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Jüdische Rundschau · 1908-06-19 · Heft 25 (19.6.1908) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIII (1908)
Issue
Heft 25 (19.6.1908)
Date
1908-06-19
Page
– (sequence 5)
Language
German
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No. 25 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 237 denen, die es ernst mit der zionistischen Sache meinen, die Staridesunterseliiede gern und leicht vergessen Uisst. Und deshalb glaube ich auch, dass wir ohne die Furcht hegen zu brauchen, gerade in dieser Beziehung ein Fiasko zu erleben, ruhig zur Gründung einer rational-jüdischen Jugendorganisation, die Junge Kauflcutc und Studenten zu gemeinsamer Arbeit vereinen soll, schreiten können. Eines aber ist selbstverständlich: Agitation unter Studenten darf nur durch solche und ebenfalls unter Kaufleutcn nur durch Berufskollegen‘ betrieben werden, denn cs ist bei der persönlichen Agitation ungleich wertvoller, wenn z. B. ein Junger Kaufmann seinem praktisch denkenden Kollegen einiges Genaue über die kommerziellen Porspektiven 111 Palästina, über die Verhältnisse in Bezug auf gerade seinen Beruf, niittcilcu kann, als wenn ihm ein philologisch hochgebildeter Akademiker Vorlesungen über den ethischen und kulturellen Wert des Zionismus hält. — Doch halt! Ich sprach da eben nur von Agitation und fürchte daher missverstanden zu werden und zwar, als ob ich einzig und allein A u ss c na g i t a t io!1 als die Aufgabe der Jugend- Organisation hinstellen wolle, was ganz und gar nicht meine Absicht ist. Ich meine vielmehr, dass die zionistische Propaganda nur einen Teil, wenn auch gewiss einen recht wichtigen ihrer Aufgaben bilden soll. Das Hauptgewicht soll ganz entschieden ruf die 1 n 11 c 11 a r b c i t .au! die Selbstdurclibildung ihrer Mitglieder zu vollen, ganzen, aufrechten und sittlich ernsten Nationaljuden gelegt werden. Für die agitatorisch besonders befähigten Mitglieder sollten k’cino' Unterabteilungen nach dem Muster des Berliner Herzi-Klubs geschaffen werden, in denen sic durch regelmässige, von geschulten, durch das Zcntralbiireau ausgewähltcn Agitatoren erteilten Kursen zu zielbewussten, satteliesten Zionisten durchgebildet werden,'fähig, ihre Ucberzeugung gegen jeden Gegner, mag er es aus religiösen, sozialpolitischen oder Gründen kosmopolitischer Weltanschauung sein, energisch und erfolgreich zu verteidigen und zu propagieren. Daneben soll, soweit es irgend zu ermöglichen ist. auch die körperliche Ausbildung der Mitglieder gefördert werden, und man könnte da Hand in Hand mit national-jüdischen Turnvereinen wie dem Bar-Kocltba gehen. Fügen wir t’ocl! die äusserst erw ü n s c 111 e n Kurse in hebräischer Sprache, jüdischer Geschichte und der Geographie Palästinas hinzu, so hätten wir wohl alle Aufgaben festgelegt, die sich eine jüdische Jugend- Organisation, die allen unseren Wünschen und Ansprüchen genügen sollte, stellen musste. Es fragt sich r.ur, und viele Leser werden diese Frage verneinen, ob sich auch die Jugend zu dieser Organisation, die so hochgespannte Ansprüche an ihre Mitglieder stellt, finden würde? Und da muss ich gestehen, dass ich selbst kaum glaube, dass wir einen grosseren Prozentsatz der jüdischen Jugend Deutschlands bei diesem Programm zu uns heranziehen werden, aber wenn wir auch keine numerisch sehr hervorstechende Zahl um uns versammeln werden, so werden doch die. welche kommen werden, von denen sein, um derer allein willen es sich lohnt, eine Jugend- Organisation ins Leben zu rufen. Alle die, ob bereits Nationaljuden oder nicht, denen ihr Judentum noch eine heilige, ernste Sache ist. alle die, die ihre jungen Kräfte für es betätigen wollen, alle die, bei denen nicht eine auf rastloses Aufgehen ins Deutschtum und Indifferenz in allen jüdischen Dingen zugespitzte assimilatorische Erziehung' die jüdische Saite in ihrem Innern, noch bevor« sie zum ersten Mal erklingen konnte, zerrcissen und absterben liess, alle die w׳crden mit Freude an unserer Arbeit tcilnchmcn und mit Begeisterung sich den mannigfachen Miilicn und Beschwerden unterziehen. Meiner Meinung nach ist diese Art der Organisation für den Zionismus von grösserem Werte als eine andere noch in Betracht kommende, auf die ich hier noch kurz cingchcn will. Viele wünschen vielleicht, dass sic in der Weise gebildet würde, dass sich cii! möglichst grosser Teil der jüdischen Jugend Deutschlands zu einen! losen Verbände, von mehr allgemein jüdischer Tendenz Zusammenschlüsse, um so auch Leuten, dio gar keinen bestimmten Standpunkt zu jüdischen Tagesfragen einnehmen. ja vielleicht kaum noch wissen, dass sie Juden sind, den Beitritt zu ermöglichen. So schön auch dieser Gedanke, hingen indifferenten Leuten schon durch die blosse Zugehorigkeii zu einem jüdischen Verein etwas jüdisches Interesse eiuzuimpfen und sie so