Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIII (1908)
- Issue
- Heft 24 (12.6.1908)
- Date
- 1908-06-12
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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- Haifa 2× ep/1047930
- Beirut 1× ep/1047833
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No. 24 Seite 226 JÜDISCHE dass der Verein auf gleiche Weise, in gemeinsamem Betriebe mit Kolonisten, jahraus jahrein neue Fruchtplantagen wird anlegen können. Da die erzielten Ernten den Mitgliedern zu Lebzeiten in Gestalt von Palästinagaben zufallen, so kann der Verein erst nach Ableben der einzelnen Mitglieder Nutzniesser der Pflanzungen werden; immerhin ist es eina cbsolut sichere Ptcphczeiung, dass der Verein mit der Zeit zu grossen Mitteln gelangen wird. Eine einfache Rechnung wird Ihnen nun zeigen, was der Verein zu leisten vermag, wenn er.jährlich, wie bisher, nur 150 neue Mitglieder zu werben imstande ist. 150 Mitglieder mit der einmaligen Spende von 80 Mk. bedeutet die Schafiung ^Iner Pflanzungs-Neuanlagc im Werte von 12 000 Mk., resp.( spater eine .lahrcsrcntc für den Verein von mindestens 1200 Mk. Nach 20 Jahren würde also der Verein immerhin die Anwartschaft haben auf eine Jahresrente von 2000 1־ Mk. Ich bin aber der Ansicht, dass, wenn die au der jüdischen Tradition hängenden Kreise wirklich, erstens um das Gebot zu erfüllen, in Palästina einen Fruchtgarteu zu haben, und zweitens, um die Mittel für ihre Kulturbestrebungen in Palästina zu erlangen, dem Vereine in Menge beitreten und die Leitung desselben in die Hand nehmen wollten, der Verein anstatt 150 Mitglieder jährlich, deren mindestens 1011(1 erlangen könnte, und dann würde es sich um eine jährliche Steigerung der Jahresciimahmen nicht um 12״׳: Mk.. sondern um 8000 Mk. Iiandchi. Wie leicht würden sieh mit diesen Geldern später sämtliche auf traditionellem Standpunkt stellenden Schulen Palästinas erhalten lassen, ohne dass man dann noch nötig Mitte, fiir das Misraclü-Gymnasium erst den Klingelbeutel herumgehen zu lassen. Sie sehen also, w enn Sie wollen, ist auch der Ihlunzungsverein ״Palästina״ durchaus kein Kinderspiel. Von weiteren organisatorischen Arbeiten der Palästina- Kommission müssen vor allem noch die geschäftliche n Unternehmungen erörtert werden. Handel. Mit dem Handel, sonst der Domäne unseres Stammes, scheinen wir in unserem Stauimlandc wenig Glück zu haben; bisher liegt der Grosshandel Palästinas• im wesentlichen in den Händen von Griechen und Arabern. Da der Handel eine Sache ist, bei welchem der Privatmann, der schnelle Entschlüsse fassen kann, im allgemeinen im Vorteil gegenüber schwerfälligen und durch Statuten behinderten Gesellschaften ist, so muss derselbe im wesentlichen der privaten Initiative überlassen bleiben, und die Palästina - Kommission konnte nichts weiter tun. als belehrend und aufklärend zu wirken. Hingegen ist sie bei der Gründung der Hamburger Palästina- Handelsgesellschaft, welche dem Import palästinischer Waren gewidmet ist, tätig gewesen. Leider hat cs diese Gesellschaft nicht verstanden, in Palästina grössere Geschäftsverbindungen anzuknüpfen, andererseits ist sie durch Verluste beim griechischen Koriutengeschäft infolge des Konsurses eines־ grossen griechischen Kaufmannes so mitgenommen, dass es kaum wahrscheinlich ist, dass sie diesen Schlag überstellen w irü. Im allgemeinen kann man aber sagen, dass zwar gewohnliche kleine Betrügereien, z. B. durch Beschwerung der Wolle mit Steinen und Schmutz, auch in Palästina häufig %׳orkommen, dass aber solche Schwindelgeschäfte, wie sic die griechischen Kauflcute Konstantmopeis. Griechenlands und Kleinasicns machen, bei den jüdischen und arabischen Kaufleuten Palästinas so gut wie ausgeschlossen sind. Der Misstriolg der Palästina-Handelsgesellschaft ist also keineswegs den palästinischen Zuständen zur Last zu legen. Im übrigen wird ja der Handel in erheblichem Masse von der Anglo-Palestinc Co. in Jaffa. Jerusalem und Beirut unter-!stützt, jener von dem Jewish Colonial Trust finanzierten