Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIII (1908)
- Issue
- Heft 25 (19.6.1908)
- Date
- 1908-06-19
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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^w7 Seite* 234 JÜDISCHE RUNDSCHAU No. 25 seinen irischen Fortselitftt liemnten. Die Losung ist eine trisefifrühiiehe Agitation. Aut der einen Seite steht der Monismus, der das neue, junge Judentum vertritt, auf der andern Seite die bewusste und die unbewusste Assimilation, wir sind uns darüber einig, dass wir bei den Anglciciiungsparteicn keinen einzigen Freund Ecsitzen, der den ganzen Weg mit uns geben will, oder auch nur einen Teil, wenn er nicht gerade uns benutzen zu können glaubt für seine eigenen oft recht entgegengesetzten Wege. Um so mehr müssen wir alle Mann auf Deck rufen 711 einer einmütigen Agitation, zu einer neuen Propaganda, die sich besonders an die jüdische akademische und kaufmännische Jugend zu wenden hat. In der Propaganda unseres nationalen Gedankens, in der Auffassung des Zionismus, n dem Wissen von seiner Notwendigkeit, in dem Willen, ihn zum Siege zu itihren, sind wir alle einig. Daneben stehen verhältnismässig geringe Unterschiede, die nicht grösser werden dürfen als die einigenden Momente. Aber der Dclegiertentag hat. wie das von uns vorqusgesehen wurde, nicht die Probleme innerhalb des Zionismus beseitigt, sondern er hat sie diskuss'onsiähig gemacht. Naeliden! wir gesehen haben, dass diese Fragen uns nicht trennen können, sondern geeignet sind, uns zu fruchtbringendem Nachdenken über die Grundgedanken des Natiomtljiidenttims anzuregen, ist es Zeit, die Debatte über die auf dem Delegiertcntage augeschnittenen Probleme zu eröffnen. Sonn ist auch nach dieser Richtung der Breslauer Tag kein Abschluss sondern der Beginn neuer fruchtbringender Gedankenarbeit. Und damit treten wir in die Debatte über den Breslauer Dclegiertentag und die von ihm angeregten Probleme. Heinrich Sachse. Die Forderung des Tages Der XI. Dclegiertentag war eine Enttäuschung. Zwei Jahre lang hatten wir gehofft, die alten Gegensätze seien beseitigt, das Programm in seiner Reinheit wieder licrgcstellt und damit die Möglichkeit zielbewusster Propaganda gewonnen. In der Tat: Der Streit um die Fiage. ob man mir politisch ״der mich praktisch arbeiten solle, ist erledigt. Fr wäre auch nicht jahrelang mit solcher Erbitterung geführt worden ,wenn nicht von Anfang au Momente niitgcspielt hätten, die mit der Eragc der Arbeitsmethode nichts zu tun hatten. Es ist eine Binsen- Wahrheit, dass man nur solche praktische Arbeit leisten darf, die dem praktischen Ziel dient und im Rahmen der türkischen Gesetzgebung und Verwaltung möglich ist. Es ist eine Binsen- Wahrheit, dass man gewisse notwendige Arbeiten bereits heute misfülireu kann und aiisführcu muss, um den Zionismus zu einer• Volksbewegung zu machen, das Land und die Menschen für giösscre Entwicklungen vorzuberciteii. Der Kampf innerhalb der Organisation entstand infolge des Misstrauens der Parteien: Die ״Politischen" sahen ganz richtig, dass viele der sogenannten Zione-Ziou die Bedeutung des Zionismus als einer grossen politischen Bewegung mehl hegrü'fcn hatten und daher die Mittel der Partei, in kleinen Unternehmungen zu verzetteln drohten. Die ״Praktischen“ wiederum argwöhnten -- gleichfalls nicht ohne Berechtigung — dass viele der sogcuaimtcn ״Politiselien׳‘ kein Verständnis fiir die Palästinarbeit hatten und mit der neuen Kunst der Diplomatie Götzendienst trieben. Dass dieses Misstrauen noch immer nicht ganz verschwunden ist, «fass auf Kongressen und Delegiertentagen noch immer von jenen beiden Parteien geredet wird, hat seinen Grund in gewissen Personenwagen. Die Wortführer des Zionismus, die an den! alten Streit beteiligt waren, erscheinen dem Publikum und auch sich selbst noch immer als Träger gegensätzlicher Prinzipien und das alte Misstrauen erwacht, sobald sie die Rednertribüne besteigen. Für ,uns ist der Streit erledigt. Aber schon längere Zeit sahen wir neue Gegensätze sich entwickeln und der XI. De Jegiertentag hat uns belehrt, dass noch ein Kampf aiisgcfochtcn werden nuiss,־der in seiner prinzipiellen Bedeutung nicht umwichtiger ist, als die Frage der Pahistinaarheit. Wir bemerken mit Erstaunen, dass sich in der Diskussion unseres Verhältnisses zu den grossen Jüdischen Organisationen frühere Gegner brüderlich die Hände reichen, dass sie die Arbeiten des Hilfsvcrcius und der Alliance mit grosser *Beredsamkeit loben und fiir uns nur deii dringenden Rat wissen, mit diesen Organisationen, die so Kolossales leisten, zusammen zu arbeiten. Und haben die Heuen nicht ganz recht? Ist cs nicht veriiimftig. sich mit dun Hilfsvtrein über die Pahistinaarheit zu verständigen, in der Alliance und in den Logen, ja seihst im Zeutralvcrciii mitzuurbeitcii. um im persönlichen Verkehr dein Zionismus Anhänger oder zum mindestens verständnisvolle Betruchter zu gewinnen? Niemand könnte dagegen etwas einwenden. Wir meinen aber, dass es überflüssig und vielleicht sogar schädlich war, mit solcher Emphase für eine Verbriidermigspolitik ein/.utreteu. ohne die Voraussetzungen und die zu crwai tciidon Resultate vom zionistischen Stand- Punkt zu hekijcliten. Herr Dr. Klee meinte, wenn er einen guten Freund habe, der ihn am' seinem Spaziergang nach Potsdam wenigstens bis Wannsee begleiten wolle. $<» wäre c$ töricht, diese Begleitung ab/nlelincn. Gewiss. Weint aber mein guter Freund unverständige Eltern hat, die Potsdam fiir eine Pesthülile halten und mich einen Narren neunen, weil ich dorthin gehen will; wenn sie meinen Freund warnen, mich nur ja nicht über W'annsee hinaus zu begleiten und we,nn mein Freund feierlich geloht, dass er sich schon vor meinen Torheiten schützen werdedann ist tnir das Vergnügen andern gemeinsamen Spaziergang verdorben. Ich werde mich sehr kurz fas.sesi und sagen: ״Wenn du mitkommcii willst, so soll es mich treuen, anderenfalls muss ich auf deine Begleitung verzichten.‘‘ Ganz gewiss aber werde ich cs verschmähen, fortwährend meine Haunlosigkeit zu beteuern und zu versichern, dass mir dieser gemeinsame Spaziergang unendlich wichtig sei. Denn täte ich cs. so läge der Gedanke nahe, dass mir an der Ktmeinsa m c 11 T o 11 r bis W a n 11 s e e mehr g e 1 c g c n sei. als an der Erreichung meines Zieles. Wissen wir denn nicht ganz genau, wie die Stimmung der deutschen Juden ist? Es ist erfreulich, dass der gegenwärtige Geschäftsführer des Hilfsvereins in Palästina nach Methoden arbeitet, die der Zionismus seit I י Jahren propagiert. Was kann uns jedoch sofern wir Zionisten sind und nicht etwa die gemeinsame Aktion mit dem Hilisverein höher schätzen, als die Erreichung unserer Ziele - was kann uns veranlassen, das Verdienst des Hilfsvcrcius so laut zu preisen und die Übereinstimmung unserer Arbeitsmethoden öffentlich zu verkünden, bevor der Hilisverein u 11 s c r Verdienst unerkannt hat? Eine würdige Politik ist das nicht, und wenn der Ziotiisiiius seine Würde verliert, so verliert er das Einzige, was er Fat oderhabeu könnte. Dass Herr Dr. Klee eine derartige Politik empfiehlt, die seinem Ziel, der Vereinigung aller jüdischen Oroanisationeii. dienen soll, ist immerhin verständlich. Nur gehörte seine Rede nicht a 11 ו einen zionistischen Delegiertentag. Aber auch Herr Dr. Heymann. der früher einer der eifrigsten Verfechter des Pafästinismiis, ja sogar zeitweilig Mitglied der russischen Landsmannschaft war, begeisterte sich für die westeuropäische Jndenheit und wusste vom Zionismus mir zu sagen, dass er ..seine Methoden ändern müsse", um Erfolge zu erzielen. Das• sind Symptome. Wir haben alle Veranlassung, die Augen ofien zu halten. Gewisse Vorkommnisse der letzten Zeit haben deutlich bewiesen, dass cs gerade unter den söge- ('nuntcii F'iihreru des deutschen Zionismus Leute gibt, denen die innere Kraft fehlt, sich dem Einfluss nichtzionistischer und