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Jüdische Rundschau · 1908-07-10 · Heft 28 (10.7.1908) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIII (1908)
Issue
Heft 28 (10.7.1908)
Date
1908-07-10
Page
– (sequence 5)
Language
German
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No. 28 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 267 Elsenbafinen bauen, die Wasserkräfte verwerten. Strassenbahnen attlegcti, die Bergwerke ausnüt/.e». All das wird dem jüdischen Kapital, der Jüdischen Stellung in Palästina verloren gehn, wenn sie nicht in 5 Jahren weiter, viel weiter sein wird, als heute. Es ist klar, dass in dem oben ausgeführten Falle die Juden jede Aussicht auf eine dominierende Stellung verlicrcn. Aber auch der Untergrund geht verloren. Denn in 5 Jahren werden die syrischen Christen nicht mehr nach Amerika auswandern, sondern nach Palästina. Neben der Hedschäsbahn werden ihnen das die Missionen ermöglichen. Fragen Sie doch, wer Magdala am Tiberiasec gekauft ha t, und dann wc rd cn Sie wissen, ob noch Zeit ist. die Hände in den Schoss zu legen! Der Zionismus muss also arbeiten. Koste cs. was es wolle;wir müssen rasch und nachdrücklich zu Werke gehen. Wir haben eine grosse Verantwortlichkeit der Zukunft gegenüber. Diese wird sagen; ihr habt gezaudert, wo Ihr handeln musstet. Darum tragt ihr die Schuld. Kein Zionist sollte vergessen. dass er diese Verantwortlichkeit mitträgt, gerade weil er Zionist ist. Nun braucht man zum Arbeiten zwei Dinge: Ideen und Geld. Ideen haben wir genug, das Geld ist nicht aufzutreiben. Es ist Vogclstrausspohtik, an die Aufbringung genügender Gelder durch das zionistische Publikum glauben zu wollen. Die wärmsten Aufrufe, die heissesten Mahnungen haben keinen Erfolg erzielt. Auf diese Weise haben wir kein Geld erhalten. Und es ist unlogisch zu erwarten, dass nun in Zukunft dies alles anders werden soll. Das (ield muss aber beschafft werden. Die einzige Möglichkeit aber hierin bieten die Organisationen. Herzl hat es nicht vermocht und wir Epigonen sollten cs können? Ja! Dem! nicht wir sind den Organisationen näher gerückt, sondern die Organisationen uns. Nämlich alle Orgamsatioucn. die in Palästina arbeiten. Das haben wir nicht unserer Agitation, nicht unserer Diploniatio zu verdanken, sondern unseren Pionieren in Palästina. Herzl konrte nur Hypothesen. Ideen bringen, wir aber haben eine Realität aufzuweisen, nämlich die hebräische Nation in Palästina. Wollte der liilfsverciti in Palästina Erspriessliches leisten — und das wollte er ja — so musste er dieser Realität Rechnung tragen. Er erkannte also die hebräische Nation in Palästina an und widmete ihrer Weiterentwicklung seine Arheit Das ist aber eine ungeheure Konzession an den Zionismus. Konnte man doch noch vor wenigen Jahren grade aus diesen Kreisen hören, man wolle aus den palästinischen Juden ״gute Türken“*) machen. Heute wird in kultureller Beziehung ja so viel geleistet, dass diese Arbeit nicht so drangt. Anders steht es mit der wirtschaftlichen Eroberung; hier haben wir keine Organisation. die grosszügige Arbeit leistet. Hier muss der Hebel des Zionismus einseizen. Man hat ja früher gleichsam als Entschuldigung die Kolonien als Produkte verfehlter Methoden hingestellt, aber die Kolonien haben cs heute nicht mehr nötig, entschuldigt zu werden. Wer sie auch gründet. Odcssaer Komitee. Esra. ICA oder Zionisten, immer empfinden wir eine solche Griindüng als einen zionistischen Erfolg. Und darum können w׳ir hier mit den anderen Organisationen Zusammenarbeiten. Nehmen wir einmal die P.L.D.C. Das Kapital hat sich bisher nur spärlich eingestellt; für die ersten Ziele wird es genügen, nicht aber für die späteren, grösseren Zwecke der Gesellschaft. Die ICA will nun Juden als Ackerbauer in Palästina attsiedeln. Die Landgescllschaft will dasselbe. Was in aller Welt soll nun die ICA abhaltcn. sich kräftig an der Gesellschalt zu beteiligen, wenn sich die Arbeit der P.L.D.C. als eine erfolgreiche herausstcllt? Die ersten Erfolge muss das Institut allerdings nur mit rcinziouistischem Geidc erringen. Aber dass eine derartige Verhandlung unserer unwürdig wäre, kann ich nicht cinsehen. Kann eine Grossmacht nicht mit der anderen Unterbandhingen eiukiten, ein Bündnis schlies&eni obwohl vorher zwischen ihnen Krieg war? Auf diese Weise können wir tatsächlich die Geldmittel zur Stärkung unserer Position in Palästina bekommen. Alle die Organisationen, an die ich bisher dachte, sind lediglich solche, die bereits in Palästina tätig sind. Aber *) Um allen Missverständnissen vorzubeugeu. sei hier bctont, dass es sich bei diesem Passus nur um die Nationalität bandelt. Dass die Juden in