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Jüdische Rundschau · 1908-07-17 · Heft 29 (17.7.1908) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIII (1908)
Issue
Heft 29 (17.7.1908)
Date
1908-07-17
Page
– (sequence 7)
Language
German
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No. 29 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 279 Projekt der P.L.D.C. verhielten, auf Grund von verschiedenen Ursachen, die sich in folgendem zusammenfassen lassen. Der Kostenanschlag enthält viele Irrtümer. die dazu führen, dass die Einnahmen übertrieben, die Ausgaben zu gering angegeben sind. So ist der Totalge.winn von einem Hektar Ackerboden nach Abzug des Oschcrs (Zehnt) als 150 Frs. angenommen. Als mittlere Ziffer ist sic zu gross, besonders auf einem ungcdüngten Boden, wie dem von Dalaika und Umm-cl-Dschunc. — Der Gewinn von Stroh wird mit 2000 Frs. berechnet: aber in Galiläa ist cs schwierig. Stroh zu verkaufen. Auch ist cs schwierig, in einer so wenig bevölkerten Gegend Milch zu guten Preisen zu verkaufen usw. Andererseits sind die Ausgaben zu gering angegeben. Zu 12 Paar Pferden werden nur 8 Wagen gekauft: man muss aber für Jedes Paar Pferde einen Wagen haben, um. wenn die Pferde nicht ackern, sie nicht ohne Arbeit stehen, sondern Mist fahren lassen usw. Für Stallungen für Pferde. Speicher und Schuppen ist zu wenig angesetzt (6000 Frs.). Das Futter iiir die Picrdc ist nur für 9 Monate berechnet. Warum nicht für 12? Als Lohn für Arbeiter ist eine Ausgabe von *1500 Frs. angenommen. Aber für die 12 Paar Pferde allein werden 12 ständige Arbeiter notig sein: und. wenn jeder auch nur 40 Frs. monatlich erhalten wird, wird es fürs Jahr 5760 Frs. ausmachen. Aber ausserdem werden doch Arbeiter noch nötig sein beim Säen. Schneiden und Dreschen. Für die Kühe ist überhaupt kein Futter gerechnet. Man glaubt offenbar, dass die Kühe sich mit der Weide begnügen werden. Man muss sie aber dabei unbedingt noch ausserdem füttern, besonders wenn man will, dass sie Milch geben. Es sind auch andere Ausgaben gänzlich übersehen, wie Wächter, medizinische Hilfe u. a. ״׳'•' Alle diese Unexaktheiten des Kostenanschlages spielen aber eine sekundäre Rolle, man kann die Ziffern korrigieren und sie durch andere ersetzen, die der Wahrheit näher kommen: man kann die Wirtschaftsführung die Kulturen ändern usw. Und wenn der im Projekt angenommene Gewinn sich auch verkleinern sollte, wird doch wohl ein Gewinn sich ergehen, . denn man kann gewiss in Palästina ein Kapital in einer rationell organisierten Landwirtschaft so investieren, dass cs unzweifelhaft rentabel sein wird. ן Aber die Praxis der Kolonisation Palästinas hat erwiesen, 'yjiss alle liier so genannten ..administrativen‘* Wirtschaften, •aas heisst alle jenen gesellschaftlichen und privaten Unternehmungen. deren Eigentümer nicht nach materiellem Gewinn strebten, sondern hauptsächlich philanthropische oder andere ideale Zwecke verfolgten, von Misserfolg begleitet waren. 