Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIII (1908)
- Issue
- Heft 27 (3.7.1908)
- Date
- 1908-07-03
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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I *'“״i■*״ ׳•*, ■י^י״יי^ו*"?* Seite 2S6 JÜDISCHE RUNDSCHAU. ist es mit unserem Stolz gekommen, wenn man das erst doch betonen muss! Dennoch gibt es Möglichkeiten, dass mit der Zeit auch er Interesse nimmt an unserer Palästina-Arbeit. Diese Möglichkeiten schaffen, heisst aber nicht würdelose Ver- Sühnungspolitik treiben — würdelos, weil man uns dort gar nicht für so unentbehrlich halt, gar nicht so viel Wesens aus uns macht wie wir umgekehrt — •sie werden nur gegeben durch persönliche Hingabe an die Sache, durch einfaches Hin gehen, gerade auch derjenigen von uns, die’ im Wirtschaftsleben stehen, um dort — in Palästina -* nach M'assgabe' ihrer Fähigkeiten an seinem wirtschaftlichen Auibau mitzuwirken und gleichzeitig Zeugnis abzulegen von der Kraft der Idee. Darin kann kein verletzender. Vorwuri iiir jemanden gefunden werden, solange man von‘mir seihst konstatieren darf, dass aueh ich nur darüber rede, statt es zu tun. Das aber darf nicht davon abhalten, dennoch das Notwendige zu sagen. Man soll also nur nicht mit praktischen — gar mit ״zionezionistischen“ Argumenten kommen, um eine Haltung zu verleidigen, die einer Verletzung unserer Grundsätze gleichkommt. Herr Lichtheim hat es schon letzthin hier sehr schön ausgeführt, was wir sind, wenn wir nicht radikal bleiben, nicht die Stärke unseres־ Judentums gegenüber jenen Halb- und Dreiviertel-Judcn betonen. Au! Dr. Heymann's Ausfiihrungen lässt sich mit einem Bonmot Herzls antworten: Wissen Sie, Dr. Hcymann, was wir sind ohne unseren Radikalismus? ״Hin Baron Hirsch — ohne Geld.“ Das wird Ihnen nicht sehr imponieren! Nun aber gar die neue Methode empfehlen, nicht nur, damit wir die Geldsäckc hinter uns kriegen, sondern gar, um die deutschen Juden für uns zu gewinnen, heisst zum Unwürdigen und Zwecklosen auch noch das Gefährliche gesellen. Soll darum keiner, dem daran gelegen ist, an der Volkscrziehung mitzuarbeiten, Anstalten machen, Wasser in unseren Wein zu tun! Lehnen die deutschen Juden den Zionismus, ״wie wir ihn bisher ihnen nahe zu bringen versuchten,“ wirklich ab? Ich glaube noch an einen Teil der jüdischen Jugend Deutschlands, so wir ihnen nur die Möglichkeit geben, das Zionsideal lieben z.u lernen, wie wir einst: in seiner Reinheit und Stärke. Wenn es aber wahr ist, was Dr. Heymann meint: ״umerziehen können wir sic nicht,“ dann sage ich voller Er- Kenntnis der Bedeutung der deutschen Juden für die Zukunft unseres Judentums: denn nich! Dann eben ohne sie! Ich beantworte also Dr. Heymann's Fragen durchaus rncht mit: ״wir müssen fleissig weiter agitieren.“ Ich warne aber allen Ernstes davor, wegen möglicher Misserfolge in der Agitation zu Verwässern der Idee zu werden. Ich glaube übrigens, dass ich offene Türen einrennc, wenn ich so — vielleicht etwas zu heftig und zu hastig — meinen Acrgcr über unseres lieben Freundes Entgleisungen niederschrieb. Denn wer nur irgendwie die Stimmung des letzten Delegiertentags erkannte, wird mit mir der Meinung sein, dass diese neueste Spielart im Zionismus rein berlinisch ist und nicht über ״Wannsec“ hinausgeht. Es war ein Fehler vor den» Dclcgiertentag schon — in der Z.-K.-Sitzung — die Rcsolutionen zu beschliessen, die nachher akzeptiert wurden. Der Dclcgiertentag aus sich heraus hätte sic viel abweisender formuliert. Unsere Berliner Freunde sollen also ihren — dankbar anerkannten — Betätigungseiter auf Gebiete lenken, aui denen ihnen die Mehrzahl der deutschen Zionisten auch folgen kan״« Julius Simon. No. 27 Verein oder Bewegung? (Eine Erwiderung au Dr. Heymann.) In der letzten Nummer der RUNDSCHAU wendet sich Herr Dr. H. G. Hcymann gegen die ״radikalen Demokraten ‘, die durch ihre ״demagogische Agitation" den Zionismus ruinieren. Da Herr Dr. Hcymann einige von mir geschriebene Worte zitiert, so freue ich mich, seine Vorwürfe auch auf mich heziehen zu dürfen und schreite, au eine Analyse seiner Ausführungen. Gegen den ersten ,Teil seines Artikels habe ibh nichts ein/uwenden. Es ist klar, dass die deutsche •Landsmaiinscliaft die »׳Uireiide im Oesamtzionismtis ist. dass Berlin sieh immer mehr zur Zentrale aller jüdischen Bestrebungen entwickelt und dass von hier aus die Regelung unserer Be- Ziehungen zu den anderen jüdischen Organisationen erfolgen muss. Atam kann auch ztigeben, dass die iiir uns in Betracht kommenden Organisationen (Alliance. Ica. Hilfsverein) nützlieh gewirkt haben, dass die jüngeren Organisationsformen die älteren niemals völlig verdrängen. ״Sic ringen miteinander, bis die neue ihren Platz gefunden hat.