Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIII (1908)
- Issue
- Heft 26 (26.6.1908)
- Date
- 1908-06-26
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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No. 26 Seite 247 JÜDISCHE RUNDSCHAU jüdischen Kunstausstellung dagegen, dass cs eine gemeinsame jüdische Eigenart in aller Welt gäbe. Von zionistischer Seite ist gesagt worden: Es ist unrecht, die jüdischen Organisationen assimilatorisch zu nennen: Assimilantcn taufen sich, aber sie organisieren nicht die Juden. Wir wollen sagen: Sie sind nicht konscaucntc Assimilantcn. Sic wollen nicht selbst aus dem Judentum hcrars. aber sic t ereiten den Boden für die Assimilation. Sie streben nicht zu einem neuen bewussten Judentum hin. sondern was jüdisch an ihnen ist. das sind die Reste des alten Judentums, die sic mit uns gemein haben. Der Zcntralverein betont die Gleichberechtigung — bewirkt die Assimilation. Gebt cs nicht anderswo ähnlich? Die jüdischen Organisationen. die sich mit der Auswanderung befassen, scheinen sogar eine Art iwtionaljüdischen Prinzips zu haben, die Solldarität aller Juden. Aber sie arbeiten an der *.Regelung der Auswanderung‘‘ ־— und schaffen die Zerstreuung der Etui* grauten, also eine 1111 nationalen Sinn bedauernswerte Erscliciniing. Ober die Logen brauchen v ir nicht viel zu sprechen. Hier liegen Dinge zuweilen von Ort zu Ort verschieden. Immerhin ist zugegeben worden, dass in Logenkreisen die Gegnerschaft gegen 11ns am schärfsten ist. 1u:d Angrific von dieser Seite her sind nichts Seltenes. Wie sollen wir uns nun zu den Organisationen stellen? Freundschaftlich? Das ist eine nicht ungefährliche, die politische .Moral des Zionismus schädigende Phrase, solange den Gefühlen der Freundschaft nur von unserer Seite Ausdruck gegeben wird. Aber man weist uns darauf hin. dass zahlreiche unserer Mitglieder im Zcntralverein und den Logen bereits sind. Sollen diese austreten? Das ist nicht nötig: Wir werden keinem Einzelnen verbieten, dort b e i z u t r e t e n; aber als z i o n i s t i s c b e b c w e g u n g werden wir uns reserviert, oft genug feindlich verhalten müssen. Das vereint sich nicht, O. wir arbeiten auch in den Kultusgemelndcn, gegen die wir so oft Opposition machen müssen. Freilich werden wir keinen Gesinnungsgenossen drängen, diesen Organisationen beizutreten, denn sie absorbieren oft genug ohne entsprechenden Nutzen seine materiellen Mittel, seine Zeit und seine Arbeit. Eine stark empfohlene Taktik will uns den Rät geben, fn Massen emzutreten. damit wir dort unseren Einfluss ausüben können. Ich denke von den Erfolgen dieser Taktik sehr gering. Wir sind zunächst nicht Masse genug dazu. Und dann: bchon viele Zionisten sah ich in den Zentralverein hineinge 11 en. aber nur wenig neue herauskommen. Es ist kein Zweifel, dass wir in Zukunft emen grossen Teil unserer Anhänger aus den Mitgliedern dieser Organisationen w־erd e 11 g c v. 1 n n c 11 m fl s s e 11. Und das ist auf dem Wege der friedlichen Durchdringung nicht möglich. Wenn wir mit allen Freund sind, hat keiner nötig, seine Meinungen umzulernen. Schliesslich noch ein Gesichtspunkt, vielleicht der wesentlichste. Wir sollen mit den jüdischen Organisationen in Deutschland Zusammenarbeiten. Das ist eine Redensart. Wo ist die gemeinsame A rb c i t des Zionismus und des Z e 11 t r a I v c r e i 11 s. Mau zeige uns ein Programm. wenigstens einen Umriss dieser Arbeit. Sollen wir helfen, antisemitische Redakteure bei ihren Entgleisungen festzunageln? Sollen wir ־ - in verbessertem Stil vielleicht — Beschwerden über die Zurücksetzung jüdischer Reserveoffiziersasriraiitcn eiurcichen helfen? Was wir in dieser Richtung tun keimen, tim wir im Verband der deutschen Juden. Wo aber braucht der Zcntralverein, wo brauchen die Logen unsere Mitaibcit als Zionismus? Nirgends, und sie verlangen sie auch darum nirgends. Aber auch wir haben vom Zcntralverein keine Förderung zu erwarten. Nur Kampf. Und dieser Kampf ist unausblcihlieh, denn Zionismus und Zcntralverein sind in ihren Prinzipien Feuer und Wasser. Wir provozieren niemanden, aber wir wollen unsere ..Mitarbeit“ keinem aufdrängen, der uns nicht darum angcht. Der Zionismus ist eine revolutionäre Bewegung im Judentum, im Kampf gegen alle entstanden und gross geworden. Vergessen wir das und tun wir in dem Eiitg'cgeu* kommen gegen andere mehr, als sich damit verträgt — dann ist der stärkste Hebel unserer Grösse und Kraft zerbrochen. P. L. D. C. 2./15. Juni 1908. Herrn Professor Dr. Otto Warburg B e r 1 i n W. 15, Uhlandstr. 