Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIII (1908)
- Issue
- Heft 25 (19.6.1908)
- Date
- 1908-06-19
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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יי י *'«fHf»»fy> ’r**\"J יו 11-4^11!tu /*!! ^־“■*—-t *' No• 25 JÜDISCHE RUNDSCHAU S:it 235 antizionistischer Kreise zn entziehen. Die Verwässerung des Zionismus droht von oben. Es besteht die Gefahr, dass unsere Führer in dem Bestreben, ihr Talent im Interesse des Juden* tmns zur Geltung zu bringen, gefährliche Kompromisse schlicssen, oder aber in satter Behaglichkeit auf dem F.rreich* ten ausruhend sich mit den anderen Organisationen, die la be* kanntlich auch aus ״guten Juden“ bestehen, möglichst freund* schaftlieh zu stellen suchen. Kein verständiger Zionist wird leugnen, dass es unter den Nichtzionisten sehr viele anständige Menschen gibt, die auch c;ne Art national-jüdisches Empfinden haben und dass es wünschenswert ist. in allmählicher Aufklärungsarbeit diese Kreise zu gewinnen. Wir halten es für ausserordentlich wich* tig. schon jetzt mit allen jüdischen Organisationen zusammen zu arbeiten, wenn diese Arbeit im Sinne des Zionismus gc* schiebt. Aber die Voraussetzung dafür »st, dass wir uns auf unsere Führer absolut verlassen können, dass der törichte Gedanke beseitigt , wird, der Zionismus sei zu radikal. Wir I1al>cu nichts als unsere Idee. Diese Idee ist gefürchtetaber auch geachtet! Geben wir sie aui. schlicssen wir Kont־ promisse, werden Wir gemässigter so ist der Zionismus tot. Die Jugend kann sich ttir eine Idee begeistern. Komitee- Sitzungen und offizielle Aussprachen sind ihr vollkommen gleichgiltig. Manche unserer Politiker Schemen das wichtigste Merkmal des Zionismus - - die Lösung des indischen Problems durch uns seihst und für uns selbst — als unwesentlich zu empfinden. Sie mögen selbst recht gute Zionisten sein, aber sie haben vergessen, was der Menge nottut. Die Menge muss fühlen, dass die Führer nicht nur arbeiten und Politik treiben, sondern dass sie starke Menschen sind, in denen die Überzeugung von der Richtigkeit des Zionismus wie eine ewige Fackel brennt. Wir fordern deshalb von unseren Führern unbeugsame Festigkeit der Gesinnung, wir fordern, dass sic den Zionismus stolz und aufrecht vertreten, dass sie eheT zu rücksichtslos als zu konziliant, eher Fanatiker als Kompromissler sind. Wir wollen gern alles Gute anerkennen, was die anderen Organisationen leisten, und mit ihnen zusammen arbeiten. Wir wollen in den Fragen der inneren Politik völlige Zui fiekhaltung üben. Wir wollen unsere eigene Organisation kühl und kaufmännisch verwalten, keinen Pfennig unserer Institutionen in kleinen Unternehmungen verzetteln. Wir wollen eine nüchterne und praktische Politik nach aussen unu nach innen treiben. Aber wir wollen nicht, dass mau durch faule Regnisatioii die Begeisterung tötet, dass die verzehrende Unzufriedenheit, die uns vorwärts drängt, durch satte Behaglichkeit ersetzt wird. Ich will nicht auklag'en — ich will nur warnen. Unsere Arbeit ist so furchtbar schwer, dass nur grosse Gesichtspunkte, innerste Überzeugung, restlose Hingabe an unsere Aufgabe den Sieg verbürgen kann. Der XI. Delcgiertentag hat dem deutschen Zionismus eine Zentralleitung in Berlin geschaffen. Mögen diu Männer, welche * diese! Leitung angeboren, die laute Forderung des Tages nicht überhören: Den Ruf der deutschen Zionisten nach einer starken und entschlossenen Führung! Richard L i c h t h e i m. XI. Oelegierterlag der deutschen Zionisten (Schluss des Berichts aus der vorigen Nummer.) D i c n s t a g N a c h m i 11 a g J U h r. Palüstinadcbattc. Dr. Sandler-Breslau betont die aus den Bedürfnissen Palüstinas nach Aerzten und Technikern und aus gewissen spezifischen Verhältnissen dev Orients sich ergebende Wichtigkeit des Projektes, in Palästina eine technische Hochschule zu errichten. Er beweist in längeren Ausführungen an der Hand von Zahlen, welche grossen wirtschaftlichen und moralischen Erfolge die Amerikaner durch die Gründung ihres College in Beirut im Laufe eines Jahrzehnts erzielt haben. Sodann bemängelt Redne! das geringe Interesse der Ortsgruppen an der Verbreitung von Palästina-Kenntnissen unter den Gruppcnmitgliedern. Selbst wenn die wirtschaftlichen Neu- Gründungen der Zionisten eine gute Dividende abwerfen