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Jüdische Rundschau · 1908-07-03 · Heft 27 (3.7.1908) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIII (1908)
Issue
Heft 27 (3.7.1908)
Date
1908-07-03
Page
– (sequence 3)
Language
German
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No. 27 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 257 von uns verbreiterten Broschüre den Zionismus! ,aJs Fort- Setzung der Alliance dargestellt? »Sic werden vielleicht sagen, wir seien noch nicht höflich genug. Aber dann muss ich Sic doch fragen, ob Ihrer Rede auf dem Delegiertentag und Ihrem letzten Artikel wirklich nichts anderes zugrunde liegt, als die Mahnung, noch ein bisschen zuvorkommender zu sein, die Arbeit der anderen freundlich anzuerkenneu, kurz, unseren Verkehrston ein wenig zu n tiancicrcn? Wollten Sie wirklich nur sagen, wir Zionisten müssten d i c Tätigkeit der anderen Organisationen an erkennen, in ihnen in i t a r b e i t e n und ihnen unsere Ideen hübsch höflich auseinandersetzen? Ist das nicht hundertfach geschehen? Hat jemals ein ״radikaler Demokrat“ dagegen Hinspruch erhoben? Glauben Sic im Ernst. durch die Befolgung ihrer Mahnung das Geld der Berliner Juden plötzlich fiir unsere Institutionen gewinnen zu können? Soweit dies aui dem angegebenen Wege überhaupt möglieh ist, geschieht cs oder wird es geschehen, und hoffen alle, dass Professor Warburg auch bei Nichtzionisten Geld bekommen wird. Ist das jedoch alles, was Sie über die ״Änderung der Methoden“ zu sagen haben? Dann, Herr Dr. Heymnnn. haben wir uns ״missverstanden“. Aber ich bedauere, die nötige Naivität fiir den Glauben an dieses ״Missverständnis“ nicht auibriugen zu können. Ich denke, t c 11 habe Sie verstanden! Was im Zusammeuhaug ihres Artikels unter der geforderten Änderung einzig und allein verstanden werden kann, ist folgendes: ״Wir müssen ä tont prix das jüdische Geld bekommen, weil uns sonst Palästina verloren geht. Da das Geld iiir zionistische Zw ecke nicht zu bekommen ist. so müssen wir den Zionismus fmden». ״Die deutschen Juden sind nicht nationale Helden, sondern bequeme Bourgeois". ״Umerziehen werden wir sie nicht.“ Sehr richtig. Was tun wir also? Wir werden auch ״bequeme Bourgeois!“ Wir schütteln die Radikalen ab, die noch die alten Flausen vom nationalen Judentum im Kopfe haben und machen endlich unseren Frieden mit den anderen Organisationen.“ Und dann? Und dann. Herr Dr. Hey man. ist der Zionismus erledigt! Denn Ihre ganze Berechnung ist falsch! Es ist möglich, dass v ir Palästina in absehbarer Zeit nicht bekommen, weil wir nicht das nötige Geld haben. Aber wenn wir aui die Idee des jüdischen Nationalismus verzichten, die Volksbewegung, weil sie ״demagogisch“ ist. als lästig bekämpfen und den Zionismus zu einem neuen Verein machen — worauf Ihre Agitation hinausläuft — dann werden wir Palästina ganz gewiss nicht bekommen. Denn warum in aller Welt sollten dann die grossen jüdischen Organisationen das zionistische Programm ־־־ die Errichtung der öffentlich-rechtlich gesicherten Heim* statte — zu dein ihrigen machen? Sic erklären uns. wir müssten nicht das Trennende, sonder!» das Einigende gegenüber den anderen Organisationen hervorheben. Aber was trennt uns denn von den anderen? Eben das Verlangen nach einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina! Solange die JCA der Idee einer grossen nationalen Siedelung feindlich gegenfibersteht (wie sic es zur Zeit des Uganda Projekts getan bat und ohenbar noch immer tut), solange wird sie auch ihr Geld nicht dafür hergeben. Glauben Sie, Herr Dr. Heymann, dass es die ״radikalen Demokraten * sind, tfie eine Annäherung der JCA an den Zionismus verhindern? Dann sind Sie in einem Irrtum befangen. Die Idee ist es — die Idee eines grossen jüdischen Gemeinwesens, vor der diese Leute zurückschrecken. Sie haben uns gesagt, wir können so nicht weiter. Nun sagen Sic uns bitte, was Sie für-Pläne haben. Sie geben es auf. der heute tonangebenden jüdischen Gesellschaft den Zionismus beizubringen. Sie folgern daraus die Notwendigkeit, den Zionismus zu ändern. Ich glaube nun mit einer gewissen Deutlichkeit gezeigt zu haben, dass man darunter mir eine Änderung des Programms verstehen kann. Der Gedanke, die heftigkeit unserer Agitation (die sich doch heute in sehr ruhigen Bahnen bew egt) w׳irke verletzend und bilde den eigentliehen Grund, weshalb die Berliner Judcnheit nicht zionistisch ist — dieser Gedanke verdient kaum eine ernsthafte Widerlegung. Eine Verwässerung des Programms aber bietet nicht die geringsten Chancen, dem Zionismus Mittel zuzuführen. Die beteiligten Kreise wissen sehr gut, w׳as der Zionismus will. Entweder ringen sic sich zu einer Unterstützung seiner praktischen Arbeiten durch — dann haben