Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIII (1908)
- Issue
- Heft 26 (26.6.1908)
- Date
- 1908-06-26
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 248 JÜDISCHE RUNDSCHAU No. 26 Komitees geführt wurde) wurde mit besonderem Nachdruck gegen die neue Gesellschaft geltend gemacht, dass sie das dringende Bedürfnis nach Agrarkredit ganz ausser Acht gelassen, bezw. aus ihrer Tätigkeitssphäre eliminiert hat." Aus all den! geht hervor, dass wir nicht erst in unserem Schreiben vom 30. April (!3. Mai) mit Argumenten kamen." Ebenso wenig ist der in dem zitierten Passus enthaltene Vorwurf in Bezug auf unsere palästinischen Gewährsmänner berechtigt. Wie ich bereits in einem persönlichen Schreiben an Sie zu bemerken Gelegenheit hatte, kann ich keineswegs und unter keinen Umständen auch nur einen Augenblick den Gedanken aufkommen lassen, dass die Mitglieder des Palüstinarates, diese eifrigsten Freunde aller praktischen Palästina■ arbeit, nicht nach bestem Wissen und Gewissen, aus ihrer ehrlichen Ueberzcugung heraus, sondern aus irgend welchen persönlichen Motiven gegen den Arbeitsplan der P. L. D. C. Stellung nahmen. — Ein so hervorragender Vorkämpfer der praktischen Palästinaarbeit, wie Sic, sehr geehrter Herr Pro* fcssor. der .Sie Ja sehr gut wissen, welch schwierige Kämpfe es gekostet hat, bis Ihr Standpunkt in der Organisation der siegende geworden ist, müsste cs doch zu würdigen wissen, wenn Ihre näheren Gesinnungsgenossen und die eitrigsten Vorfcchtcr Ihres Standpunktes sich gedrängt fühlen, vor einem, ihrer Ansicht nach unpraktischen Schritt, der im!*alle des Mis&Iingcns Wasser auf die Mühle der 1. Z. zuui Stillschweigen gebrachten Gegner geben würde und von ihnen als Argument gegen die praktische Palästinaarbeit überhaupt ausgespielt weiden könnte, entschieden zu warnen. Zum eigentlichen Inhalte Ihres werten Schreibens Italien wir nur wenig zu bemerken. Wir können Ihnen leider, nur das bestätigen, was Sic selbst vorausgeschcn haben, nämlich, dass unsere Bedenken durch Ihre Auseinandersetzung nicht beseitigt worden sind (wobei wir freilich Ihre soziologische Erklärung der Divergenzen unserer Ansicht aus dem verschiedenen Milcu heraus als eine etwas gewagte Hypothese ansehen müssen). Zu einer Revision unseres Standpunktes sehen wir uns zur Zeit umso weniger veranlasst, als gerade jetzt eine solche seitens der Leitung der P. L. D. C. zu gewärtigen ist, indem nämlich, nach den vorliegenden Berichten aus Palästina, auf Vcranlassung des Herrn Dr. Ruppin, der nunmehr die Angelegenheit an Ort und Stelle eingehend zu studieren Gelegenheit hatte, wesentliche Änderungen im Arbeitsplan der P.L.D. C. geplant werden sollen. So soll die Absicht bestehen, aus dem Nationalfond-Land zu Daleika für das Lehrgut nur ca. 300 Duuam cinz.uräumeu. während das übrige Land in langfristiger Pacht an Reflektanten, die die Mittel für Inventar und Gebäude besitzen, abgetreten werden sollte. Pas Nationalfond-Land soll also in der Hauptsache in der Weise utilisiert werden, die wir immer als die einzig rationelle betrachteten und dem Palästinarcssort in Bezug auf die jüdischen Kolonisten vom Gouvernement Cherson ztt wiederholten Malen vorschlugen. — Auch soll, wie uns berichtet wird, die Frage der Errichtung der Milchfarm, gegen die Herr Dr. Ruppin Bedenken habe, von neuem zur Erörterung gelangen. Zu einer Revision des Arbeitsplanes der P. L. IX C. dürfte des Ferneren auch die Stellungnahme der galiläischcn Landarbeiterorganisation ״Hachoresch" beitragen. Wie uns berichtet Wird, hätten zwar das• Komitee und die Zweig vereine der Organisation eine Resolution gefasst, die die Gründung des Lehrgutes, und wenn es auch mit Defizit arbeiten müsste, begriisst, das von der Company vorgesehene Budget aber als unzutreffend bezeichnet und anstatt 120000 Francs im Invtntar und sonstige Aufgaben des ersten Jahres 250 000 Francs, anstatt 13000 Francs Jahrcsdividcudc ein Jahrcsdifizit von 6000 