Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1908-06-12 · Heft 24 (12.6.1908) · page 14

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIII (1908)
Issue
Heft 24 (12.6.1908)
Date
1908-06-12
Page
– (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2651273-2651552-2651576--05694-2662733
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

j,* ►יי מיין¬¬! י, ו|, i* .! 4! t!I י Seile 228 JÜDISCHE RUNDSCHAU gilt föj־ Haus und Stallung, während sie für das Inventar, Saat und Unterhalt sieh das nötige Geld selbst erworben haben müssen, oder doch nur dann hierzu kleine Vorschüsse eihalten sollen, wenn sie sich wahrend einer längeren Lehr zeit als zuverlässig erwiesen und die nötige Sachkenntnis er langt haben. Das ist das Prinzip, welches die in Gründung begriffene Palestine Land Dcvolopment Co. in geschäftliche Formen einzuklcidcn versucht, wobei sic sich im wesentlichen auf die Erfahrungen der preussischen Ansicülungskotnmission und der Landbanken stützen wird. ־" In eigene Verwaltung wird die Gesellschaft nur eine Lehrfarm nehmen, die dazu dient, den zukünftigen Pächtern und Rcntcngutshesitzern die nötigen Erfahrungen beizubringen, und die Herden für die Pächter aufzuziehen. Auch ist es ganz im allgemeinen wünschenswert, einen Besitz zu haben, auf dem NfjWcrungcn ausprobiert werden können, Saat ticrangczogen werden kann usw. Gerade Jetzt ist das dem Natioualfond gehörende und von der neuen Gesellschaft auf 99 Jahre gepachtete Landgut Duleika-Umedschtini am Ausfluss des Jordan aus dem Tibcriassec in Bearbeitung genommen, so dass im Herbst nach der gerichtlichen Eintragung der Gesellschaft in London, die Gntswirtscbaft, wie wir hoffen, in vollem Betriebe ist. Es ist dies der erste systematische Versuch in Palästina, vermögenslose Arbeiter durch ihrer Hände Arbeit auf rein geschäftliche Weise in den Pächterstand überzuiiiliren, und diese daun allmählich zu selbständigen Bauern zu machen. Von den 50 000 Piund Kapital, welche die P.L.D.C. aufbringen will, sind leider erst 2700 Piund gezeichnet, und zwar von ca. 950 Aktionären; in Deutschland sind 838 Stücke bei 236 Aktionären untergebracht, aber in sehr ungleichmassiger Weise. Am meisten Aktionäre, nämlich 30, zeigt Königsberg, aber freilich nur mit 36 Aktien, während Köln mit 1 Aktionär 50 Aktien besitzt, Ratibor mit 14 Aktionären hat 18 Aktien, Posen mit 27 Aktionären hat 40 Aktien, Leipzig mit IS Aktionären hat 32 Aktien gezeichnet; Breslau mit 10 Aktior.i.ren besitzt 60 Aktien, Berlin mit 21 Aktionären sogar 281 Aktien; besonders hervorgetan haben sich als Sammler Herr Sambursky in Königsberg, P Chaniizer in Leipzig, Herr Schcrck in Posen und Herr Schachtel in Breslau. Die Agitation zeigt deutlich, dass, wo nur ein Zionist sich ernstlich für die neue Gesellschaft interessiert, er mit Leichtigkeit einige Dutzend der Shares abzusetzen vermag, und dass die so häufig erhaltene Antwort, cs ist keine Stimmung für die P.L.D.C., nichts weiter bedeutet, als: es ist hier niemand, der persönlich zur Zeichnung auffordern will. Ich muss gestehen, dass ich bezüglich des Verlaufs der Eingänge für die P.L.D.C. etwas enttäuscht bin; ich hatte geglaubt, dass es nicht schwer sein würde, für ein so einfaches und rationelles Unternehmen, das zwar keine grossen Dividenden verspricht, aber auch kein Risiko in sich schlicsst, etwa 1000 Aktionäre ä 160 Mark zu erhalten. Aber ich muss leider konstatieren, dass selbst die Wohlhabenden unter den Zionisten noch bei weitem nicht alle auch nur eine einzige Aktie gezeichnet haben. Es Ist klar, dass die Gesellschaft nur dann eine grosse und grundlegende Bedeutung erlangen kann, wenn sie auch von den Zionisten in genügender Weise unterstützt wird. . Wir haben lange gezweifen, ob wir diese Gesellschaft auf zionistischer Basis errichten sollten, oder ausserhalb der Bewegung; im letzteren Falle wäre sic zweifellos schon viel weiter in Bezug auf Kapitalbeschaffung. Andererseits aber sagten wir uns, dass es für den Fortbestand der Bewegung dringend nötig