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Jüdische Rundschau · 1908-07-03 · Heft 27 (3.7.1908) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIII (1908)
Issue
Heft 27 (3.7.1908)
Date
1908-07-03
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seit e 258_ JÜDISCHE RUNDSCHAU No. 27 I ■! , I ־־! ■. I J. ׳.! j '! i! I ■ t! * Der Einfluss derHedschäsbahn auf das Nationaljudentum Herr Dr. Hevntann *hat in der letzten Nummer dieses Blattes und in einem Referate in der Berliner Ortsgruppe Gedanken über den künftigen Zionismus geäussert, die man nicht ohne energischen Protest nnltören darf. Kr redet einem sehr weitgehenden Zusammenarbeiten mit anderen Organisationen bei ihren (jegenwartsarlxnteii das Wort und meint, dass die Zukunft der Bewegung hiervon abliiinge. Dass wir nicht weiter Radikalismus treiben dürfen, der unsere Gegner verstimmen muss. Nicht die Bewegung (Erziehung in jiidischein Sinne), sondern das Ziel sei alles. Wir müssen daher, schliesst er. unsere Taktik danach entrichten, dass wir bis zum Zeitpunkte, da die Hcdschashahu mit der Bagdadbahit verbunden ist und die Türkei Grossmacht ersten Ranges wird, die deutschen Juden mitsamt ihrem (leide bekommt!,»!. Wenn cs etwas dem Zionismus Gefährliches gibt, dann ist cs diese Ansicht. Was Hevmann will, ist eine Aktiengescllschaft zur Lin Jerung der Judennot. Unser ideelles Verhältnis zu den andern Organisationen? Ich möchte es in einem Bilde ausdriieken. Achad Haam hat einen Aufsatz geschrieben ״Priester' und Prophet im alten Israel“. Darin zeigt er, dass der Prophet die Aufgabe hatte, ein Ideal einseitig stark zu betonen und so den Entwickluugsgang nach dieser Richtung hin zu lenken. Da aber starke Widerstände der absoluten Erreichung seines Ideales dntgegenstanden, so wurde nun eine Art mittlere Linie geschahen, ein dem Ideal mehr oder weniger nahe kommender Zustand, dessen Erhaltung nun Aufgabe des Priesters war. Diese Proplieten-Autgabc hat der Zionismus zu lösen gesucht. Er war die Stimme in der Wüste, die zum Streit für das Judentum aufrief. Er wusste, dass der Rückkehr ir.s Judenland die Rückkehr zum Judcntunie voraufgehen müsse. Soll ich einem Zionisten erst aufzählen, was auf diesem Gebiete geschaffen worden ist? Wie wir der jüdischen Jugend wieder den Stolz auf ihren Stamnt und diese Kulturschätze gegeben haben? Wie wir — nein, ich will nicht das nochmals aufzählen, was jeder Zionist als grösstes Erlebnis in sich trägt Ja. Sagt Heyntar.n, aber die Hcdscltäsbahn! Die ist in fünf Jahren fertig. Oben habe ich für den Zionismus die Prophetenrolle in Anspruch genommen. Die Priester, die sich den durch die Prophetentätigkeit geschaffenen Zustand zu Nutzen machen, ihn befestigen und ausbauen# sind die grossen jüdischen Organisatior.en. Wir haben bisher gesehen, dass diese uns immer näher kanten. Namen wie ״Judentag“, ״Hilisverein der deutsehen Juden“ wären vor den Kongressen unmöglich gewesen, man hätte damals deutsche Staatsbürger jüdischen Glaubens vereinigt. Man hätte vor unsern Kulturdebatten die hebräische Sprache und jüdische Erziehung in den Schulen Palästinas nicht gehabt usw. Man hätte mit der Reform des Chalukawescns nicht eingesetzt, wenn wir nicht die Notwendigkeit Wirtschaftlieben Aufschwungs und wirtschaftlicher Erziehung im Orient gepredigt hätten. Ist nicht alles dies Geist von unserm Geiste? Und woher dies? Weil wir uns in hervorragender Weise an diesen Dingen niclit aktiv beteiligt haben? Nein, wenn auch dies hier und da geschehen ist. Sondern weil wir; ein klares Ziel vor Augen und eine grosse Idee’ im Herzen unseren Weg geradeaus gegangen sind und die Ealine, der wir folgen, rein gehalten haben. So müssen wir weiter gelten, dann muss nun! weiter folgen. Und was w i r auf diesem Wege nicht erreichen, das werden andere versuchen, vielleicht mit mehr Glück, aber wir werden am Ziele stehen, um das Ocseltaffenct atiszttgestalten. Wir bringen die ideellen Kräfte, ob.ne die der andern beste Schöpfungen nicht bestehen können. Pioniere für das Land unserer Zukunft. Das deutsche Reich ist nicht geschahen worden durch die Feuerköpfe, die zuirst für den Gedanken eiugetreteu sind. Bekämpft wurden sie mit allen Mitteln. Und das Reich cutstand doch, und die grosse Tat. was wäre sie gewesen ohne die Fanatiker des Anfangs? Die ״Priester״ haben auch liier ihre Pflicht tun müssen. Wir werden uns nicht ausschliessen, wo wir in unserm jüdischen G eiste für unser iüdiseltes Volk wirken können. Aber nur