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Jüdische Rundschau · 1908-07-03 · Heft 27 (3.7.1908) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIII (1908)
Issue
Heft 27 (3.7.1908)
Date
1908-07-03
Page
– (sequence 5)
Language
German
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No. i1 JÜDISCHE RUNDSCHAU Ualier verpflichtet, zu erklären, dass es die zionistischen Be- Strebungen und besonders soweit sie auf Errichtung eines ,national-jüdischen Staates abzieleu, nicht billigen könne und zu! fick weisen müsse. Zugleich sollen die Logen gewarnt werden vor der Erörterung des Zionismus, denn es sei zweifellos, dass diese Sache in das Gebiet der Politik und Religion falle. I)e tu ge!11;1 ss wurde in einer Resolution bc - schlossen,dass die Bestrebungen des Zionis- 1a 11 s, s o w e i t e r d i e B e g r ii 11 d u n g eines nationaljüdischen Staates h e r b c i f ii 11 r e n w o 11 e, den G r u n d sä t z c n der Loge und ihrer nationalen Gesinnung widerspreche, und den Logen a 11 f g e g c b c 11, Diskussionen ii her den Z i o 11 i s - in 11 s zu vermeiden. Im Dezember I89S wurde der Beschluss geiasst, dass in d*_־p Logen überhaupt keine Diskussion über den Zionismus zugelassen werden darf. Am 22. Mai 1899 verwarf die Orosslnge * d. 11. die oberste Instanz — das gänzliche Verbot der Diskussion, hielt die Warnung an die Logen iiir ausreichend und sankt ion i e r t c den ersten Beschluss d cs General- Komitees vom 27. Juni 1897, der, um es nochmals za wiederholen, dahin ging, dass der Zionismus den Grundsätzen der Loge und ihrer nationalen G c s i!111 u n g w i d e r s p r c c h e. Da trotz diesem Be- Schluss häufig Streitigkeiten wegen des Zionismus in den Legen vorkamen, wurde derselbe Beschluss in der Grosslogcn- Siizung vom ♦J. Mai 1902 wiederholt. Während des Zionistenkongresses in Basel im Jahre 1903 hielten 35 Brüder eine Sitzung ab, in der auf die Verwandtschait des Zionismus mit dem Orden liingcwiescn wurde und die Binder aufgefordert wurden, den Orden mit dem Gedanken des modernen Judentums zu erfüllen. Es wurde auch das Bedauern ausgesprochen, dass einige Logen geflissentlich Dis- Russinnen über die zionistische Bewegung zu verhindern suchen. Diesen Satzungsbericht sandten sic der Grossloge ein. Am 25. Oktober 1903 kommt die Sache in der Sitzung des General-Komitees zur Verhandlung. Man griff auf den früheren zu Rechtbestehenden Beschluss zurück und erklärte, dass es damit auch ferner sein Bewenden haben muss. Der Orden kann nach der ganzen Art seiner Entwicklung, Tendenz und Tätigkeit nicht mit den! Zionismus z u s a min e 11 g c h e, darf sich weder d i r.e k t noch indirekt mit ihm Ii e f a s s e n. In konsequenter Durchführung dieses Be- Schlusses hat die Grosslogc die Beteiligung au der Brüsseler Konferenz al>gek־hnt. Bis zum Jahre 1907, dem Abfassungsjahrc des Maretzklscheu Buches, bestand der erwähnte Beschluss. Oh er Im letzten Jahre aufgehoben wurde, ist mir nicht bekannt, ist aber jedenfalls sehr unwahrscheinlich, wie der folgende an mich gerichtete Brief zur Genüge beweist. Berlin d. 26. 6.Auf Ihren Wunsch kläre ich. Sie gern über die dem Jüdischen Turnverein Bar Kocliba zu teil gewordene Ablehnung eines Untcrstütz.ungsg'esuelies an die fine Brith-Logcn auf. Ich wandte mich im Winter 07/08 im Aufträge des Vorstandes des J.T.V. B.K., dessen Hauptturnwart ich bin, an Herrn Dr. Mctzcnbcrg, der — wie mir seinerzeit von einem Logcumitglied 11114 gleichzeitigem Mitglied des Bar Kochha mitgeteilt wurde, für diese Gesuche zuständig ist. Herr Dr. M. empfing mich sehr liebenswürdig und ich schied von, ihm mit der festen Zuversicht eines günstigen Beseheides; Bewilligung von 300 Mark zur Gründung unserer Sckiilerabteilung־. Herr Dr. M. glaubte, mir umsomehr Aussicht auf Erfolg machen zu können als die