werden, können wir erst dann eine Kreditbasis für uns schatten, wenn die Welt von den in Palästina erreichbaren Erfolgen hört. Es bedarf daher der unausgesetzten Aufklärungsarbeit, um die Vorurteile der Ausscnstehenden zu beseitigen und das Vertrauen und Wissen der Zionisten zu stärken. Dr. Hoppe (Königsberg) empfiehlt, dass Prof. Warhurg ähnlich wie der Kolonialsekrd.r Dcrnburg in Deutschland selbst mit Voi trägen für die. Palüstinasache cintrcten solle. Reich (München): Wir sollten weniger daran denken, neue Fonds zu gründen, wir sollten vielmehr unsere Agitation aiishaucn. Die Unkosten der Bank sollten reduziert werden. Der Bezalel finde leider noch immer nicht in weiten Krcisei! die ihm gebührende Wiitdigung. Das beste wäre, eine Ausstellung der Hauptarbeiten des Bezalels in allen jüdischen Hauptstädten zu veranstalten. Fortsetzung der Generaldebatte., Dr. Stahl (Tarnowitz) stellt den Anrag aut Anstellung eines bezahlten Parteisekretärs. Dieser soll auch die Quali-!!Kation zum Agitationsrcduer haben. Viel Geld könnte man dadurch sparen, dass dieser Sekretär auf א oder 1J Tagen Agitationsreisen •in die einzelnen Distrikte unternimmt, r.r soll ein festes Gehalt beziehen, die Spesen trägt der betreffende Bezirk. Levlgard (Frankfurt): Allmählich müssen wir zum System der bezahlten Arbeit übergehen. Das Gehalt müssen w ir, durch eine Umlage bei den Ortsgruppen miibringen. Theilhaber (München) unterstützt den Antrag, indem er auf den Redncrmangel hinweist. Schnelling (Hannover) möchte erst feststellen, ob durch Anstellung eines Sekretärs irgend etwas gebessert werden wird. . ,, . Dr. Hantke: Das Zcntralburcau ist ebenfalls der Meinung, dass ein solcher Sekretär sehr nützlich wäre. Aber wo sollen wir die Mittel hcruelmien? Man müsste es mit dem oberschlesischen Antrag verbinden. Die Ortsgruppe muss so viel abführen, als sie Scheklzahler besitzt. Wie sie die Gelder bcischafü. muss der Ortsgruppe überlassen bleiben. Deshalb bitte ich den Antrag abzulehnen. Dr. Heymann: Es ist eine Reduktion der Spesen unserer Bankinstitute gewünscht worden. Die Spesen der A.P.C.. die verhältnismässig grösser sind, als die der Deutschen Palästina- Bank, lassen sieh vielleicht ermässigen. Die hohen Spesen der I.C.T. liegen daran, dass die Bank statt mit •40 CH>0000 Mark nur mit 5 0יאא1יאי ins Leben trat und nur sehr wenig fremde Gelder als Depositen und Kreditoren zur Verfügung hat. Durch die Entwicklung der A.P.C. unddie Gründung der Konstantinnpeicr Institute wird aber nach und nach der Londoner Zentrale genügende Tätigkeit im eigenen Interesse gewährt, was sich in einigen Jahren deutlich zeigen wird. Deswegen ist es verfehlt, heute an der Bank grundlegende Reformen vornehmen zu wollen. Dr. Hantke macht die Vorschläge für die Wahl: Bodenlicimer als Präsident. Aus 7 Mitgliedern des Z. K. soll ein gesehüitsiiihrender Ausschoss gebildet worden. Hoppe: Es herrscht in zionistischen Kreisen nur eine Meinung darüber, dass die JÜDISCHE RUNDSCHAU und die WELT den Anforderungen nicht entsprechen und wenig tauglich sind für die Propaganda. Es ist leichter, für ein Organ gute Artikel zu schaffen, als 1'iir zwei. Daher erscheint es am zwcckmüssigstcn. beide Organe in eins. DIE WELT, zu verschmelzen und für die deutschen Zionisten eine besondere Beilage mit Vercinsnacliriehten. Mitteilungen des Zentralhureaus zu schatten. Die WELT muss natürlich nach Berlin verlegt werden. Ltchthelm: Ich bitte Sie. Dr. Hantkcs Vorschläge anzunehmen. Wir sind gewiss mit der Tätigkeit des Z.B. zufrieden, wir verlangen aber noch weit mehr, als bisher geschehen ist. Das Zentralkomitee ist arbeitsunfähig. Schaffen Sie eine aktiousfühige Parteileitung. Wir haben über wichtige Fragen Referate gehört, aber wer soll die gefassten Beschlüsse ausführen, wenn Sie keine Parteileitung haben? Noch wichtiger ist. dass Sic das Vertrauen wieder herstellen, das in weiten zionistischen Kreisen fehlt. Deshalb müssen wir eine zielhe« wusste Leitung haben, der wir vertrauen und die uns verantwortlieh ist. Lassen Sie diese Reformen nicht an den Personenfragen scheitern, die ja zweifellos Schwierigkeiten bieten. Da noch keine Persottalvorschlage gemacht sind, beschränke ich mich auf die Bemerkung: Berauben Sie sieh nicht aus Parteirücksichten der wenigen bedeutenden Männer, die der deutsche Zionismus hat. יי^יייי"