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Jüdische Rundschau · 1908-06-26 · Heft 26 (26.6.1908) · page 11

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIII (1908)
Issue
Heft 26 (26.6.1908)
Date
1908-06-26
Page
– (sequence 11)
Language
German
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» %? Seite 26 JÜDISCHE RUNDSCHAU No. 253 1 ־־ ■ , da nur die ״cchtrussischcn Leute“ Pressfreiheit gemessen, jeder Versuch einer Bekämpfung dieser Hetzer aber ohne weiteres unterdrückt wird. Auflösung der Jüdischen Volksgruppe Aus Petersburg׳ schreibt man der N.J.K.: Die Petersburger städtische Behörde für die Angelegenheiten der Gesellschaften und Verbände beschloss die bedingungslose Aufhebung der Gesellschaft ,Jüdische Volksgruppe“, weil sie auch Beziehungen 7.u Gruppen in der Provinz unterhalten habe, was ihr nicht gestattet war. Das ist natürlich nur ein Vorwand, um einen aussichtsreichen Versuch einer jüdisch-politisehen Vereinsgründung im Keim zu ersticken. Begnadigte Verbändler Aus Petersburg wird geschrieben: Das bekannte Organ des ״echtrussischen‘' Verbandes, die RUSSKOJE SNAMJA. bringt jetzt etwa alle Wochen an erster Stelle ein Verzeichnis aller derjenigen Personen, die an den Judenkctzcn beteiligt, gerichtlich verurteilt und dann begnadigt worden waren. Natürlich fehlt cs auch nicht an sonstigen Hinweisen auf die Gnade des Zaren, und es wird so systematisch der Eindruck erweckt, dass Teilnahme an der Ermordung von Juden straflos sei. Was aber das Traurigste ist, dieser Eindruck entspricht durchaus den Tatsachen. Denn jeder Tag bringt neue Begnadigungen, und auch die Farce des gegenwärtigen Prozesses in Bialystok ist durchaus iiberüussig. denn die Herren Pogromteilncluncr werden ja doch begnadigt, was das genannte Blatt bereits jetzt triuinphilend der Welt verkündet. Jüdische Arbeiter in Chicago Die amerikanischen jüdischen Zeitungen bringen ab und zu einige charakteristische Bilder zur gegenwärtigen Lage der Arbeiter in den Vereinigten Staaten. Besonders bezeichnend ist folgendes: Zurzeit gibt es z. B. in Chicago ungefähr 500 jüdische Schuhmacher, von denen ein grosser Teil früher in Russland selbständig gewesen war. In Chicago sind sie natürlich abhängige Lohnarbeter. Sie verdienen etwa fünf bis zehn Dollar pro Woche, was in Chicago nicht sehr viel ist. und arbeiten dafür von sechs Uhr morgens bis neun Uhr abends. Die Werkstätten, in denen sie beschäftigt werden, sind grösstenteils unsaubere, im höchsten Grade unhygienische Räume mit überaus mangelhafter Ventilation. Frische Luft Ist dort ein seltener Artikel. Um aber selbst bei diesen wenig verlockenden Bedingungen dauernd Beschäftigung zu haben, ging ein grosser Teil der Arbeiter auf iolg'endc Bedingungen ein: Sie geben ihre ganzen Ersparnisse dem Geschäftsinhaber als Einlage, wogegen er verpachtet ist. die betreuenden Arheiter ständig zu behalten. Diese Verhältnisse werden natürich von skrupellosen Leuten weidlich ausgeniitzt. und es kommt nicht selten vor, dass ein Arbeiter dem Geschäftsinhaber zehn als Einlage, wogegen er verpflichtet ist. die betreffenden Arheiter gegeben Iwt. Dann verliert natürlich dieser letztere seine Stelle, bis er vielleicht wieder in der Lage ist. einen minder glücklichen Kollegen auszustechen. Emigration nach Argentinien Aus Buenos. Aires wird der N. J. K. von einem gefegentliehea Korrespondenten geschrieben: Die starke ökonomische Krisis, die während des ganzen ׳'Jahres 1907 in Argentinien sich geltend machte, ist jetzt zwar im Abnehmen begriffen, aber sie lässt ihre unangenehmen Nachwirkungen noch immer spüren. Besonders auf den Handel der hier ansässigen russischen Juden hat die Krisis geradezu vernichtend gewirkt. Viele waren gezwungen, ihre Geschäfte ganz zu liquidieren, und zwar unter erheblichen Verlusten. East alle Banken habe ihnen den Kredit auf ge• kündigt. Das hat selbstverständlich seinen Einfluss auf die Emigration aus Argentinien nicht verfehlt. Im Jahre 1907 sind «!ach Bucno.s-Aires 2518 Juden aus Europa ciugcwatidert. von denen 380 in den Kolonien der Jcwish Colonisation Association UCA) installiert wurden. 