'Weder die Eigentümer dieser Unternehmungen, noch die unmittelbaren Verwalter und die kleinsten Beamten streben so energisch zu der Vcrgrösserung des Nutzens und ir.ur Vcrkleinerung der Ausgaben, wie das in gewöhnlichen privaten Wirtschaften stattfindet. Und wenn der eine oder der andere Verwalter auch mitunter eine strenge Ökonomie einführen möchte, so stösst er gewöhnlich auf die entgegengesetzte» Interessen anderer Beamten, die auch ihre Verbindungen und Einflüsse haben: und er hat auch Rechenschaft zu geben vor der öffentlichen Meinung, die nicht immer auf seiner Seite stehen wird. Jeder öffentlichen Unternehmung kostet ein und dasselbe Quantum Arbeit viel mehr als einem Privatunternehmer: sic ist gezwungen höhere *Löhne zu zahlen, die Arbeitszeit zu verringern: es werden an sie grössere Forderungen gestellt betreffend der Hygiene der Wohnungen, der medizinischen Hilfe. Vergütung der Arbeiter bei Entlassung, bei Unglücksfällen etc. Es ist hier nicht der Platz alle bösen Seiten der in Palästina so gerannten ..administrativen“ Wirtschaften zu erörtern. Diese Sache verdient eine spezielle Untersuchung. Die Praxis hat kategorisch gezeigt, dass die erste Bedingung einer Jeden Unternehmung in Palästina ist. dass sie einen streng geschäftlichen Charakter trägt und dass der Eigentümer materiell und ernst an der Sache interessiert sein soll. Hier bei der P.L.D.C. kann davon keine Rede sein. Alle die sogenannten Kapitalisten, die ein Pfund für eine Aktie ausgeben werden, und die Reichen, die 10—20 £ geben werden, denken am wenigsten an materiellen Gewinn, sic betrachten sicherlich ihre Ausgabe auf Aktien als eine neue Spende für einen ideellen Zweck. Von solchen Institutionen aber, wie dem A.-K., Odessaer Komitee u. a.. die Aktien subskribieren werden, braucht gar nicht gesprochen zu werden: diese sind gewohnt an Geldgewinn nicht einmal zu denken. Die P.L.D.C. stellt keine positiven Seiten einer Privatinitiative dar, dagegen besitzt sic alle negativen Eigenschaften öffentlicher Unternehmungen, alles das, woran alle administra- I tiven Wirtschaften von Rothschild, vom Odessaer Komitee, der JCA etc. krank waren und untorgingen. Die P.L.D.C. gibt 50000 Aktien aus. aber schreitet schon zur Arbeit nach dem Verkauf der ersten 2500 Aktien. Es unterliegt keinem Zweifel, dass der weitere Verkauf von Aktien dann aufhören wird. Denn, warum soll in dieser Richtung die P.L.D.C. glücklicher sein, als der J.C.T.? Und wenn man auch atmehmeu sollte, dass das Geschäft die Ausgaben decken wird, so wird es doch sicherlich nicht imstande sein, dem N.F. die Anleihe zurück zu zahlen. Nun muss man in Jeder Unternehmung auch auf verschiedene unvorgcschcnc Zufälle gefasst sein, da man gezwungen ist. gelegentlich Extra-Summen auszugeben (Seuchen, Missernte, Prozesse). Wer wird dann diese Gelder geben? Es ist klar, dass dann von der P.L.D.C. nichts zu nehmen sein wird und dass der N.F. neue Summen wird hergeben müssen, um die alten zu retten. Die P.L.D.C. mit einem Kapital von 2500 £. ohne das geringstc Geld-Interesse der Aktionäre, ohne Aussichten auf weiteren Verkauf von Aktien erscheint nicht als kreditfähiges, solides Institut und liefert dem N.F. keine ernsten Garantien für die grossen Summen, die sic jetzt von ihm bekommen lind zweifellos auch in der Zukunft verlangen wird. Worin bestehen die anlockenden Seiten der P.L.D.C.. die ihr die Sympathien der Direktoren des N.F. und Mitglieder des A.