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Jüdische Rundschau · 1908-06-19 · Heft 25 (19.6.1908) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIII (1908)
Issue
Heft 25 (19.6.1908)
Date
1908-06-19
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 236 No• 25 JÜDISCHE RUNDSCHAU Dr. Stahl kritisiert zunächst die Tätigkeit des Zentral- Komitees und des Zentralbureaus. Zentralkomitee hat nichts geleistet; Zentralbureau wohl fleissig gearbeitet, doch seine Aufgabe nicht erfüllt. Die Anregungen für die Ortsgruppentätigkeit zeigen ein zu geringes Vertrautsein mit den tatsächsichen Vernältnissen. Hier zeigt sich wieder die Notwendigkeit eines besoldeten Parteisekretärs, der die Agitations- und Kleinarbeit der Ortsgruppen bzw. Gruppenverbünde System־!- tisch ausgcstalten und in die richtigen Bahnen leiten soll. Den Gruppenverbünden grossere Selbständigkeit zu geben, ist nicht angängig wegen des Mangels an genügenden Arbeitskräften. Wichtig ist für die Erhaltung des Mitgliederbestandes und der Weiterbildung der Zionisten, dass^ iiir alle Ortsgruppentritglieder dieses* Parteiorgan, die JÜDISCHE RUND- SCHAU, von der Ortsgruppe aus abonniert wird. Die Mehrausgabc wird leicht gedeckt durch eine kleine Beitragserhöhung. die gern bewilligt wird, wenn dafür eine jüdische Zeitung geliefert wird. Die Erfahrungen in Obcrschlesien sprechen dafür.- Die Pinanzverhältnisse der J. R. würden eine bedeutende Besserung erfahren. Allerdings muss die JÜDISCHE RUNDSCHAU inhaltlich in jeder Beziehung besser werd-.11. Es ist wünschenswert, dass die JÜDISCHE RUND- SC.1AU erscheint als Allgemeine jüdische Zeitung, die sich mit allen jüdischen Fragen beschäftigt und über einen guten Nachrichtendienst verfügt. Eine vom Zentralbureau verantwörtlich redigierte Beilage gibt allen aufklärenden und weiterbildenden zionistischen Artikeln alle nötigen zionistischen Informatinnen und Mitteilungen, ferner den Nationaliondsauswcis. Im Allgemeinen Teil müsse auch in hervorragendem Masse die Aufklärungsarbeit über die Palästinafrageii seinen Platz haben; ierncr auch ein gutes Feuilleton geboten werden. Bezügiieh der Agitationsarbeit sind wir vor einer Mauer äugelangt, weil uns das Menscliemnaterial hierfür fehlt; wir müssen unsere Israeliten erst zu Juden erziehen, dann erst werden sie die weitere Konseune»־/. ziehen können und zum Zionismus kommen. Aber die Jugend und die Kinder müssen in unserem Sinne erzogen w erden. Darum muss unsere Losung sein: Erobert die Schulen; Jugendorganisation und häusliche Erziehung in unserem Sinne. Hier müssen unsere jüdischen Frauen arbeiten, denn in den jüdischen Kindern liegt unser Heil. Antrag D r. Stahl: «Die Ortsgruppen sind verpflichtet, für ihre Mitglieder die JÜDISCHE RUNDSCHAU zu abonnieren. Bodcnhcimcr: Es sind verschiedene Vorwürfe gegen das Z. K. erhoben worden, und materiell haben die Herren recht. Aber die Schuld liegt vor allem daran, dass die Mitglieder des Z. K. über ganz Deutschland zerstreut sind. Es ist dies ein Zustand, der nicht länger dauern darf, als eine Aeudcrung unmöglich erscheint. Doch die Aenderung erscheint möglich, und es ist jetzt an der Zeit, den Herren, welche die Arbeit tun, auch die Verantwortung zu übertragen. Nun wurde mir aber von verschiedenen Herren erklärt, dass hierbei grosse