Francs in Anschlag gebracht. Da nun Acnderungen im Arbeitsplan der P. L. D. C. zu. er* warten sind, so beschloss derPalästinaiat, von der Veröifentlicltung des von ihm ausgearbeiteten Memorandums über den Arbeitsplan der Company vorläufig Abstand zu nehmen und die weitere Entwickelung der Dinge abzuwarten, wie das Palästinarcssort sich zu den Abänderungsvorschlägen stellen wird, ob und inwiefern der ursprüngliche;Plan der P. L. D. C., dem wir nicht zustimmen können, reformiert wird. Im übrigen können wir vorläufig nur das wiederholen, was wir Ihnen bc* rcits in unserem letzten Brief schrieben, nämlich, ,.dass wir uns sehr freuen würden, wenn die Tatsachen uns zu einer Re• Vision unseres Standpunktes Anlass geben und unsere Befiirehtungen sich als unbegründet hcrausstcllcu würden." — Da Sie. sehr geehrter Herr Professor, für gut befunden haben, durch die Publikation unseres Briefwechsels zur Klärung der Frage durch öffentliche Diskussion beizutragen,' so erlauben wir uns, vorUcgendos Schreiben in den nächsten Bulletins imseres Komitees zum Abdruck zu bringen. Mit vorzüglicher Hochachtung und Zionsgruss Gesellschaft zur Unterstützung der Juden, Ackerbauer und Handwerker in Syrien und Palästina, gez. Präs. M. U s s i s c h k i 11. _ P.S. Wir haben uns in diesem Briete bezüglich der F’rage der Utilisicruttg des Nati31::״ioud-l.a!u!es;mi unseren Brief- Wechsel betreuend die Ckersoricr Kolonisten berufen, unter- Hessen cs aber, andere ähnliche Fülle heranzuzichen. In ahnlieber Weise, wie über die Chcrsoucr Kolonisten, standen w ir mit den massgebenden zionistischen Instanzen in Verhandlungen betreffs einer Gruppe kaukasischer Bergjuden, die aus ertalircnen Bauern und Landarbeitern besteht und ein in jeder Beziehung vorzügliches K׳»!onisationselen!cnt bildet. Von dieser Gruppe erhielten w ir nun nach Schluss dieses Schreibens einen Brief, der am besten unsere Ansicht über die zweck-!!lässigste Utilisicruttg des Nationaltoiid-Landes bestätigt. Wir ,lassen hier diesen Brief in Abschrift folgen: (Hier folgt die Abschrift eines hebräischen Schreibens der Vertreter einer Gruppe von 25 Familien kaukasischer Bergjuden aus Station Batalpaschinskaja, im Kubangebiet, datiert vom 26. Mai 1908. Die Leute betonen, dass sic seit mehreren Jahren sich darum bemühen, sich in Palästina nicderlasscn zu können, erinnern an ihre Beteiligung am 6. Kongress; die Autoren des Briefes, M. Bogatyricw und S. Morduchaiew, waren Delegierte des 6. Kongresses, wo sic sich ebenfalls um einen geeigneten Landstrich iimsahen. wobei ihre Wahl auf das Nationalfond-Laud zu Daleikah fiel und sie sich deshalb beim Dircktorium des Nationalfonds um Ucbcrlassung des Daleikah- Landes bewarben. In sicherer Erwartung eines günstigen Bcscheides haben sie dann zum grossen Teil ihr Hab und Gut verüussert, sich mit Auslandspässen versehen und zum Abreisen bereit gemacht, während die übrigen sich anschicken, in cinigen Monaten nach Palästina iiberzusiedeln. Die Autoren des Briefes weisen nun drauf hin. dass sich jetzt infolge des uncrwalteten Ausganges der Angelegenheit der Ocmütcr eine Vcrzwcifhmg bemächtigt hat und das Vertrauen in.die zionistische Bewegung stark gesunken ist. Sic weisen ferner darauf hin. dass die P. L. D. C. kaum cic geeigneten Arbeitskräfte wird finden können, während ihre Gruppe aus erfahrenen Bauern und ׳"Landarbeitern bestehe, die auch über einiges Kapital vcr. fügen und evtl, bereit wären, den Kaufpreis des Landes, bezw. den Pachte,ert desselben sofort cinz.uzahlen. wie sic denn überhaupt ganz auf sich se’bst angewiesen sein wollen und keiner Unterstützung bedürfen. Am Schlüsse bitten sie nochmals dringend, geeignete Schritte zu unternehmen, damit ihr Gesuch berücksichtigt wird. — Das Schreiben ist unterzeichnet von den Vertretern von 25 Familien kaukasischer Bergjuden. M. Bogatyricw, Präsident des Zionistenvereins, Salomon Morduchaiew, Vizcpi äsident, und Josef Pinchassow, Sekretär desselben.)