Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIII (1908)
- Issue
- Heft 24 (12.6.1908)
- Date
- 1908-06-12
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2651273-2651552-2651576--05696-2662735- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
1 M l!1 ' 4 1* ו I י * v! ■ ן;,; |? ־! 1 t > Seite 230 JÜDISCHE RUNDSCHAU No. 24 lanten nidclicn. sondern nur die Unklaren, die keine Anschau־ 1ןוזו haben, für uns gewinnen. Man kann doch auch nicht sagen, dass das Zusammenarbeiten mit den Organisationen ein Rückschritt für den Zionismus ist es ist vielmehr ein Fortschritt. Es ist durchaus nicht nötig, dass wir in den übrigen Vereinen,!in denen wir sind, unsere Anschauungen verbergen. Der Zentralvcrein tut auch viel schlimmer, als er in Wirklichkeit ist. Unser Standpunkt gegenüber den meisten dieser Vereine muss der sein, dass wir sagen, cs ist ganz gut und nützlich, was sic־ tun, aber Rettung des Judentums ist es nicht. Prinzipiell sind wir gar nicht so weit von Herrn Feiwel entfernt, aber wir müssen dem Umstand Rechnung tragen, dass hunderte von uns in anderen jüdischen Organisationen sind, und wir müssen einen Modus vivendi finden. Dr. Halpern (Hamburg): Das Zentrum der Bewegung liegt jetzt in Deutschland; es wäre im Interesse der Sache besser, w’enn es im Osten läge, wo die Berührung mit den indischen Massen eine innigere ist. Der Standpunkt Dr. Klees, dass es nicht darauf ankommt, was in den Programmen der jüdischen Organisationen steht, sondern was die leitenden Männer sagen, ist gefährlich. Denn leider ist cs auch bei uns so. dass zwischen den!, was die leitenden Männer sagen und was in unserem Programm steht, oft genug ein Widerspruch besteht. Die Rede, die Dr. Klee heute gehalten hat. würde keinen zum Zionismus bringen. Die Darstellung, die er von unserem Yerhältnis zu den jüdischen Organisationen gab. entsprach nicht der Wirklichkeit, denn an ein Zusammenarbeiten ist vorläufig gar nicht zu denken. Das zeigt die Brüsseler Konferenz, welche ein Misserfolg war. Dr. Halpern kritisiert Sodann in scharfer Form das Verhalten Dr. Klees in der Öffentlichkeit. Mau kann nicht zugleich offizieller Vertreter des Zionismus und Agitator für die JTO sein. Wie sollte man einem Juden nach den Reden Dr. Klees fiir die JTO klarrnacheii. dass er demselben Dr. Klee als Zionisten sich anschliessen soll. — Auch unser neues ABC-Bue!1 bringt eine gänzlich irreführende Darstellung fiber unser jetziges Verhältnis zur JTO und die Bedeutung der JTO-Plänc. Man gewinnt aus ihm den Eindruck, dass die JTO eine bedeutsame ernst zu nehmende Bewegung und Organisation ist. Das entspricht aber nicht den Tatsachen. Dr. Gronemann hat die übrigen Organisationen ebenso stark diskreditiert, wie Dr. Klee sie erhoben hat. Die Wahrheit äst. dass nicht w i r ihnen näher kommen sollen, sondern abwarten sollen, bis sie unsere Mitarbeit wünschen. Wiener (Kattowitz) befürwortet die Gründung eines Genieindeverbandes und einer Hiliskasse fiir schwache Gemeinden für das ganze Gebiet Prcussens. Er wendet sich ferner gegen den Verband Liberaler Juden, in welchem Leute, deren Kinder getauft sind, vielfach das grosse Wort führen. — Reformen des Kultus, die nur für einen Teil der Judenheit in Frage kommen, sind grundsätzlich abzulchtien. Zum Schluss wendet sich der Redner gegen die Ausschlicssung der ausländischen Juden in Baden von der. Wahlberechtigung für die Gemeinden. Dieser Beschluss äst ein schwerer Vcrstoss gegen den Gedanken der jüdischen Gemeinschaft. Dr. Ellas Auerbach (Berlin): Die Haltung der Zionisten in d£r badischen Synode ist ein schwerer Verstoss gegen die Grundlagen national-jüdischer Anschauung. Wir müssen deutlich von dieser Art Kompromisspolitik abrücken. Die Hauptfrage fiir unsere Betätigung in Politik, Organisationen und Gemeinden ist: Wohin steuert die Politik, die wir verteidigen, und die Politik, die wir bekämpfen. Die Politik, die wir bekämpfen, ist die Politik der Assiniilation. Die Politik, die wir fördern, ist die Politik der Erhaltung des Judentums. Die Politik des Zentralvereins ist zum letzten Ende die Politik der Assimilation. Dazu das Betonen des deutschnationalen Standpunktes. Wir haben keinen Grund, uns mit solchen Bestrebungen freundlich zu stellen. Der Zentralvcrein versperrrt uns den Weg zu lausenden deutscher Juden, weil er ihnen das Verständnis ii׳r wahre jüdische Politik unmöglich macht. Es geht nicht an. zu sagen, dass Assimilantcn keine jüdischen Organisationen gründen. Sie sind freilich nicht konsequent, aber sie ebnen der cndgiltigen Assimilation deii Weg. In der politischen Betätigung der Juden gilt dasselbe. Die Regierung hat ein Interesse au dem Verschwinden des jüdischen Volkstums; eine Durchiührung der Emanzipation in wahrem Sinne ist von ihr nicht zu erwarten. Ihre Unterstützung durch