Schwierigkeiten entstehen könnten. Obwohl ich hierher kam mit dem Entschluss, eine Wahl nicht anzunehmen, habe ich mich doch nicht diesen Befürchtungen vcrschlicsscn können und mich bereit erklärt, unter der Bedingung, dass das Z. B. in Berlin ein geschüftsfiihrendcr Aus- Schuss des Z. IC wird, aiizimehmen. Dies soll jedoch nur ein Ucbergangsstadium sein, und sobald wie möglich muss endgültige Ablilfe geschaht werden. Lin *Berlin); Wir dürfen uns nicht mehr länger dem Vorwurf aussetzeu. dass wir Zionisten Reden halten, aber nicht arbeiten. Wir müssen jetzt endlich daran gehen, überall Schulen zu gründen, wo die Kinder in unserm Sinne erzogen werden. Er regt an, eine Unternichtskommission zu wählen. Der diesbezügliche Antrag wird abgelchnt. Levlgard: Ich will heute noch weiter auf meine gestrigen Ausführungen betreffs der Presse ztiriickkomnicn. Herr Dr. Stahl hat vorhin den Antrag gestellt, die RUNDSCHAU obligatorisch. zu machen. Dem widerspreche kl. aufs energischste. Wenn man das in Süddeutschland machen würde, hätten wir bald alle Mitglieder verloren. Das Organ ist dazu nicht geeignet. Die RUNDSCHAU ist unser offizielles Organ, und dagegen kge ich Verwahrung ein, dass sic es künftighin sein s״!i. Antrag: Das Z. K. möge dafür sorgen, dass allwöchentlich der WELT eine Beilage gegeben werde, in welcher die üffentliehen Bekanntmachungen der deutschen Organisation gedruckt und weitergegeben werden sollen. Wir müssen uns mit allen Mitteln eine Zeitung schaffen, die dem Publikum gegenüber im allgemeinen parteilos ist. aber im einzelnen aufklärende Artikel in nationalem Sinne bringt. Barth beantragt die Herausgabe eines kurzgefassten Agitationsleitfadens und schlägt vor. dass diejenigen Herren in Berlin, welche bisher die Geschäfte geführt haben, die Oeschäfte weiter führen, und sich eventuell Leute zuwählen und hcranbildcn. Er bittet, gerade jetzt nicht wahllos alle Vorschlage anzimeluncn, sondern vorher sich ganz klar zu werden. Es handelt sich um das Wichtigste. Den Kernpunkt der Levigardschen Ausführungen halte ich für auserordentlich wichtig. Wir brauchen ein Organ, das unsere national-jüdischen Ideen vertritt und gleichzeitig etwas von der Eamilicnblattatmospliäre hat. Die RUNDSCHAU hat manche Fehler, doch darf man nicht übertreiben. Es wird zu wenig iiir die RUNDSCHAU mitgearbeitet. Frau Wagner (Berlin) weist auf die Jugendorganisation der Berliner Frauenvereinigimg mit Nachdruck hin. Locwtt stellt den Antrag, einen Herz 1 preis zu stiften, regt E a m i lieiiver b ä!1 d e zu gründen an. und wünscht eine nationale Agitation des Zionismus, der keine Aufsicht nötig habe. Dem II. Delegiertentag sind Glückwünsche von folgenden Ortsvrupnen und Gesinnungsgenossen zugeganen: Dr. E. Adler- Nordrach i. Schwarzwild. K e r z 1 - K I u b- Berlin-Charlottenburg. Zionistische Ortsgruppe Lübeck. Gustav Sch w a h e - Varel. Zionistische Ortsgruppe 1' r c i - b ti r g i. Br., gez. Kaut tu a n n . Kantor Blitz, z. Zt. Kissingen. L a 11 d s m a n n s c 11 a f t R u s s* I a 11 d . gez. 0 <> I U- 1׳ erg- Wilna. H a u p t b u r e a u des Jüdischen N a t i o n a Ii 0 n d s - Köln a. Rh.. Ado!! B ״ h m -Wien. Ortsgruppe K o s c 11m i n . gez. A. (Hock. Zionistische Ortsgruppe D 11 i s b u r g . gcz. Dr. Ei) stein. Siegismund .1 a e o b - Berlin. Nationaljüdische