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Jüdische Rundschau · 1908-07-03 · Heft 27 (3.7.1908) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIII (1908)
Issue
Heft 27 (3.7.1908)
Date
1908-07-03
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Man warf I uns vor, nur praktisch, d. h. kleinlich zu sein und wegen einiger ״Schafe und Ziegen“ den grossen politischen Gedanken des Zionismus zu opfern. Und nun — da die Notwendigkeit unserer Methode für die Palästinaarbeit anerkannt ist und gegenwärtig allein Geltung hat in der Bewegung, sind wir — die ״Praktischen“ — plötzlich wieder zu Theoretikern geworden, deren unfruchtbarer Radikalismus jede Arbeitsmöglichkeit ausschliesst Es ist kein Zufall, dass die Utopisten, recte Ugandisten, kurz die sogenannten ״Politischen" von ehedem, fetzt, bei der Erörterung unserer Stellung zu den anderen indischen Organisationen plötzlich Ifirerseit die ״praktischen“ oder sagen wir richtiger die entgegenkommenden geworden sind. Sic mögen mir’s verzeihen; aber ich kann mir nicht helfen: ich iinde dies durchaus nicht erstaunlieh. Das ist Geist von Ugandageist, der da wieder umgeht. Ich will nichts Kränkendes damit gesagt haben; ich habe viel zu liebe Freunde unter den Vertretern dieser neuesten Richtung im deutschen Zionismus. Soweit sie aber heute selbst den ״Ugandismus“ als Verirrung empfinden, sollen sie sich ernstlich prüfen, ob sich da nicht wieder etwas, das dem Wesen des Zionismus fremd ist, als eines der sogenannten ״wertvollen Mittel zur Erreichung unseres Endziels“ einschmuggeln will. Unser lieber Hans Gideon Hey mann, der voll Ist dieses־ alten Giftes in neuer Form, versuchte in der letzten Nummer hier den Nachweis, dass gerade der Sinn für die wahren ״Realitäten“ des Lebens, der zum ״Zione-Zionismus" führte, ebenso notwendigerweise einen modus vivendi suchen niüsse mit den anderer! grossen jüdischen Organisationen. Unser inneres Verhältnis zu ihnen legte Dr. Auerbach in der gleichen Nummer nochmals, im wesentlichen zutrefiend, dar. In seinen Ausführungen ist bereits manches von dem enthalten, was hier zu erwidern wäre. Dr. Heymann aber kommt fetzt zione-zionistisch und will ein Zusammenarbeiten mit den anderen Organisationen der Palästina-Arbeit wegen. Er ruft Professor Warburg als Zeuge dafür an, dass Geld eine sehr schöne Sache sei. Er vergleicht das Privatvermögen (sic!) der westeuropäischen Philanthropen mit unseren 8 Millionen. Die Gegenüberstellung wäre betrübend, wenn sie nicht spassig wäre, weil hier ein Wort Herzls Geltung hat: dass mit Geld diese Sache überhaupt nicht zu machen ist. Dr. Heymann verfällt seit einiger Zeit in den bedenklichen Fehler, den ganzen Zionismus von dem Gesichtspunkt zu beurteilen, den er bei Aktien-Geseilschaiten etwa aiizuwendeu gewohnt ist. Die Voraussetzungen zu dieser Art der Betraciitung mögen bei uns gegenwärtig noch -־ soll man sagen ״leider“? nicht gerade allgemein gegeben sein; mau muss aber auch Freund Heymann ersuchen, damit nicht Schule machen zu wollen. Ja: wir sind arm an finanziellen Mitteln und wir alle empfinden das schwer. Soll uns aber niemand kommen dürfen, um deshalb unsere Haltung als Repräsentanten des Zions- Ideals von finanziellen Gesichtspunkten beeinflussen zu wollen. Die Heranziehung des jüdischen Grosskapitals zur Wirtschaftliehen Palästina-Arbeit ist eine bedeutsame Karte in unserem Spiel. Gewiss. Nicht aber unsere letzte! Seien wir ehrlich: haben wir — besonders wir deutsche Zionisten — das Spiel bisher nur ernstlich begonnen? Unsere erste Karte, auf der sich das Spiel überhaupt nur aufbauen kann, liegt noch nicht einmal auf: \V I r. Unseres verehrten Professors Warburgs unermüdliche Tätigkeit für Palästina will doch nur die Wege zeigen, bestenfalls die Bedingungen schaffen für die Palästina-Arbeit; j'üdisches Orosskapital kann man damit noch nicht mobil machen. Zur Mitwirkung an Kolonisations-Unternehmungen gehört anfänglich auch — man sieht’s doch auch an deutschen Kolonisationsunternehmungen — Begeisterung. Wo ist sie ausserhalb unserer eigenen Reihen? Wir dürfen weder die Leiter unserer grossen Organisationen — der JCA, der Alliance — noch die westeuropäischen Philanthropen ״mit den grossen Privatvcrmögen" so niedrig cinsvhätzeu, um anzunehmen, ihre abweisende Haltung oder ihre Freundlichkeit gegenüber unseren Palästina-Planen werde bedingt von unserer entsprechenden Haltung ihnen gegenüber. Jüdisches Grosskapital geht nach Palästina nur nach den gleichen Maximen, nach denen Orosskapital überhaupt neuen Erwerbsmöglichkciten folgt*, sobald genügende Chancen festgestellt sind. Dazu ist aber erforderlich, dass wir selbst die ersten sind, die die praktischen Proben aufs Exempcl machen. Kapitalien, wie die der JCA, werden uns — darüber muss sich doch heute jeder klar sein — bestenfalls* folgen, niemals uns vorangehen. Was aber der ״Hilfsverein“ in Palästina tut, geschieht doch nicht unserer schönen Augen, sondern der wirkenden Kraft der Verhältnisse wegen, der sich ein vorurteilsvoller Mann nicht entzog, nachdem er sie kennen gelernt. Kein Vorstandsmitgiied des Zentralvereins aber wird — deshalb etwa — Anteile eines unserer Palästina-Unternehmen erwerben, weil wir höflicher geworden sind. Soll's auch nicht! Wie weit

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