sie impllcitc die Berechtigung der Bewegung anerkannt, auch wenn sie es offiziell nicht zugeben wollen. Oder aber sie verw'eigern diese Hilfe — dann kann uns die Aufgabe unserer Prinzipien gewiss nichts nützen. Herr Dr. Heymann wird demnach erklären müssen, was er eigentlich will. Vorläufig scheint cs ihm selbst noch nicht ganz klar zu sein. Was w׳ i r wollen, will ich ihm sagen: Wir wollen uns nicht von denjenigen, denen die zionistische Arbeit zu langwierig ist. das Programm ruinieren lassen. Niemand kam« eine Garantie dafür übernehmen, dass wir Palästina bckommen werden. Aber w enn wir cs bekommen .so wird es nur durch die nationale Bewegung geschehen. Was ist die nationale Bewegung? Sie ist die Politisierung der Juden, d. h. die Durchsetzung der Idee, dass die Judenfrage eine politische Frage ist und mit politischen Mitteln gelöst werden muss. Gelingt es nicht, diesen Standpunkt durchzusetzen, so ist die Gewinnung Palästinas unmöglich. Hs muss eben bei der früheren Vereinsmeierei bleiben, die in einigen Jahrzehnten die Zahl der palästinischen Ansiedler um einige tausend vermehren wird, während das Judentum der Diaspora der Auilösung verfällt. Als Herzl diese Ideen vor 12 Jahren aussprach, durften sie als neu erscheinen. Dass inan sie heute in einer zionistischen Zeitung wiederholen muss, ist bedauerlieft. ״Wir wollen keinen internationalen Verein, sondern uic internationale Diskussion." ״Hin Volk kann nur sich selbst beiten: kann es das nicht, so ist ihm eben nicht zu heiien.“ So hat Herzl gesagt und so verstehen wir den Zionismus. Alles Geld der Welt kann uns nichts n ü tzen, wenn es nicht! in Sinne des Z i o n i s nt ns verwendet wird. Keine Organisation der Welt wird es in diesem Sinne verwenden, wenn sie dem Zionismus feindlich ist. Gegen die Anbahnung eines friedlichen Verhältnisses zu den anderen Organisationen hat niemand etwas einzuwenden. Aber für gemeinsame Arbeit in Palästina kommen nur wenige in Betracht. Andere wie der Zentralverein — sind in ihrer Tendenz anti/.ioiiistisch und wirken - ־ wie Dr. E. Auerbach treffend auseinandergesetzt hat — im Sinne der Assimilation. Was getan werden kann, soll geschelten. Bisher ist die Beeinflussung der jüdischen Organisationen im zionistischen Sinne nicht durch unsere allzu vorsichtigen Berliner Offiziellen, sondern von russisch-zionistischer Seite aus erfolgt Es wäre wünschenswert, dass die Berliner Paiteileitung ernster als bisher mit den Hilfsorganisationen Fühlung nimmt Nicht, um den Zionismus durch kindisches Versteckspiel zu kompromittieren, sonJern um mit Nachdruck immer wieder darauf hinzuweisen. dass die Entwicklung der letzten 10 Jahre einen glänzenden Sieg unserer Anschauungen betreffs der Methoden palästinischer Arbeit bedeutet. Es ist nicht nötig, dass die Hilfsorganisationen das zionistische Prograinm in vollem Umfang übernehmen. Aber sie müssen lernen, mit uns zu rechnen und unsere Methode zu begreifen. Ohne den ״radikalen“ Zionismus würde heute in den Schulen des Hilfsvercins nicht hebräisch unterrichtet werden. Das alles ist aber nur Stückwerk. Das Gelingen der palästinischen Kolonisation hat den Sieg des politischen Zionismtis als nationale Bewegung zur Voraussetzung. Die Behauptung. der Zionismus sei verlassen, wenn wir nicht in allernächster Zeit die Geldmittel der Judcnheit gewinnen, bedeutet eine Verkennung des Wesens unserer Bewegung. Da es keine Sclinellkolonisation gibt, durch die irgend eine Macht mit Hilfe ihres politischen Einflusses Palästina uns vor der Nase w egkolonisleren kann, so brauchen wir keine Kassandrarufe auszustossen und Dr. Heymanns Behiuptung, der letzte Stein in Palästina werde in fremdem Besitze sein, bevor wir das jüdische Volk im Golus erzogen haben, ist unbegründet und unbeweisbar. Wir brauchen jedocl: gar nicht ״das ganze Volk." Diejenigen aber, die wir brauchen und mit deren Hilfe Palästina gewonnen werden soll, werden zum Zionismus erzogen werden müssen. Um diese Notwendigkeit kommen wir nicht herum. Es handelt sich hier um eine Beeinflussung der Geister, die nur durch scharfe Hervorhebung unserer Prinzipien im Gegensatz zu den alten Anschauungen möglich ist. Nur so können wir Interesse erwecken. Nur die Popularisierung der Idee, die nationale Agitation, die ständige Anridung des Ehrgefühls und des nationalen Willens kann jene hunderte von gebildeten Leuten schaffen, die durch ihre Agitation als Gärungsstoff im Juücntume wirken und!die Stimmung schaffen, aus der die Nationalisierung der Juden entstell.( Die Sohne derer, die heute im Hilfsverein oder in der Alliance sitzen, werden ihr Geld nicht für Palästina geben — w׳cnn sie nicht zum Zionismus erzogen worden sind. Richard Licht heim..

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