allmählich teilweise, so weit cs eben dann die grössere Zahl gestatten würde, zu bewussten Juden zu erziehen, so meine ich doch, dass die erstcre Art, eine beschränktere aber ungleich wertvollere Zahl junger Leute zu vollkommen durchgebildeten Zionisten zu erziehen, die später einmal okiit, sowie sic im Leben auf Opposition stossen, abspringen. sondern in Jeder Beziehung ihren Mann stehen w׳erde11. für den Zionismus weitaus nützlicher ist. Nicht durch die numerische Stärke, sondern durch unser Men sc heu material sollen wir zu imponieren versuchen! Dann können wir uns von unserer Jugendorganisation einen vollen und ganzen Erfolg versprechen — bei vernünftigen Ansprüchen, wenn wir nicht in den Optimismus derer, die schon die ganze Heranwachsende Generation unter unserm Banner versammelt glauben, verfallen. Zum Schluss noch einige Worte über die äussere Gcstaltung der Organisation. Hier ist cs ausserordentlich schwer, gleich definitive Vorschläge zu machen, da wir hier ja noch gär nicht auf irgendwelche praktische Erfahrung ztiriickblickcn kennen und immer gezwungen sind. Hypothesen, die noch nicht durch ihre Lebensfähigkeit bewiesen haben, aiifzustellen. Von vielen Seiten wird, wie ich horte, gewünscht, dass die Organisation in Form einer grossen, über das ganze Reich zu verbreitenden jüdisch-nationalen Turnbewegung geschaffen werden soll und dieser Gedanke ist noch bei Weitem nicht der schlechteste, wenn auch das dadurch hcrvorgerufcnc. vielleicht etwas allzu starke Betonen der körperlichen Ausbildung nicht allen genügen würde. Hier könnten wir noch viele Hypothesen umstellen, aber wozu das ictzt schon? Die äussere Gestaltung ist ja nur eine sekundäre Frage: die Hauptsache ist. dass wir ein Programm und last not least den festen, ernsten Willen haben, cs zu realisieren! Dann wird sich ganz von selbst die äussere Form gestalten. Mit Freude sollen wir an die Arbeit gehen, mit ehrlicher Freude, dass wir jetzt endlich den Mut geitmden haben, an das schwierige und iinuätigreichc Problem der jüdischen Jugendorganisation ernst licranzuticten und nicht rasten und ruhen werden wir. bis w ir es citdgiltig und befriedigend gelöst haben. Hans Goslar. ־- Rundschau. «1?==^=״ Mitteilung des vorbereitenden Komitees der Palestine Land Development Co Laut Mitteilung unseres Londoner Rechtsbeistandcs müssen vor gerichtlicher Eintragung der Palestine Land Development Co. 2500 £ (zweitausendfiinihundert Pfund Sterling) voll bezahlt sein. Wir richten daher hierdurch an die Aktionäre unserer Gesellschaft das Ersuchen, die gezeichneten Beträge resp. die darauf noch ausstellenden Restzahlungen den nachstehend benannten Zahlstellen recht bald zu überweisen, damit die Legalisierung unserer Company keine Verzögerung erleidet. Unsere Zahlstellen sind: 1. The Jewislt Colonial Trust Ltd. London E. C. Walbrook, Brook House. 2. A. H. Hcvmann & C.. Berlin NW. 7. Unter den Linden 59. 3. Sanimelstcllc des־ Jüdischen Nationalfonds für Oesterreich, Wien IX. Tiirkenstrasse 9. 4. J. L. Goldberg. Wilna. Russland. 5. Marmoroscb Blank & Co., Bucarest, Rumänien für Rechnung des Jcwish Colonial Trust. London. £ I.—: Mk. 20,511. Kr. 21.25־, Frcs. 25.50, Ruh. 9,60. $ 5.—. Im Aufträge des vorbereitenden Komitees: gez. O. W a r b u r g. Berlin. In der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums hielt am vergangenen Mittwoch, dem 3. Juni, vor dem ..Verein jüdischer Studenten“ Herr Dr. mcd. Eiscns־tädt einen Vortrag über ..die Renaissance der Jüdischen Volkshygiciie“. Unter Hinweis auf die vergleichende Gesundlieitspflege der orientalischen Völker, welche Alfred Nussig in seiner Einleitung zum Studium der sozialen Hygiene meisterhalt geschildert hat. führte der Vortragende das System der alten Juden den Zuhörern vor Augen uitd schilderte dessen Gliederung in Massnahmen zur Bekämpfung der lnfektioiiskrankheiten. staatlicher Organisation des Aerztestaiidcs. Bertifs-, Ernälirungs- und Sexiialhygicnc. Ihren letzten wissenscliaflliciieii Vertreter hatte die jüdische Gesundheitspflege in Ma imoitidcs. Mit ihm vcrliess־ die Medizin ihren Platz in der Staatsleitung. Es blieb aber eine unbewusste sozialhygienische Praxis sowohl in der christlichen als jüdischen Bcvölkerung aul den Gebieten der Ernährung und Ehe bis zu dem Zeitpunkte, da die Agrarstaaten zur Industrie übergingen und die ersten Erfindungen im Verkehrswesen auikamen. Von da ab begannen die Städte infolge der wachsenden Bcvolkerung sich mit den Massnahmen zur Seuchenbekämpfung und der Beseitigung der Infektionsquellen zu befassen. Unter dem Eingreifen der staatlichen und städtischen Behörden entstand so auf dem Boden der neuen bakteriologischen Wissenschaft die öffentliche Gesundheitspflege. Es blieb noch die individuelle Freiheit auf dem Gebiete dies Ernälirungs- und Sexuallebens

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