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Jüdische Rundschau · 1908-06-26 · Heft 26 (26.6.1908) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIII (1908)
Issue
Heft 26 (26.6.1908)
Date
1908-06-26
Page
– (sequence 7)
Language
German
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» ,«,te •*v 00?**! No. 26 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 249 Mitteilung des vorbereitenden Komitees der* Palestine Land Development Co. Die Palestine Land Development Company hat ihre Arbeiten in Palästina bereits begonnen. Der Agronom Bcrmann ist mit einer Anzahl jüdischer Landarbeiter in Dalaika (am Ausjus des Jordan aus dem Tiberiasscc) cingctroffcn und bereitet alles' vor, um daselbst den landwirtschaftlichen Betrieb aufzunchmen. Sobald die Regierung die Daucrlaubnis erteilt, wird mit dem Bau von Wirtschaftsgebäuden angefangen werden. Es sollen im ersten Jahre ungefähr 100t» Dunam mit Körnerfrüchten bestellt werden. Nach Fertigstellung der Ställe und nach Einerntung des Futters von eigenen Feldern wirtf besonderes Oewicht auf die Rindvieh* und Schafzucht gelegt werden, da die üppigen Weiden im Jordantalc hierfür die besten Aussichten eröffnen. Die unerschöpfliche Wassermenge des Tiheriassees und des Jordans soll benutzt werden, um Prlan- Zungen und Gemüsegärten zu bewässern. Der Ueberfluss an Wasser im Verein mit dem ausserordentlich fruchtbaren Boden lassen das Land von Dalaika und Umei Djumi für! die erste Arbeit der Palestine Land'Development Co. als besonders geeignet erscheinen sobald mir die ersten Schwierigkeiten überwmn’cn sind._ Indem wir diese Mitteilung der Oeffeutlichkcit unterb;eilen, geben wir der Erwartung Ausdruck, dass alle diejenigeu Gesinnungsgenossen und Freunde unserer Sache, die noch keine Aktionäre unserer Gesellschaft sind, mit dem Erwerb von Aktien nicht länger zögern werden. Bei Ausstattung unserer Gesellschaft mit den nötigen materielicn Mitteln wird sie hoffentlich in der Lage sein, in nicht mehr ferner Zukunft für die Kolonisation Palästinas und ganz besonders für die Sesshaitmaclumg des jüdischen Arbeiter- Standes Bedeutendes zu leisten. Eine Aktie kostet 1 Piund 20,50 Mk., 24,25 Kronen, 2530 Francs, 9,60 Rubel, 5 Dollar. Die Zahlstellen unserer Gesellschaft sind folgende: 1. für sämtliche Länder: The Jcwish Colonial Trust Ltd. London E. C. Walbrook, Brook Housc; 2. für Deutschland: A. H. Heymann & Co., Berlin NW. 7, Unter den Linden 59; 3. für Russland: J. L. Goldberg, Wilna; 4. für Oesterreich: Sammelstellc des Jüdischen Nationalfend Wien 9, Türkenstrasse 9; 5. für Galizien: Dr. Samuel Rappaport, Lemberg, Sykstuska 33; 6. für Rumänien: Marmornsch Blank & Co., Bucarest, für Rechnung des Jcwish Colonial Trust, London E. C.; 7. für Holland: Bankicrskautoor van Lissa & Kann, Haag. Im Aufträge des vorbereitenden Komitees: gez. O. W a r b u r g. Ein Abarbanel=Denkma! in Jerusalem Von JesaiasPress in J c r u s a I c m. Im nächsten Frühjahr sind vierhundert Jahre verstrichen, seitdem Don Isaak Abarbanel, eine der lichtvollsten Gestalten unserer 'Geschichte, sein Wechsel- und verdienstreiches* Leben beschlossen hat. Einer hoc.ltangcschencn Familie entstammend, die sich durch grosse Gelehrsamkeit, staatsmünnische Klugheit und begeisterte Hingabe an die Väterreligiou und au unser Volk auszeichnete, war er ein Mann von universellen Gaben des Geistes und des Herzens. Philosoph und Staatsmann. Bibelerkiärcr und Finunzgenie. Philanthrop und SehriftgeJchrter zugleich. Am Ausgange der Glanzperiode unserer Geschichte lebend, in jener traurigen Zeit, als die Tod und Verderben um sich her verbreitende Inquisition unter den Juden der pyrcnäischen Halbinsel furchtbare Verheerungen anrichtete, bekleidete der Jude Abarbanel ’die höchsten, verantwortungsvollsten Posten an den Höfen der Könige von Portugal und Spanien, als hätte das Schicksal seine Brüder entschädigen wollen für die trüben Aspekte jener Zeit, als hätte ihnen die Vorsehung in ihm Stütze uild Rückhalt geben wollen, dass sic in ihrer Verzweiflung nicht ganz untergingen. Und in der Tat gelang cs Don Isaak Abarbanel, wenn nicht immer, so doch oft das Schlimmste von seinen Stammesgenossen abzuwehren. In dem gütigen Könige Alfons V. von Portugal, der den hochbegabten Abarbanel zu seinem Finanzminister ernannte, fand er einen Freund und Gönner, bei dem er sich stets mit Erfolg zugunsten seiner Stammesgenossen einsetzte. Aber diese Zeit, die wie Abarbanel in seiner