Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIII (1908)
- Issue
- Heft 24 (12.6.1908)
- Date
- 1908-06-12
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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«MV* *1mm* I *L . *W% . No. 24 JÜDISCHE RUNDSCHAU ז--- - - - -.-■׳-~-’~״׳־׳, A ‘-<*‘׳'A׳״~A־—י Seile 227 hinaus festzulegen. Es wird im wesentlichen von der Unter- Stützung ,der ypni^Syndikat zur Reife ’ gebrachten Projekte durch das* Privatpumikurn ־־abhangen, ob die Tätigkeit des Syndikats eine* früentbririgehde sein wird; würden wir uns; hierin irren, so würde das Syndikat durch Begründung einer einzigen Industrie sein Kapital bald erschöpft hüben. Infolge des starken Wunsches vieler russischer und ruinä- , nischcr Stanmiesgcnossen, ihre Kapitalien und ihre Arbcitskraft in Palastian zu fruktifizieren, ist schon' mancher Anfang einer Industrie geschaffen worden, ich erinnere nur an die grösseren Mühlcnbetriebc, wie z. B. in Scrubabei, in Jerusalem, an die Oelraffincric und Sciieufabrik Hathid bei Ramie und Haifa, an die Stein'schc Maschinenfabrik in Jaiia, die schon zwei Jahre hindurch über 20 Prozent Dividende gezahlt hat und jetzt im Begriff steht, nachdem sie sich als englische de- Seilschaft hat eintragen lassen, ihr Kapital zu erhöhen. In dieser Beziehung hisst sich noch vieles machen, besonders bezüglich der keramischen und der Konservcn-Industrie, sowie in bezug auf Spinnerei und Weberei. Anfänge sind schon vorhanden, aber meist fehlt es au Kapital oder an Fachkenntnis, zuweilen auch an beiden. Für den ruhigen Beobachter des Landes kann es einem Zweifel nicht unterliegen, dass die nächsten Jahre der palästinischen Industrie einen nicht unbedeutenden Aufschwung bringen werden, besonders wenn in zwei Jahren die beschlosseite Eisenbahn Haifa—Jerusalem fertiggestellt sein wird. KI e i n i n d u s t r i e. Erirculich ist cs, dass man in Palästina nicht mehr ausschliesslich auf Hilfe von ausserhalb wartet, sondern dass man dort jetzt Organisationen schafft, um sich selbst zu helfen. Und In der Tat ist die Klcinindustrie in Palästina noch einer bedeutenden Ausdehnung fähig. So bezweckt die vor kurzem gegründete Gesellschaft Bnei Jehuda in Jerusalem allgemein die Hebung von Gewerbe und Industrie in Palästina; sie hat eine kleine Weberei errichtet und plant eine Wollspinnerei; ihre Abteilung Kodescli Mikodcsch (Heiliges vom Heiligen) will die Herstellung von Kultgegenständen für den lokalen Gebrauch und den Export organisieren; Leuchter, Tiifilin, Mesusoth, Mcgiloth, Bibel, Hagadait, Gebetbücher usw. sollen dort für die ganze Welt hergestellt werden. Auch Kreditvercine werden jetzt überall unter Mithilfe der Anglo Palestinc Co. gebildet; so zählt der Kreditverein in Jaffa 190 Mitglieder und hat im vorigen Jahre 60000 Fr. Dar- Ichcn seinen Mitgliedern gewahrt; auch ein Tischlervcrein existiert in Jaffa. Die Anglo Palestinc Co. hat nicht weniger als 500 000 Fr. jüdischen Industriellen, Fabriken usw. im letzten Jahre als Darlehen gegeben. K u n s t g e w e r b e. Die Palästina-Kommission hat sich ausser der Gründung des Palästina-Industrie-Syndikats auch durch die Gründung der Kunstgewerbcschule ״Bezalel־‘ um die Industrie verdient gemacht. Es ist ja bekannt, dass diese Schule jetzt eins der schönsten Häuser Jerusalems bewohnt, das, zusammen mit dem Nachbarhause, vor kurzem mit Mitteln des Nationalfonds angekauft wurde. Während das zweite Haus, das vermutlich später das Museum beherbergen wird, noch von einer amerik&nischcn Schule bewohnt wird, ist das Haus des Bezalel schon bezogen worden. Gerade jetzt hat die Einweihung stattgefunden, und zwar wurde damit eine Ausstellung der Schülerarbeiten verbunden, die derart starken Besuclu und zwar auch seitens der offiziellen Kreise, wie der Konsulate und Behörden, aufwies, dass viele Leute keinen Zutritt erlangten und die Ausstellung deshalb verlängert werden musste. Zweifellos ist Palästina ein Land, wo das Kunstgewerbe zu grosser Blüte gebracht werden