc-Britlt־Logcu mit der Pflege der Wohltätigkeit und natnrgemäss der jüdischen Wohltätigkeit. Und gerade hier bei diesem Punkte wäre ein Eeld der Arbeit für die Zionisten in den Logen. Da?missen auch wir leider uns den Vorwürfen von Dr. Witkowski in No. 27 anschliessen. dass da grobe iahrelange Unterlassungs- Sünden begangen sind, dass eben die zionistischen Logenbrüder es versäumt haben, dahin zu zielen, dass die blosse Wohltütigkeit planmässig in sozial-jüdische Arbeit umgewertet wird. Wann aber hat matt je gehört, dass von den Logen, die ja ffir alles Mögliche Geld iihrig hatten, der indische Nationalt'otid unterstützt wurde, wann je, dass von einer einzigen Loge auch nur ein einziger Ölbaum gesnendet wurde? Oder warum sind bisher so wenig Loge!! Mitglieder' des Vereins ..Bczalel‘‘? Sollte das alles auf Konto des bösen Antizionismus und nicht vielmehr auf die groben Unterlassungssünden zumistischcr Logenbrüder zu setzen sein? Hat cs nicht vielmehr vielleicht nur an der geeigneten Anregung, an den diesbezüglichen Anträgen gefehlt? Hie Rliodus. hic salta! — Ihr zionistischen Logenbrüder, seid ihr nicht vielleicht in euren Logen zuvorsichtig gewesen? Wart ihr. wenn es galt, vor Indifferenten oder Gegner, eure Anträge zu verteidigen, auf einmal zu bCQuem. um die Märtyrer zu spielen, oder war plötzlich eure zionistische Begeisterung verraucht, wenn ihr mit deren ״bequemen Bourgeois“ zusammen wäret? — — So sehen die Früchte einer superklugen Weisheit aus. die 1 hoffentlich bei uns nicht gesät wird. Da haben wir die I praktische Demonstration, was dabei hcrauskommt. wenn man Wein mit Wasser mischt! Nein, nicht pantschen und nicht verwässern! Das Alpha und Omega unserer Bewegung ist der Nationalismus und scino stete Betonung. Wir können, wollen wir stark bleiben, nicht national, nicht radikal genug sein! Nicht nur mit dem Munde am Basler Programm fcsthalfecn. sondern in Tun und Handeln so j ii d i s c h ־ n a 110 n a 1 wie mög1־ lieh, s״ radikal wie möglich, so zionistisch wie möglich müssen wir sein, um Werte zu schaffen, drinnen und draussen. Hat nun Dr Witkow ski Recht, wenn er am Schluss seiner Ausführungen rät. die Logen zu meid«.'!!? Wir glauben, einen besseren Rat zu wissen. Er heisst: Eroberung der Logen für den Zionismus. Herein mit den! Zionismus in die 1-0 gen! Das heisst, nicht etwa den Frieden stören, sondern die heilige Zionsidcc. von deren Richtigkeit und Notwendigkeit wir felsenfest überzeugt sind, indifferenten vor Augen zu führen uni sie so für die einzig wahre Lösung der Judenfrage zu interessieren und zu begeistern. Allwöchentlich treffen gar viele der ..Bnlbattim“. der jüdischen Bürger, sich in den Logenrüumcu. die vielleicht aus Bequemlichkeit, vielleicht auch aus Feie heit nie in eine zionistisch־-׳ Vc!Sammlung gekommen sind. Hier gilt es nun zu arbeiten, und durch Zeitungen und Broschüren, durch Aufklärmig und Debatte, sachlich und ohne den brüderlichen Logeutri* den zu stören, den bisher Indifferenten das reiche Geschenk einer nntio;!uliüdi>elien Weltanschauung darzureiclicn. Dann werden auch die materiellen Früchte nicht ausbleibcu. sondern reicher als bisher Gelder aus Logenkrciseu in die zionistischen Fonds füe.sseis Um alier diese edlen Ziele zu erreiche!! und nicht etwa gesellschaftlicher Vorteile willen, ihr junge!! Akademiker und selbständigen Kauileutc. tretet ein in die Bne-Brith-Logen! Lasst euch aber dort eure Weltanschauung nicht verwässern, sondern gestützt auf Sachkenntnis und mutig und konsequent riesset den jungen Mein des Zionismus in die alten Schläuche. Bleibt ih־׳ euch dort treu, dann findet ihr den schönsten Lohn in euch selbst. Der Zionismus ist die Lösung der Judenfrage und ist das jüdische Volk auf dem Marsche Die jüdischen Logen aber repräsentieren einen wertvollen Bruchteil der indischen Nation. Sie den! Zionismus zu gewinnen, muss immer der Schlussakkord zum Thema ״Die Logen und der Zionismus“ werden und bleiben. Arthur Wolf f. Sollen wir uns andern nähern? Gestatten Sie n;ir einige Worte zu der Frage: ..Sollen wir uns anderen Parteien nähern. um mit ihnen zu arbeiten“. Ich glaube, dass eine Diskussion hierüber sich iiir jeden iibcrzeugtumstreiieii Zionisten erübrigt. Es gibt nur eine Antwort: ..Nein.“ Sich anderen Parteien nähern, heisst, sich ihnen anpasscu. Dieses Anpzssei! aber bedingt ein allmähliches Aufgehen uuscres Programms, unserer Prinzipien, unserer uns heiligen Ucber- Zeugung. Haben wir mit den! Anpassen begonnen, so könntn wir erst aufhöreu. wenn wir die richtige Passform erlangt haben, das heisst, wenn von uns nichts mehr übrig ist. wenn wir in den anderen Parteien auigegangen sind. Damit aber würden vir ja gerade das tun. was wir an den Assimilation so scharf verurteilen. Weiter ist zu bedenken, dass ein solches Vorgehen von unseren (legnern als Zeugnis der Schwäche, ia der Gcsimunigslosickeit genommen und ausgebeutet .werden kann. Welche Wirkung hätte dies auf die grosse Masse? Wir können also nur sagen: Kommt zu 1ms und arbeitet mit uns! — Endlich meine ich. dass man nur begeisternd und überzeugend wirken kann, wenn man seihst begeistert und überzeugungstrcii handelt. Also für uns gibt es nur: Festbleibcn und unseren Weg unerschütterlich verfolgen, jeden Kampf mutig auinelimen. dann kommen wir sicher zum Ziel. Max Deutsch. Kunascnau Aus OST UND WEST Einen interessanten Beitrag zu der Frage, ob sich die Zionisten in ein freundschaftliches Verhältnis zu audem Organisationen setzen sollen, liefert die Zeitschrift ,ÄW, ץןיי** ■“י?״*» sy* rva < «rw״r ׳y-*״■■j

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