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Jüdische Rundschau · 1908-07-17 · Heft 29 (17.7.1908) · page 8

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIII (1908)
Issue
Heft 29 (17.7.1908)
Date
1908-07-17
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 280 JÜDISCHE RUNDSCHAU No. 29 unnötig, denn man kann schon unter den vorhandenen Koloniearbeitern solche geeignete Elemente finden. Aus diesen Gründen findet der Palüstinarat, dass die P’L.D.C. nach dem vorliegenden Projekt unpraktisch und nicht zweckentsprechend ist und dass der N. F. sich an dieser Gründüng mit seinen Mitteln nicht beteiligen soll." Erklärung des Palästinaamls Dagegen hat der Palästinarat gleichzeitig mit Befriedigung die folgende Erklärung des Vorstehers des zionistischen Palästinaamts, Herrn Gcrichtsasscssor Dr. Arthur Ruppln in Jaffa zur Kenntnis genommen: 1. Nach den jetzt aufgestellten Wirtschaftspläncn wird die P. L. D. Co. aller Voraussicht nach imstande sein, alle ihre Ausgaben aus eigenen Mitteln zu bestreiten, so dass anzunehmen ist. dass sie den Kredit des Nationalionds nicht in Anspruch zu nehmen braucht. 2. Von ..Administration" in dem in Palästina gebrüuchlichen Sinne dieses Wortes wird bei der von der P. L. D. Co. in Angriff genommenen Bewirtschaftung von Da 1 eika und Umm־cl־Dschune (Kincreth) keine Rede sein. Die bisherige landwirtschaftliche Administration in Palästina bestand darin, dass Kolonisten unter der Fiktion einer selbständigen Bauernexistenz in Wahrheit unselbständig und bevormundet waren. Hierdurch wurde sowohl das Eigeninter* esse der Kolonisten lahm gelegt, als auch strafte Organisation durch die Administration immöglich gemacht. In K i n e r e t h dagegen handelt es sich lediglich darum, dass eine Anzahl von Arbeitern unter einheitlicher Leitung das Out bewirtschaftet. Dies ist die Form, unter der in Europa tausende und abertausende von landwirtschaftlichen Gütern bewirtschaftet werden, und es ist die einzige bisher erprobte Form, wie Kollektivpersonen oder Institute ihren Landbesitz mit grösstmöglichem Nutzen bewirtschaften können. 3. Die Palestine Land Development Coinp. hat in ihrem Profektc den Gewinn aus der Bewirtschaftung des Gutes in Kinereth auf 5י1י % geschätzt. Diese und noch höhere Erträgnisse bringt die Landwirtschaft in den meisten anderen Staaten; um so mehr kann dieser Gewinn in Palästina nicht als übertrieben angesehen werden, wenn man die relativ niedrigen Bodenpreisc, die ausserordentliche Fruchtbarkeit des Bodens in Kinereth und die in Aussicht genommene Einführung moderner landwirtschaitlieber Methoden in Berücksichtigung zieht. Distiussion über den Delegiertentag (Fortsetzung.) Für die Logen In der letzten Nummer der JÜDISCHEN RUNDSCHAU referiert Herr Dr. G. Wittkowski, Berlin, über die Stellung der Logen zum Zionismus, den Angaben der ״Gescliichie des Ordens Bnc Brith in Deutschland" von Sanitätsrat Dr. Maretzhi folgend, und kommt zu dem Schluss, dass man Zionisten den Eintritt in die Logen nicht empfehlen könnte. Der Artikel fällt mir just in dem Augenblick in die Hände, da ich eine kleine auf der Lektüre jener *Geschichte des Ordens" basierende Arbeit über die Entwicklung des Ordens in jüdischer Beziehung beginnen wollte, und eben noch unter dem Eindruck dieser Lektüre stehend, kann ich den Schlussworten des Herrn Dr. W. nicht scharf genug entgegentreten. Was da über die offizielle Stellung des Ordens zum Zionismns gesagt ist. ist ja richtig — bis auf einen nicht ganz, unwesentlichen Punkt. In dem, Maretzkv'sehen Buche und somit auch in dem Artikel des Herrn Dr. W. fehlt nämlich bei der Anführung des noch heute gütigen Gen. Kom.-Beschlusscs von 1S97 der Saiz: *weil die Diskussion darüber (über den Zionismus) leicht In das Gebiet der Religion und Politik treffe״ könnte" tvgl. A.ß.C.-Buch Seite 32). Religion und Politik sind bekanntlich aus der Diskussion der Logen gebannt. Vcrgegenwärtigen wir uns nun. dass die Logen ein Bund von ..Brüdern", womöglich Freunden sein wollen, und ferner, wie tief die Frage des Zionismus in das Gefühlsleben eines ieden Juden cingreift und wie leicht daher eine Diskussion darüber zu persönlichen Differenzen schwerster Art führen könnte, so können wir die Stellungnahme des Generalkomitees und der Grossloge wohl verstehen. Diese tat nicht mehr als ihre Pflicht, wenn sie die Diskussion Uber eine politischo Bewegung, dem Ordensgesetz folgend, aus der Diskussion der Logen ausschloss. Weit eher geeignet, uns vom Eintritt in die Logen abzu* halten, als dieses Verbot der Diskussion, wäre die ..nationale" Stellung des Ordens, welche der grösste Teil seiner Führer — leider noch echte, rechte Ghettojuden ~ bei keiner Gekgenheit zu bct>nen versäumt. Wie ist es aber mit dieser *nationalen" Stellung in Wirklichkeit bestellt? In der ersten Zeit des Bestehens des