815 blieben in Bucnns-Aircs, und die übrigen 1324 hat das offizielle hiformationshureau auf eigene Kosten, d. h. auf Kosten der Regierung in'verschiedene Städte Argentiniens geschickt. Aus Argentinien sind im selben Jahre 1894 Juden ausgewandert. Ein Teil von diesen begab sich nach Russland zurück, der grössere Teil ging׳ nach׳ den Vereinigten Staaten von Nordamerika. Wie der JÜDISCHE EMIGRANT mitteilt. hat sich die Emigration nach Argentinien im Jahre 1907 im allgemeinen um 73 Prozent und die jüdische nur um 29% Prozent gegenüber dem vorhergegangenen Jahre verringert. v Palästina-Bibliographie Von allen, die auf dem Gebiet der Palästinawissenscl.aft Y arbeiten, sind die früher in der .,Zeitschrift des Deutschen i Palästinavcrcins“ veröffentlichten bibliographischen überr sichten in den letzte« Jahren schmerzlich vermisst worden. { Seit 1894 bezw.!895 sind solche nicht mehr geboten worden. Das ist ein um so empfindlicherer Mangel, als es gerade auf j diesem viclverzw׳eigten Gebiet den! einzelnen gar nicht mög- 1 lieh ist, die in Frage kommende Literatur zu überschauen, ge- * schweige denn zusammcnzustellen. Diese 1Lücke füllt die im? Auftrag des Deutschen Palästinavcrcins bearbeitete S y s t e -; tu atische Bibliographie der Palästinalite- : ratur von Dr. P. Thumscn (Verlag von Rudolf Haupt,; Leipzig und New York. 1908. Preis 5 Mark) aus, deren erster; Band, die Literatur der Jahre 1895—1904 umfassend, soeben :' erschienen ist. Sic enthält die gesamte Literatur, also nicht; nur Bücher, sondern vor allem auch Zeitschriftenaufsätze, Notizen, Bemerkungen und sämtliche Rezensionen, wofür mehr; als 350 Zeitschriften aller Länder und Sprachen bearbeitet worden sind. Die Literatur ist in systematischer Ordnung verzeichnet: I. Allgemeines und Bibliographisches (Bibliographien, Zeitschriften, buchl.ändlerische Anzeigen und Kataloge, Biographisches). II, Geschichte (inkl. Kreu/ziigc). 111. Historische Geographie und Topographie. IV. Archäologie (Reisen und •Ausgrabungen). V. Neue archäologische Funde (Mosaiken, Inschriften etc.). VI. Das moderne Palästina (Politisches. Sitten, Religiöses, Mission. Sprachliches. Kolonisation, wobei auch die jüdischen Kolonien und der Zionismus eingelicnd berücksichtigt sind. Gesundheitliches). VII. Geographie (inkl. Geologie, Klimatologie, Fauna und Flora. Kaiserreise, Karten. Bilder). So findet der Kunsthistoriker, der Archäologe, der Numismatiker, der Folklorist, der Wirtschaitspolitikcr, der Geograph u. a. die Literatur seines Faches bequem zusammen und muss sie nicht erst aus einer ganzen Reihe von Jahrgingen mühsam zusammensuehen. Der Gebrauch des Buches wird durch ein sorgfältig gearbeitetes alphabetisches Register erleichtert- Alle fünf Jahre soll eine Fortsetzung der Bibliographie erscheinen, der nächste Band, wenn irgend möglich, im Jahre 1910. Die Anschaffung dieses zuverlässigen und gut ausgestatteten Werkes sei darum allen empfohlen, die sich irgendwie mit dem Orient und seiner Geschichte beschäftigen. Ebenso sei auch hier die Bitte aus dem Vorworte wiederholt, durch Übersendung aller in Frage kommender Literaturan den Verfasser (Dresden-A. 3, Christian- Strasse 37) zu möglichster Vollständigkeit der folgenden Bände mit beizutragen._ 5tu Sprechsaal EEP fftr KJttellunfeb an dieser Stelle übernimmt die Redaktion attr die pressgesetxllche Verantwortlichkeit. I. Ohne aut die persönlichen Vorwürfe wegen meines gcringen hebräischen Wissens oingehen zu wollen, darr ich wohl fcsthalten. dass mir nichts davon bekannt ist. dass ich 11; Deutschland gewissermasser als Autorität für Hebräisch gelte, dass ich mich aber andererseits als Mitglied der z i o 11 i s t i s c h e n Partei wohl für befugt halte. «Jen Redakteuren des auf Parteikosteu erhaltenen Blattes berechtigte Vorwürfe zu machen. Zunächst möchte ich Herrn Herinoni mittcilcu. dass ich bereits imstande bin, zwischen der Gegenwart und der Vergangenheit zu unterscheiden. Ich gestatte mir. den inkriminierteu Passus in No. 7 des HAOLAM in Übersetzung zU zit'cren: ״Sie luhcit das Gerücht verbreitet, dass man im zionistisehen Bureau den Sabhath nicht vorschriitsmäsig beobachtet. Die Sache ist bereits aurgeklärt worden das G c r ii c h t ist nicht zutreffend: das Bureau ist streng geschlossen.“ kann wohl nichts anderes bedeuten, als: ,.diese Nachricht“ oder ״dieses Gerücht” ist ״nicht zutreffend" oder ״unbegründet" auf gut Deutsch ״u n w a 11 r". Wie Herr Hertnoui demgegenüber dazu kommt, zu behaupten, dass er niemals über diese Vorkommnisse geschrieben und sie auch niemals abgeleugnet habe, ist mir vollkommen unerfindlich. ..Die Sache ist bereits aufgeklärt — das Gerücht ist nicht zu- Leitend“ schrieb Herr Hernioni. Statt unter Anwendung einer Ausrede von Verwechslungen meinerseits zu reden. w׳üre es Ehrenpflicht gewesen, einzugestehen. dass er die Unwahrheit geschrieben hat. So hatte er zu sch w־c ig’e n und nicht Versuche zu mache*», den Tatbestand zu verdunkeln. Ich überlasse es dem Urteil der zionistischen Öffentlichkeit, «u entscheiden, ob ein derartiges Verhalten zum Leiter oder Hauptmitarbeiter eines offiziellen Parteiblattes qualifiziert. Mit ergebenem Zionsgruss Hermann Struck. I! i l ן t.1 5״?-- tpH, «8* •imkי^יי*■ ■■#״™״ y nrnryt״ ׳?״i ״m•. «*1״ ״.!**׳ ,y

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