die. Juden w ird nur wenigen Juden zugute kommen. Die jetzigen Paitciverschiebungen in Deutschland sind nichts neues für die Juden; es ziehen sich wieder liberale Parteien allmählieb von ihnen zurück. Die Blockpolitik bedeutet fiir die Juden eine; weitere Förderung der Assimilation, wenn sie sich ihr anschliessen. In der Organisation indischer Gemeindeverbände w׳erden wir, so wünschenswert dieses Ziel ist. nicht weit kommen. da die Tendenz der preussischcn Regierungspraxis im ganzen letzten Jahrhundert ihr entgegen steht. Unsere Parole hat zu lauten:!11 allen jüdischen Fragen sind wir zuerst Juden, in allen deutschen Fragen zuerst Deutsche. Dr. Heymann (Berlin): Seitdem klar geworden ist. dass der Charter fiir Palästina erst nach längerer Zeit zu erhalten ist, müssen wir 1ms darauf einrichten. Wir haben danach zu streben, Macht, Mittel und Einfluss zu gewinnen. Seit 1903 haben wir weniger Fortschritte gemacht, als andere Organisationen. Unsere Methode muss sich ändern. Wir müssen uns den anderen Organisationen nähern, die von durchaus guten und bewussten Juden geleitet sind. Redner empfiehlt die Resolution Friedemann—Hcyniann. Dr. Israel Auerbach (Hamburg): Es ist gefährlich, eine ganz platte Nützlichkeit politisch zu verfolgen, denn sie hat die unangenehme Begleiterscheinung, dass sie unsere Bewegung als moralische Persönlichkeit kompromittiert. Wir sind aber durchaus auf diesem verhängnisvollen Wege, wenn wir riickhaltslos und wohllos eine Anbiederung an die. anderen Organisationen versuchen wollten, ohne dass von der anderen Seite an uns herangetreten wird, oder trotzdem wir. wie vom Zentralvcrein oder der JTO, bekämpft werden. Friede mann: Es ist heute wieder einmal der Zionismus gerettetworden. Aber das wirkt nicht mehr und cs hat auch keinen Zweck. Als Dr. Klee sein Referat hielt, hatte ich den Eindruck, er hat recht, und als Herr Feiwel oder Halpern sprachen, fiatte ich auch den Eindruck, als hätten sie recht. Dr. Pincus berichtet über die Kommission zur Beratung { dei Koilcnschen Thesen. Diese wurden in zwei Teile zerlegt, nämlich Thesen fiir heutige Arbeit, und dann solche die eine Änderung der Judengesetze anstreben. Diese Thesen sollen mir Richtlinien bilden, die Ausführung im einzelnen muss den einzelnen zionistischen Arbeitern überlassen bleiben. Die Gleichberechtigung der In- und Ausländer als prinzipielle Forderung ist vonn der Kommission besonders hinzugefügt. Im Anschlüsse hieran und die folgende Debatte wurde eine Kommission zur Bearbeitung der Gemcindeaiigelcgenheiten unter dem Vorsitz, von Dr. Kollenschcr gewählt. Lin legt eine Resolution über die Erziehungstätigkeit der Zionisten Deutschlands namens der Berliner Bnci Zion vor. die dieser Kommission als Material überwiesen wird. Die Resolution Auerbach—Locwe— Becker gelangt zur einstimmigen Annahme in folgendem Wortlaut: ,.Der elfte Delegiertentag in Breslau missbilligt aufs sehäriste die Stellungnahmeder zionistischen Mitglieder der badischen Synode, in der Frage des Getncindewahlrechts der ausländischen Juden und sieht in ihrer Haltung einen Vcrstoss gegen die nationaljüdischen Grundsätze des Zionismus." Es folgt die Debatte über die Resolution Struck—Friedentann, inbetreff der Sabbatrulic. Während die ersten beiden Absätze allgemeine Zustimmung finden, entspinnt sich über den dritten Punkt, welcher von der offiziellen zionistischen Presse neutrales Verhalten gegenüber allen religiösen Fragen verlangt, eine heftige Debatte unter zunehmender Erregung. Nachdem schliesslich die Antragsteller diesen dritten Ab- «atz zurückgezogen haben, gelangen die beiden ersten Abschnitte in folgender Form zur einstimmigen Annahme: 1. Der deutsche Delegiertentag bedauert aufs lebhaiteste, dass in den offiziellen zionistischen Büros in Köln am Sabbatlt gearbeitet wurde, und begrüsst mit Genugtuung die Erklärung des Präsidenten, dass Vorsorge getroffen worden ist. die Wiederholung solcher Vorkommnisse auszuschlicsscn. 2. Der deutsche Delegiertentag steht auf dem Boden der Erklärung Herzh: Der Zionismus unternimmt nichts, was gegen das Religionsgesetz des Judentums verstösst. In der Nachmittagssitzung fand die Palästinadebatte statt, zu der Dr. Sandler, Dr. Hoppe und andere Anregungen brachten. Weiter wurdet» organisatorische Kragen: Parteistkretär. Propaganda. Presse etc. besprochen. Genauer Bericht ioigt. Schlußsitzung Dem Zentralkomitee wird Decharge erteilt. Für den von Dri Locwe angeregten Herzlpreis stellt das Präsidium des Kartells zionistischer Verbindungen die ersten hundert Mark zur Verfügung. Es folgen die Wahlen zum Zentralkomitee: Als Präsident w׳ird per Akklamation Herr Dr. Bodenhcimer gewählt (Grosser Beifall.) Nach dem Vorschläge der Konimission werden statt der bisherigen 15 ietzt t9 Mitglieder ins '־־. t ׳Mi f**! f \ דייייי■