Ordens, der ja seine Existenz — übrigens ähnlich wie die jüdischen Studenten- und die jüdischen Turnvereine — üusserlich der Nichtabnahme von Juden in die bestehenden Logen, also dem Antisemitismus verdankt, war tatsächlich wohl ziemlich allgemein die Ansicht vorherrschend, dass die Juden ..in die Staaten des ■Landes, dessen Bürger sic sind, aufgehen" müssten. Und die München-Loge motiviert roch 1897 mit eben diesen Worten ihren Protest gegen die Abhaltung des 1. Kongresses in München. Dass aber diese Stirnmen nur ganz vereinzelt ertönten, das wird durch nichts besser bewiesen, als durch das Dr. Maretzkv’sche Buch über die Geschichte des Ordens in Deutschland. Man lese das Buch und man wird überrascht sein von dem ungeheuren jüdischen NationalgcüiM. das in den Logen herrscht. Jawohl, ich sage *Nationalgefühl", und der Leser der RUNDSCHAU wird wissen, was ich meine. Etwas Anderes allerdings ist es. was sich die Vertreter des Ordens darunter denken, und wer das rieht weiss, wird unmöglich z. B. den folgenden Satz vcrstehen, der sich iti der ״Geschichte des Ordens“ gelegentlich einer Abhandlung über den patriotischen Charakter des Ordens findet: ..Die Bildung unseres Volkstammcs hat sich immer in nationalem Sinne bewegt." (S. 165.) Das soll beileibe nicht etwa heissen: jüdischnational. Wie eminent jüdisch-national der Orden aber dennoch denkt, nicht nur unbewusst arbeitet, zum Beweise dafür kann ich mir nicht versagen, einige dem erwähnte Buche entnommenen Worte aus dem Bericht des Grosslogcn-Präsidciiteu vom Jahre 1SSS hier anzufiihren: ״Die Geschichte unseres Volkes (sic!) wieder aufzufrischeu. waclr/urufcn die vcrkiungenen Lieder unserer Dichter, zu verbreiten die Kenntnis vergangener Grosstaten, zu erzählen von dem Elend und Unglück, das über Israel verhängt war. das ist sö recht die Aufgäbe unseres Ordens . . . Das Volk, das seine Geschichte liebt und pflegt, wird testhaltcn an seinen Volksgenossen, wird \trhancn in Treue zu seinem Glauben, w ird hochkommcn auf der Stufenleiter fortschreitender Entwicklung, wird in sich iühlen jenen echten Stolz, der sich selbst beschcidct und Achti-ng gebietet, der das Selbstbewusstsein, die Selbstachtung stärkt, aut die Vergangenheit mit Würde zurückblickt und der Zukunft mit Ruhe entgcjgcnsieht." (S. 15(5.) Solche goldenen Worte könnte ich noch weit mehr zitieren, das ganze Buc ist voll davon. Und unzählige Male finden wir cs ausgesproe 1. dass die Hebung <les jüdischen Selbstbewusstseins eine der ersten Aufgaben des Ordens ist. ״Hebung des jüdischen Selbstbewusstscins". uns Zionisten vertraut klingende Worte. Aber wahrlich, wir müssen sagen, dem Orden Bne-Brith sind es nicht nur Worte, er hat auch mit den Taten nicht au! sich warten lassen. Es ist einfach unmöglich, in einem kurzen Artikel darüber zu referieren, was der Orden für die kulturelle Hebung der deutschen Juden in bewusst jüdischer Beziehung geleistet hat.״ Von der Erziehung der Ordensbrüder durch jüdjschc Vorträge und Bibliotheken angefangeu. zur Schaffung jüdisch kultureller Institutionen (Sammlung jtidischef Alter- יümer. Archiv der Deutschen Juden) bis zu der — besonders für uns Zionisten — so überaus wichtigen Frage der Jugender- Ziehung (Jünglings- und Mädchenvereine. Jugendliteratur. Tovnbechallen) hat der Orden eine beispiellose Tätigkeit entfaltet, die auf das deutsche Judentum von nachhaltigstem Einfluss sein muss, von seiner sozialen Tätigkeit ganz zu schweigen. Wenn jemand dies alles mit Freuden begriissen muss, wenn jemand die Pflicht hat. hieran mitzuarbeiten. so sind es w ir Zionisten. Denn dessen können wir sicher sein und dessen kann auch der Orden sicher sein: Die Früchte dieser Arbeit wird der Zionismus ernten, das heisst: wird das jüdische Volk ernten. Wir zerbrechen uns den Kopf, wie wir die deutschen Juden zum Zionismus erziehen sollen, und diejenigen, die wir erziehen wollen, sic erziehen sich unterdessen von selbst. Der Lau! der Geschichte lässt sich eben nicht authalten. Ob die deutschen Juden wollen oder nicht, einst werden sic in unseren Reihen stehen, und unsere Ptliclit ist es. mit ihnen gcmeinsam für dieses Ziel zu arbeiten. Jos. Freund (Breslau.) Die Logen und der Zionismus Zweifellos stellen die Logen des Ordens Bne-Brith in Deutschland die einflussreichste jüdische Organisation dar. Denn wenn sie auch an Zahl der Mitglieder hinter dem Zentralverein mit dem langen Namen wesentlich Zurückbleiben, so haben sic doch kraft ihrer ausgebreiteten Verteilung und besserer lokalen Organisation ein grösseres und ständigeres Feld für ihre Wirksamkeit. An Zahl der einzelnen Logen etwa den deutschen zionistischen Ortsgruppen gleich, überragt der Orden Bne-Brith in Deutschland mit seinen 7000 Brüdern zur Zeit die Anzahl der deutschen Schekelzahler doch noch

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