Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIII (1908)
- Issue
- Heft 26 (26.6.1908)
- Date
- 1908-06-26
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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1 t I 1 i r! * I . ־, ,; I f; f r1 , י 1 . י-! ' 1;; ך י ן j; i ,. «! I i U f $ f! 5׳ t *141 I?! Seile 244_ JÜblScHE RUM b SCH AU. _No. 26 . Es ist ktpne Anekdote, was ich hier vorfiibren will, auch, bitte ich Sie, betrachten Sie es nicht als Wtz: Ein Freund von mir suchte liier in einem der Vorbrte Berlins ein.Sanatorium für.seine erhohmgsbedürftfgen Eltern, und da letztere das Rituelle im Leben be- Obachten, so fragt er die Verwalter des Sanatoriums, Ob der Haushalt dort koscher geführt wird. ״Gewissermassen“ war die Antwort der Verwalte- י riti. ״Was soll ich darunter verstehen“, fragte weiter mein Freund, ״denn sehr streng sind wir auch nicht. Ist das Fleisch koscher?״ ״Das gerade nicht", antwortctc d;:e Verwalterin. ״Worin besteht dann die K&schruth, wenn ich fragen darf?“ und es folgte die Antwort: ״In der Art der Zubereitung.“ Ja, meine verehrten Damen und Herren, ich gebe hur meiner Befürchtung Ausdruck, dass bei der Verliachlüssigung der rein ideellen Se:te des Zionismus einerseits und bei der Ausdehnung seiner Grenzen, indem vieles in sein Programm ohne jeden Zusammen-!lang aufgenommen wird, andererseits,' von dem ur- ,sprüngliclicn Zionismus nur noch ״die Art der Zubercitung“ übrig bleiben wird. Nun hörten Sie vor mir das gediegene Referat uuseres verehrten Freundes, Professor Warburg, das zwar sich auch mit Gärten und Pflanzungen beschäl‘- tigt, aber doch eher וזי das Gebiet der zionistischen Halacha gchöi'. Jetzt aber soll cs mir gestattet sein, das Gebiet der Hagada zu betreten. Es muss tut jeden Zionisten sonnenklar s:!n, dass die Befreiung des jüdischen Geistes von seinen Fesseln nur in Palästina möglich ist. Dass die Emanzipation des Judentums wie auch der Judenheit im Sinne der nationalen Selbsterhaltung in keinem anderen Lande der Welt geschehen kann. Deshalb muss schon jetzt ganz unabhängig von unserem Verhalten zum Charterismus auf dem Gebiete der kulturellen Eroberung Palästinas tiiehtig gearbeitet werden. . Palästina kann uns nicht als Geschenk gegeben werden, denn die Geschichte kennt keine solchen Geschenke. Palästina muss erworben werden. Der Orient im allgemeinen •erwacht jetzt zu neuem Leben. Verschiedene Nationen wetteifern, um dem Lande ein bestinuntes Gepräge zu verleihen, und wenn wir uns mit der Rolle des Zuschauers zufrieden geben, in der vornehmen Pose des ewigen Abwartens, so verschwindet der Boden unter unseren Füssen, und wenn',wir nicht an dem kulturellen Aufschwung Palästinas fleissig ,mitarbeiten, werden wir auch die Früchte desselben nicht geniessen dürfen. Palästina von heute ist schon nicht ־mehr das Palästina von gestern. Und wir haben nunmehr keinen Augenblick zu versäumen. Diese Mahnung kann nicht genügend betont werden. Die Schaffung eines kulturellen Zentrums in Palästina ist von grosser Tragweite, nicht nur für die Gewinnung Palästinas seihst, sondern auch für die Eroberung der denkenden und fühlenden jüdischen Welt für die Idee des Zionismus. Wie oft beklagen wir uns ob der Gleichgiltigkeit unserer Jugend der zionistischen Idee gegenüber. Ja, womit wolfen wir diese Jugend eigentlich locken? Ich glaube, dass gerade in dieser Hinsicht eine gute Hoch seht!'Je in Palästina, 1110,- dern ausgerüstet und im jüdischen Geste geleitet, Wuuder schaffen kann. Es genügt nicht immer, zu beschul- digen. man muss auch die Ursachen der Entfernung und des Fernbleibens des grössten Teiles der jüdischen Jugend von unserer Bewegung erforschen und ergründen. In