-A. gewonnen haben? Die P.L.D.C. wird Arbeiter vorbereiten, die zur selbständigen Wirtschaft tauglich sind. Aber nach dem Umfang der Wirtschaft wird es dort nicht mehr als 20 Arbeiter geben, •misomehr als fast die Hälfte der Wirt- Schaft in Viehzucht bestehen wird, die nach dem Projekte nur .4 י Arbeiter beansprucht. Lohnt es denn nun deswegen eine grosse und riskante Wirtschaft zu gründen? Und womit werden diese Arbeiter später installiert werden? Denn ausser dem Boden, den man ihnen geben wird, ist noch vieles andere nötig. Nach dem Projekte (durch den Anteil an den Einnahmen) werden die Arbeiter sich das Nötige für Aussaat und Vieh sparen. Wollen wir das zunächst als möglich annehmen. Nun. und Häuser? Inventar? Futter für das Vieh. Lebensunterhalt bis zur Ernte? usw. Und woher werden die Gelder genommen werden zum Ankauf der Ländereien, die man den Arbeitern geben wird? Das Geld, sagt man, wird da sein. Und für diese problematische Hofiuung werden einstw eilen grosse Summen ausgegehcit auf Gründung einer Vorhcicitungs- und Priifimgsfortn iiir Arbeiter. Wenn es wirklieh möglich ist. die Summen zu beschaffen zum Ankauf von Boden und dessen Verpachtung oder Verkauf au Arbeiter bei langfristiger Auszahlung, so wäre es am allervernünftigstcn sofort direkt dazu zu schreiten. Wozu denn eine Farm? Die Farm wird uns eine Auswahl von 20 Arbeitern geben: die existierenden Kolonien und sonstigen Wirtschaften liefern uns schon jetzt eine viel grössere Auswahl. Ja. die Farm gibt uns die Möglichkeit, jeden Arbeiter genauer kennen zu lernen: doch lohnt es nicht, deswegen eine Farm zu bauen, denn es existiert die Möglichkeit über jeden Kolonicarbciter die detailliertesten und genauesten Auskünfte zu bekommen. Der Palästina-Rat ist sich wohl bewusst, welch’ eine undankbare Arbeit er auf sich nimmt, indem er mit einer Kritik dessen hervortritt, was andere machen wollen. Aber er weiss, wie viel Schaden jeder Misserfolg bringt, und er ist der Ansicht, dass es besser ist nichts zu tun. als etwas bestimmt schlechtes. Es ist aber dringend nötig, dass die Tätigkeit des N.F. endlich aufhört den Charakter des Zufalls zu tragen, dass der N.F. sich endlich klar macht, was er zu tun hat und wie? Zu diesem Zwecke hat der Palästina-Rat schon im vorigen Jahre dem A.-K. vorgeschlagen eine Kommission einzusetzen. zur Klärung der Aufgaben und des Arbeitssvstcms des N.F. Wenn diese Kommission damals eingesetzt worden wäre, vcrmöchten wir wahrscheinlich schon jetzt mit Klarheit und Sicherheit an die Arbeit zu schreiten. Aber das A.-K. hat es vorgezogen in der Dunkelheit zu bleiben und an dem bishörigen System der Zufalls-Tätigkeit festzuhalten. Auf diesen Betrachtungen basierend hat der Palästina-Rat die folgende Resolution angenommen: . j‘P?r Pa I ä s t i n a r a t findet mit Bezug auf das Projekt der fJ. L. D. C.: 1. Die Aktionäre sind mit zu geringe» Summen beteiligt, als dass sic sich auf Grund ihrer Beteiligung ernstlich mit der Angelegenheit beschäftigen sollten: die Sache wird vielmehr den meisten als eine Art von Spenden erscheinen. Aus diesem Grunde wird die Gesellschaft keinesfalls als eine rein wirtscliaftliehe angesehen werden und der eventuelle Schaden wird sicherlich dem N. F. zur Last fallen müssen. 2. Die Gründung einer besonderen Farm zum Zwecke der Schaffung eines Arbeiterstandes, dem man später aui Pacht oder Ratenzahlung Grund und Boden übergeben soll, ist überhaupt , ,!!צ

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