kann, wenn sie den orientauschen Stil den w׳estlichen Bedürfnissen anzupassen versteht, und es ist das Bemühen der beiden Hauptlchrer des Bezalel, des Bildhauers Prof. Schatz und des berühmten Malers Hirszenberg, diese Verbindung in einer solchen Weise horzustellen. dass neben dem allgemeinen orientalischen Milieu auch die jüdische Eigenart und die palästinische Lokalnuance hierbei nicht zu kurz kommt. Es tut mir leid, konstatieren zu müssen, dass der Bezalel seitens der Zionisten bisher nicht die Sympathie gefunden hat, die er verdient; wenigstens spricht sic sich nicht in tatkräftiger Förderung aus. Von den ca. 600 Mitgliedern, die der Verein Be2alcl jetzt besitzt, sind kaum die Hälfte bewusste Zionisten. Eine kleine Förderung und Agitation seitens der Ortsgruppen resp. uie Bildung von Lokalkomitccs, würde gc^ migen. um die Zahl der Mitglieder zu verdoppeln, und damit die Knnstgewerbeschulc aus ihrer finanziellen Unsicherheit resp. aus ihrer Abhiingigkcitvon nicht zionistischen Faktoren zu befreien. Landwirtschaft. Aber Mandel und Industrie können sieh nicht entwickeln, v ein! nicht eine gesunde Landwirtschaft die Basis liefert, und daher war von Anfang an das Hauptbestrebcn der Palästina- Kommission der palästinischen Landwirtschaft zugewendet. Die wichtigsten Studien mid in der Zeitschrift der Kommission ALTNEULAND!md PALÄSTINA veröffentlichten Aufsätze beziehen sich hierauf und auch die damit zusammenhängenden Fragen der landwiitschaftlichen Arbeiten, des Häuserbaues und des Agrarkredits. Es si'id recht schwierige und komplizierte Fragen, um die ts sich hier handelt, aber man darf wohl sagen, dass wir auch in Bezug hierauf in den letzter. Jahren ein gutes Stuck weiter gekommen sind, und dass man schon erkennen kann, dass all die verschiedenen Versuche, die in Palästina gemacht sind und gemacht werden, in einem grossen Strom ausmünden werden. Man hat früher zionistischcrseits mit Verachtung aut die falschen Methoden des Baron Rothschild, der J.C.A. und der Kolonisationsvereine herabgesehen, und als die Palästina-Kommission ihre Vorschläge, die sich zu Kongressbcschlössen verdichtet hatten, ausführen wollte, hat man wohl von unpraktischen Praktikern gesprochen, aber schliesslich hat sich doch herausgestellt, dass es im Grunde mir eine einzige Methode gibt, die zu befriedigenden Resultaten führt, das ist die ruhige, ausdauernde, verständnisvolle und fleissige landwirtschaftliche ArbeiL Ob Privatpersonen mit eigenem Oelde arbeiten oder mit geliehenem, ob es Genossenschaften sind mit jährlichen Beiträgen der Mitglieder oder mit Bankkredit, ob das Land zusammen!)leibt, resp. vor oder nach der Anlage der Pflanzungen parzelliert wird, das sind alles sckuudäre Fragen. Die Hauptsache ist die, wie erhält man das richtige Mcnschcrmaterial, wie kann man dem Menschenmaterial die richtige Kenntnis beibringcn, und wie kann man es zur Ausdauer und Sesshaftmachung bringen. .Arbeiter für die Landwirtschaft melden sich genug, aber nur wenige halten in Palästina länger als einige Wochen bei dieser Arbeit aus. Ls ist das zwar ein Prozess der natürlichen Auslese, der unvermeidlich ist, aber manche, die im übrigen recht gut zu Arbeiten passen würden, verlassen das Feld der Ehre, da sie für sich keine Zukunft sehen. Um sie sesshaft machen zu können, dazu bedarf es erstens des ’Landes, zweitens des unbeweglichen Inventars, d. 11. der Häuser und Stallungen, drittens des beweglichen Inventars. (Vieh und Geräte) und viertens der Vorschüsse tiiv Saat und Lehensunteihalt. Der Fehler der früheren sogenannten Wohltätigkeitskoloni.sation war der, dass man den zukünftigen Kolonisten alles gab, und damit das wichtigste Motiv, das eigene Interesse, mehr oder weniger ausschaltete. Das von uns augestrebte Ziel ist, dass die angehenden Kolonisten Land entweder überhaupt nur in Pacht erhalten, oder doch in einer Form, dass sic erst nach völliger Auszahlung Besitzer werden, das gleiche f * t :- , i K \ t > n T - € t י יו fr «j......•*» * ־־‘־