Bank, ■ die Im letzten Jahre nicht weniger als 2 Millionen Mark an jüdische Kauflcute ausgelielicn hat und auch schon mit einer RUNDSCHAU zahlreichen arabischen und christlichen Kundschaft arbeitet. Besonders erfreulich ist, dass• diese Bank sogar die Anerkennung unserer Gegner gefunden hat, und dass die durchaus bürokratisch geleitete und daher Neuerungen gegenüber wenig zugängliche Jewish Colonial Association, JCA genannt, allmählich armingt, sich derselben an Stelle der christlichen Banken für kleinere Geschäfte zu bedienen. ו Bedauerlich ist es aber, dass* noch immer keine wirklich kap:r:.’kräftigen jüdischen Kauflcute cs der Mühe wert gefimden haben, sich als Exporteure oder Importeure in den Küstenstädten Jaffa, Haifa, Gaza zu installieren. Jetzt, wo sic in den dortigen Kauflcuten so ausgezeichnete Landeskundige und in der Bank einen so guten Rückhalt besitzen, sollte es doch nicht allzu schwer sein, mit den griechischen und arabischen Kauflcuten zu konkurrieren, und den Export der grossen Artikel, wie Gerste, Wolle, Sesam etc. in die Hände zu bekommen, zumal da doch der Handelsumsatz Palästinas in geradezu erstaunlicher Weise zimimmt. Z. B. stieg der Gesamtwert des Imports und Exports von Jaffa von 1905 und 1906 um •19 Prozent, d. 11. von 8.30 000 £ auf 1 160 009 £. und zwar verteilt sich die Zunahme in ungefähr gleicher Weise auf Einfuhr und Ausfuhr. Der Petroleum-Import hat sich z. B. in den letzten 6 Jahren verdoppelt, was speziell dem steigenden Petroleiimverbrauch der Landbevölkerung und der Zunahme der Petrolcunimotoren zuzuschichcu ist, die wiederum eine Folge der Anlage neuer Oraugengärten ist. Aber auch die Baumw ollwaren und besonders Baumaterialien, Holz und Eisen, werden in schnell steigender Menge cingefiihrt, infolge der grossen Bautätigkeit in den jüdischen Kolonien und den Städten Jerusalem. Jaffa u־td Haifa. In Jerusalem sind vor wenigen Wochen 200 ne׳• erbaute Häuser vollendet worden und in Jaffa ist die Baiotigkeit eine verhältnis-massig noch grössere; die jüdische Baugesellschaft Agiudath Baith, die auch von unseren offiziellen Institutionen ein grösseres Darichen erhalten wird, beabsichtigt sogar, demnächst einen ganz neuen Stadtteil in Jaffa der Bebauung zu erschlossen. Auch in Haifa rüstet sich alles auf den ln den nächsten Jahren ganz sicher cintrctcndcn Aufschwung; Haifa ist ja der Ausgangspunkt der Hcdjazbahn, der Hafen soll dort ausgebaut werden und dann wird es mit Hilfe der jetzt beschlossenen Bahnverbindung mit Jerusalem auch wohl der Haupthafen des palästinischen Fremdenverkehrs werden. Vorläufig ist die jüdische Gemeinde dort noch sehr klein, aber es ist zweifellos, dass sic sich schnell entwickeln wird, namentlich wenn, wie zu erwarten ist, der Hilfsvcrein dort eine Schule und auch das Technikum gegründet haben wird. Energischen Kautleuten ist daher vor allein zu empfehlen, sich an diesem, bald einer rapiden Entwicklung entgegengehenden Platze auzusiedeln; neben der Zunahme des Warenexportes und Importes kommen auch die Lieferungen für die Regierung und die Verw־al(ut!g der Hedjazhalm sehr in Betracht, die grösstenteils* von Haifa aus vergeben werden. Zur Ermöglichung solcher grösseren Geschäfte kann die Einrichtung einer Filiale der Anglo-Palestinc Co. in Mafia nicht dringend genug ungeraten werden. 111 d u s t r i c. Einer korporativen Behandlung weit besser zugänglich als der Handel ist die Industrie. Um diese zu fördern, hat die Palästina-Kommission die Gründung eines• Palästina-Industrie- Syndikates veranlasst, das, vorläufig mit 100 000 Mk. bcgründet, momentan mit Vorarbeiten in Palästina beschäftigt ist. Der Arbeitsplan des Syndikates geht nicht dahin, selbst Industrien in Palästina zu betreiben, sondern informative Materialien zu erlangen, Konzessionen zu erwerben und zu verwerten, Projekte auszuarheitcu und die Finanzierung der Betriebsgesellseltaftcn in die Hand zu nehmen. Sclbstverstündlich ist .das Syndikat.genötigt, sehr vorsichtig zu arbeiten, um nicht gezwungen zu sein, sein kleines Kapital auf Jahre