F r a 11 c 11 v c r e i 11 i g u n g - P o s e 11. Betty F r a u ־ k e n s t e i n ־ Seliöneberg. Ortsgruppe Strassburg i. Eis., gcz. Dr. C a I e I). K ö 11 i g s b c r g c r Zionistische Vereinigung. Verbindung im K. Z. V. .1 o r d a n i a - München. Zionistische Ortsgruppe M a n 1111 c i tu . Rabbiner Dr. Jose p 11 - Stoip. Zur frage der jüdischen Jugendorgar.lsaUensn Betrachtungen über ihre Aufgaben. Arbeitsweise und Gestaltung. In einer der letzten Nummern der JÜDISCHEN RUND- SCHAU regte Herr Gau Eden das schon oft diskutierte und so schwierige Problem einer jüdischen, resp. zionistischen Jugendorganisation in Deutschland von neuem an. Es gebührt ihm unzweifelhaft Dank dafür, dass er diese Frage gerade jetzt, noch vor dem Delegicrtentage angeschnitten und so <tazu Anlass gegeben hat, dass die Vertreter der deutschen Zionisten sich noch einmal mit ihr befassten, wenn auch wohl kaum zu erwarten war, dass der Delegiertentag bei seinem schon ohnehin so überaus reichhaltigen Programm in einer so eminent wichtigen Frage durchaus entscheidende und womöglich bahnbrechende Entschlüsse, die nun sofort in die Tat umgesetzt werden sollen, fassen würde. Immerliin kann jede eingehende und vor allem nicht allzu optimistische Erwägung der Frage nur zur Klärung der Sachlage beitragen und von Nutzen sein. Es fragt sich nur, wie wir uns denn eigentlich die Gestaltung dieser Jugendorganisation denken und was wir von ihr erwarten. Diese Frage ist durchaus nicht leicht klipp und klar zu beantworten, denn gleich hier stocken wir schon und fragen: ״Wen wollen wir organisieren?" Die höhere Schuljugend? Nein, denn da weiss jeder, dass dieses bei den deutschen Schulgesetzen ein Ding der Unmögliclikeit ist, dann etwa die Studentenschaft? Ja. die ist doch, soweit sie zionistisch oder national-jüdisch empfindet, schon im K.Z.V, oder im V.J.St., denen wir doch keinen Abbruch tun wollen, vereinigt! Die jungen Kaufleute? Das ist eine heikle Sache, denn wenn diese separat organisiert werden, so ist leicht die Gefahr vorhanden, dass diese allmählich den alleinigen Stempel des jüdisch-nationalen einbiisst mul halb und halb zu einer Berufsgcuosscnschaft auf jüdiscli-natlonaler Grundlage, wie der r.eugegrüudctc Handlungsgehilfen- Verband etwa wird, und das kann, so schön und sympathisch cs auch sein mag. doch nicht Zweck und, Endziel unserer jüdischen Jugendorganisation sein. Da bliebe meines Erachtens eben nur ein Ausweg, nämlich eine Organisation, in der Kauf- I c u t e und Akademiker auf gemeinsamer B:»sis arbeiten könnten, zu schaden. Es mag sehr schwielig sein, und ist cs vielleicht auch, wenn auch wohl nicht in dem Masse, wie es auf den ersten Blick hin erscheint, zwei in Beruf und Lebensweise so grundverschiedene, ausserdem in ihren ganzen Ansichten so ungemein stark divergirende Elemente, wie es im allgemeinen Akademiker und junge Kaufleute sind, auf einer Basis in einer Organisation zu gemeinsamer Agitation zusanunenzuschweissen. aber gerade bei uns Zionisten treten, worin mir wohl jeder, der die Verhältnisse kennt, beistimmen wird, diese Unterschiede bei Weitem nicht so stark hervor, als in christlichen und!lichtzionistischen Jüdischen Kreisen, Die gemeinsame Idee ist es hier, die bei

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