dann, nur dort. Was will Hevmann? Glaube er. wenn wir artig tim. dann werden die Millionäre mosaischer Konfcssion ihre Gelder in unsern Nationaifonds packen und sich mit dem Zuschaucn begnügen? Titnco Danaos et dotta ferentes. Sie würden ihren Einfluss auf uns atisühcii. sie würden niclit nur ihr Wasser in unsern Wein schütten, sondern dies Wasser in unser Feuer giessen, bis cs verlischt. Wir haben uns in den Jahren unserer Arbeit unter den Gegnern unserer Idee umsehen können. Ist es uns nicht lieber, sie stehen draussen I als drinnen, die Geiger, Lilientltal. Vogclsteiii und dann gar J erst die Taufkatididaten und was sich so auf der Grenze dahin I bewegt. Und wenn Männer, wie Nathan, dem Zionismus zur Zierde gereichen werden, sie werden zusammen oder parallel mit uns zum Vorteile der gemeinsamen Sache arbeiten, auch ohne die Hcymannschc Taktik. Die Leitung wird von Fall zu Fall mit anderen Vereinigungen pakticreal, wo cs beider Interessen entspricht. Das schädigt uns nach keiner Richtung: denn wir wählen Männer in die führenden Stellungen, die sich unser Vertrauen verdient haben. Wir dürfen aber in den Reihen der Soldaten keine Verwirrung atnkommen lassen, als sei cs möglich. Land. Volk und Judent u tu zu trennen, unsere Trikolore zu zerrcissen. Zionismus ohne den Kampf gegen Assimilationssueht - muss mau das in einer zionistischen Zeitschrift etwa betonen -- isi eine Unmöglichkeit: solange noch ein Gegner da ist. darf das Schwert nicht in die Scheide. Denn wenn Nordau gesagt hat. das Judentum wird zionistisch sein oder es wird nicht sein, so ist es ebenso sclbstverstüudlieh: Der Zionismus wird jüdisch sein oder er wird nicht sein. Lazarus Barth. Die Stellung der Bne Brith Logen zum Zionismus In der Versammlung der B. Z. V. vom 25. VI. wurde im Anschluss an die Frage über unsere Stellung zu den jüdischen Organisationen auch unser Verhältnis zu den Bne-Britlt-Loge!» erörtert. Als Fundament für die geplante Diskussion' über diese Frage seien folgende Tatsachen mitgeteilt, die der ״Geschichte des Ordens Bnci Briss״ von Dr. Marecki — erhältlich in der Bibliothek der Jüdischen Gemeinde — entnommen sind. Am 12. April 1897 unterbreitete die Münchenloge der Grosslöge einen Protest gegen die Abhaltung des Zionistenkongresses itt München mit folgender Begründung: ״Der Zionismus bietet bei der heutigen Zeitströniung' den Gegnern des Judentums <sinc willkommene Gelegenheit zb der unbegründeten Behauptung, die Juden seien eine Nation für sielt, welche in die Staaten des Landes, in welchen! sie geboren sind, leben und dessen Bürger sic sind, nicht aufgehen wollen. Es müsse daher für jeden sein Judentum und sein Vaterland liebenden Juden Pflicht sein, gegen eine derartige Auffassung Stellung zn nehmen.“ Von seiten der Loge wurde Expräsident Dr. Merzb a c h e r nach Wien gesandt, um auf Dr. H e r z I persönlich einzuwirken. Am 17. Juni 1S97 wird in der Rheinlandloge folgende Resolution einstimmig angenommen: ״Die R 11 c i 11 la 11 d Io gc erklärt, dass die Bestrebungen des Zionism u s den Grundgesetzen der Logen und i it r e 11 nationalen Gesinnung widerspreche n.“ Am 27. Juni 1897 unterzieht das Gcneralkomitee diese Angetegenheit einer eingehenden Besprechung. Es wurde die grundsätzliche Frage aufgeworfen, ob die Grossloge das Recht oder gar die Pflicht habe, zum Zionismus Stellung zu nehmen. Die einen gingen von der Ansicht aus, dass der Zionismus eine Gewissensfragc für alle diejenigen bilde, die täglich für die Wiederaufrichtung von Jerusalem beten und dass vom Orden aus kein Eingriff in deren religiöse Empfindungen geschelten sollt•, duss es den Orden nichts anginge, wie einzelne Brüder sieh zum Zionismus stellen, man müsse es von Ordenswegen vermeiden, Streit in die Logen hineiuzutrageii. Andrerseits wurde betont, dass, wenn B r ii - der einer L o g e sich z u s a m m c n t u n, um z i o - 111' s t i s c h e B c s t r e b ungen zu organisieren, dies e i 11 V e r s t o s s g e g e 11 die O r d e n s g r 1111 d s ä t z c b edeute, welche die Pflege des P a t r i o t i s - m u s d e 11 Logen zur P f I i c h t mache. Der Zionismus ist unvereinbar in i t dem n a t i o - n a I c 11 Standpunkt des Ordens, d e 11 e r durchaus vertrete. Gehe man über die z i o n i s t i - sehe Bewegung hinweg, dann mache sich der Orden mitschuldig. Das General-Kontitee s°i si מי יוי’י״”י*י״י״*,1וי^ w -"■fy-’TT י״י "9.י•*»WF ■»■»*! ־. -«»■«■■■■■■וו■■«

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