Palästina gute türkische Untertauet! werden sollen, wollen wir alle. teradc in diesen Organisationen sitzen die tonangebenden deutschen Juden. Wenn man die Agitation in den Logen angreift, so tut man das mit Unrecht. Die Logen bilden zweifelsohne eine Position, die zu erobern sich, lohnt. Aber alles, was dort geschieht, geschieht privatim und auf eigene Faust. Die offizielle Organisation geht es nichts an, was ihre Mitglieder in ihrem eigenen Namen und nicht im Namen der Organisation unternehmen. Aber Herr Dr. Wittkowsky hätte doch noch einige andere Daten anführen können, z. B. dass vor kurzer Zeit in der Berliner Montcfiore-Logc unter dem Präsidium des Dr. Hantke Schcmarja Levin einen Palästina-Vortrag gehalten hat! Die Logen bilden aber immerhin einen neutralen Boden, während dies beim Zentralerem nicht der Fall ist. Aber dieser letztere kann uns sehr gleichgültig sei!:, denn er ist ein Verein von sehr untergeordneter Bedeutung, der auf seine Mitglieder nur einen sehr kleinen Einfluss hat. Soweit bin ich also mit Herrn Dr. Heymann gleicher Meinung. Unverständlich ist mir aber, was damit gemeint ist, wir sollten etwas Wasser in unseren Wein giessen. Wenn damit angedeutet ist. dass wir nicht länger die ICA als mikrocephal. die Chowcwc Zion als verächtliche Kleinkolonisatoren cL. etc. bezeichnen sollen, so mag diese Forderung angebracht sein. Wenn aber damit gesagt ist. dass wir ein Opfer der Gesinnung bringen sollen, so ist erstens nicht verständlich, wie wir durch ein solches Gesinnungsopfer irgend etwas von den Organisationen erlangen sollen. Demi man furchtet sich doch heute weniger vor der Gesinnung als vielmehr vor dem Namen ״Zionismus‘‘. Zweitens aber dürfen wir nie vergessen, dass wir viel mehr sind als eine Organisation. Diese wollen eine graduelle Ncräuderuug in der Lage des jüdischen Volkes, wir eine prinzipielle. Jene arbeiten an der Heining, w ir au der Zukunft des jüdischen \olkcs. Da kann es keine Verdünnung' dieser unserer Gesinnung geben. Wohin eine solche Kompromiss- Gesinnung führt, das sollte uns das tragikomische Beispiel der 1TO lehren! L.I. Videant Consules! Die Frage des Zusammcnarbeitens der zionistischen Partei mit den anderen jüdischen Organisationen ist von so einschneidender Bedeutung, dass sie voraussichtlich noch einige Zeit die Diskussion in diesem Blatte beherrschen wird. Ein Zusammengehen mit den andern Institutionen kann uns nur erwünscht und für das Gesamtjudenturn nur von dem grössten Vorteil sein. Was wir aber nicht vergessen dürfen, ist der Umstand, dass eine Annäherung von unserer Seite nicht erfolgen kann, wenn wir nicht das Alpha und Omega unseres Programms aufgeben wollen, nämlich die nationale Idee. Der nationale Gedanke allein isf die tiefe Kluft, die uns von unseren Gegnern trennt, er ist aber auch zugleich die Seele und treibende Kraft unserer Bewegung. Mit ihm wird der Zionismus weiter leben und Schritt für Schritt sich freie Bahn schaffen, ohne ihn w ürde er bald zu Grabe getragen werden. Und sein Grab würden nicht seine Feinde, sondern seine Freunde graben! Jetzt sind wir noch arm an pekuniären, aber schon reich an moralischen Erfolgen: an letzteren nur durch das Hochhalten der nationalen Idee! Ohne sic kann man ebenso gut seine Befriedigung als ausschliessliches .Mitglied des Hiifsvercins oder der Alliance finden. Man zahlt eben seinen Beitrag und Löst einige wenige Männer für das Weitere sorgen. Der Zionismus aber, u ie er ist. und hoffentlich bleibt, fordert mehr, viel mehr als Geld, nämlich Begeisterung und eifrige Mitarbeit an einer sehr schwierigen, aber grossen und in der Wcltgcschichte einzigartig dastehenden Tat. Wie gross ist der Kampf, den so mancher seiner Anhänger zu kämpien hat, bis er sich vom schwächlichen und haltlosen Assimilantcn bis zum selbstbewussten, stolzen Nationaljuden in seinem Innern durchgerungen hat. Wer sich aber einmal durchgekämpit hat. der weiss. was ihm der Zionismus ist. Und weil wir bisher nicht die geringsten Konzessionen hinsichtlich unseres Programms gemacht haben, haben wAt auch ווו gewissen und einlhissreichen Kreisen zwar noch wenige Anhänger gefunden, aber unstreitig an Achtung gewonnen. Mit Befriedigung können wir sehen, dass ausserhalb des Zionismus Wandlungen vor sich gehen, die andere Personen um! Organisationen uns näher bringen, obgleich wir und weil wir unsere Anschauungen nicht geändert bähe». Beginnen wir Konzessionen zu machen, so begeben wir t׳ns auf die schiefe Ebene! Wir würden nicht ein gemeinsames Zusammengehen mit anderen Organisationen erzielen, sondern ein allmähliches Aufgehen in den anderen Organisationen. Neue

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