175. Sehr geehrter Herr Professor! Vor einigen Tagen von einer mehrwöchentlichen Reise zurftckgekehrt, fand ich Ihr wertes Schreiben vom 24. Mai vor, das ich indes schon unterwegs in verschiedenen Parteibiättcru zu lesen Gelegenheit hatte. Ich war dabei höchst erstaunt, in Ihrem Begleitschreiben an die Redaktion des HAOLAM folgenden Passus zu lesen: ״So lange gegen die Palcstine Land Devclopcmcnt Company geheim 'und versteckt gekämpft wurde, schwiegen die Gründer und Freunde der Company; Jetzt aber, wo unsere Gegner mit Argumenten kommen, ist cs gut, diese Frage öffentlich auszutrageij.“ Dieser Passus ist geeignet, in weiten Partcikreisen falsche Vorstellungen über Charakter und Motive unserer ablehenenden Stellung zum Arbeitsplan der P. L. D. C. aufkonmien zu lassen, Ich nehme indes an, dass cs nicht Ihre Absicht war, unsere bona fides in Zweitel zu ziehen, und bin geneigt, in dem zitierten Passus einen einfachen ״lapsus linguae“ zu erblicken. Sic werden, sehr geehrter Herr Professor, sich wohl er- Innern, dass wir vom Anfang an ernste Bedenken prinzipieller Natur gegen den Arbeitsplan der P. L. D. C. geltend machten. Bereits in unserem Briefe vom 11/24. Dezember v. J., also noch vor der Januarsitzung des A. K.. in welcher die Gründüng der Company endgültig beschlossen wurde, schrieben wir Ihnen: ״Was Ihren Plan bezüglich der Utilisicrung des Nationaifond-Landes in Dalcika und Umildschuni anbelangt, so erlaube ich mir hierdurch, Ihnen ergebenst mitzutcilen, dass ich persönlich diesen Plan für verfehl: halte. Die Erfahrungen , der bisherigen Kolonisationsarbeit haben mir die Ucberzeugung beigebracht, dass das administrative Bcwirtschaftungssystcm in Jeder Form von vornherein zu Unfruchtbarkeit verurteilt Ist. Meines Erachtens wäre es viel zw׳eckm״ssiger, die betreffen־ den Ländereien den Personen in langfristiger Pacht zu überlassen, die. wie Ihnen bekannt ist, sich vielfach darum bewrnrben haben.־‘ Auf der Nationalfondsitzung, die in Berlin am 5. Januar, ein Vorabend der Aktionskomiteesitzung, stattgefunden hat, hatte ich Gelegenheit, meinen Standpunkt näher zu begiünden und die ehedem wie nachmals in meinen Briefen an Sie wiederholt geltend gemachten Argumente nachdrücklich hervorzuheben. Gegenüber Präsident Wolffsohn, welcher geltend machte, dass die P. L. D. C. allenfalls für die ihr zur Verfügung gestellten Gelder des Nationalfonds genügende Garantien biete, betonte ich, dass es mir nicht um das Geld — das schliesslich doch, wie alle zionistischen Fonds, von keinen anderen, als von g'esinnungsgenössischcn Kreisen aufgebracht werden dürfte — sondern um das Prestige der zionistischen Organisation und der von dieser unternommenen und zu unternehmenden praktischen Pa'ästinaarbcit zu tun sei, welches durch einen m. E. verfehlten und auf eine blosse Wiederholung der Versuche der Ica mit der Farm zu Scdjerah hinauslauiendcn Schritt aufs Spiel gesetzt werde, umsomehr als cs sich dabei um den ersten Schritt praktischer Kolonisationsarbeit handle. — In der am folgenden Tage, wesentlich unter der gleichen Beteiligung, stattgefundenen Sitzung des A. K. erachtete ich cs als überflüssig, meine Ansicht, die offenbar keinen Anklang fand, nochmals zu begründen, und beschränkte mich deshalb darauf, meine Meinung bei der Abstimmung Rcitend zu machen. In dem Schreiben unseres Komitees vom 3./16. Januar nahmen w׳ir dann Gelegenheit, speziell die Frage des von׳ dem Arbeitsplan der P. L. D. C. ausgcschaltcten Agrarkredits als Argument hervorzuheben. In diesem Briefe heisst es: ״In der Diskussion (die in einer der Frage der Beteiligung unserer Gesellschaft an der P. L. D. C. gewidmeten Sitzung unseres יו^וי ייי ■י*■ - «y י; ׳•®י */׳♦**'׳^*#w*