welcher schrecklichen Lage befindet sich jetzt die herumirrendc und ewig lierumsuchende jüdische Jugend? Sie ist gezwungen, bei Fremden um Zulassung zur Bildung einfach zu betteln. Von der Gnade der Völker wird s׳e gespeisst ־— ihr eigenes Volk ist n'cht imstande, ihren Bildungsdurst zu löschen. Sogar von der Natur aus mit zartem Gefühl begabte Kinder ver- Heren mit der Zeit ehre Zärtlichkeit, wenn sie ihre Eltern immer in hilflosem Zustande sehen und sieh an andere wenden müssen, um für sich eine Existenz im Leben zu schaffen. Armut ist vielNcht unter Umständen keine Schande ־ für eine Nation ist aber die geist:gc Hilflosigkeit immer verhängnisvoll. Selbstredend kann eine oder die andere Lehranstalt in Palästina nicht wie durch Zauberkraft dieser im Golus entstandenen Psychologie der jiidiscücn Jugend mit einem Schlag er, Ende machen, aber das erste freie Wort in einer freien Umgebung wird eine neue A c ra in unsere m geistigen Leb e n hervorrufen. Dadurch w ird in die geistige Gliettomauer Bresche geschlagen werden. Solange wir keine Wege und Mittel gefunden haben, wie man die Jugend für die nationalen Aufgaben erhält, wird unsre Bewegung sieh nur auf Ausnahmen stützen. Vorläufig muss die traurige Tatsache konstatiert werden, dass ein grosser Tc/I der intelligenten jüdischen Jugend sich gegenüber dem Gedanken der nationalen W'iedergeburt von einer Iir.vrcssclosigkcit zeigt, die nicht aus Mangel an prinzipieller Erkenntnis kommt, sondern aus Mangel an festem Glauben in das Gelingen dieser Idee. Denn der Glaube au die inneren Kräfte der Nation ist unter der Jugend hu Aussterben begriffen. Ohne eine eigene Sprache — die heute durch eine oder mehrere fremde ersetzt wird —■ ohne eine eigene Literatur und ohne eigene Schulen wird die Jugend mit Gewalt ihrem Volke entrissen. S'e gewinnt immer Achtung vor den Fremden, unter Umständen auf Kosten der Selbstachtung, die sich mit der Zeit ganz abstumpft. Es steigt der Glaube an die fremde Allmacht und parallel damit der Zweifel an der eigenen Lebensfähigkeit. Der nationalc Selbsterhaltungstrieb veranlasst zwar versclredenc jüdische Gruppen, dieser nationalen Schwindsucht entgegen zu treten und Massregeln zu treffen, tun die Jugend nach Möglichkeit bei ihrem Volke zu erhalten. Allein die Bedingungen der Diaspora sind sehr ungünstig für eine solche Gegenwirkung, und die jüdische Seele wird allmählich vom Gifte des Zweifels durchtränkt. Hier gibt es mir ein Mittel, und das ist die Schaffung eines K ti 11 u rzcח t r u m s in PaIä s - t i n a! In erster Reihe muss selbstverständlich für die in Palästina lebende Jugend gesorgt werden. Keine Mittel dürfen zu teuer sein, w enn s:e nur geeignet sind, diese Jugend in und für Palästina zu erhalten. Jede jtigendliehe Kraft im Lande ist für die Zukunft unschätzbar. Und der Schaden.' wenn sie das Land verlässt, miberechenbar. Aus Mangel an Einfluss haben w ir bis jetzt diesem wilden Tanz der verschiedenen philanthropischen Organisationen tatenlos zugeschaut, die durch ihre Schulen und ihr Erzichungssysteni auch die palästinische Jugend zum Wandcrstab trieben, ohne diesem Verderb- Lehen System mit aller Energie entgegenzmreten. Entgcgeutreten aber heisst nicht nur protestieren und die öffentliche Meinung auf diese traurige Erscheinung aufmerksam zu machen — denn wir habe« keine organisierte öffentliche Mc'nung, und die Ohren der meistert unserer Golus-Führer sind taub für die SEinme des Protestes. Hier muss auf andere Weise Protest erhonen werden. Protest durch Gründung von besseren Schulen auf entgegengesetzter Basis, durch Einführung *״*TW*PP יי יי י״-יי׳י״ן""• ""יייייי״״י״״יי״י״י11,‘"^’' י״יןיי• יי יייץיה8 יוי^־זד:׳-"•