Sclbstbiographie (in der Einleitung zum Kommentar zu den ersten Propheten-Büchern) sie schildert, die glücklichste seines Lebens war. ging zu Ende, als der klerikale, judenfeindliehe Joao II. den Thron Portugals bestieg. Das Opfer einer Hoiintrigue. musste er seine geliebte Heimat verlassen. In Toledo wandte er sich wissenschaftlichen Studien zu. von denen ihn Jedoch gar bald seine Ernennung zum Finanzministcr an den Hof Ferdinands und Isabellas abrief. In derselben Zeit, in welcher der Hass gegen die Juden in Spanien aufs höchste gestiegen war. sollte — welch wunderbare Fürsorge der Vorschling! —- ein Jude des Reiches Finanzen verwalten. Und iiuwahr. Abarbanel iasste seinen Bcrui niclit so auf. als dürfe er niemals den Juden erkennen lassen: im Gegenteil: er hetrachtete es als־ seine heiligste Pflicht, als seines Lebens Ziel, seinen Einfluss in Staat und Gesellschaft im Interesse seiner Glaubensgenossen amzubieten. Zwar vermochte auch er nicht, die schweren Gewitterwolken, die sich drohend über dem Haupte der Juden zusutumcuzogcit. zu vertreiben. Denn als im Uugliicksjahrc 1492. das in den* Annalen unserer Geschickte mit schwarzen Lettern verzeichnet ist. durch die Eroberung Granadas der maurischen Herrschaft in Spanien ein Ende gcfnac'l w urde, kannte der Uebermut des katholischen Königs•־ Paares und seiner Schergen keine Grenzen mehr. Eiir die glorreiche Siegestat sollte dem ..Gott der Liebe“ ein wohlgefälliges Opier dargebracht werden. Und die alleinseligmachende Kirche fand ihr Opier in den 1'iidisohcn Untertanen des Reiches*. Hatten sie die Araber aus dem Lande verwiesen, so sollten auch die übrigen Ungläubigen innerhalb des Reiches Grenzen, sollten auch die Juden gewaltsam aus dem Lande getrieben werden, in welchem sie fast eineinhalb Jahrtausend gelebt, das sic mit der Glut ihres Herzens geliebt und zu dessen Macht und Wohlstand sie unendlich viel beigetragen hatten. Und alle Bemühungen Abarbanels. das Königspaar zu milderen Gesinnungen umzustimmen, scheiterten an dem felsenfesten Willen und der unerschütterlichen Macht Torquemadas. So griff denn der jüdisch-spanische Grande, der letzte jüdische Staatsmann auf der pyrcnäischen Halbinsel, zum Wanderstabe, um mit seiner Familie und Hunderttauscnden seiner Brüder eine neue Heimat zu suchen. Aber der Ruf Abarbanels war grösser, als sein Missgeschick: der arme Flüchtling wurde kurze Zeit nach seiner Landung in Neapel Finanzminister des Königs Ferdinand I. und dann seines Sohnes Alfons*. Als die Franzosen ins Land cinnelcn, teilte er freiwillig das Los seines Herrn. Dabei verlor er das Kostbarste, was er bcsass. seine wertvolle Bibliothek. So verlebte er seine letzten Jahre unter einem wechselvollcn Geschick in Neapel, auf Sizilien, auf Korfu und in Venedig, bald als Staatsmann in der OcffentHchkeit wirkend, bald wieder in der stillen Studierstube seinen wissenschaftlichen Arbeiten ganz hiiigcgeben. In Venedig beschloss er sein ruhmreiches Leben im Frühjahr 1509 und wurde in Padua beigeset/t. Leider ist sein Todestag nicht genau bekannt, da seine Grabstätte So weit über das Leben und Wirken dieses edlen Mannes, dessen Bedeutung als Philosoph, Exeget und Apologet die jüdische Wissenschaft genügend gewürdigt ha«. Hier soll nur auf den Menschen und Juden Abarbanels hingewiesen werden, der für seinen Glauben und sein Volk gewirkt, der den Mut hatte, seiner Ucberzeuguug alles, seine Stellung in Staat und Gesellschaft, seinen Reichtum und sein Glück zu opfern. Diese edle Gestalt aus längst vergangener Zeit den gegenw artigen und zukünftigen Generationen als leuchtendes Beispiel vorzuluiltcn. ist eine Pflicht, die uns die Selbstachtung gebietet. Jedes Volk hält die Erinnerung an seine grossen Männer und ihre Taten durch sichtbare Zeichen fest. Audi das jüdische Volk sollte seinem Abarbanel gelegentlich der vierhundertstel! Wiederkehr seines Todestages ein ehrendes Denkmal setzen, aber keines aus Stein oder Erz. sondern ein solches, das dem Geiste des Judentums entspricht, und an einer Stelle, die unsere Geschichte für diesen Zweck geweiht hat. In Jerusalem ist der Unterbau für ein solches Denkmal bereits geschaffen. Als im Jahre 1892 die zivilisierte Welt das via hundertjährige Jubiläum der Entdeckung Amerikas feierte. w׳urdc in Jerusalem zur Erinnerung daran, dass sich I J I '»"?יייי״יזי י״#יי'-1י'§1?1 *f**f®# 1 r*J r' ייייו׳ י?־«!7*'" wnnpuy!! + ׳ 1:; 1

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