Logen sieh gerade mit der Jugendfürsorge befassten, Vorträge abhalten liessen, Jugendschriften Herausgaben, etc. Da ich nun Herrn Dr. M. persönlich und dann auch in der Eingabe an die Logen betont habe, dass wir mit der Gründung unserer Schülerabteilung nur einen , Seite 259 pädagogischen und hygienischen Zweck verfolgten —.!unter Ausschluss jeder Politik, wie es bei einer Schülcrabteih: Ja natürlich ist — so glaubte ich mit aller Gewissheit an die Gewährung eines Zuschusses: segelten wir doch jetzt mit den Logen in einem Fahrwasser — der Beeinflussung! unserer Jugend. Bald bekam ich Zu meinem Erstaunen den Bescheid, die Logcnscien nicht in der Lage, ,unserem Verein einen Zuschuss zu gewähren, da er eine zionistische Gründung sei. Ich reagierte auf diesen Bescheid nicht mehr, da ich Herrn Dr. M. ja schon betont hatte, dass wir nicht ein zionistischer, wohl aber ein national-jüdischer Verein seien. Voilä tout. Im übrigen gedeiht die Abteilung prächtig. Besten Gruss Ihr Dr. Richard B1 u m. Bekanntlich hat der Bar Kocliba weder direkt noch indirekt mit dem Zionismus etwas zu tun, wennschon er von Zionisten gegründet worden ist. Der anstössige Paragraph seines Statuts lautet: ״Der Jüdische Turnverein Bar Kocliba bezweckt die Pflege des Turnens und der national-jüdischen Gesinnung unu seinen Mitgliedern.“ — ״Unter national-jüdischer Gesinnung verstehen wir das Bcwusstsein der Zusammengehörigkeit aller Juden auf Grund gemeinsamer Abstammung und Geschichte sowie den Willen, die jüdische Stan.mesgemcinscliait auf dieser Grundlage zu erhalten.“ Die Pflege des jüdischen Stammesbcwusstseins, die der Bar Kocliba mit dem Zionismus und — den Logen, wenn mail den Versicherungen Marctzkis Glauben schenken dari, gemcinsam hat, macht es trotzdem der Grossloge unmöglich; das Streben nach körperlicher Regeneration der jüdischen Rasse zu unterstützen. Der Kuriosität!!aber sei noch erwähnt, dass das P r o v i 11 z i a 1 s c h 111 k o 11 e g i u ni anstandslos die Errichtung der Schülerabtcilung gestattet hat. Ich resümiere: Seit Jahren sind die in der Bewegung massgebenden deutschen Zionisten in der überwiegenden Mehrzahl Logenbrüder. Trotzdem ist es ihnen nlobt gelungen, auch nur in minimalster Weise auf die aggressive Stellung der Logen zum Zionismus einzuwirken. Noch heute besteht ein Logenbcscliluss zu Recht, nach dem die Logen sich nicht etwa passiv, wie der Zentralerem Deutscher Staatsbürger jüdischen Olaubcns, sondern prinzipiell feindlich zum Zionismus verhalten. Mögen die zionistischen Logenbrüder Zusehen, wie sie mit ihrer Doppelstellung fertig werden. Unter solchen Umständen aber den Massen der zionistischen Anhänger :den Eintritt in die Logen zu empfehlen, würde ich für unangebracht t.׳nd auch völlig zwecklos halten. Dr. G. Witkow׳sky. Rundschau Volksschulrecht und Juden Von dem Verband der Deutschen Juden veranlasst, erscheint soeben eine systematische Darstellung über Die Rechts- Stellung der Juden im prensslschen Volksschulrecht nebst den bezüglichen Gesetzen, Verordnungen und Entscheidungen, von Dr. Ismar Freund. Den ersten Anlass zu dem Werke gab das Gesetz, betreffend die Unterhaltung der öffentlichen Volksschulen, vom 28. Juli 1906. Durch § 40 dieses Gesetzes ist hinsichtlich der Errichtung, Unterhaltung und Verwaltung der öffentlichen jüdischen Volksschulen, bezüglich der Austeilung jüdischer Lehrkräfte au. den iiiehtjüdischen Volksschulen und des jüdischen Religionsunterrichts an solchen Anstalten bis auf weiteres im wesentlichen der bisherige Rechtszus ta n d aufrechterhaltcn. Diese Regelung führte zu der Frage? ״Welche Ist der I bisherige Reehtszustand?“ und diese Frage wiederum zu der ן Feststellung, dass es an einer erschöpfenden Beantwortung bis- 1 her gebricht

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