sei, dass sie auch einmal etwas grossziigig gedaphtes in die Praxis überführe. Der Natioualfond und die Oelbaumspendc sind durch die Art des Sammelns sowohl als auch durch die Art der Verwendung zu sehr beschränkt, um No. 24 nach aussen viel Eindruck zu machen, und die Bank ist sicher zu alt, um noch von einer grossen Agitation für dieselbe viel Erfolg erhoffen zu können. Eine grosse Landgesellschaft entspricht aber sowohl dem Bedürfnis nach weit ausschauender Arbeit als auch der zionistischen Liebe zum Lande. Ich glaube, es bedarf nur dieses kurzen Hinweises, um die bisher schleppende Agitation in Fluss zu bringen. Jede Ortsgruppe sollte ihren Ehrgeiz darin suchen, gerade diese Gesellschaft zu fördern. Es handelt sich ja liier nicht um Spenden, sondern um Festlegung von Kapital, das früher oder später zweifellos eine genügende Verzinsung geben wird, dafür sorgt schon die zunehmende Wcrtstcigcrung des Landes an sich und die bedeutende Wertvermehrung infolge der Amclioration. Man sehe sich doch die älteren Kolonisten an; fast ohne Ausnahme sind sie durch die Wertsteigerung des Landes zu Gcldc gekommen und manche sind sogar geradezu reich dabei geworden; warum sollte nun eine vorsichtig arbeitende Land- und Parzellierungsgescllschaft unter ebenso günstigen Bedingungen schlechter fahren? Vieles hat der Zionismus als solcher ja nicht mehr in bezug auf wirtschaftliche Aufgaben z.u leisten. Den Agrar- Kredit wird der Nationalfonds mit Hilfe der Bank organisiercu, die Bank seihst kann noch einige Filialen gründen. Für die Versuchsstation und das genossenschaftliche Gut wird der Nationalfonds den Boden hergeben und ev. die Gebäude hauen; das ist so ziemlich alles, was sich für die nächste Zukunft voraussehen lässt. Umsomehr sollte man sich bcmühen, um die wenigen angefangenen Aufgaben auch zu Ende zu führen. K u 11 u r f r a ge n. Was Kulturiragen betrifft, so hat ja der Zionismus noch grosse Auigaben. an die er endlich einmal licrantrctcn muss, will er sich nicht vom Hilisverein der deutschen Juden völlig an die Wand drücken lassen. Wenn man sieht, was der Hilisverein mit ca. 770 000 Mark, die er im letzten Jahre in Palästina aufgewendet hat, allseitig für Ehren eingeheiinst hat, und wie fruchtbringend er wirklich gearbeitet hat, so müssen wir unwillkürlich fragen: Können wir Zionisten denn das nicht auch fertig bringen? Wir, die wir behaupten, für Palästina zu arbeiten, wir, weit über 100 000 Zionisten, können wir nicht auch jährlich mindestens 100 000 Mark für Palästina schaffen? Und wenn wir von den 100 000 Mark die Hälfte als eisernen Palästina-Kulturfonds, die andere Hälfte für Unter- Stützungen in Palästina verwenden, werden wir nicht einen ganz anderen Einfluss• daselbst erlangen wie bisher, wo man allgemein in Palästina den Zionisten vorwirft, dass sic. abgcsehen von der Bank, nichts Vernünftiges gemacht haben? Doch mit dieser eminent wichtigen Frage der Errichtung eines Palästina-Kulturfonds neben dem Nationalfond und Parteifond komme ich schon in das Gehege des folgenden Redners. Ich konnte aber nicht mein Referat über die wirtschaltlichen Fragen schücssen. ohne einen Ausblick auf die Kulturabgaben, denn wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung sind zwei Zwillingsschwcstcrn, die verkümmern, wenn man sie von einander trennt. Und warum rolle ich gerade hier, vor den deutschen Zionisten, alle diese Fragen auf, die doch allgemein zionistisch sind? Warum betrachte ich gerade den deutschen Delegierteutag als das richtige ׳Forum zur Erörterung dieser Probleme? Ich will in einem Bilde antworten: Ich stelle mir die zionistische Bewegung als einen Strom vor, der entsprungen ist mit vielen Quellen in wilden, zerklüfteten Bergländern; dort hastet und wirbelt er durcheinander, in vielen Strömungen und Läufen, Schaum und Gischt spritzend, aber nicht zu ruhiger Arbeit, gelangend. Nur fiir kleine Wassermühlen eignet er sich, aber nicht fiir grosse Wasscrarbeiteti. Weiter A

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.