Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIII (1908)
- Issue
- Heft 25 (19.6.1908)
- Date
- 1908-06-19
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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So bcsucht ist wohl noch kein einziger deutscher Delegiertentag gewesen. Der Umstand, dass die Tagung im Osten des Reiches stattgeiunden hat, dabei in einer 11 ralten deutschen Gemeinde, hat c:n viel grösseres Publikum angelockt als das bisher der Fall gewesen, und der Erfolg hat den Entschluss diesmal nach dem Osten zu gehen vollauf gerechtfertigt. Die Stimmung des Deleglertentagcs war im Allgemeinen eine recht ruhige. Die Probleme, die Vorlagen, waren im Allgemeinn nicht dazu angetan, die Gemüter allzusehr zu erhitzen. Alan war darüber einig, dass die Frage der politischen Beteiligung der monistischen Partei an den innerpolitischen Verhältnissen des Deutschen Reiches durch die klare Zwecksbcstimnumg des Zionismus ausgeschlossen sei und so fand der Referent allgemoTien Beifall und keinerlei Widerspruch. Viel wichtiger wurde die Frage der Beteiligung am Jüdischen Gemcindeleben, für das Rechtsanwalt Dr. Kollcnschcr an einem sehr sorgfältig durchdachten und nvt Kenntnis der einschlägigen Verhältnisse gearbeiteten Reierat die Grundlage e:ncr neuen Entwicklung vorfülirtc. Der Delegiertentag hat wichtige Arbeit geleistet, als er die Grundlage schuf, um auf diesem Plane eine praktische Arbeit aufzuführen. Hier lieged die Wurzeln unserer Kraft und liier muss eingesetzt werden. D:.e im Referat nicdcrgelcgten Leitsätze, die die einstimmige Billigung der im Delegiertentage vertretenen Organisation fanden, werden Leitsätze zionistischer und jüdischer Gemeindearbeit für Jahrzehnte hinaus bilden müssen. Die Frage des Verhältnisses zu den andern jiidisehen Organisationen war der eigentliche Hauptpunkt der Diskussion und dort kamen die alten Gegensätze in anderer Form als früher wieder zu Tage. Man kann rvcht gerade sagen, dass es die Gegensätze zwischen Vermügensstünden sind, die hier zum Ausdruck kamen, aber sie mögen unbewusst mitspiclen. Man fühlte sich ein wenig vielleicht als Bourgeois und Demokraten, wobed diese Gegensätze sehr cum grano saiis aufzufassen sind. Die demokratische Richtung *ist im Allgemeinen dieselbe, die schon früher das Palästinaprinzip schärfer betonte, ohne darum gegen den politischen Gedanken, ohne den sie ja nicht existieren kann, irgendwie . im Gegensatz sich zu fühlen. Abter es hängt eben mit dem demokratischen Prinzip das nationale Moment aufs innigste untrennbar zusammen. Die andere. Richtung suchte mehr das, wovon sie s’cli (inen augenblicklichen Vorteil verspricht, auch wenn das nationale Element etwas dadurch in den Hintergrund gedrängt wird, und möchte den grundsätzlichen Gegensatz zwischen NatioluFiudentum und den alten Gruppen im Judentum mögliehst wenig sehen lassen, wenngleich er ihr ircht minder klar und deutlich ist. Jedenfalls ist es keine Frage, dass das Verhältnis zu den andern Organisationen der springende Punkt der Diskussion war. der auch nicht dadurch aus der Welt geschafft w'rd, dass eine Rcsolution angenommen wurde, wonach die Zusammenarbeit mit den andern Organisationen empfohlen wird, soweit sie gewissen Bedingungen entsprechen. Diesen in der Resolution ausgesprochenen Bedingungen entspracht aber eigentlich nur eine einzige Organisation und das ist die zionistische. Auf einem ganz andern Brett steht freilich die Zusammenarbeit mit andern OragnisatUricn in Palästina selbst. Darüber war wohl nirgends ein Zweifel, dass wir uns an der Palästinaarbeit freudig beteil'gen wollen, von welcher Seite sie auch ausgeht, und dass cs eben nur unsere Pflicht ist, dafür unsererseits zu sorgen, dass diese Arbeit stets von den grossen nationalen Gesichtspunkten aus in d e Wege geleitet wird, die unser!» Zionistniis Charakter und Farbe verleihen. Die Einigkeit des Zionismus über den Unterschieden zwischen einzelnen Gruppen und Vermügensklassen hat sich wieder einmal unzoUdoutig gezeigt und auch in religiösen Fragen herrschte Bei! aller Gegensätzlichkit darüber Einhelligkeit, dass die Institutionen des Z:0!1ismus nach wie vor die jüdischnationaleu Traditionen zu wahren haben, und dass nichts offiziell zu geschehen hat, wodurch d e Anhänger irgend einer religiösen oder imreligiösen Richtung im Judcntimic verletzt werden können, ln relegiösvr Hinsicht stand der Delegiertentag gemäss den Grundsätzen und der Geschichte des Zionismus auf dem Standpunkte, dass jede Partei im Judentum, die das nationale Egeutum respektiert, gleiche Berechtigung habe und dass bei voller wissenschädlicher Freiheit das natiouate Moment jedem zeigen müsste, was er im Interesse des Judentums zu tun und zu lassen habe. Der Delegiertentag wollte kehle Knebehing der freien Meinung haben. In eine grosse Propaganda Versammlung klang der Delegiertentag folgerichtig aus. Demi er hat auch sonst den Beweis geliefert, dass der Zionismus sich von den inneren Disknss:oncn so weh abgekehrt hat, als sie ihm 1 i I 1 »y®^**g*׳*«*Ä ff■ *׳■*מיי*׳« *m * ursf1 1