“ Ringen wir wirklich. Herr Dr. Heymann? Sic fordern uns auf. wir möchten uns darjiber klar werden. was wir eigentlich wollen. (Sehr gut!) ..׳Wollen wir eine ״Bewegung“ sein, getreu dem Spruche Eduard Bernsteins: Das Endziel ist mir nichts, die Bewegung ist mir alles, wollen wir die Juden Deutschlands zu.Natioualiudcn erziehen, so hat der Radikalismus recht." In diesem Satze sind zwei Dinge verkoppelt, die nichts miteinander zu tun haben..' •Dass• wir eine •Bewegung sein und die Juden ־zu Nationajimlcn machen wollen - darüber Herr Dr. Hcymann, sollte man eigentlich unter Zionisten meid streiten. Ich weiss .wohl, dass das Gros der deutschen Juden dafür noch nicht reif ist. Dass hiermit aber das Ziel unserer Tätigkeit bezeichnet wird, dass wir uns unablüssg darum he* midien müssen, weil nur durch diese Erziehungsarbeit (die schon heute beträchtliche Erfolge aufzuweisen •hat) die psychologischc Struktur des deutschen Judentums so umgeiorrnt werden kann, dass auch seine materiellen Mittel iiir den Zionismus flott gemacht werden können —י das alles habe ich immer für selbstverständlich gehalten. Nicht weil ich ein ״radikaler Demokrat“,.sondern weil ich Zionist bin. Der zitierte Satz enthält aber noch mehr. Dr. Heymann erinnert an. Bernsteins Ausspruch, erklärt die Möglichkeit, die deutschen Juden zu Nationaljuden zu machen für probleniatisch und ־stellt der nationaljiidischcn Bewegung das Endziel - - die Gewinnung Palästinas - - gegenüber. Dieses Endziel sei mit den bisherigen Methoden (d. h. also mit der nationaljüdischcn Propaganda.) nicht zu erreichen. Ich will bei dem zitierten Beispiel aus der Geschichte der Sozialdemokratie verweilen, denn es hinkt — und zwar hinkt es auf eine sehr lehrreiche Weise. Was bedeutet Bernsteins Satz von der Bewegung, die ihm alles sei? Dieser Satz bedeutet: Die moderne Sozialdemokratie ist die ansteigende Klassenbewegung des Proletariats. Ihr historischer Sinn ist die Verbesserung der Lage der Arbeiter. Alles was dieser Verbesserung dient, ist zu begriissen und das Endziel — der Zukunftsstaat — ist nur ein schönes Bild, eine fata morgana. Wie das endliche Ziel der Arbeiterbewegung aussicht. ist gleichgiltig. Die historische Entwicklung wird seine Gestaltung in concreto schon besorgen. — Auf der anderen Seite erklären die orthodoxen Marxisten, tlass mir die Lehre xorn Zukuuitsstaat nebst dem vorangehenden allgemeinen Kladderadatsch wirklicher ״Sozialismus" sei. Und nun, Herr Dr. Heymann, kommt Ihr Gedankenichler: Demi wenn auch die letztere Richtung vorzugsweise das Endziel betont, so zweifelt sic doch nicht an der Notwendigkeit der Bewegung. Ohne Bewegung' gibt es auch kein Ziel: ..Klasscnkampf der Weg!" Während demnach die radikale Sozialdemokratie die Bewegung mit allen Mitteln schürt - stellen Sie zwar das. Endziel (Palästina) auf. erklären aber gleichzeitig die Bewegung für üheriliissig oder schädlich. Diese Behauptung werden Sie vielleicht bestreiten; wenn aber Ihr Artikel irgend welchen Sinn hat. s:> kann er mir diese״ haben. Sie erklären, wir müssten so rasch als möglich das jüdische Geld bekommen. Zu diesen» /.wecke müsse der Zionismus seine Methoden ändern. Was verstellen Sie damitter? Sie deuten cs an: Wir müssen ein wenig Wasser in den Wein tun, wir dürfen die anderen Organisationen nicht dauernd anrempelu etc. Sehr schön. Aber ich bitte Sie. Herr Dr. Heymann, mir nachzuwciseu, wann und wo der Zionismus innerhalb der letzten Jahre zu scharfe Worte gegen die Alliance, die JCA, den Hüisvercin gerichtet hat abgesehen von einer •rein sachlichen Kritik gewisser Arbeitsmethoden? h’aüen wir nicht seit Jahren betont, dass die anderen Organ!- sationen sehr nützliches leisten? Hat nicht Dr. Nossig in seiner •tpf ny ״p.״f *■׳;׳.y *®"וי ^י׳יייו׳ *יייייר